Die (letzte) Rauchkuchl (von Wörschachwald)

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Zeitzeugendokument
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Die (letzte) Rauchkuchl (von Wörschachwald) ist eine private Geschichte, erzählt von Stefan Berger junior aus Liezen, bekannt auch als „Ebner-Steff“, Wörschachwald und Liezen.

Die Geschichte

Wann die Rauchkuchl erfunden wurde ist für uns nicht mehr zu erahnen. Allerdings für all jene, die nicht wissen, was eine Rauchkuchl ist, eine kurze Beschreibung.

Ein offenes Feuer auf einer aus Ziegel oder Steinen gebautem Untergrund. Eine Holzfassung rundum und ein aus Holz gebauter Kamin, der nicht direkt über dem Feuer angebracht war, sondern in 2 Meter Höhe als Trichter den Rauch aufgefangen und über das Hausdach hinaus beförderte. Die Bretter dafür waren aus Tanneholz und an einem bestimmten Tag geschlägert und dadurch nur schwer brennbar. Dieses offene Feuer brauchte, um zu brennen, eine gewisse Luftzufuhr, daher gab es in den Rauchkucheln keine Fenster, sondern nur Holzschuber, die auch im zugemachten Zustand, noch immer etwas Luft in den Raum gelassen haben. Dies bewirkte allerdings auch, dass die Küche nie richtig warm wurde und mehr oder weniger als Arbeitsraum für alles gebraucht wurde. Kochen am offenen Feuer war eben die Hauptsache und dann kam alles andere, wie Wolle oder Hanf spinnen, Späne zum Anheizen machen, das sogenannte „Spanmachen“, Kleider flicken, Ross-Zeug ausbessern, Dachschindel machen. All diese Arbeiten, die im Winter unter Dach gemacht werden mussten, sind oft auch in der „Rauchkuchl“ getätigt worden. Es war also der Raum für alles und natürlich auch zum Essen. Ein großer Tisch und eine Bank rundum um den ganzen Raum sowie ein paar Stühle und ein „Scheibelstuhl“ mit drei Beinen waren die gesamte Einrichtung. Aber auch ein Geschirrkorb an der Wand, für die „Irdenen“ Schüsseln und Teller (Keramik Geschirr) durfte nicht fehlen. Dazu beim Herd ein paar eiserne Pfannen und ein großer „Häfen“ fürs warme Wasser und nicht zu vergessen, ein Dreifuß, der über das Feuer gestellt, die Pfannen gehalten hat.

Praktisch für die Bäuerin war wohl auch, dass die Hühner auch im Winter in der Küche ihren Platz hatten. Im Stall war es zu kalt und da legen die Hühner keine Eier. So war für das Kleinvieh wie Hund und Katz und eben die Hühner auch die Küche der einzige Raum, der, wenn auch nur mit einem offenen Feuer, doch geheizt werden konnte.

Ein weiterer Vorteil konnte durch das offene Feuer erreicht werden, nämlich „Selchen“! Über dem offenen Feuer gab es immer ein Rauchaufkommen, welches man zum Selchen des Fleisches aus der üblichen Hausschlachtung, ganz gut haltbar machen konnte. So sind Speck und „Fleisch-Schretteln“ oft das ganze Jahr über dem Herd gehangen und beim Jausnen hat sich jeder nur ein Stück abschneiden können, ein Stück selbst gebackenes Brot dazu und die Jause war kräftig und auch gut.

War es auch ungemütlich in einer solchen „Kuchl“ (Küche), es hatte noch andere Vorteile. Durch den Rauch gab keine Fliegen oder sonstiges Ungeziefer. Der Fußboden wurde nur einmal in der Woche sauber gemacht und der angefallene Mist wurde direkt im Feuer verbrannt. Es gab kein Fenster putzen, weil keine Glasscheiben da waren, und keinen Vorhang, aber es gab auch kein Licht. Zuerst einen Kienspan und später die Petroleumlampe, und eben das Feuer des Herdes.

In den „besseren Häusern“ wurden nach und nach und je nach finanziellen Möglichkeiten, in einem Raum ein Kamin gemauert und ein kleiner Eisenofen angeschafft und langsam kamen die heute noch gebräuchlichen Kachelöfen. Aber da sind wir schon in einer Zeit, die nur noch gut und immer besser wurde.

Schade ist es, dass die Rauchkucheln alle verschwunden sind. In Wörschachwald war die letzte bis zum Jahre 1950 noch vollkommen in Gebrauch, davon folgt die nächste Geschichte, nämlich „Der Brunner und seine Rauchkuchl“!

Liezen, am 26. August 2022

Quelle

Erzählungen von Stefan Berger
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Gedicht: Aus und vorbei

Beiträge aus dem Tagebuch der Anna Gasteiner