Geschichten aus dem Hochtal Wörschachwald: Entwicklung der Schüler, der Bevölkerung und der Bauern

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Zeitzeugendokument
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Geschichten aus dem Hochtal Wörschachwald: Entwicklung der Schüler, der Bevölkerung und der Bauern ist eine private Geschichte, erzählt von Stefan Berger aus Liezen, bekannt auch als „Ebner-Steff“, Wörschachwald und Liezen.

Einleitung

Wörschachwald ist ein Hochtal auf ca. 1 100 m Seehöhe, liegt in der ehemals selbständigen Gemeinde Pürgg (ab 1968 Gemeinde Pürgg-Trautenfels und seit 2015 Marktgemeinde Stainach-Pürgg), erreichbar von Tauplitz (sechs bis acht Kilometer). Bekannt ist der Spechtensee (Moorsee – Baden, Fischen, Bogenschießen), der „Spechtensee-Schlepplift“ sowie der Bauernhof „Tischler“ (Alpakaland-Betrieb) und die Gastbetriebe Gasthof Dachsteinblick, Gasthof Wörschachwalder Hof und Spechtenseehütte (bewirtschaftete Schutzhütte des ÖAV. Stainach.)

Überblick

Nachstehend die Entwicklung der Schüler und der Bevölkerung sowie der Bauern zwischen dem Zweiten Weltkrieg und dem Jahre 2021.

So waren im Zeitraum 1939 bis 1945 ca. 75 Jugendliche und Kinder in ca. 26 Häusern, die alle in die (einklassige) Volksschule von Wörschachwald gegangen sind.

Zum Vergleich sind es jetzt im Jahre 2021 nur 25 Kinder, die zwar noch nicht alle schulpflichtig sind, aber wenn sie dann zur Schule gehen müssen, werden sie nach dem derzeitigen Stand, per (Gemeinde-)Schulbus nach Stainach gebracht werden. Es gibt derzeit ca. 45 Häuser mit Hauptwohnsitzen und ca. 71 Zweitwohnsitz-Häuser. Seit dem Auflassen der Schule in Wörschachwald (Herbst 1982) musste ein Kleinbus angekauft werden, der die Volksschüler zuerst nach Unterburg und die Hauptschüler nach Tauplitz (Bahnhof, dann mit dem Zug nach Bad Mitterndorf) gebracht hat.

Einige Zeit vorher schon musste die Volksschule in Pürgg (Herbst 1970 – letzter „Dorfschulmeister“ Dir. Peter Hauser) wegen Schülermangel geschlossen werden. Dann gingen alle Volksschüler nach Unterburg und die Hauptschüler nach Irdning bzw. dann nach Stainach.

Seit 2001 gibt es auch in Unterburg nur einen Kindergarten und eine Kinderkrippe, Volks- und Hauptschule befinden sich in Stainach. Wie wird es weiter gehen, vor allem nach der jetzt alles überragenden Corona Pandemie???!

Dies ist in groben Umrissen die Geschichte von den Schulen und den Tatsachen und Problemen, die die Bevölkerung in diesem schönen Tal zu bewältigen hat. Es stimmt vieles, allerdings, es ist auch möglich, dass Wichtiges nicht erwähnt oder übersehen oder weil ich es ganz einfach vergessen habe. Mit 85 Lebensjahren ist einfach nicht mehr alles so da, wie man es gerne hätte. Da gibt es aber dann wieder einen Einfall und so schreibe ich diesen wieder dazu, daher kommt es, dass die Geschichten ein wenig durcheinander sind, ich muss daher um Verzeihung bitten!

Geschichten und Ereignisse

Dazu müssen auch ein paar Geschichten und Ereignisse erwähnt werden, die mit der Personenzahl, den Nachwuchs oder der Bevölkerungsdichte in diesem Hochtal in Zusammenhang stehen.

Die lustigste zuerst.

Wie aus Pürgger oder Wörschachwalder lauter Chinesen werden könnten

Es war in den Jahren 1947 oder 1948. Die Jausenstation Dachsteinblick war durch einen kleinen Neubau von Leo Berger errichtet worden und die Kirchengeher sind immer am Heimweg von der Kirche in Pürgg, da auf ein Bier oder “ein Achterl Wein”, ganz gerne eingekehrt. Da wurden viele Sachen erzählt, es gab Neuigkeiten genug nach dem Krieg, weil oft auch Heimkehrer aus der Gefangenschaft nachhause gekommen sind, gab es viel Erfreuliches natürlich auch Trauriges zu besprechen.

