Ennstal

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Das Ennstal aus der Luft nach Norden
Blick von der Hochwurzen ins Ennstal Richtung Nordost, im Tal unten Schladming
Blick vom Fastenberg nach Nordwest Richtung Gemeinde Pichl-Preunegg
das Ennstal bei Altirdning, rechts im Bild die Kammspitze

Das Ennstal ist das Flusstal der Enns in den Ostalpen.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Das Ennstal erstreckt sich über 125 km in der Steiermark in ost-westlicher Richtung, sowie im Osten einer Krümmung nach Norden durch das Gesäuse. Man unterscheidet zwischen dem oberen, dem mittleren Ennstal und dem unteren Ennstal.

Begriffserläuterung

Der Begriff Ennstal stammt aus dem Jahre 1005, als König Heinrich II. in einer Urkunde „Ensitala“ erwähnt. Spätere Urkunden sind zusätzlich Beleg für die Bezeichnung.[1]

Gebietsabgrenzung

Diese Gebietsabgrenzung stammt von Dr. Franz Höpflinger aus dessen Beitrag "Die Vögel des steirischen Ennstales und seiner Bergwelt".

Er definiert das steirische Ennstal mit dem Flusslauf der Enns von deren Eintritt beim steirisch-salzburgischen Grenzort Mandling bis zum Ausgang des Gesäuses bei Hieflau. Seine Südgrenze verläuft entlang des Hauptkamms der Niederen Tauern, die die Wasserscheide zum Flußgebiet der Mur bildet. Diese Südgrenze endet auf der Walder Höhe (845 m ü. A.) und verläuft von dort in nordöstlicher Richtung durch das Radmertal nach Hieflau. Die nördliche Grenze des Ennstals bildet der steirische Teil des Dachsteinstockes mit seinen östlichen Ausläufern Stoderzinken, Kammspitze und Grimming, und dann weiter im Norden das Mitterndorfer Becken und die Teile des Toten Gebirges und der Ennstaler Alpen (jener Teil, der zur Steiermark gehört).

Beschreibung der Landschaftsformen[2]

Das Flussbett der Enns trennt das Kalkgebirge im Norden vom Urgebirge im Süden. Das Kalkgebirge weist den Charakter in den typischen Formen ungegliederter, weiter Hochplateaus mit mächtigen Wandfluchten oder in steil aufstrebenden, zerscharteten und zersägten, oft geradezu in dolomitenartigen Formen sich zeigend, auf. Im Urgebirge südlich der Enns zeigt sich jedoch ein ganz andersartig gestaltetes Landschaftsbild. Ein mächtiger Nadelwaldgürtel beginnt bereits im Tal, über dem sich die weiten Almen befinden. Daran anschließend erstrecken sich die oft stundenweit hinziehenden Joche und Kämme des Hauptkamms der Niederen Tauern. Hier befinden sich auch die mächtigen Ketten der Schladminger, Sölker und Rottenmanner Tauern.

Ihr Wasserreichtum tritt in Form unzähliger Quellen, Bäche, Gebirgsflüssen, Wasserfällen und zahlreichen Seen bildlich in Erscheinung und diese Gebiete dadurch zu beliebten Wandergebieten macht. Im starkem Gegensatz zur unglaublichen Wasserarmut des Kalkgebietes.

Das Ennstal selbst weitet sich langsam vom westlichen Beginn bis Öblarn. Bei Stainach und Admont formt es beckenartige, weite Talböden. Östlich von Admont wird das Ennstal in den wildromantischen Engpass des Gesäuses "gezwängt". Das Tal selbst ist überwiegend von Wiesen bedeckt (wo nicht durch Gemeinden bebaut), in denen die unzähligen für das Ennstal so charakteristischen Heustadel stehen.

Kleinere Bergrücken mitten im Tal, die eine reichliche Bewaldung aufweisen findet man bei mit dem Mitterberg bei Öblarn, dem Kulm bei Irdning und dem Lassinger Mitterberg. Unterbrochen wird das Ennstal manchmal noch von kleinen Auwäldern oder Schilfdickicht. Vor etwas mehr als hundert Jahren bedeckten noch mächtige Schilfbestände fast das ganze Ennstal von Aich bis zum Gesäuseeingang. Sie waren hin und wieder durch Auwald unterbrochen. Dort fand sich eine überaus reiche Wasser- und Sumpfvogelwelt fand darinnen ihre Wohnstätte.

