Das kleine Hörndl in Wörschachwald und die Geschichte des Gipfelkreuzes

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Zeitzeugendokument
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Das Gipfelkreuz des kleinen Hörndls mit dem Grimmingstock im Hintergrund.
Erika und Stefan Berger am Bankerl mit dem Tisch beim kleinen Hörndl.
Die Stiege zum Bankerl mit dem Tisch beim kleinen Hörndl.

Das kleine Hörndl in Wörschachwald und die Geschichte des Gipfelkreuzes erzählt von Stefan Berger junior, bekannt auch als „Ebner-Steff“ aus Liezen, bekannt auch als „Ebner-Steff“ in Wörschachwald und Liezen.

Das kleine Hörndl

Der Aufstieg vom Gasthof Dachsteinblick zum „Gindl Hörndl“ (1 259 Meter) ist ein stark begangener und sehr beliebter Wanderweg. Nichts für Halbschuhtouristen, sondern man braucht da schon gute Schuhe und teilweise ist es auch ganz schön steil und die lange Leiter ist für jene, die nicht ganz schwindelfrei sind, eine kleine Herausforderung. Bemerkenswert ist der Brunnen mitten im Wald, der zu jeder Zeit, frisches, kaltes Trinkwasser spendet und eine Bank dazu, um die erste Rast einzulegen. Die Rast soll man genießen, denn anschließend wird es steil. Und dann kommt die Abzweigung zum „kleinen Hörndl“. Fünf Minuten, und dazu gibt es diese kleine Geschichte:

Ein langjähriger Gast der ehemaligen „Berger Hütte“ wurde nach ein Hüftoperation schwer gehbehindert und konnte sich fortan nur mit Krücken fortbewegen. Dieser gute Mann wollte aber unbedingt auf einen Gipfel und sei er noch so klein. Nach einer kurzen Überlegung war klar, auf dem Forstweg und durch einen kleinen Wald kann man mit einem Geländefahrzeug, dorthin gelangen.

Wir bauten daher auf einen Allradtraktor eine bequeme Sitzgelegenheit und brachten den lieben Erwin bis zehn Meter vor den höchsten Punkt, den Gipfel des kleinen Hörndl. Wenn man diesen Gipfel zum ersten Mal sieht, weiß man ja auch sofort, woher der Name kommt. Es ist eben nur ein kleiner Gipfel neben dem großen „Gindl Hörndl“. Mit viel Mühe und unter Schmerzen, hat der Gast das Ziel erreicht. Nun stand er da und meinte etwas enttäuscht: „Jetzt bin ich zum ersten Mal auf einen Gipfel und es ist kein Gipfelkreuz da“!

Meine prompte Antwort war: Nächstes Jahr, wenn Du wieder kommst, steht da ein Gipfelkreuz, versprochen!

Zwei Wochen später, im Herbst 2007, hatte ich das Kreuz gezimmert und die Schrauben einbetoniert, weil der Stein beim Bohren zerbrochen ist. Eine kleine Bank gezimmert und eine Treppe für den kurzen Anstieg gebaut. Der liebe Gast kann kommen! Aber leider, er kam nicht mehr, er wurde im Herbst krank und verstarb, ohne sein Kreuz gesehen zu haben! Seither sind einige Jahre vergangen, ich wollte dann auf das Kreuz seinen Namen als Erinnerung, anbringen, bin aber davon abgekommen, weil eventuell der Eindruck entstehen könnte, dass der Mann da hinunter gesprungen sei, oder dort verstorben ist.

Das „Gipfelkreuz für schwache Geher“

So habe ich von all dem Ablenken wollen und in die Tafel geschnitzt „Gipfelkreuz für schwache Geher“! Damit waren aber viele Wanderer, die sich bereits, bis zu diesen Punkt sehr geplagt haben, gar nicht einverstanden, und die Wirtin vom „Dachsteinblick“, bei der die Beschwerden eingegangen sind, hat mich gebeten, diese Tafel zu entfernen! Na gut, jetzt steht nur drauf „Kleines Hörndl“ 1 155 (Meter).

Viele Jahre sind inzwischen vergangen, die Bank und die Stiege sind inzwischen vermodert, aber wir kommen mehrmals in einem Jahr da oben vorbei, und jedes Mal müssen wir an den Erwin und all jene Gäste denken, die auch ein oder mehrmals da oben waren, die aber leider auch schon verstorben sind. So hatte ich im Frühjahr die Idee, diesen schönen Platz noch etwas zu verschönern und quasi als Gedenkstätte für unsere verstorbenen Gäste, ein wenig netter zu gestalten.

Eine neue Bank, und als Draufgabe ein kleines „Bankerl“ mit Klapptisch, würde schon genügen, um als kleiner, aber weitum einziger Gipfel, mit einen einmaligen Rundumblick, Hörndl-Grimming (Multereck) und Dachstein, und derlei Einrichtung, schön dazustehen.

Der Schachner Hans „Pör“ hat das Holz für eine neue Stiege und der Bank gespendet und hat so wie mein Freund, Hanspeter Lemmerer und meine Frau Erika tatkräftig mitgeholfen, die Stiege zu bauen.

Und siehe da, jedem, der es bisher gesehen hat, findet es „suoer“ und dass freut mich besonders, denn scheinbar kann damit so manchem Wanderer, ein zusätzliches Bergerlebnis geboten werden. Jetzt hoffe ich nur, dass daraus kein Abfallplatz entsteht und der Tisch nach Gebrauch, immer abgeklappt wird! Dann „Prost Mahlzeit“ und „Berg Heil“!

Euer Berger Stefan, Vielen, vor allem den Wörschachwaldern als „Ebner Steff“ bekannt - Okt.2021.

Weblink

  • Ungefähre Lage des Gindlhorns auf AMap

Quellen


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Geschichten aus dem Hochtal Wörschachwald

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Gedicht

Aus und vorbei (Gedicht)

Beiträge aus dem Tagebuch der Anna Gasteiner