Geschichten aus dem Hochtal Wörschachwald: Der Wörschachwalder-Weg und die Entwicklung in der Landwirtschaft

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Zeitzeugendokument
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Geschichten aus dem Hochtal Wörschachwald: Der Wörschachwalder-Weg und die Entwicklung in der Landwirtschaft. Erzählt von Stefan Berger – bekannt auch als „Ebner-Steff“ aus Liezen, bekannt auch als „Ebner-Steff“, Wörschachwald und Liezen.

Einleitung

Wörschachwald ist ein Hochtal auf ca. 1 100 m Seehöhe, liegt in der ehemals selbständigen Gemeinde Pürgg (ab 1968 Gemeinde Pürgg-Trautenfels und seit 2015 Marktgemeinde Stainach-Pürgg), erreichbar von Tauplitz (sechs bis acht Kilometer). Bekannt ist der Spechtensee (Moorsee – Baden, Fischen, Bogenschießen), der „Spechtensee-Schlepplift“ sowie der Bauernhof „Tischler“ (Alpakaland-Betrieb) und die Gastbetriebe Gasthof Dachsteinblick, Gasthof Wörschachwalder Hof und Spechtenseehütte (bewirtschaftete Schutzhütte des ÖAV. Stainach.)

Vorher noch ein Blick zurück, bevor der Weg von Wörschachwald nach Tauplitz gebaut wurde.

Am meisten wurde Holz zu Holzkohlen verkohlt und die Holzkohle wurde mit Schlitten, auf die man große Körbe montiert hatte, übers sogenannte „Egg“ nach WörschachMaitschern zum Bahnhof gebracht. Die Schlitten wurden per Ochs oder Pferd durch ganz Wörschachwald gezogen und am „Egg“, dort wo es nur mehr bergab geht, wurden die Schlitten von Männern gelenkt und mit einer besonderen Bremsvorrichtung (Tazz) den steilen Weg hinunter geleitet. Die Einnahmen waren in keinen Vergleich zur Arbeit, die damit verbunden war. Aber es gab im ganzen Tal einige Kohlstätten, die letzte die noch in den Jahren nach dem Krieg in Betrieb war, war wieder beim „Rohrmoser“. Dort haben wir den Köhler beim Schulgehen noch zusehen dürfen. Eine zweite Möglichkeit Holz zu verkaufen beziehungsweise zu verliefern war, der Weg vom „Dachsteinblick“ nach Lessern. Eine sehr gefährliche und schwere Arbeit. Unsere Großväter sowie der alte „Mössner“ aus Pürgg haben immer von dieser waghalsigen Tätigkeit erzählt. Es gab auch immer wieder schwere Unfälle dabei, so gab es auch einen tödlichen Unfall. Am Weg zwischen „Gindl“ und „Poserer“, dort gab es lange das „Leo Kreuz“, da ist ein Knecht vom „Brechtl“ in Lessern verunglückt.

Zum Wörschachwalder Weg

Nun, der Weg war eine Aufgabe, die sicher mit vielen Problemen behaftet war. Die Grundbesitzer wollten nicht so einfach die Gründe zur Verfügung stellen, diejenigen, die ganz vorne weg ihre Höfe haben, wollten keinesfalls Leistungen erbringen über ihr Anwesen hinaus, aber nach und nach, wurde es immer besser und heute führt eine asphaltierte Straße, nicht nur durch das ganze Tal, sondern jeder Hof, ja fast jedes Haus ist über eine super Straße erreichbar. Dadurch konnte auch die Milch täglich an die Molkerei Stainach geliefert und verkauft werden. Alles Holz konnte anfangs per Ochs und Pferd nach Klachau gebracht werden. Heute fahren die größten Holztransporter nicht nur ins Tal herein, es wurde möglich, Forststraßen bis zu den höchst gelegenen Wäldern anzulegen, und dort wird das Holz direkt vom Wald geholt, ohne es anzurühren. Es wird alles per Maschinen erledigt, lediglich ein Mann bedient die Geräte - welch ein Fortschritt! Denkt man nur etwa 70 Jahre zurück, waren zum Holzschläger immer zwei Mann notwendig. Umschneiden mit der Zugsäge ging nur zu Zweit, ebenso beim Durchschneiden der Bäume, meist auf eine Länge von vier Meter. Das Entasten war eine starke Arbeit.