Mit der Ennsregulierung ab 1860, die umfangreiche Entwässerungsarbeiten mit sich brachte, verschwanden Schilfrohr, Auwald und ihre Vogelwelt immer mehr.

Im Ennstal gibt es nur einen einzigen natürlichen See, den Putterersee in Aigen im Ennstal. Der Gaishornsee im Paltental wurde abgelassen und trockengelegt. Ausgedehnte Moore erstrecken sich im Mitterndorfer Becken, bei Wörschach und zwischen Selzthal und Admont.

Orte in Salzburg

Orte des Ennstals, das in Salzburg Ennspongau genannt wird, in der Reihenfolge des Flussverlaufs sind: Flachauwinkl, Flachau, Reitdorf, Eben im Pongau, Altenmarkt, Radstadt und Mandling.

Orte in der Steiermark

Von West nach Osten: Schladming, Haus im Ennstal, Pruggern, Gröbming, Öblarn, Sankt Martin am Grimming, Irdning, Stainach, Wörschach, Weißenbach bei Liezen, Liezen, Selzthal, Ardning, Hall, Admont, Weng im Gesäuse, Hieflau, Großreifling, Weißenbach an der Enns und Altenmarkt bei Sankt Gallen.

Orte in Oberösterreich

Von der Grenze der Steiermark bis zur Donau: Weyer Markt, Großraming, Reichraming, Losenstein, Ternberg, Garsten, Steyr, Ernthofen, Krondorf und Enns.

Geschichte

das Ennstal auf einer historischen Karte

Geschichte der Besiedelung

Die ersten Menschen kamen während der mittleren Altsteinzeit (400 000 – 40 000 vor unserer Zeitrechnung) in die heutige Steiermark. Hinweise auf Besiedelung finden wir in der Salzofenhöhle in Lieglloch im Toten Gebirge. Durch die neolithische Revolution wurden die Menschen sesshaft und gaben das Jagen und Sammeln auf. Um 4000 kamen die ersten Menschen ins Ennstal, um sich dort sesshaft zu machen. Bevorzugt wurde die breiteste Stelle des Ennstals, also der Bereich um das Schloss Trautenfels. Bergbau und Holz für die Sicherung der Stollen und zur Herstellung von Kohle waren wesentliche Beschäftigungsfelder. Die Diversifikation des Handwerks stiftete den Bau von Handelsverbindungen an, die in Form von Verkehrswegen und Gebirgsübergängen realisiert wurden.[3]

Illyrer

Mit den Illyrern entsteht die weltweit bekannte Hallstattkultur, die einer ganzen Periode ihren Namen gab. 700-500 v. Christus war die Hochphase dieser Zeit, die gekennzeichnet war durch die außerordentliche Bedeutung der Salzgewinnung. Die ganze Region inklusive dem Ennstal wurde davon erfasst. Zu dieser Zeit ist die Landschaft des Tals mit sumpfigen Böden geprägt. Südhänge waren daher vermehrt besiedelt und landwirtschaftlich genutzt. Gegenstände aus der Hallstattzeit sind Zeugen der Lebensweise der Bevölkerung in dieser Region. Die Kleidung war Großteils aus Leder und Schafwolle, teilweise auch mit farbigen Mustern. Unterkunft boten Holz- oder Blockhäuser, die mit Almhütten vergleichbar sind.[4]

Kelten

Die Illyrer wurden von den Kelten vertrieben. Das Ennstal wurde nun dem keltischen Königreich Noricum einverleibt. Um 500 v. Christus gab es eine befestigte Anlage am Kulm bei Aigen im Ennstal. Darauf lässt sich schließen, dass das Ennstal strategisch von großer Bedeutung war. Zahlreiche Orts- und Flurnamen sind keltischen Ursprungs. Der Handel wurde ausgeweitet, womit der Sölkpass einer großen Wichtigkeit zukam. Weitere Pässe wie der Pyhrnpass, Glattjoch oder die Triebener Tauern ermöglichten einen regen Handel.[5]