Da passierte es einmal, dass der Pfarrer auf der Pürgg, nämlich Dr. Pongratz, krank geworden ist, und er von einem Kapuziner aus dem Kloster in Irdning vertreten wurde. Dieser sprach dem damaligen Kirchengehern beim Hochamt ein wenig ins Gewissen. Er beobachte, dass in der Pfarre Pürgg zu wenig Kinder geboren werden und es passieren könnte, wenn er in mehreren Jahren wieder mal in Pürgg von der Kanzel herunterschauen dürfe, da keine Pürgger oder Wörschachwalder in der Kirche mehr sitzen werden, sondern lauter Chinesen.

Der Bauer Hermann Zandl sen. vlg. Pollmann hatte sich darüber dann im Gastzimmer im Dachsteinblick furchtbar aufgeregt. Schon ein wenig eingespritzt mit ein paar Achterl hat er lautstark über „den Kapuziner“ losgezogen. „Was sich der Pfaff da erlaubt ist eine Gemeinheit“, er habe selber 8 Kinder in die Welt gesetzt und soll er sich einen solchen Vorwurf gefallen lassen? “Der „Sach“ geh ich nach!” Und hat dabei immer wieder mit der Faust auf den Tisch g‘haut, dass es nur so gekracht hat. Diese Worte wiederholte er immer wieder, die ich damals selbst mitangehört und nie mehr vergessen habe.

Wir haben schon oft darüber gesprochen und auch gelacht, aber jetzt viele Jahre später, muss ich erkennen, die Aussagen von den damaligen „Gottesmann“ war berechtigt und gar nicht so weit hergeholt. Wer hätte sich damals gedacht, dass Chinesen und Japaner das Salzkammergut, vor allem Hallstatt stürmen und zeitweise eine arge Belastung darstellen, und es sehr leicht vorkommen könnte, dass eines Tages, ein „paar“ davon bei uns hängen bleiben und zu züchten anfangen? Ob sie dann in die Kirche in Pürgg zur Messe gehen, ist allerdings sehr fraglich? Allerdings, dass in der gesamten Pfarre keine oder nur sehr wenige Kinder auf die Welt kommen, daran hat wohl niemand gedacht und dies ist aber der Grund, warum sich alle Landschulen aufhören! Ob da nur die Pille daran schuld ist? Nein, man will es den wenigen Kindern leichter machen, sie sollen ein besseres Leben führen können, wie wir es hatten. Sie sollen es schöner, leichter und bequemer haben. Sich mehr leisten können und so weiter. Rausgekommen ist, die Eltern müssen heute mehr arbeiten wie zu früheren Zeiten, sie müssen länger die harte Bauernarbeit fortführen, weil niemand da ist, an dem sie Last übertragen oder abgeben könnten. Nein, es ist nicht leichter geworden! Ganz sicher nicht!

Über die bäuerliche Entwicklung

Die zweite Geschichte hat mit einem sehr bekannten Holzhändler aus Unterburg und meiner Hütte, der „Berger Hütte“ in Wörschachwald zu tun. Ich habe zuerst einen Fischteich auf unserem Moos ausheben lassen, weil Fischteiche zur damaligen Zeit sehr modern waren. Da wir aber auch dazu einen Unterstand oder einen Platz für Werkzeug und Geräte brauchten haben wir eine Hütte gebaut. Wir haben wohl den Bürgermeister Herrn Ing. Erich Meinx gefragt, ob wir dazu eine Baugenehmigung brauchen. Der hatte aber gemeint, für eine Fischhütte sei eine solche nicht notwendig. Weil ich aber zufällig Ytong-Ziegel gratis von meinem damaligen Arbeitgeber, der Firma Quester erhalten habe, wurde es keine Holzhütte, sondern ein gemauertes kleines Häusl. Daher hatte mich nachträglich die Gemeinde immer wieder aufgefordert, eine nachträgliche Baubewilligung einzuholen. Etliche Jahre habe ich dies hinausgezögert und gerade zu dieser Zeit kam der Holzhändler Kajetan Gutternigg bei unserer Hütte vorbei. Ich habe ihm ein Bier angeboten und wir haben ein paar Neuigkeiten besprochen. Unter anderem hat er mich gefragt, wie weit ich jetzt mit der Baubewilligung bin. Dazu hatte ich ihm erklärt, dass ich sehr wohl, irgendwann, die ganze Sache im Sinne der Gemeinde, abzuschließen gedenke.