Ob es „geschunden oder geschepst“ wurde, ergab sich aus der Jahreszeit. Beim Schinden (Rinde entfernen) musste der Baum im Saft sein, also zum Frühjahr oder zur Sommerszeit. Schepsen konnte man im Herbst und Winter, wenn der Saft eingetrocknet ist. Eine gefährliche Arbeit war dann im Herbst zu erledigen. Das Holz wohl durch den Sommer etwas leichter geworden, musste zum Weg gebracht werden. Man hat einen Regentag abgewartet, weil die Blöche am nassen Boden besser gleiten. Vor allem Holz auf Holz ging super und ohne Anstrengung, aber wie gesagt, sollte einmal ein Stück aus der Bahn kommen, war ein guter sicherer Standplatz ein Segen. Immer wieder sind Holzarbeiter beim sogenannten „Hulzen“ verletzt worden! Bis zu 100 Festmeter Holz wurde auf einen Holzhaufen bis zu fünf, sechs Meter hoch aufgeschichtet. Steigeisen und als Werkzeug ein Sapel waren dazu notwendig. Wenn dann der erste Schnee gefallen war, kamen die Fuhrwerke, Ochsen oder Pferde zum Einsatz. Das Holz wurde erst einmal auf ein Zwischenlager in Straßennähe gebracht. Wieder wurden hohe Stapel nur mit Menschenkraft aufgeschlichtet. So ein Zwischenlager gab es auch beim „Dachsteinblick“. Da wurde alles Holz zwischengelagert, welches von „der Riab“ heruntergekommen ist. Da lagerten oft einige hundert Festmeter, bis genug Schnee kam, und der Weg nach Klachau problemlos mit Schlitten befahrbar war. Jetzt wurde da, wie auf allen anderen Lagerplätzen, täglich schon im Morgengrauen die Schlitten beladen. Zwei bis drei Festmeter kamen auf eine Fuhre und dann ab nach Klachau. Zu Mittag noch einmal dasselbe und nach drei vier Wochen, wenn das Wetter passte, waren die Glocken der Pferdefuhrwerke wieder verstummt. Die Lagerplätze leer, lediglich ein paar abgebrochene Schleifholz-Stücke lagen noch herum, die aber unsere Mutter sofort in den Küchenherd verschwinden hat lassen.

Die Straße, die heute vieles ermöglicht, ist wohl die größte Errungenschaft und bringt viele Erleichterungen. Man bedenke, dass viele Bewohner täglich die Straße brauchen, um zur Arbeit zu kommen. Der Schulbus (Gemeinde) bringt die Kinder zur Schule. Der Milchtransporter holt noch die Milch von den letzten verbliebenen Milchbauern täglich ab. Viele Gäste, Wanderer und alle Bewohner benützen heute bedenkenlos diesen Weg, Sommer`s und im Winter´s, jederzeit.

Wenn man vor 80 Jahren unseren Großeltern gesagt hätte, wie es wohl einmal werden wird, niemals wäre ihre Antwort so gewesen! „Die hätten sich solche Errungenschaften, die heute so was von selbstverständlich sind, niemals vorstellen können“!

Eines muss ich allerdings noch festhalten. Wenn man von der guten alten Zeit hört, wenn man die Chronik liest, wenn man beobachtet und zurückdenkt, was unsere Eltern und Großeltern erzählt haben, dann muss man feststellen, Wir, die Generation die knapp vor dem 2. Weltkrieg oder in der Kriegszeit sowie knapp danach, geboren wurden, sind in die beste Zeit hinein geboren, die die Menschheit, hier und rundum, je erlebt hat!

In unserer Zeit ist ab dem Jahre 1945 zwar noch eine schlechte Zeit gewesen. Heute wird in der „Corona-Krise“ gejammert, weil es Einschränkungen und Verbote gibt, weil wir Masken tragen müssen, weil wir manches nicht tun dürfen. Es wird gegen die Verordnungen demonstriert, weil wir uns in der Freiheit eingeschränkt fühlen. Denen muss man sagen, in der Kriegszeit, die wir uns keinesfalls zurückwünschen, wären all die tausend Demonstranten mit Viehwagons, gerade aus in eines der vielen Lager eingeliefert worden und auf den Straßen wäre es sehr, sehr ruhig geworden, glaubt es mir.