Römisches Reich

Mit der stetigen Ausdehnung der Römer kamen auch die Ennstaler in Kontakt mit dem Imperium. 15 v. Christus wurde das keltische Königreich Noricum vom römischen Reich friedlich annektiert. Noricum wurde römische Provinz. Das Ennstal bot den Römern eine Durchzugsmöglichkeit, vor allem für das Militär. Die römische Kultur hielt nun Einzug in das Tal. Vom Kaiser Maxentius Severus wurde die Heilkraft des Wassers zwischen Grimming und Kamm bestätigt. Die Endphase der Antike ist gekennzeichnet durch stetige Krisen und schließlich den Zerfall des römischen Reichs. Gründe sind das Eindringen von Stämmen im Zuge der Völkerwanderung in das Reichsgebiet, darunter auch in das Ennstal.[6]

Slawen

Die slawische Besiedelung fand von 500 bis 600 statt. Aus dieser Zeit stammen Ortsnamen wie Schladming, Gröbming, Irdning, Lassing oder Liezen. Neben den Awaren kamen auch die Bajuwaren in das Gebiet des Ennstals. Letztere waren die ersten deutschen Siedler. Ab diesem Zeitpunkt wurde wieder vermehrt Ackerbau und Viehzucht betrieben, der Talboden und die Berghänge wurden nutzbar gemacht, Wälder wurden gerodet. Damals gab es Gehöfte sogar bis auf 1 300 m ü. A.. Später wurden sie aufgegeben bzw. nur mehr als Nebenhöfe (Lehen) geführt und nur mehr im Sommer bewirtschaftet. Das von Slawen besiedelte Land swiki:Karantanien wurde später von den christlichen Bayern annektiert und das Ennstal kam somit zum Fränkischen Reich.[7]

Bayern

Mit Karl dem Großen wird um 830 die Grafschaft im Ennstal realisiert. Der Bezirk Liezen wurde dadurch in seiner jetzigen Form erstmals wesentlich geprägt. Zu dieser Zeit ist Admont in der Gegend vorherrschend, urkundlich erwähnt wurde es erstmals 859. 1074 wird das Stift gegründet und bewirkt einen wirtschaftlichen Aufschwung der Region. Um 1000 war das Ennstal Teil des Herzogtums Kärnten.[8]

Traungauer, Babenberger und Habsburger

Seit den Traungauern wurde das Tal weiter erschlossen. Trockenlegung der Sümpfe und Seen und Rodungen von Wäldern erschufen neuen Ackerboden und Wiesen. 1180 wurde die Steiermark zum Herzogtum erhoben. Mit dem Tod von Otakar 1192 wird die Steiermark Österreich eingegliedert. 52 (? Jahr?) herrschten die Babenberger, bis das Interregnum kam – die herrscherlose Zeit. Weniger die politischen Konflikte, sondern mehr der beschwerliche Alltag beschäftigten die Ennstaler. Heuschreckenplagen, Viehseuchen und Klimaveränderungen und die Pest erschwerten das Leben. Die Türken erreichten das Ennstal nie, weil die Burg Strechau die türkische Offensive stoppte. Mit dem Ende des Interregnums durch Rudolf I. herrschten die Habsburger über das Ennstal.[9]

Geographie

Die Entstehung des Ennstals

Das Ennstal wurde glazial geformt. Während der Eiszeiten hat der Eisstrom des Gletschers das Tal geformt. Die Eisdecke hatte dabei eine Mächtigkeit von bis zu 700 Meter. Während der Würmeiszeit reichte der Gletscher bis zum Gesäuseeingang. Durch Bergstürze, Hangrutschungen und Schottermassen aus den Seitenbächen haben sich Becken herausgebildet, die früher Seen waren und im Laufe der Zeit verlandeten. Beispiele sind das Selzthaler Becken, das Wörschacherbecken und das Irdningerbecken. Zeugen dieser verlandeten Seen sind heute noch vorhandene Nieder- und Hochmoore. Flaches Gefälle führte zur geringeren Fließgeschwindigkeit, dadurch begann die Enns zu mäandrieren. Die Fußsohle wurde höher und Hochwasser war die Folge. Das erklärt die Tatsache, dass das Tal damals wenig besiedelt wurde, weil es verkehrs- und siedlungsfeindlich war. Höhere Hanglagen und Schwemmfächer wurden daher bevorzugt. Reguliert wurde die Enns erst um 1860 unter Kaiser Franz Joseph I.. Ab diesem Zeitpunkt wurde der Talboden auch landwirtschaftlich genutzt. Die glaziale Serie macht sich auch in den Gebirgsstöcken bemerkbar.[10]

Klima

Die Abgeschirmtheit durch das Dachsteinmassiv ist im oberen Ennstal ein ausschlaggebender Faktor für geringere Niederschlagsmengen als im mittleren Ennstal. Schladming hat im Jahresmittel knapp 1 000 mm als Jahresmenge, während Admont bereits 1 228 mm erhält. Auch die Unterschiede zwischen Minimum im Spätherbst und Frühwinter bzw. dem Sommer nehmen zu, so dass insgesamt von einer leichten Zunahme in Richtung kontinentales Klima gesprochen werden kann.