Und er hatte damals eine sehr interessante Meinung, die sehr wohl auch mit der Situation und der Schule in Verbindung gebracht werden muss?!

Er meinte: Die sollen doch froh sein, dass überhaupt da heroben jemand etwas baut, den in 30 bis 50 Jahren werden sich die meisten Bauern da aufgehört haben und es wird keinen Nachwuchs mehr geben?!

Ich habe ihm damals voll dagegengesprochen und habe ganz fest überzeugt gemeint, dies wird es sicher nicht geben! Doch wie recht er hatte sieht man erst heute, und es wird ganz klar, wenn man die Zahlen der Schüler ab den Schulneubau beobachtet. Aber nicht nur dass, die Bevölkerungszahlen sinken ständig, natürlich nicht nur in Wörschachwald oder Zlem. Selbständige Bauern werden immer weniger, hat es bis nach dem zweiten Weltkrieg noch 17 Bauern gegeben, die ihre Landwirtschaft als Vollerwerb bewirtschaftet haben, so hat es bald begonnen, kleinere Betriebe als Nebenerwerb zu betreiben.

Einer der ersten war der Hans Zandl vlg. Brunner, der hat zuerst bei der Raiffeisenkasse in Pürgg als Kassabeamter angefangen und wurde dann Gemeindesekretär. Nachdem seine Frau ein halbes Jahr später bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist, haben die Kinder die Landwirtschaft aufgelöst. Die Wiesen wurden an die umliegenden Nachbarn verpachtet. Später sind einige dem Berufszweig „Nebenerwerbs-Landwirt“ nachgegangen und dies ist in vielen Bereichen noch immer so, bis es dann zur kompletten Auflösung der Landwirtschaft und zu Verpachtungen gekommen ist. Die Kleinkeuschler, insgesamt fünf, haben nacheinander mit dem Vieh aufgehört, meist waren es zwei Kühe und ein oder zwei Ziegen und ein oder zwei Schweine und natürlich eine Schar Hühner und einen Hahn.

Die Geiger Mila war gezwungen worden als erste aufzugeben. Der Walz Franz ein Geistesgestörter, hatte ihre einzige Kuh umgebracht. Die jungen Ebner-Leute, gerade mal 1 Jahr verheiratet und die Keusche mit vielen Lasten gerade erst übernommen, wurden vom Bruder und der Mutter der beiden Brüder, durch viel Grausamkeiten, von Haus und Hof, wie man so schön sagt, mit „Kind und Kegel“ vertrieben. Man könnte auch sagen: „der Gescheitere gibt nach und geht“!

Die drei restlichen Keuschler, „Grabenkoller“, „Grabenhauser“ und „Draxler“ haben nach und nach aus verschiedenen Gründen die Landwirtschaft sein lassen. Einen Beruf musste jeder Keuschler, so und so nachgehen, und die Landwirtschaft dazu, die nichts bringt und nur Kosten verursacht, war der Anlass zum Aufgeben. Die wenigen Wiesen wurden verpachtet.

Das vlg. Fiedler war schon einmal beim vlg. Gindl dabei und wurde 1935 an den Johann Zandl übergeben. Johann Zandl hat nie geheiratet und blieb daher ohne Nachwuchs. Er übergab das kleine Anwesen an Theresia Zandl vlg. Pollmann-Tochter. Es gab aber nur Streit und Unfrieden, sodass die junge Bäuerin in ihrer Verzweiflung um 50.000.- Schilling den ganzen Hof mit Vieh und Maschinen an den Markus Zandl vlg. Gindl verkaufte. Somit war wieder ein Bauer weniger in Zlem-Wörschachwald.