Die Geschichte mit den Masken vergleiche ich gerne mit dem „Verdunkeln“ der Fenster in der Kriegszeit. War nur ein kleiner Spalt am Fensterrand frei und ist etwas Licht nach Draußen gedrungen, wurde der Wohnungsbesitzer oder Familienvater, wenn er nicht im Krieg war, sofort angezeigt und er musste sich am Posten melden, wo er ohne saftige Strafe nicht davon gekommen ist.

Nach dem Krieg: „Gibt’s nimmer, hamma nimmer, wird nimmer erzeugt“!

Aber dann, als dies alles vorbei war, als der Zusammenbruch verdaut, die ganz schlimmen Wochen und Tage vorbei waren, ging es uns jeden Tag, jeden Monat besser. Heute weiß man ja gar nicht mehr, wie alles von Jahr zu Jahr besser und leichter wurde. Plötzlich gab es beim Adam, in diesen kleinen Laden in Pürgg am Sonntag die ersten Zuckerl, Krachmandeln, 10 dkg, genau diese Menge konnte ich mir leisten und ich habe sie auf einen Sitz, noch vor der Kirchzeit, gegessen. War nicht sehr gescheit, ich musste während der Messe raus und ganz knapp, habe ich das Klo neben dem Friedhof erreicht. Mein Magen hat so viel Süßes auf einmal nicht vertragen. Solche Köstlichkeiten gab es in der Kriegszeit einfach nicht. Da gab es einen Spruch vom alten Adam, denn man immer wieder gehört hat: „Gibt’s nimmer, hamma nimmer, wird nimmer erzeugt“! Diesen Spruch gab es immer öfter, nicht nur bei Köstlichkeiten, nein er kam bei Zündhölzern, oder bei Schuhnägel, bei vielen Dingen die man einfach jeden Tag hätte brauchen können. Fragen, warum es dies oder jenes nicht mehr gibt, wären Sinnlos gewesen, weil es einfach nicht mehr zu bekommen war. Aber wie gesagt, es wurde besser und besser!

Damals ein Fahrrad zu besitzen, das war schon etwas?! Aber es ging schnell, bald bekam man Räder in vielen Preislagen. Es kamen die Moped`s, von einem Auto konnten wir nur träumen. Aber den Führerschein machen, dass ging. War zwar auch teuer, aber ich konnte diesen auf Raten abstottern, super! Meine lieben Nachbarn, alles junge Bauernsöhne, die haben den Führerschein nur für ein Motorrad gemacht. Und einer war so frei und hat mir ins Gesicht gesagt, was sich alle gedacht haben: „Zu was machst Du den Führerschein für Auto und LKW. Du kannst Dir ja so wieso nie ein Auto kaufen!“ Irgendwie hatte er Recht, aber gekommen ist es ganz anders. Ich habe den Führerschein an meinem 18. Geburtstag geholt und 3 Monate später bin ich in Kapfenberg mit einen LKW gefahren, und in meinen ganzen Leben war der Führerschein ein guter Begleiter!

Wie sich die Wörschachwalder Bauern motorisierten

Zurück zu Wörschachwald. Die Bauern, vor allem die Jungen, kauften sich zuerst ein Motorrad, aber es hat nicht sehr lange gedauert, der Weg von Klachau herein wurde immer besser ausgebaut und so konnte man sehr wohl auch mit dem Auto hereinfahren. Der „Rohrmoser- Vater“, schon sehr schlecht zu Fuß wegen der gewaltigen Frostbeulen, war der Erste, der sich ein Auto gekauft hat. Einen FIAT, so ein graues Museumsstück, der Hermann sein Sohn musste den Führerschein dazu nachmachen, und dann, zwei oder dreimal in die Kirche nach Pürgg. Das Auto wurde in einer Kohlhütte eingestellt, eine Reparatur war nicht mehr möglich. Es ist dort einige Jahre gestanden und ein neuer VW-Käfer stand plötzlich beim „Rohrmoser“ vorm Haus.

Die anderen Bauern sind nach und nach dem Beispiel gefolgt und so hat der VW-Händler Weihnacht in Trautenfels seinen Kundenstock nur durch die Wörschachwalder Bauern gut aufgestockt. Finanziert wurden die meisten Autos mit dem Holzverkauf. Bald gab es einen Auto-Kredit beim Weihnacht und dieser wurde reichlich angenommen. Dadurch konnten sich nicht nur die Bauern, sondern auch die jungen Burschen ein Auto leisten. Da gab es einmal ein Gespräch mit der Frau Weihnacht. Sie erzählte uns, dass der Autoverkauf durch die Möglichkeit der Ratenzahlung sehr gut läuft und sie einen sehr großen Kundenzulauf hätten. Nur ein einziger von den vielen Kunden zahlt seinen neuen VW in bar! Dies sei der Holzhändler Kajetan Gutternigg aus Unterburg. Schon daraus ersieht man, dass der Holzhandel damals ein sehr gutes Geschäft gewesen ist!

