Die Skiveranstaltungen in Pürgg vor und nach dem Zweiten Weltkrieg

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Die Die Skiveranstaltungen in Pürgg vor und nach dem Zweiten Weltkrieg erzählt von Stefan Berger junior, bekannt auch als „Ebner-Steff“ aus Liezen, bekannt auch als „Ebner-Steff“ in Wörschachwald und Liezen.

Entstehung und Untergang

Aus Erzählungen unserer Väter weiß man, dass es bereits vor dem Weltkrieg in verschiedenen Orten, wo es Skifahrer gab, „Wettskifahren“ gab. Veranstalter waren meist politische Vereine, wie der Freiheitsbund. Erst nach dem Krieg, so um 1947, als die jungen Männer aus der Gefangenschaft nachhause gekommen sind, kam auch Leben in die Dörfer und es begann überall ein gewisses Dorfleben und sportliche Veranstaltungen. Fußballspiele und Skifahren waren das Naheliegendste. Sind zu Beginn nur die Einheimischen zu einen Skibewerb im Ort zugelassen worden, wurden alsbald Wintersportvereine gegründet und Skifahrer aus den umliegenden Dörfern und Vereinen, zu einer Skiveranstaltung eingeladen. Sehr schnell wurden diese „Skiwettfahren“ in Rennen umbenannt, und vielfach bekamen die Läufe einen klingenden Namen. So zum Beispiel das „Krummholzrennen“ in Haus oder das „Kaiserschild-Rennen“ in Eisenerz oder auch das „Salzkristall-Rennen“ in Altaussee.

Einer der jüngsten Vereine ist der SV Grimming mit dem „Spechtenseelauf“. Die Teilnehmerzahlen stiegen immer mehr, jeder halbwegs gute Skifahrer wollte sich mit seinesgleichen aus anderen Orten messen. Die Preise waren am Anfang sehr bescheiden. Eine Anstecknadel in Gold, Silber und Bronze für die ersten Drei in jeder Altersklasse. Pokale waren am Anfang eine Mangelware. Nur der Tagesbeste bekam einen kleinen „Hefen“! Erst viel später bekamen die Sieger einen Pokal. Diese Ehrenpreise wurden von Firmen und Politikern gespendet. Es musste ein Dachverband gegründet werden, der die Regeln vorgibt und alle Veranstalter hatten sich danach zu richten, und es gab einen Rennkalender für das gesamte Bundesland. Es wurden Klasseneinteilungen geschaffen, vom Jugend I bis zu den Altersklassen III und dies bei den Damen wie bei den Herrn. Es wurde zu jedem Rennen per Post mit einer „Ausschreibung“ die Läufer eingeladen. Jedes Wochenende gab es zahlreiche Rennen im ganzen Land und wir wussten oft nicht, wo wir eigentlich starten sollten oder möchten. Die Teilnehmerzahlen stiegen mit den Jahren so sehr, dass es nicht mehr lustig war, weil durch die hohe Startnummer, die ja schließlich für einen Erfolg mitverantwortlich ist, ein gutes Ergebnis von vornherein hoffnungslos war! Die Rennpisten waren damals nicht so kompakt und glatt präpariert, wie es heute ist. Schon nach zehn Läufern waren oft tiefe Rinnen bei den Toren zu bemerken und dadurch war eine gute Zeit, nicht mehr zu erreichen.

Die sogenannten „Bauernrennen“ waren in den 1970iger bis 1990iger Jahren am Höhepunkt!

Nebenbei veranstaltete fast jeder Verein einen „Volksskitag“. Da durften dann nur die Einheimischen an den Start gehen und auch hier stiegen die Starterzahlen immer mehr an. So gab es im Jahre 1973 in Liezen über 500 Teilnehmer. Der Start begann bereits um 8 Uhr Früh und bei den letzten wurde es bereits wieder finster! Daher hat man später die Kinder bereits am Samstag starten lassen müssen. Bei der Siegerehrung gab es einen Fackelzug durch die Stadt, mit Begleitung der Stadtkapelle Liezen und der Große Volkshaussaal war für die vielen Skifahrer und die mitgekommenen Zaungäste viel zu kein.

Weil ich schon bei Liezen bin, muss auch erwähnt werden, dass wir einen Skilift auf der „Ciliwiesen“ hatten, und neben dem Volkskitag gab es noch die wohl beste Veranstaltung, den „Ämterlauf“, dann die Vereinsmeisterschaften (einmal SC Liezen und dann noch den WSV Liezen) sowie die Stadtmeisterschaften, und später kamen noch die Betriebsmeisterschaften für größere Firmen, wie die STEWEAG dazu.

Das war alles einmal!

Langsam gingen die Teilnehmerzahlen zurück die Veranstalter wurden weniger, die Gründe dafür sind schwer zuzuordnen. Bei den Volkskitagen hieß es „i fahr nimmer mit, gwinnen eh immer die gleichen“! Das gleiche gilt auch bei anderen Rennen, die Spezialisten, die, die viel trainiert haben, waren natürlich immer vorne dabei. Es wurden die Veranstaltungen, wie zum Beispiel in Schladming und Haus, aufgewertet, indem man sich mehr auf Landes- und Bundesmeisterschaften konzentrierte. Dann die Weltmeisterschaft in Schladming. Diese Rennen wurden im Fernsehen übertragen und brachten viel Werbung für den Fremdenverkehr.

Nicht zuletzt fiel der Nachwuchs aus. Die Jugendläufer, die aus den Vereinen zu den Läufen genannt wurden, blieben immer mehr aus, sie wollten nicht mehr „nur Vierte werden“! Die Skihauptschule war daran schuld. Die Hauptschulen verteilten ihre Schüler geschickt zu jedem Rennen einige. Ergebnis: die ersten drei Plätze waren Skihauptschüler in allen Jugendklassen, dann kamen alle anderen. Und dies war ein sehr gewichtiger Grund zum Sterben der Bauernrennen. Heute gibt es kein einziges “Wettskifahrn“ mehr im weiten Umkreis. Einzeln findet man noch Ergebnislisten von Vereinsmeisterschaften mit sehr minderer Teilnehmerzahl, bei der jedoch die Kinder bis 14 Jahre, die Mehrzahl stellt, und dann noch ein paar Eltern, die wegen der Kinder mitfahren müssen.

Schön war die Zeit, in der wir Sportler oft zu Fuß, lange Wege zu den Rennen und vor allem zum Start hinauf gehen mussten. Samstag wie Sonntag war ausgefüllt mit Sport und Körper-Ertüchtigung und, mit viel Freude, wenn wir wieder einmal „gwuna“ haben!

Euer Stefan Berger, für alle Wörschachwalder noch immer der „Ebner Steff“, Liezen im Oktober 2021

Quelle

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