Der Nachbar, das vlg Poserer, gehört von der Hausnummer her, eigentlich nach Pürgg, nämlich Lessern 39, aber die Zufahrt geht vom Wörschachwaldweg aus zum Gehöft, und der größere Teil der Landwirtschaft, nämlich die „Schattleitn“, ein Lehen des „Poserer“, befindet sich in Zlem-Wörschachwald und trägt die Hausnummer 24. Daher wird landläufig das „Poserer“ zu Wörschachwald zugeordnet. Im Jahre 1947 betrug die Personenzahl beim „Poserer“ 14 Leute. Die beiden Bauersleute, 11 Kinder und der Knecht Michl. Der letzte eigenständige Bauer war Georg Kreutzer, der schon sehr früh zur Eisenbahn gegangen ist und die Landwirtschaft als Nebenerwerb betrieben hat. Er hat auch nie geheiratet und daher keine Nachkommen und daher hat er 2013 den gesamten Besitz an den Hermann Schachner vlg. Rohrmoser verkauft. Seiner Schwester Vroni (verwitwet) wurde ein Wohnrecht auf Lebenszeit eingeräumt. Aber es ist wieder ein Bauer weniger.

Vlg. Pereiter (Pöreiter), ein besonderer Fall

Vlg. Pereiter (Pöreiter) Zlem-Wörschachwald 23 ist ein besonderer Fall. Schon in der Kriegszeit waren auf diesem „Bauernsachl“ wenige Leute, die Bauersleut und nur ein Sohn sowie eine Magd. Dazu ein angenommener Bub vom Nachbarn, den Roman Lackner, lediger Sohn von der „Ebnerin“. Der Sohn Peter war ein „hohes Tier“ beim Militär und hatte nach dem Krieg kein gewohntes Einkommen, war aber einen gewissen Luxus gewohnt. Dies war aber bei der kleinen Landwirtschaft nicht zu erreichen, so begann er zusammen mit einem LKW-Besitzer aus Tauplitz einen Viehdiebstahl zu betreiben. Dieses Geschäft war nicht sehr lange erfolgreich und nach einem Aufenthalt im Gefängnis, wurden Haus und Hof verkauft und die Fam. Schaffer ist nach Oberösterreich gezogen. Die neuen Besitzer waren eigentlich Verwandte und zwar die Bauersleute Schachner vlg. Grantsch aus Wörschachwald. Der älteste Sohn Franz und seine Schwester Hanna wurden vorerst als „Wirtschafter“ eingesetzt. Der Franz heiratet die „Tischler“-Tochter, die Theresia und dann übernahmen sie das „Pöreiter“. Die Schwester heiratete den „Gaststeiger“ in Zlem und sie wird dort Bäuerin. Beim „Pöreiter“ lief alles ganz gut, 5 Kinder machten die Familie komplett. Der Jüngste hat den Hof übernommen, nachdem sich die Älteren schon vorzeitig selbstständig gemacht haben.

Die jungen Bauersleute waren am Anfang schon gut eingearbeitet und anerkannt, als es plötzlich zu einem „besonderen Zwischenfall“ kam. Die jungen Bauersleute, von Grund auf, von der Familie her, streng katholisch, haben sich einer Sekte angeschlossen. Für ihre Eltern, für die Verwandtschaft, ja für das ganze Wörschachwald, war dies ein Schock. Es kam abermals zum Verkauf. Damit die bereits im Ausgedinge befindlichen Bauersleute durch einen Besitzerwechsel nicht ausziehen müssen, hat gezwungenermaßen der ältere Sohn Hans das „Pöreiter“ seinem Bruder abgekauft. Die Landwirtschaft hat er an den Nachbarn Hermann Schachner vlg. Rohrmoser verpachtet. Der Hans und seine Frau Anna verwalten das Anwesen und bauten schon eine Zimmervermietung auf. „Urlaub am Bauernhof“ läuft von Anfang an ganz gut und schließlich übernimmt der ältere Sohn von Hans und Anna, der Gerhard das „Pöreiter“ und der hat das Haus umgebaut und hat Ferienwohnungen und Fremdenzimmer weiter ausgebaut und verbessert. Betreibt das Ganze aber auch im Nebenerwerb. Ende gut, alles gut! Nur, wieder ein Bauer weniger!

Eine Hausnummer weiter, zu Zlem/Wörschachwald 25 zum vlg. Brunner.