Jännermittel: -5 bis -4°C;
Julimittel: +16 bis +17°C

Im Ennstal dominieren westliche Winde. Nachts ist der gesamte Talabschnitt sehr windschwach mit erhöhter Kalmenhäufigkeit. Nebelbildung tritt jedoch nicht mehr so oft in Erscheinung wie im östlichen Ennstal (Schätzwert für Schladming etwa 50 Tage/Jahr gegenüber 72 Tagen in Aigen im Ennstal und 90 Tagen in Admont). Auch das Phänomen des Hochnebels kommt seltener vor. Die Schneesicherheit im Oberen Ennstal liegt bei etwa 100 Schneedeckentagen.

Bei der Sonnenscheindauer gibt es kaum Unterschiede zum zentralen Ennstal ( Irdning 45% im Jahresdurchschnitt, beste Jahreszeit der Herbst mit bis zu 55% im Oktober).

Fremdenverkehr

Die ersten Fremdenverkehrsgäste kamen in den 1920er und 1930er Jahren. Seit damals entwickelte sich das Ennstal zu einem der bedeutsamsten Fremdenverkehrsziele Österreichs. Im Jahre 1992 gab es in der Dachstein-Tauern-Region bereits 23 000 Betten. Das Ennstal gilt im Winter als auch im Sommer als Urlaubsziel. Der boomende Fremdenverkehr hinterließ auch seine Spuren im Landschaftsbild.

Neue Infrastruktur und der Rückgang der Beschäftigten im Agrarsektor prägten das Ennstal stark. Vor einigen Jahrzehnten lag der Anteil der Erwerbstätigen im Primärsektor noch bei 70 %. Vor allem die Bergbauern mussten ihre Höfe aufgeben oder einer Nebenerwerbstätigkeit nachgehen.[11]

Bilder

Quellen

  1. Pürcher Alois: Erlebnis Ennstal Schladminger Tauern, Graz, 2000, S. 22.
  2. Quelle Dr. Franz Höpflinger aus dessen Beitrag "Die Vögel des steirischen Ennstales und seiner Bergwelt
  3. Pürcher Alois: Erlebnis Ennstal Schladminger Tauern, Graz, 2000, S. 18.
  4. Pürcher Alois: Erlebnis Ennstal Schladminger Tauern, Graz, 2000, S. 18-19.
  5. Pürcher Alois: Erlebnis Ennstal Schladminger Tauern, Graz, 2000, S. 20.
  6. Pürcher Alois: Erlebnis Ennstal Schladminger Tauern, Graz, 2000, S. 20-21.
  7. Pürcher Alois: Erlebnis Ennstal Schladminger Tauern, Graz, 2000, S. 21; Hagspiel, Bernadette; Hagspiel, Erich (Hgg.): Faszination Ennstal. Ein fotografischer Streifzug durch das steirische Ennstal mit Blicken ins Ausseerland und das Paltental, Irdning, 1993, S. 13.
  8. Pürcher Alois: Erlebnis Ennstal Schladminger Tauern, Graz, 2000, S. 21-22; Hagspiel, Bernadette; Hagspiel, Erich (Hgg.): Faszination Ennstal. Ein fotografischer Streifzug durch das steirische Ennstal mit Blicken ins Ausseerland und das Paltental, Irdning, 1993, S. 13.
  9. Pürcher Alois: Erlebnis Ennstal Schladminger Tauern, Graz, 2000, S. 22-23.
  10. Hagspiel, Bernadette; Hagspiel, Erich (Hgg.): Faszination Ennstal. Ein fotografischer Streifzug durch das steirische Ennstal mit Blicken ins Ausseerland und das Paltental, Irdning, 1993, S. 11-12.
  11. Hagspiel, Bernadette; Hagspiel Erich (Hgg.): Faszination Ennstal. Ein fotografischer Streifzug durch das steirische Ennstal mit Blicken ins Ausseerland und das Paltental, Irdning, 1993, S. 15.
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