Zwei Geschichten zu den Dialektwörtern, die so komisch und doch interessant sind!

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Zeitzeugendokument
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Zwei Geschichten zu den Dialektwörtern, die so komisch und doch interessant sind! Aufgeschrieben von Stefan Berger – bekannt auch als „Ebner-Steff“ aus Liezen, bekannt auch als „Ebner-Steff“, Wörschachwald und Liezen.

Einleitung

Wörschachwald ist ein Hochtal auf ca. 1 100 m Seehöhe, liegt in der ehemals selbständigen Gemeinde Pürgg (ab 1968 Gemeinde Pürgg-Trautenfels und seit 2015 Marktgemeinde Stainach-Pürgg), erreichbar von Tauplitz (sechs bis acht Kilometer). Bekannt ist der Spechtensee (Moorsee – Baden, Fischen, Bogenschießen), der „Spechtensee-Schlepplift“ sowie der Bauernhof „Tischler“ (Alpakaland-Betrieb) und die Gastbetriebe Gasthof Dachsteinblick, Gasthof Wörschachwalder Hof und Spechtenseehütte (bewirtschaftete Schutzhütte des ÖAV. Stainach.)

Die Mädlruam!

Diese nachstehenden Geschichten sollen beweisen, wie sehr sich von einem Ort zum anderen, wenn es auch nur um kurze Entfernungen dreht, der Dialekt oder die verschiedenen Namen, für Dinge anders sein können!

Meine Frau Erika kam durch die Heirat von Lessern Nr.45 vom „Grabner“ nach Wörschachwald – Zlem 22 das ist eine Weglänge, mit dem Fahrradtachometer nachgemessen, genau 1 400 Meter Luftlinie, geschätzt 800 oder maximal 900 Meter.

Sie kam am 14. Juni am Tag unserer Hochzeit zum „Ebner“ und dies ist eine Zeit, in der auch auf 1 050 Meter Seehöhe, im Garten so manches Gemüse geerntet werden kann.

So kam es, dass meine Mutter, die so und so gerne Befehle gegeben hat, der „jungen Frau“ den Auftrag gab, sie soll aus dem Gachtl (Gemüsegarten) für die Suppe, ein paar „Mädlruam“ (Mädl-Ruam) holen. Erika ging brav ins Gachtl und hoffte fest, dass sie dort etwas findet, was sie vorher noch nie gesehen hatte, aber da war nichts, außer lauter Kraut und Rüben, wie sie auch beim „Grabner“ in Lessern im Gachtl zu finden sind. Die Erklärung ist: Mädlruam sind ganz einfach: Karotten!

Also ging sie ganz schüchtern zurück und fragte ihre strenge Schwiegermutter, wie den die Mädlruam aussehen, weil sie findet selbige nicht? Da ging ein Gewitter los: Jo was bist den Du für a „Trutscherl“, kimst aus Lessern und kennst nit amoi Mädlruam, und noch vieles mehr. Dies alles wiederzugeben passt nicht da hinein.

Interessant ist auch die Geschichte mit der Loan! In Wörschachwald heißt der Vorraum zum Kuhstall, einfach „Loan“! In Lessern, nur einen Katzensprung entfernt, kennt man diesen Ausdruck nicht!

Schon alleine aus dieser Begebenheit müsste man hellhörig werden, und man müsste Nachforschungen anstellen, aber dazu brauchte es noch mehr?

Nämlich die Geschichte von „Wo bist Du denn her“?

Im Rahmen meiner Tätigkeit als Betriebsrat in der Steweag bin ich auch als aktiver Rennläufer im Skisport, für die Ausrichtung der Gesamt-Betriebsskimeisterschaften der Firma mit internationaler Beteiligung an den Ort der Veranstaltung, nämlich zum Kreischberg nach St. Lorenzen [Anm.: ob Murau] eingeteilt worden. Um alles mit dem Veranstalter-Verein, den Wintersportverein Murau zu besprechen, war ich mit dem Obmann Herrn Autischer, seines Zeichens Gendarmerie Postenchef, verabredet gewesen.

Wir haben natürlich in erster Linie über die Skimeisterschaft und der Siegerehrung gesprochen, aber natürlich auch über private Dinge, so an die drei Stunden, Erlebnisse und Ereignisse besprochen. Auf einmal fragte er „Wo bist Du überhaupt her“? Meine Antwort war wahrheitsgetreu, „ja Liezen“! Er sagte darauf: Nein, nein, du bist kein echter Liezener, du sprichst ganz anders! Darauf wieder ich: Ja dann, so um Tauplitz herum. Darauf wieder er: Nein du bist auch nicht aus Tauplitz, denn ich kenne den Herrn Lexer, den Obmann des Steierischen Skiverband und der spricht auch anders als Du. Meine Antwort darauf: Na ja, wenn ich Dir sag, wo ich her bin, dass kennst ja so und so nicht, denn genau bin ich aus Wörschachwald. Darauf er: Das hab ich mir schon gedacht, Du redst genau so wie mein Schwager, der „Tiefenbacher Hans“, der hat meine Schwester geheiratet und bei dem bin ich öfters zu Besuch, und immer wundere ich mich, wegen euerer besonderen Ausdrücke, wenn der Hans etwas erzählt!

Und seit diesem Gespräch, habe ich immer wieder Beobachtungen angestellt und habe tatsächlich bemerkt, dass wir „da oben“, einige Worte oder Bezeichnungen haben, die es anderswo nicht gibt, so wie bei der vorigen Geschichte mit der „Loan“ und der „Mädlruam“!

Ähnlich verhält es sich mit dem sehr schönen, wenn nicht schönsten steierischen Dialekt, dem Ausseer Dialekt, der wie so viele leider auch vom Aussterben bedroht ist. Wenn man so wie ich, bei meiner ehemaligen Tätigkeit als Fahrverkäufer in einen Tag mehrere Orte hintereinander besucht, und dort mit den Leuten reden darf, merkt man es sofort. In Alt Aussee, in Grundlsee, in Lupitsch, in Aussee selbst und am Radling, überall wird Ausseerisch gesprochen, aber überall doch ein wenig anders!

Meine Meinung zum Aussterben der Heimatsprachen (des Dialektes), ist vom Fremdenverkehr geprägt, aber auch durch die Bevölkerung selbst, die heute nicht nur mehr im Geburtsort lebt oder arbeitet, sondern irgendwohin gezogen ist oder dort arbeitet, und sich dort der rein deutschen, oder der Geschäftssprache anpassen musste. Auch wenn „er“ wieder zurückkommt, die Sprache seiner Mutter hat er sich abgewöhnt und dies ist so schade. Da bin ich wohl eine Ausnahme, ich lebe schon seit mehr als 50 Jahre nicht mehr in Wörschachwald und habe mich beruflich oft verändern oder anpassen müssen, aber der“ Wörschachwalder (Wirschochwolner) Dialekt“ ist mir anscheinend „Gott sei Dank“ geblieben!

Red wia a Wirschochwolner (Wörschachwalder)“ - ein Versuch die oft komischen Wörter festzuhalten, damit sie nie vergessen werden und uns an die Jugendzeit ewig erinnern mögen!

Euer Berger Stefan - für alle Wörschachwalder, noch immer der „Ebner Steff“.

Wörschachwald „Dachsteinblick“ bzw. Liezen, Jänner 2021

Quelle

Erzählungen von Stefan Berger