Eigenheiten beim vulgo Brunner

In den Nachkriegsjahren war das „Brunner“, das einzige Haus weitum, in dem es noch eine offene Feuerstelle in der Küche gab. Es gab sonst keine Heizmöglichkeit, keinen Kamin, das ganze Haus konnte nicht beheizt werden. In der Küche gab es bei den Fenstern keine Glasscheiben, sondern nur Schuber aus Holz. Der Rauch zog durch das Verschieben der Schuber, durch einen Holzkamin ab. Als Lichtquelle diente in erster Linie das Feuer am offenen Herd und eine Petroleum-Lampe, die über dem Tisch hing, aber aus Sparsamkeit nur sehr selten angezündet wurde. Die Bauersleute hatten keine Kinder, nur eine Schwester des Bauern und ein Knecht waren auf dem armseligen Anwesen. Vier Kühe und ein paar Stück Jungvieh sowie zwei bis drei Schweine und ein Pferd waren der gesamte Viehbestand. Ja, nicht zu vergessen, es waren immer drei Hunde am Hof! Ohne Hund ging beim Brunner gar nichts. Die Schweine muss man extra erwähnen. Sie waren sicher zwei bis drei Jahre alt und haben dann so ca. 40 bis max. 50 kg an Gewicht aufweisen können. Man konnte die Rippen zählen und das Rückgrat hat ausgesehen wie bei einer Ziege. Einfach unterernährt!

Eine weitere Besonderheit war das „Sau-Abstechen“! Dazu brauchte es mehrere Männer, denn das arme Tier durfte nicht betäubt werden, weil das Sau-Abstechen „muss schon a wenig a Gaudi sein“! Die Schweine hatten beim Brunner kein gutes Leben, aber erst recht schlecht erging es den armen Schweinen beim Schlachten.

Demgegenüber konnte das Pferd ein Luxusleben beim Brunner genießen. Bei der Heuernte wurde kein Wagen verwendet, weil schon allein der Wagen im weichen Boden viel zu sehr einsinkt und nur sehr schwer zu bewegen sei, eine kleine Holzrumpel und die nur schwach beladen, wurde zum Heutransport verwendet. Ganz schlimm war das Holzliefern nach Klachau zum Bahnhof. Es wurden so nur sehr wenige Festmeter Holz geschlägert, nur was leicht ging. Und beim Beladen der Holzfuhren wurden maximal 4 bis 5 Blöcher aufgeladen. Zum Vergleich, die meisten Fuhrwerker hatten bis zu 20 Stück auf eine Fuhre geladen. Dies war aber nicht das einzig Sonderbare, nein, beim Zurückfahren aus Klachau sind die Fuhrleute alle auf dem Schlitten gesessen und haben sich heimziehen lassen. Nicht so der „Brunner“, der ist nicht nur hinter dem Schlitten gegangen, nein, er hat auch die schweren Ketten getragen, damit das Pferd es leichter hat!

Daher hat mein Vater gemeint: Wenn er noch einmal auf die Welt kommt, dann wird er Pferd beim „Brunner“!

vulgo Brunner fackelt beim Osterfeuer seine neue Küche ab

Die besonderen Eigenschaften, die den „alten Brunner“ ausgezeichnet haben, sind damit nicht zu Ende. Weil er einfach schon vom Alter her und weil ihm ein Leistenbruch schon viele Jahre arge Schmerzen bereitete, zu einer Operation aber kein Geld da war, entschloss er sich, weil kinderlos, einen Erben zu suchen. Eine Bedingung war, der Erbe muss den Namen Egger annehmen. Der Nachbarsohn Hans Schachner „Rohrmoser“ hat sich dazu überreden lassen. Weil aber ein Wohnen unter den bestehenden Bedingungen (Rauchkuchl) dem jungen Besitzer keinesfalls annehmbar erschienen ist, hat er als „ersten Akt“ die eine Haushälfte abgerissen und die Holzwände durch eine Ziegelwand ersetzt. In der Küche wurde ein schöner Herd vom Ofensetzer errichtet. Es war alles fertig und zum ersten Mal schön warm im Raum. Ostern stand vor der Tür und es ist der Brauch, in der Nacht auf den Ostersonntag, irgendwo in der Wiese ein Osterfeuer anzuzünden. Dies hatte der alte „Brunner“, weil es so praktisch war, immer in der Küche am offenen Herd erledigt. Es brauchte niemand ins Freie gehen und man kann bei jedem Wetter ein schönes Osterfeuer abbrennen lassen. Diesmal war die alte Feuerstelle weg und ein neuer Herd mit Stahlplatte stand in der neuen Küche. Das war dem alten Bauern egal, er hat, wie immer, sein Osterfeuer in der Küche abgebrannt, diesmal allerdings auch zum letzten Mal! Die neue Küche war schwarz verrußt und verraucht, die ganze Arbeit fast umsonst. Dies war dem jungen Bauern Hans Egger zu viel, er hatte alles zurücknehmen lassen, er verzichtete auf den Besitz, nahm seinen richtigen Namen wieder an und ging zur Eisenbahn. Als Entschädigung wurde ihm Bauholz für ein neues Haus in Pürgg zugesprochen.

