Fremdenverkehrsverein Pürgg-Trautenfels

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Zeitzeugendokument
Dieser Artikel ist ein Zeitzeugendokument,ist im Originalwortlaut wiedergegeben und dem EnnstalWiki zur Verfügung gestellt worden. Es sollte daher auf sprachliche Korrekturen bitte verzichtet werden.
Der Fremdenverkehrsverein Pürgg-Trautenfels war ein Vorläufer des späteren Tourismusverbands Stainach-Pürgg.

Einleitung

Einer, der die Zeit der Gründung hautnah erlebt hat, wie man in diesem Artikel lesen kann, Stefan Berger, hat dem EnnstalWiki diesen Beitrag zur Verfügung gestellt. Er ist in seinen Worten wiedergegeben und es sollte auf sprachliche Korrekturen bitte verzichtet werden, da es sich um ein Zeitzeugendokument handelt.

Die Vereinsgründung

Wenn man die Vereinsgründung für Fremdenverkehr in der Gemeinde Pürgg beschreiben will, muss man etwas weiter zurück greifen, denn es gab einen bescheidenen Fremdenverkehr schon lange vor einer Vereinsgründung, denn bereits im Jahre 1910 baute der Gastwirt und Kaufmann Adolf Adam, ein Hotel in Pürgg.

Es gab im Ort Pürgg drei Gasthäuser (Mössner, Krenn und Adam) und einige Privatzimmervermieter und dahin kamen in erster Linie, Wiener nach Pürgg, um hier swiki:Sommerfrische[1] zu machen. Die Preise für Kost und Quartier waren sehr bescheiden und die entsprachen dem sparsamen Wienern sehr. Der Adam als Kaufman und jetzt Hotelier hat dann angefangen, sogenannte "Bessere" Gäste nach Pürgg zu locken, und daher waren hier wohl die ersten Österreichischen Ärztekongresse veranstaltet worden. In den Jahren 1953 bis 1956 fanden die „Pürgger Dichterwochen“ statt.

Langsam blühte der schöne Ort Pürgg immer mehr auf. Allerdings gab es noch immer Misthaufen im Ort, die Bauern waren an den "Fremden" gar nicht so sehr interessiert, weil die beim schönsten Wetter, wenn es die meiste Arbeit gab, nur so herum spaziert sind. Sie haben sich ins hohe Gras gelegt und sind über Zäune gekraxelt, sogar die Schwammerl und Pilze haben sie gegessen und "immer ham´s was wissen wollen". Aber weil die, die Zimmer vermietet haben, doch etwas Geld eingenommen haben, sind immer mehr drauf gekommen, dass die Fremden gar nicht so übel sind! Langsam haben die Pürgger Gäste Wanderungen in der Umgebung gesucht und so wurde auch Wörschachwald sowie Zlem und der Spechtensee, die Wörschach Klamm, das Gindl Hörndl, der Hechelstein, sowie die vielen Almen rundum entdeckt.

Nachdem zwar schon von je her Wege und Steige zu den Almen und Bergen vorhanden waren, brauchte hier vorerst nicht viel verändert sondern lediglich verbessert werden, aber als es dann doch immer mehr Wanderer gab und sich immer wieder welche verlaufen haben, mussten Markierungen her. Für müde und nicht so sportliche, vor allem ältere Gäste, brauchte es Ruhebänke, besonders an schönen Aussichtsplätzen. Bei den Markierungen gab es allerdings verschiedene Meinungen. Die Einheimischen sind vielfach der Meinung, wozu den eine so blöde Farbverschwendung den gut sei, wo doch eh der Weg gut zu erkennen ist. Die vergessen leider, dass bei Weggabelungen und Abzweigungen für einen nicht Ortskundigen, es unmöglich ist, den richtigen Weg zu nehmen. Hier waren vor dem Krieg die Wirte sehr aktiv und haben immer wieder zusammen geholfen um Steige, Wege, Brücken und Markierungen instand zu halten. Dann kam der Krieg, einige kamen aus dem Krieg nicht mehr zurück, weil "Gefallen für das Vaterland"! hat es geheißen und diese Männer fehlten dann. Nicht nur in der Landwirtschaft, nein in allen Bereichen und so auch in der Gastronomie und dem „Fremdenverkehr“.