Zu der Zeit gab es nur sehr wenig landwirtschaftliche Geräte oder Maschinen. Der Pflug, die Egge, das war schon immer da, nur es kamen die sogenannten „ Selbsthalter“-Pflüge und dann die Motormäher, welche Erleichterung, weil Mähen eine sehr schwere und zeitaufwendige Tätigkeit war. Dazu eine Heuraupe zum Heuwenden und Zusammenrechen. Der Landmaschinen-Handel blühte auf und bei uns besonders der Fahringer in Pürgg. „Haus der Technik“ wurde die Firma genannt. Der gute Fritz Fahringer hat eine besondere Strategie aufgebaut. Er verkaufte jede Art von Maschinen, die es auf dem Markt zu bekommen gab, und er tauschte alte Möbel, besonders Truhen und bemalte Kästen, Geräte, wie alte Pflüge und allen anderen bäuerlichen Kram, als Gegengeschäft ein. Ein besonderes Geschäft wurden die Motorsägen. Am Anfang waren die Dinger nicht nur sehr teuer, sondern auch sehr schwer. Aber die Erleichterung bei der Holzarbeit mit einer Motorsäge war gewaltig, und so kam auf jeden Hof eine Stihl-Motorsäge.

Zum Fuhrwerken war noch immer Ochs und Pferd üblich, aber dann kamen die Einachs-Schlepper. Der „Rohrmoser“ war wie immer einen Schritt voraus, er war wohl auch da der Erste, der sich einen Einachs-Schlepper gekauft hat. Im steilen Gelände waren diese Allrad betriebenen Fahrzeuge gut zu gebrauchen, und so haben einige auch ein derartiges Gerät gekauft und verwendet. Der Nachteil war, man konnte nicht sehr viel damit anfangen. Zusatzgeräte oder Anbaugeräte gab es nur wenige und für schwerere Sachen waren diese Dinger ungeeignet. Die Bauern unten im Tal waren bereits mit Traktoren ausgestattet, aber da Oben hat es relativ lange gedauert, bis der erste Traktor kam. Es war der Paternus Eingang vlg. Walz. Er kaufte sich einen Lindner-Allrad und zwar nicht nur für die Landwirtschaft, sondern er übernahm eine Zeit lang das Schneeräumen und den Milchtransport von ganz Wörschachwald nach Klachau zum Bahnhof. Leider hat sich sehr schnell herausgestellt, der Traktor war trotz Allrad-Antrieb den gewaltigen Schneemassen da heroben nicht gewachsen. Es musste ein schwereres Gerät angekauft werden. Dies war dann ein von der Gemeinde finanzierter Unimog. Aber auch der war zu schwach und musste durch einen großen Traktor ersetzt werden. Am Anfang wurde nur der Hauptweg, dies war von Klachau bis zum „Walz“ (jetzt GH. „Wörschachwalder-Hof“) geräumt und nach und nach wurden immer wieder weitere Zufahrten geräumt. Heute wird von der Gemeinde alles Schneefrei gehalten und niemand braucht mehr Angst haben, dass er mit dem Auto stecken bleibt! Zum Schneeräumen muss aber auch noch gesagt werden, dass, bevor der Weg überhaupt mit Traktore oder Auto befahrbar war, es manches Jahr passiert ist, dass selbst für Ochs und Pferd kein Durchkommen möglich war, und es notwendig gewesen ist, dass alle zusammen geholfen haben, den Weg frei zu schaufeln. Dann hat man Ochsen ohne Schlitten einmal durchgetrieben, dann ein Gespann mit Schlitten und erst nach ein zwei Tagen, war der Weg mit Fuhrwerken wieder befahrbar. Irgend Jemand kam auf die Idee, eine Schneefräse wäre eine ideale Lösung? Der Fahringer lieferte gerne und es gab Freiwillige die sich um diese Arbeit angenommen haben. Es war aber unmöglich, schon bei normalem Schneefall, den langen Weg frei zu halten. Für eine Strecke brauchte der arme Mann 3 Stunden und dann war der Weg ein Meter breit geräumt. Bei der Rückfahrt wurde die zweite Seite geräumt und wenn er am Ausgangspunkt angekommen war, war die erste Spur, bereits wieder zugeschneit. Dies war dann der Start zum bereits besagten Lindner Traktor!