Das Anwesen „Brunner“ wurde nun der Schwester vom Herrn Egger, der Frau Zandl vlg. Pollmann übergeben. Als Wirtschafter wurden, wie es schon beim Nachbarn, dem „Pöreiter“, gemacht wurde, die Geschwister Hans und Theresia Zandl eingesetzt. Die alten „Brunner“-Leute sind inzwischen verstorben nur die Schwester vom alten Bauern war noch da. Der Hans Zandl hat eine junge Frau aus Liezen geheiratet und sie sind noch in das alte Haus mit der neuen Hälfte eingezogen. Halb Neu und halb Alt. Von einer weiteren Sanierung des alten Hauses hat man dem Hans abgeraten, und so hat er sich entschlossen, langsam ein neues Haus zu errichten. Wie schon erwähnt, hat er als erster von Wörschachwald, wegen der immer schlechter werdenden Einkommensmöglichkeit aus der Landwirtschaft, eine Beschäftigung bei der Raiffeisenkasse angenommen. Er wurde später Gemeindesekretär und ist leider mit 50 Jahren an einen Herzschlag verstorben. Seine Frau hat danach alle Wiesen verpachtet und ein halbes Jahr später erlag sie den schweren Verletzungen nach einem Verkehrsunfall. Wieder ein Bauer weniger in Wörschachwald!

Das vlg. Magerl, ein sonderbarer Fall

Der nächste Fall ist auch sonderbar verlaufen und wohl erwähnenswert. Der vom Grundbesitz her größte Bauer in Wörschachwald, das vlg. Magerl, früher Zlem 16, heute Wöschachwald 16 wurde in dieser Geschichte auch schon erwähnt, aber nur so nebenbei. Es ist aber alles so komisch verlaufen, dass es wohl genauer durchleuchtet und beschrieben werden muss.

Der Besitz „Magerl“ war ganz früher ein Lehen eines Bauern („Huber“ – Altreiter, später Singer) aus Niederstuttern, irgendwie ist es zum vlg. Tischler in Wörschachwald gekommen. Beim Tischler waren mehrere Brüder, einer bekam das Heimathaus und Hof und ein anderer das „Magerl“. Die „Magerl-Leute“ hatten drei Söhne und eine Tochter. Zwei sind im Weltkrieg gefallen, der Adolf und der Mathias. Der Hans hat die „Poserer“ Maria, die älteste Tochter vom „Poserer“, gleich nach dem Krieg so um 1947 herum, geheiratet. Aus dieser Ehe stammen zwei Buben, der Hans und der Max Pötsch, so der Schreibname der Magerl`s.

Es ist sehr schwer heraus zu finden, woran es gelegen ist, die beiden Buben haben sich neben ihren Eltern nicht so entwickelt, wie es sein sollte. Die Mutter hatte dies wohl bemerkt und hat offensichtlich den Beiden sämtliche Entscheidungen von vorne weg abgenommen. Dies führte dazu, dass keiner der beiden so richtig selbstständig geworden ist. Der Vater starb und die Mutter musste den Hof aus Altersgründen weitervererben. Mag sein, dass sie sich dabei sehr schwergetan hat, wie auch immer, sie hat offensichtlich in den Augen des Älteren, dem Hans, einen Fehler gemacht. Er war der festen Überzeugung, dass er, der Ältere, der Erbe sein müsste. So kam es von Anfang an nur zu Streit und Hader. Es gab im Leben der Beiden keine Frau und das Leben auf diesen Hof wurde immer mehr zur Plage. Der Hans wurde Menschenscheu und der Max immer unzufriedener mit seinem Besitz, zudem wurde er krank, bis er schlussendlich den gesamten Bauernhof in einer launigen Runde, verschenkte! Der Beschenkte war aber mit der großen Aufgabe scheinbar überlastet und hat bis auf den Wald, nach kurzer Zeit wieder verkauft. Jetzt ist das große vlg. Magerl nur ein „Lehen“ eines Landbauern und damit wieder ein Bauer weniger!