Nach 1945 war weder ein Gast zu sehen noch ein Wanderer, die einzigen die damals durch die Wälder streiften, das waren die Einheimischen, weil die inzwischen drauf gekommen sind, das die Pilze, die vor dem Krieg nur die „Fremden“ gesucht und verzehrt haben, auch für uns gut sind und zum Überleben helfen. 1946 und 1947 waren die schlimmsten Jahre was Lebensmittel anbelangt und gerade da gab es wie von Gott gewollt, Pilze in rauen Mengen. Da wurde getrocknet und eingelegt. Der Dachboden wurde als Trockenanlage genutzt, so mancher Pilz war aber schon von den kleinen Würmern befallen und musste dann leider entsorgt werden.

Langsam kamen immer mehr Gäste auch nach Pürgg und Umgebung. Es wurden neue Häuser gebaut und weil´s was bringt, auch einige Fremdenzimmer eingebaut. Es war schön hier, aber die Gäste wurden mit der besser werdenden Zeit auch immer anspruchsvoller. Es fehlte an allen Ecken und Enden und so wurde das Verlangen um einen Fremdenverkehrsverein immer lauter.

Rundum in den Orten wie Tauplitz, Mitterndorf, Irdning und Bad Aussee gab es längst Organisationen, die sich um die Belange und Bedürfnisse der Gäste bemüht haben. Nur in Pürgg war nichts los. Kein Bad, viel zu wenig Ruhebänke, kein Tennisplatz, die Gäste, vor allem die Jungen jammerten gleich am zweiten Urlaubstag - "heast do ist ja nix los"!

Fritz Fahringer

Zu dieser Zeit, so in den hohen Fünziger-, Anfang der Sechziger-Jahre, gab es den umtriebigen Geschäftsmann, er gründete das "Haus der Technik", nämlich Dr. Ing. Fritz Fahringer. Der war, wie soll man es höflich sagen, ein Schelmm und Querdenker in der Gemeinde Pürgg und vor allem dem damaligen Bürgermeister gegenüber. Weil in der Gemeindestube und im Gemeinderat in Sachen Fremdenverkehrsverein nichts weiter ging, hat „der Fahringer“ angekündigt, er gründet einen derartigen Verein und damit für die Gemeinde keine Kosten entstehen, würde er den Obmann natürlich ehrenamtlich machen und stellt darüber hinaus eine Schreibkraft aus seinem Betrieb – kostenlos - zur Verfügung!

Dieser Vorschlag bewegte alle die mit Gästen etwas zu tun hatten. Man ist in der kleinen Gemeinde aufgewacht. Es bestand die Meinung, ein Verein muss her, aber „der Fahringer“ darf nicht Obmann werden, aus basta! Zur gleichen Zeit hat ein junges Ehepaar in Lessern ein Haus gebaut und zwar mit dem Ziel, später, wenn die geplante neue Bundesstraße dort vorbei führt, eine Pension oder gar ein Gasthaus daraus zu machen.

Der junge Bauherr (Stefan Berger) war der Enkelsohn vom „Gasthof Dachsteinblick“ in Wörschachwald und zudem zu dieser Zeit Skilehrer in Tauplitz und daher viel mit Gästen und „Fremdenverkehr“ beschäftigt. Auch er bedrängte die Gemeinde mit der Forderung, endlich einen Fremdenverkehrsverein zu installieren, weil man den Leuten etwas mehr bieten muss als nur die schöne Gegend!

Die Gründungsversammlung

Langsam kam die ganze Sache in Bewegung. Es wurde eine Gründungsversammlung im Gasthof Mössner in Pürgg, offiziell von der Gemeinde ausgeschrieben. Von Seiten der Landesregierung war der damalige Landesrat für Fremdenverkehr Franz Wegart angesagt. Es war eine eigenartige angespannte Situation. Einerseits wollte man unbedingt einen Verein gründen, andererseits aber nicht so wie es der gute Fritz Fahringer wollte. Aber wie dies auf die elegante Art „auf die Reihe“ zu bringen sei, war nicht einfach.

Am Dorfplatz vor der "Kirchzeit" trafen sich der Vizebürgermeister Hans Schachner vlg. Ehmann aus Wörschachwald und der junge Skilehrer Berger Stefan zu einen „Krisengespräch“. Nach kurzer Beratung wurde beschlossen, den Landesrat auf der Zufahrt nach Pürgg abzufangen, um ihn von der angespannten Situation zu unterrichten. Gesagt getan! Die beiden fuhren bis zur Bahnunterführung und warteten dort bis ein Auto mit ST. 5 - Kennzeichen kommt, denn dieses Kennzeichen hat der LR. Wegart inne. Ein Mercedes kam, es war auch das besagte Kennzeichen dran, das Fahrzeug wurde gestoppt, aber drinnen saß nicht der LR. sondern der Fremdenverkehrsdirektor der Steiermark, Hofrat .Dr. Josef Gaisbacher. Der Vizebürgermeister Schachner hat mit kurzen Sätzen dem Dr. Gaisbacher die Sachlage erklärt und ihn gebeten, dementsprechend in der Versammlung vorzugehen.