Dann kam die Zeit, in der einige junge Bauern den Hof übernommen haben und die waren eher für etwas Neues zu haben, es wurden mehr und mehr Traktore, Ladewagen, Heumaschinen und sonstige Geräte angeschafft, die das Leben auf den Bergbauernhöfen erleichtern. Einerseits ist diese Entwicklung gut und auch notwendig, denn es gibt immer weniger Arbeitskräfte am Hof und so müssen die Maschinen die Mägde und Knechte, vor allem die Kinder, die es nicht mehr gibt, ersetzen. Der große Nachteil, die Maschinen kosten viel Geld und dazu kommt, dass diese Gerätschaft nie voll ausgenutzt werden kann, weil der Betrieb zu klein ist. Schon der Treibstoff, die Wartung, die normale Abnützung erfordert immer wieder Reparaturen, dem gegenüber der niedrige Milchpreis, der zu geringe Preis für Holz und Vieh, treibt die Bauern zum Aufgeben!

Eine besondere Veränderung noch zum Abschluss, die Heuwirtschaft und dem Getreideanbau in Wörschachwald!

Vor 80 Jahren, hat jeder, der auch nur ein kleines Fleckerl Wiese besessen hat, alles Mögliche angebaut. Ganz wichtig Kartoffel. Jeder Bauer, alle Keuschler hatten zumindest einen kleinen Erdäpfel-Acker. Die Bauern, je nach Personenzahl einen etwas Größeren, weil zum Schweinefutter wurden natürlich auch Kartoffel gebraucht. Es wurden damals noch immer einige Getreidesorten angebaut. Hafer für die Pferde, Gerste für die Hühner und Weizen sowie Roggen für das Brot. Gemahlen hat jeder Bauer in seiner eigenen Mühle. Insgesamt acht Mühlen waren zu dieser Zeit entlang des Wörschachwalder-Baches in Betrieb. Ich muss es noch einmal erwähnen: Ewig Schade um die Mühlen, wenigstens Eine hätte man stehen lassen und pflegen müssen, als Anschauung´s- und Museumsstück! Diese Mühlen waren ein Wunderwerk „Bäuerlicher Handwerkskunst“!

Der Getreideanbau ist immer weniger geworden, weil, so sagte man, das Klima nicht mehr passt? Nein es war viel einfacher auf Milchwirtschaft umzustellen, es macht weniger Arbeit, man braucht keine Hifler mehr, man braucht nicht mehr dreschen und das Getreide nicht mehr mahlen. Die Milch verkaufen und mit dem Erlös alle Lebensmittel kaufen, ist natürlich viel einfacher und durch den Rückgang an Arbeitskräften, gar nicht mehr anders zu schaffen.

Aber auch die Heuwirtschaft hat sich ganz gewaltig verändert. Ich kann mich noch erinnern, in den ersten Nachkriegsjahren, um 4 Uhr früh, erklang vom Hechl herüber, ein Jodler. Das Zeichen beim Hechl beginnt die Mahd! Ein Knecht der Gottfried, der Hechl selbst und die Mädls, haben vor der schweren Arbeit, einen Jodler ins Tal hinunter gesungen, schöner Brauch, schöne Erinnerung. Bei allen Bauern wurde so zeitlich mit der Mahd begonnen.“ Vor Suppn“, hat es geheißen,“ schneits“ am besten! So um sieben herum gab es ein kräftiges „Koch“ ein spezieller Schmarrn aus Weizenmehl, Wasser und viel Schweinefett, dazu eine Schottensuppe. Bis um 9 Uhr wurde gemäht, die Weiber haben angestreut und dann gab es die Jause. Nachher, dass vom Vortag gemähte, umkehren, auch wenden genannt. Zum Mittagessen wurde mit der Hausglocke geläutet und dann begann das Einführen des Heu´s. Wenn das Wetter passte, war alles bis um 5 Uhr erledigt. Es ist aber oft passiert das der Mond schon aufgegangen ist, und noch immer war nicht alles Heu unter Dach. Am Abend, wenn die Knechte und Mägde schon vor dem Haus gesessen sind, und sich ausgerastet haben, hörte man den alten Bauern, wie er die Sensen gedengelt hat. Es war ein angenehmes „bim,bim,bim „und es war notwendig, weil am nächsten frühen Morgen, die Sensen alle wieder eine gute Schneid gebraucht haben. Der Wetzstein in hat dann die Sense zu einen, besonderen schneidigen Werkzeug gemacht. Heute sind die Dengelsteine, die meist vor dem Getreidekasten, unter dem Dachvorsprung gestanden sind, und der Dengelhammer an der Wand, verschwunden.