Meine Meinung zum Thema verschenken ist folgende: Ich vermute, dass im Übergabevertrag eine Regelung enthalten ist, die im Falle eines Verkaufes, dem Bruder Hans ein Teil ausbezahlt werden muss. Die Beiden waren aber schon so sehr zerstritten, das der Max einen anderen Ausweg gesucht hat um den Bruder zu schaden, hat er den Hof einfach verschenkt. Ohne dabei zu überlegen, dass auch er sich selbst sehr geschadet hat. Er hat nämlich sogar sein Auto verkaufen müssen, weil er es sich nicht mehr leisten konnte.

Schlussbetrachtungen von Stefan Berger

Jetzt gäbe es noch einige Höfe in Wörschachwald, wo man nicht genau weiß wie es dort weiter gehen wird, weil man aber keine Halbwahrheiten schreiben soll, ist es zu früh irgendwelche Vermutungen anzustellen.

Die Viehzucht oder die Landwirtschaft aufgegeben haben folgende Bauern. Das Anwesen Ernst ist zum Tiefenbacher durch Heirat dazu gefallen. Das vlg. Fischer, vlg. Mojer und vlg Stadler vlg. Walz haben nach und nach, aus verschiedenen Gründen aufgegeben.

Wie überall, Bauersleute hatten wenig oder gar keine Kinder und daher keine Nachfolger, andere haben kein Weib gefunden, wieder andere haben die Kinder einen guten Beruf erlernen oder studieren lassen und die sind nie mehr in den elterlichen Betrieb oder besser gesagt in den heimatlichen Bauernhof eingestiegen. Verpachtung oder gar Verkauf ist meist die letzte Lösung. Solche Betriebe gab es aus der Frühzeit auch schon, diese waren aber aus den Religionskriegen vor vielen Jahren entstanden. Damals hat man die Leute, die nicht katholischen Glaubens waren oder werden wollten, ganz einfach vertrieben, ihnen sogar die Kinder weggenommen, die Kinder mussten hierbleiben und wurden auch umgetauft und von daher kommt auch der Spruch: „Die werden wir schon noch katholisch machen“! Nachzulesen in der Chronik Pürgg.

Zu den Bauern, die keine Frau bekommen, nur so ein Gedanken oder eine Überlegung. Wie war das früher, gab es immer schon Bauern ohne Frau? Ja wahrscheinlich schon, aber nicht so viele wie jetzt. Es hat wohl mehrere Gründe. Einer davon ist die harte Arbeit und das tägliche „Da sein müssen“! Das Vieh braucht Pflege und dies immer, und es ist nicht immer schön bei der Bauernarbeit. Dazu kommt heute für die Bauerntöchter auch die Möglichkeit, selbst einen Beruf zu erlernen, der einen besseren Verdienst und eine sauberere Arbeit ermöglicht. Nicht alle wollen mit dem Traktor fahren und den Stall ausmisten, die Schweine füttern und so weiter. Vor Jahren war das alles anders. Damals gab es fast bei jedem Bauern, ein zwei Mägde. Meist junge Mädchen die unehelich geboren wurden und gezwungen waren, um überhaupt überleben zu können, bei den Bauern als Magd unterzukommen. Und da waren dann die jungen Bauern, mal froh und dankbar, wenn sie eine Magd zur Bäuerin machen konnten, andersrum, waren die Mägde mächtig stolz, eine Bäuerin werden zu dürfen. Es gab Fälle, wo die Frau ihr ganzes Leben lang, nie als vollwertige Frau anerkannt wurde, aber sie war Bäuerin, hat wieder Kinder zur Welt gebracht hat brav gearbeitet und der Mann konnte ein gestandener Bauer sein! Diese Zeiten sind vorbei.

Heute im Jahre 2021, gibt es in Wörschachwald keinen einzigen Bauern, der noch ganz von der Landwirtschaft lebt, und es gibt derzeit nur noch vier Betriebe die noch Milch an die Molkerei Stainach liefern. Einige haben sich auf Mutter- Kuhhaltung andere auf Jungviehaufzucht umgestellt. Es ist aus meiner Sicht stark zu befürchten, dass es eines Tages wirklich keine Bauern in Wörschachwald mehr geben wird. Andere Betriebsformen werden kommen, wie etwa Alpaka-Zucht, wie es bereits DI.Thomas Pötsch vlg. Tischler erfolgreich vorzeigt. Die Bauern mit den kleinen Landflächen, sind den Bauern im Tal unten, mit viel größeren Wiesen, weit unterlegen. Obwohl auch viele Bauern in besten Lagen einfach aufgeben müssen.