Es wurde vor der Versammlung viel diskutiert und geredet, nur über einen eventuellen anderen Obmann als „dem Fahringer“ hat niemand gesprochen. Bis zu diesem Moment, als der Dr. Gaisbacher aus dem Auto heraus die berechtigte Frage stellte: "Ja habt´s denn an anderen" als den Fahringer? Da zeigte der Vizebürgermeister ganz einfach auf mich und sagte: "Jo ehm do"! Und so ging es in die Gaststube vom Gasthof Mössner und jetzt war ich, der junge Skilehrer, plötzlich im Spiel und sollte da eine gewisse Hauptrolle spielen.

Bei der Versammlung selbst waren wir überrascht, dass das Gastzimmer sich inzwischen bis auf den letzten Platz gefüllt hatte. Also das Interesse war vorhanden, wohl aber auch die Neugier groß, wie diese Sache mit „dem Fahringer“ ausgehen wird?

Dr. Gaisbacher sprach zuerst von den Vorteilen eines Vereines, aber auch von den Pflichten und von den Möglichkeiten, die allgemeine Lage für die Gäste aber auch für die Vermieter zu verbessern, vor allem sagte er gute finanzielle Hilfe von Seiten der Landesregierung spontan zu! Danach redete Dr. Fahringer über seine Pläne, die meist mit einem Lächeln der Zuhörer aufgenommen wurden. Schließlich übernahm wieder Dr. Gaisbacher das Wort und hat nur einen Satz gesagt: Herr Dr., Sie denken in Spiralen! Was er immer damit gemeint hat, die Diskussion war beendet, als der Hans Schachner der Versammlung – mich, den jungen Stefan Berger - vorgeschlagen hat, diesen zum Obmann zu wählen. Da waren wohl einige sehr überrascht.

Allerdings war die Überraschung für mich noch größer, denn es gab nur eine Gegenstimme, nämlich die von Dr. Fritz Fahringer. Ich habe damals sofort erkannt, dass die Begeisterung jetzt sehr hoch war und ich die Situation ausnützen könnte und sofort handeln muss. So habe ich an Ort und Stelle Leute gebeten, im Verein mitzuarbeiten. Vom Schriftführer bis zum letzten Beirat habe ich mir sofort Leute ausgesucht und kein Einziger hat abgelehnt.

Nachstehend die Ausschuss-Mitglieder, die in der Gründungsversammlung vom 28. März 1965 im Gasthof Mössner in Pürgg gewählt wurden: Obmann Stefan Berger; 1. Obm. Stv. Wilhelm Rainer; 2. Obm. Stv. Johann Zandl vlg. Brunner; Schriftführer Alfred Schachner; Schriftführer Stv. Christine Gewessler; Kassier Johann Schachner „Weißinger“; Kassier Stv. Roman Kreutzer; Beiräte Anton Adam, die Lehrer Lorenz Riegler und Günther Mauerhofer, Vzbgm.Johann Schachner „Ehmann“ und Heinrich Stampfer; Wegreferent Josef Sallfeldner; Rechnungsprüfer Leo Sieger und Fritz Katzensteiner;

Der Verein war geboren und die Begeisterung hat voll eingeschlagen.

Ein besonderer Mitarbeiter, sozusagen der gute Geist im neuen Verein, war der Eisenbahner Sepp Sallfeldner. Er hatte in Pürgg nach dem Krieg eine feine, kleine Pension erbaut und war voll und ganz, ab der Vereinsgründung für den Verein aufgegangen! Er hat zu mir als Obmann bei einer Sitzung gesagt: Schau Du, dass immer genug Geld von Graz herauf kommt, die Arbeit da in der Gemeinde mache ich! So war es auch. Die ersten 5.000.- swiki:Schilling hat der Sepp durch den Ankauf von Farbe für die Markierungen und den Ankauf von einigen Bankerl verbraucht.