Selten sieht man noch eine Sense irgendwo hängen, aber den Wert, den die Sense einmal hatte, den gibt es nicht mehr. Motorsensen haben überall Einzug gehalten und die braucht man nicht „dengeln und wetzen“ sondern nur mit Benzin wieder auftanken?

Und, wenn am Nachmittag ein Gewitter hereingebrochen ist, war viele Arbeit umsonst, vieles musste ein zweites Mal, „angstrad“ „werden und oft hat es mehrere Tage geregnet und es wäre das gute Futter kaputt geworden. Man hat sich mit „Hifler“ geholfen. Das nasse Gras wurde auf Holzstützen, die aus Baumwipfel gemacht waren, aufgehängt und diese dann so lange stehen lassen, bis der Wind und die Sonne das Heu auf den Hifler getrocknet haben. Die Landbauern haben dann eine Erfindung gemacht, die besser war als die Hifler. Die Schwedenreiter! Eine Konstruktion aus Stangen und Draht, sowie an jedem Ende ein Abspanner. Das Ganze hat dann ausgesehen, wie ein langer Zaun.

Das Futter wurde hier sofort nach dem Mähen aufgehängt und blieb, je nachdem, ein bis zwei Wochen hängen. Erst wenn es ganz ausgetrocknet war, wurde es eingefahren. Es hatte den Vorteil, es konnte, zwischendurch ruhig mal regnen, am nächsten schönen Tag, ist es wieder trocken geworden. Es war eine Art Notlösung für regnerische Zeiten, aber mit sehr viel Arbeit verbunden, und wenn mal ein Sturm über die Wiesen brauste, brach, wenn es gar arg herging, das ganze zusammen und alle Mühe war umsonst, und auch das Heu konnte man oft nicht mehr brauchen?

Weil immer weniger Arbeitskräfte auf den Höfen waren, oder weil andere Lösungen erfunden werden mussten, wurde der Silo erfunden. Es gab Holzsilos und aus Beton, später kamen die Fahrsilo dazu. Hier wurde so halbfeuchtes Futter eingestampft, wie beim Sauerkraut. Es kam auch eine Art Zucker dazu und es musste ganz festgetreten werden, damit keine Hohlräume entstehen konnten, denn dies würde zu Faulstellen führen.

Bei der Entleerung der Silos kamen viele Menschen ums Leben, wenn sie unachtsam ohne Sauerstoffzufuhr in einen leeren Silo eingestiegen sind. Im leeren Silo befanden sich oft Stickstoffe und Klärgase, die zu Erstickungen führten.

Es gibt heute noch immer Silos, aber nebenbei kam eine besondere Erfindung, „die Heubingel“! oder Heuballen. Sie liegen schon bald im Frühjahr, wie Ameiseneier, weiß oder leicht grün (jetzt auch schon in anderen Farben) auf allen Feldern, in der gesamten Gegend herum. Es ist kaum vorstellbar, dass es ohne diese Maschinen noch eine Landwirtschaft geben kann. Zuerst hat der Maschinenring diese Ballenpressen eingeführt und ein Fahrer ist von Bauer zu Bauer gefahren und hat das vorbereitete Futter, welches meist am Morgen gemäht, bereits am Abend gebündelt und mit Plastik umhüllt wurde. Das war aber nur am Anfang so, immer mehr Bauern haben dann auf diese Art „Heumachen“ umgestellt, und der Maschinenring kam mit ein oder zwei Maschinen die Zuwächse an Kundschaften nicht mehr bedienen. So haben die Bauern selbst wieder eine neue Maschine dazu kaufen müssen. Dazu aber dann auch einen noch viel größeren Traktor und weil es immer schneller gehen muss, und der eine und andere Wiesengrund zum dazu-pachten war, musste eine größere Mähmaschine und eine noch größere Heumaschine dazu kommen. Es ist ein Wahnsinn, welche große Flächen in kurzer Zeit gemäht werden können. Der Unterschied zu den Mähern mit Sense und Wetzstein zu heute, wo ein Traktor mit ca. 30 Stundenkilometer über die Felder rast und eine Breite von geschätzten 8 Meter, auf einmal mäht, der ist so gigantisch, und es scheint, es ist noch immer zu langsam? Das Schlimme dabei ist, es blühen keine Blumen mehr!!!

