Gendarmerieposten Schladming
Der Gendarmerieposten Schladming wurde vermutlich 1851 in einer Stärke von vier Mann errichtet und demselben der ganze Gerichtsbezirk Schladming zur Überwachung zugewiesen.
Einleitung
"Ich bewillige die Errichtung der Gens d'armerie in Meinem Reiche nach den in diesem Vortrag dargelegten Grundzügen und ermächtige Meinen Minister des Inneren die in dieser Beziehung, erforderlichen weiteren Verhandlungen im Einvernehmen mit den hierbei betheiligten Ministerien zu pflegen und Mir die geeigneten Vorschläge zu erstatten."
"Schönbrunn, den 8. Juny 1849 Franz Joseph"
Dies war der Wortlaut der kaiserlichen Entschließung über die Errichtung der Gendarmerie aufgrund eines vom Minister des Inneren Dr. Alexander Freiherr von Bach gestellten Antrages. Es geschah dies in der Zeit eines stürmischen Aufbruchs zu staatlichen Reformen, die mit dem Sturz des Staatskanzlers Fürst Metternich ihren Anfang nahmen, und in der das Volk versuchte, die Last des Absolutismus gewaltsam abzuschütteln.
Im Zusammenhang damit stellte der Abgeordnete Hans Kudlich denkwürdigen Antrag zur Aufhebung des bäuerlichen Untertänigkeitsverhältnisses. Ein Sieg für die Bauern – doch die Revolution von 1848/49 war vom kaisertreuen Militär niedergerungen worden und der Absolutismus blieb vorerst erhalten, wenn auch neue zukunftsbestimmende Ideen aufkamen und alle späteren Reformen, ob politischer oder sozialer Art, Folgeerscheinungen der Revolutionsjahre waren. Mit der Grundentlastung waren die Bauern nicht nur von ihren Verpflichtungen gegenüber ihren Grundherren befreit, sondern enthob die Grundherren jener öffentlichen Lasten, die sie seit dem Bestehen des Grundherrschaftsverbandes zu tragen hatten. Dazu gehörte auch die Gerichtsbarkeit und Sicherheitspflege auf dem Lande.
Diese Lasten musste der Staat auf sich nehmen und daraus ergaben sich für die neu zu gründende Gendarmerie zwei grundsätzliche Zielsetzungen:
Die Sorge um die innere Sicherheit.
Die Schaffung eines exekutiven Organs für die Gerichte, die Staatsanwaltschaften und die politischen Landes- und Bezirksbehörden.
Besonders die Sorge um die innere Sicherheit im Staat war durch die Rechtsunsicherheit, die Verbreitung des Räuberunwesens (als Auswuchs und Folge der Revolutionskämpfe von 1848), die Landstreicherei und die staatsgefährdenden politischen Bewegungen zu einer der Hauptaufgaben der jungen Gendarmerie geworden. Mit dem schwierigen Vorhaben der Gründung und Organisation des Gendarmeriekorps wurde Feldmarschalleutnant Johann Kempen von Fichtenstamm betraut, der auch erster Generalinspektor der Gendarmerie wurde. Gensd’armerie
Nach dem Erlass eines "Provisorisch-organisches Gesetz der Gensd’armerie im österreichischen Kaiserstaate" im Jahre 1850 folgte 1876 ein neues Gendarmeriegesetz, mit dem straffere Richtlinien geschaffen wurden. Das Sicherheitskorps bildete nun einen eigenen, militärisch organisierten Wachkörper, der dienstrechtlich den politischen Bezirks- und Landesbehörden unterstand. Durch dieses neue Gesetz hob sich auch das Ansehen der Gendarmerie in der Bevölkerung zusehends, die nun in zunehmendem Maße Vertrauen zu den Hütern des Gesetzes gewann.
Über den Gendarmerieposten in Schladming
"Das erste Quartier hatte der Posten im Hause Nr. 26 am Hauptplatz. Nach einer zehnjährigen Mietdauer übersiedelte der Posten in das Haus am Hauptplatz Nr. 43 und verblieb dortselbst bis 31. Dezember 1909, an welchem Tage der Posten in das gegenwärtige Quartier Dachsteingasse Nr. 140 einzog."
