Der Kapuzinersteg

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Begriffsklärung
Dieser Artikel ist ein Zeitzeugendokument von Stefan Berger junior. Über den gleichnamigen Steg informiert der Artikel Kapuzinersteg.
Zeitzeugendokument
Dieser Artikel ist ein Zeitzeugendokument,ist im Originalwortlaut wiedergegeben und dem EnnstalWiki zur Verfügung gestellt worden. Es sollte daher auf sprachliche Korrekturen bitte verzichtet werden.

Der Kapuzinersteg ist eine private Geschichte, erzählt von Stefan Berger junior aus Liezen, bekannt auch als „Ebner-Steff“, Wörschachwald und Liezen.

Einleitung

Wörschachwald ist ein Hochtal auf ca. 1 100 m Seehöhe, liegt in der ehemaligen Gemeinde Pürgg (ab 1968 Gemeinde Pürgg-Trautenfels und seit 2015 Marktgemeinde Stainach-Pürgg), erreichbar von Tauplitz (sechs bis acht Kilometer). Bekannt ist der Spechtensee (Moorsee – Baden, Fischen, Bogenschießen), der „Spechtensee-Schlepplift“ sowie der Bauernhof „Tischler“ (Alpakaland-Betrieb) und die Gastbetriebe Gasthof Dachsteinblick, Gasthof Wörschachwalder Hof und Spechtenseehütte (bewirtschaftete Schutzhütte des ÖAV. Stainach.)

Der Kapuzinersteg

Am Fuße des Grimmings oder besser gesagt, im Schatten des Grimmings, liegt die kleine Ortschaft Untergrimming. Früher ist die Bundesstraße 145 direkt durch den Ort „gelaufen“ und da begann die sogenannte „Kleine Klachau“, ein Straßenstück mit 18 % Steigung[1], für so manchen Autofahrer, besonders im Winter, eine Herausforderung der besonderen Art. Es war nicht nur die Steigung allein, sondern eine Kurve mit einer besonderen Rechtsneigung und dort, wenn man dort drüber kam, hatte man gewonnen. Leider ging es sehr oft schief und Ketten auflegen in einer Steigung, eine heikle Aufgabe, war wieder einmal notwendig.

Dies war aber nur eine Besonderheit, die nur dem Autofahrer und dies besonders den LKW-Fahrer Sorgen bereitete, nein es gibt und gab es da in Untergrimming andere Besonderheiten, die bereits Bauwerken, wie einer neuen Straße, oder einfach der moderneren Zeit „geopfert“ wurden. Beispiele sind: die „Müllner“-Säge und die Bäckerei und Kracherl-Erzeugung Stenitzer, die Fa. Wolf, die Schachterlfabrik Haim, das Kaufhaus Stecher, die Frächterei Tasch etc.;

Ein spezielles Bauwerk, welches noch immer da ist, ist aber der Kapuzinersteg (wurde zur Landesausstellung 1992 auf Schloss Trautenfels vom Österreichischen Bundesheer neu errichtet). Dieser Steg hat eine uralte Geschichte, die heute nur mehr Wenige kennen. Die Entstehung vor allem aber die Benennung dieses Bauwerks, hängt wohl sehr mit dem Kloster in Irdning zusammen, denn von dort aus, gingen seit jeher die Kapuziner, jedes Jahr im Herbst, mit einen Buckelkorb, überall hin zu den Bauern, um Eier zu sammeln. So gingen sie auch da von Irdning aus, am Schloss Trautenfels vorbei nach Untergrimming und dann über diesen Steg, an der Grahofer-Sägemühle sowie der Gerberei Schirl (beide Betriebe haben der neuen Bundesstraße weichen müssen) ging der Weg weiter zur „Wald- Ruhe“, dem Brotwegerl hinauf zum Kirchweg, bis nach Zlem und Wörschachwald.

Je nach Freigebigkeit und Glaubensstärke bekam der Kapuziner dann von der Bäuerin, Eier in seinen Buckelkorb. Diese Eier wurden dann im Kloster in Kalk eingelegt und dadurch haltbar gemacht, und so dienten sie der Klosterküche zum Überleben und zum Wohle der Klosterbrüder. Nach dem Krieg hatte sich dieser Brauch eigentlich aufgehört. Heute bräuchte es dies sowieso nicht mehr, denn seit dem Jahre 2020 gibt es im Kloster Irdning keinen Pater oder Kapuziner mehr. Der schöne Kapuzinersteg in Untergrimming, der da über den tosenden Grimmingbach führt, wird uns aber hoffentlich noch lange erhalten bleiben, und an die gute alte Zeit erinnern.

Dazu noch eine kleine Geschichte aus dieser Zeit: Bei der Kleinkeuschlerin, beim „Grabenhauser“ ist der Eierbettler natürlich auch eingekehrt, weil er wusste, dass da Hühner gehalten werden und hat um Eier gebeten. Aber da hat er die Falsche erwischt. „I hon söwa koni Eier, die Henna legn so schlecht und mir ham söwa zweng, i konn da koni Eier gebm“! Da lächelte der Geistliche mitleidig, glaubte ihr kein Wort, aber er schenkte ihr, aus seinen gesammelten Eiern drei Stück und verabschiedete sich mit einen gütigem „Vergelts Gott“ arme Frau!

Euer Stefan Berger, für alle Wörschachwalder noch immer der „Ebner Steff“! Liezen im Dezember 2021

Quelle

Fußnote

  1. Stefan Berger meint wohl Promille
Erzählungen von Stefan Berger

Ss' Brotwegerl · Der „Ebner Vater“ und das „Pürgger Gleut“ in der Kirche · Der Kapuzinersteg · Die Elektrifizierung von Wörschachwald, Zlem, Dörfl und Lessern in der damaligen Gemeinde Pürgg · Die Gründung des Fremdenverkehrsvereins Pürgg · Gamsjaga-HäuslGindl-Hörndl-Gipfelkreuz · Heuernte im Wandel der Zeit · Die Skiveranstaltungen in Pürgg vor und nach dem Zweiten Weltkrieg

Geschichten aus dem Hochtal Wörschachwald

Da Wörschachwalder Brottrager · Da „Ebner Bua“ und das Kriegsende in Wörschachwald · Entwicklung der Schüler, der Bevölkerung und der Bauern · Der Wörschachwalder-Weg und die Entwicklung in der Landwirtschaft · Pioniere · Das kleine Hörndl in Wörschachwald und die Geschichte des Gipfelkreuzes · Red wia a Wirschochwolner · Zwei Geschichten zu den Dialektwörtern, die so komisch und doch interessant sind! · Die „Schuster-Stör“ in den 1950er-Jahren in Wörschachwald · Die Telefongeschichte vom Gasthof Dachsteinblick · Der Lehrer Fuchs und ich und mein „scheußliches“ (Volks-)Schulleben in Wörschachwald · Die (Volks-)Schulen in Wörschachwald · Wasserfallweg in Lessern

Gedicht

Aus und vorbei (Gedicht)

Beiträge aus dem Tagebuch der Anna Gasteiner