Viele „Bettelfahrten“ nach Graz

Viele Pläne waren plötzlich aufgetaucht und nicht alle konnten erfüllt werden, aber als erstes wurde der Wasserfallweg in Lessern gebaut, worüber es eine eigene Geschichte gibt, dann kam das Freibad in Pürgg, es wurde 1968 eröffnet. Für den kleinen Verein eine Monsteraufgabe. Viele „Bettelfahrten“ nach Graz zum Landesrat Wegart waren notwendig, bis die Anlage fertig war und dann bei der Einweihung hat es in Strömen geregnet. Die Feier musste im Alpen-Hotel Adam abgehalten werden, wobei der Herr Landesrat in seiner Festansprache meinte, "Ich habe schon viele Bäder eröffnet, aber in einem Festsaal eine Festrede zu einer Baderöffnung, dass ist neu"!!

Und dazu noch eine kleine Begebenheit zum „Geldbetteln“ beim LR. Wegart. Erstens, immer wenn ich das Büro in der Landesregierung betreten habe, hat mich der Landesrat mit folgenden Worten begrüßt: "Was kost`s den heut wieder"? Dann nahte das Ende der Bauarbeiten beim Bad, die Eröffnung war schon angekündigt, aber es fehlten noch 50.000.- Schilling. Von der Gemeinde war nichts zu holen, also musste ich wieder nach Graz. Die gleiche Frage, aber für mich eine ernste Situation. Ich verlangte den Betrag und er wurde mir auch prompt zugesagt. Ja, wir überweisen in der nächsten Zeit das Geld wie immer, auf euer Konto. Dies lehnte ich kategorisch ab. Nein, bitte nicht überweisen, ich brauche jetzt und auf der Stelle einen Scheck mit fünfzigtausend Schilling. Ich habe heute Abend zu einer Sitzung eingeladen, und wenn ich diesen Scheck nicht vorzeigen kann, dann bin ich die längste Zeit Obmann gewesen und ohne diesen Scheck gehe ich Euch auch nicht aus diesen Büro! Daraufhin meinte der Landesrat: "Sie san jo schlimmer wie ein Zigeuner, die Zigeuner kann man verjagen, aber wie es scheint, Sie meinen es ernst." Er rief seinen Sekretär, den Herrn Dr. Falada und dieser musste vor meinen Augen den Scheck ausfüllen. Aktion gelungen, Bad fertig geworden!

Es gab auch danach noch einige solcher Treffen mit Herrn Wegart und nicht immer ging es friedlich zu, aber ich habe mich immer als Gewinner gesehen. Nach 7 Jahren musste ich leider den Obmann zurücklegen, meine privaten Probleme haben mich zu einer Veränderung und einer Übersiedelung gezwungen. Aber heute bin ich noch stolz darauf, dass ich damals mithelfen konnte, in der schönen Gemeinde Pürgg einen Beitrag zu leisten, der bis heute, zum Teil, erfolgreich weiter-besteht.

Obmänner bzw. Obfrau

  • Fremdenverkehrsverein Pürgg bzw. ab Gemeindezusammenlegung 1968 Pürgg-Trautenfels – Stefan Berger – 1965 bis 1972
  • Tourismusverein Pürgg-Trautenfels - Gemeindekassier Johann Schachner vlg. Weißinger – 1972 bis 1975
  • Tourismusverein bzw. -verband Pürgg-Trautenfels - Bürgermeister LAbg. Kurt Tasch vlg. Tobias - 1975 bis 1992
  • Tourismusverband Pürgg-Trautenfels - Franz Petermann - 1992 bis 1998
  • Tourismusverband Pürgg-Trautenfels - Bürgermeisterin Barbara Krenn vlg. Brunnschuster - 1999 bis 2014
  • Tourismusverband Stainach-Pürgg (Gemeindezusammenlegung) - Ing. Werner Zelzer - 2015 bis laufend

Die Strukturreform der steirischen Tourismusverbände soll mit Herbst 2021 in Kraft treten. Die Steiermark wird touristisch dann in elf, der Bezirk Liezen künftig in drei „Erlebnisregionen“ aufgeteilt werden: Schladming-Dachstein, Ausseerland-Salzkammergut und Gesäuse. Statt den Ortstourismusverbänden wird es künftig nur einen Geschäftsführer, eine Kommission und einen Vorstand pro „Erlebnisregion“ geben. Der jetzige Tourismusverband Stainach-Pürgg wird dann aufgelöst und voraussichtlich in die „Erlebnisregion“ Schladming-Dachstein „integriert“.

Quelle

Fußnote

  1. Verlinkung(en) mit "swiki:" beginnend führen zu Artikeln im Salzburgwiki, dem Mutterwiki des EnnstalWiki
Erzählungen von Stefan Berger