Zuerst wurden viele Blumengattungen mit dem Kunstdünger ausgerottet. Die Schlüsselblumen stehen nur noch am Wegrand, wo kein Kunstdünger hingekommen ist. Und jetzt sind alle anderen Blumen dran, weil gemäht wird, lange bevor die Blumen blühen. Früher hat es geheißen, es darf erst gemäht werden, wenn der Samen der Blumen und Gräser ausgefallen ist, damit Neues nachwachsen kann. Das war nach Sonnenwende (21.Juni)! Das Sonnwendheu war daher bei den alten Bauern ein ganz besonderes Heu! Jetzt haben die meisten Bauern zur Sonnenwende bereits das zweite Mal gemäht und die Heuballen auf ein Lager, unweit des Hofes, gelegt. Bis zu fünf Mal wird gemäht und der Berg der Heuballen wird oft ganz schön hoch. Die Bauern brauchen keine Tenne mehr, wo normal das Heu gelagert wurde, jetzt genügt ein möglichst großer Platz zum Lagern der Heuballen. Etwas ganz anderes, in Zusammenhang mit den Heuballen, ist mir aufgefallen. Die beladenen Zweiachsanhänger, die schweren Zugmaschinen auf den Radwegen? Ein Heuballen wiegt angeblich ca. 800 kg. Bis zu 20 Stück habe ich schon auf einen Anhänger gezählt, das sind ungefähr 16 Tonnen und die fahren auf einem Radweg, obwohl der Unterbau beim Radweg keineswegs für solche Lasten geeignet ist?!

Jetzt sieht man vielfach, dass einmal links und einmal rechts der Asphalt Sprünge bekommt und auch bereits tiefe Spuren entstehen, zum Leidwesen der Radfahrer. Das passt ganz einfach auch nicht zusammen?

In Wörschachwald sind diese neuen Zustände nicht so auffallend wie unten in den Tälern. Aber auch hier gibt es diese – nicht nur weißen - Ballen, weil es anders nicht mehr geht. Schon alleine vom Wetter her und den Mangel an Arbeitskräften.

Ein Wort noch zum Naturschutz und den Blumen und Insekten die langsam verschwinden. Ich habe auf unserer kleinen Wiese mit Mooranteil in den letzten 10 bis 15 Jahren einige Veränderungen feststellen können. Einige Blumen sind ganz einfach verschwunden, obwohl bei uns kein Kunstdünger gestreut wurde und keine Traktore mähen. Da ist der Türkenbund und der Sonnentau sowie der langstielige Enzian verschwunden. Dafür kommt immer mehr die Kratzdistel auf. Was aber besonders aufgefallen ist, sind die Heuschrecken. Immer wenn wir das Moos gemäht und dann die Streu eingebracht haben, hüpften hunderte Heuschrecken herum. Vor ein, zwei Jahren merkten wir, dass es weniger geworden sind, und jetzt sind sie verschwunden. Die Wespen sind zwar eher eine Plage und man vermisst sie eher nicht, aber dass fast keine mehr da sind, ist schon auch fragwürdig? Es gibt viel weniger Vögel, aber dies ist wohl die Folge, dass es weniger Insekten gibt. So scheint es auch hier eine Spirale nach unten zu geben. Immer mehr und immer schneller müssen die Bauern arbeiten und trotzdem geht einer nach dem anderen zugrunde, da stimmt doch etwas nicht??? Das sind meine Gedanken zur Landwirtschaft, die nicht nur für Wörschachwald gilt und es gibt noch viele andere Ursachen, warum heute alles anders ist als vor 80 Jahren war. Trotz allem wie gesagt, die vergangene Zeit, die wir erleben durften, war eine wunderbare und wer das anders sieht, ist nicht mit offenen Augen durch diese Zeit gegangen!

Euer Berger Stefan, für alle Wörschachwalder, noch immer der „Ebner Steff“.

Wörschachwald „Dachsteinblick“ bzw. Liezen im Jänner 2021

Quelle

Erzählungen von Stefan Berger