Ein kleiner Vorteil bei den Bauern in Wörschachwald ergibt sich aus den Eigenwäldern, die die meisten Besitzer als kleines Zubrot nützen können. Viele Jahre war der Holzverkauf eine gute Sache, der Holzpreis war hoch und so konnten die Bauern bei größeren Anschaffungen, wie bei Traktoren oder anderen Landmaschinen, aber vor allem bei Investitionen bei Haus und Stall durch einen Holzverkauf so manches schaffen. Diese Zeit ist anscheinend vorbei. Der Holzpreis sehr niedrig, weil sehr viel Schadholz durch Unwetter, aber vor allem dem Borkenkäfer anfällt und ganz einfach viel zu viel Holz auf den Markt ist. Andererseits sind zu wenig Arbeitskräfte auf dem Hof, um das Holz selbst zu schlägern. Ein Mann allein ist beim Holzarbeiten fast machtlos und begibt sich meist in eine große Gefahr, andererseits, wenn das Holz an Schlägerungsunternehmen vergeben wird, bleibt fast kein Gewinn übrig. Eine Spirale nach unten ist daher festzustellen.

Was Wörschachwald übersehen hat, war eine größere Investition im Bereich Fremdenverkehr und dem Ausbau von Bauernhöfen zu Pensionen, wie es Ramsau gemacht hat. Dieses Hochtal ist genau so schön wie andere derartige Gebiete und man hätte sich nur dem „Wörschachwalderhof“ anschließen müssen. Der Lift wäre besser ausgenützt und wäre leichter zu betreiben, die Gasthäuser hätten ein leichteres Überleben und vieles wäre ganz einfach leichter gegangen. Aber da war vom Anfang an „der Wurm“ drinnen. Wäre es dem Paternus Eingang mit seinem Betrieb vom Anfang an besser gegangen, wäre der Neid so groß geworden, und viele hätten seinen Ideen Folge geleistet. Leider hatte der arme Mann mit großen Unternehmergeist Pech, und es gab fast nur Spötter anstatt Neider. Gott hab ihn selig! Er hat viel für Wörschachwald getan, nur leider auch manches falsch gemacht?!

Wie es zu den Ferienhäusern in Wörschachwald gekommen ist

Vor allem hatte der Paternus Eingang angefangen Grundstück für Ferienhäuser zu verkaufen, um mit diesem Geld, seine Bauvorhaben, wie Gasthaus und Skilift, finanzieren zu können. Diesem Beispiel haben auch andere Bauern Folge geleistet, und so sind im ganzen Tal, eine beträchtliche Anzahl von neuen Häusern errichtet worden, die nur zur Erholung dienen sollen. Diese Hausbesitzer oder Hüttenbetreiber, wie immer man sie nennt, kommen vielfach aus österreichischen Städten, aber auch aus Deutschland und aus der näheren Umgebung. Einige stammen aus Wörschachwald, haben sich irgendwo, in Stainach oder Liezen aber auch weiter weg, eine Existenz aufgebaut, haben dort Arbeit gefunden und weil eine Möglichkeit bestand, hier in ihrer alten Heimat, ein Ferienhaus errichtet. Dies haben Freunde und Verwandte bemerkt und wollten auch, in dieser schönen und ruhigen Umgebung, ihre Freizeit verbringen. So entstanden kleine Feriensiedlungen, wie zum Beispiel am Rohrmoser Moos. Dort begann Berger Stefan, Ebner Steff, der in Liezen wohnt, seinen Sohn gehört das Grundstück und er hat da gleich zwei Hütten errichtet. Seine Arbeitskollegen kauften sich vom Brunner Grundstücke und auch sie bauten sich erst Ferienhäuser die später zu Wohnhäusern umfunktioniert wurden. Immer wieder kamen Interessenten dazu und so stehen dort bereits 12 Objekte. Im gesamten Wörschachwald gibt es derzeit 71 Ferienhäuser, auch davon sind viele schon als Wohnhäusern verwendet werden und dadurch steigt die Zahl der Bevölkerung etwas an.

Euer Berger Stefan - für alle Wörschachwalder, noch immer der „Ebner Steff“. Wörschachwald „Dachsteinblick“ bzw. Liezen Jänner 2021

Quelle

Erzählungen von Stefan Berger