"Der Posten war dem Landes-Gendarmeriekommando Nr. 6 in Graz, dem A.K. Nr. 3 in Leoben und dem B.G.K. in Gröbming untergeordnet. Die RH. In Gröbming und das B.G. in Schladming sind die Zivilbehörden, welchen der Posten unterstellt ist. Am 1. Jänner 1902 wurde in Judenburg das A. K. Nr. 7 errichtet, welchem der Posten heute noch untergeordnet ist."
So lauten die Eintragungen in der Chronik des Gendarmeriepostens Schladming (I/1901–1936) über die Gründung dieser Dienststelle. Leider sind aus diesen Angaben keine Details aus der Gründungszeit des Postens zu entnehmen, und auch die Reihe der Postenkommandanten beginnt erst mit dem Jahr 1877. Die Nachforschungen haben aber ergeben, dass die erste Unterkunft des Gendarmeriepostens nicht am Hauptplatz, sondern in der damaligen "Hauptstraße" Nr. 26 lag. Es handelt sich um den späteren Gasthof Mayer (Ziwutschka), von wo, in dankenswerter Weise, ein altes Foto für die "Heimatkundlichen Blätter" zur Verfügung gestellt wurde. Mit der Gründung des Gendarmeriepostens Haus am 1. Juli 1906 wurden vom Postenrayon Schladming die Gemeinden Haus, Aich und Gössenberg abgetrennt. Die Gemeinde Ramsau am Dachstein bekam im Jahre 1933 vorerst eine Gendarmerie-Expositur, die 1935 in einen definitiven Posten umgewandelt wurde, womit auch diese Gemeinde vom Postenrayon Schladming abgetrennt wurde.
Dreißig Jahre war der Gendarmerieposten Schladming im Haus Dachsteingasse Nr. 140, dem sogenannten "Berghaus" (gegenüber dem Bauunternehmen Ing. Bliem), untergebracht, bis sich mit dem Ankauf des Schlosses Coburg durch die Stadtgemeinde Schladming im 2. Stock dieses Gebäudes auch für den Gendarmerieposten eine bessere Unterbringungsmöglichkeit bot, und die Übersiedlung im Jahre 1940 erfolgte.
Am 18. Juni 1991 hatte der Gendarmerieposten Schladming wiederum einen neuen Standort im ehemaligen Coburg'schen Forstamt bezogen.
Am 16. Jänner 2012 wurde die Polizeiinspektion Schladming im gegenüberliegenden Neubau an der Coburgstraße eröffnet.[1]
Die Postenkommandanten seit 1877
| Titel | Name | Dienstjahre |
|---|---|---|
| Postenführer | Leopold Almer | 1877–1878 |
| Postenführer l | Josef Klock | 1878–1880 |
| Postenführer | Georg Fäbich | 1880–1881 |
| Postenführer | Georg Scherz | 1881–1881 |
| Postenführer | Anton Oswald | 1881 |
| Wachtmeister | N. Suppan | 1881–1882 |
| Wachtmeister | Franz Brantner | 1882–1889 |
| Postenführer | Josef Maier | 1889–1891 |
| Postenführer | Martin Kuhanek | 1892–1896 |
| Wachtmeister | Josef Pasch | 1896–1899 |
| Wachtmeister | Friedrich Selan | 1899–1902 |
| Bez. Inspektor | Franz Setznagel | 1902–1929 |
| Gend. Rev. Insp. | Emmerich Wagner | 1929–1930 |
| Gend. Rev. Insp. | Rudolf Kofer | 1932–1934 |
| Gend. Rev. Insp. | Viktor Häusler | 1934–1938 |
| Gend. Rev. Insp. | Emmerich Wagner | 1938–1939 |
| Bez. Ob. Wachtm. | Franz Inanger | 1939–1945 |
| Patrl. | Alois Waclik | 1945–1948 |
| Bez. Inspektor | Friedrich Roithner | 1948–1949 |
| Bez. Inspektor | Dominikus Feistl | 1949–1968 |
| Abt. Inspektor | Johann Ofner | 1968–1989 |
| Abt. Inspektor | Bruno Peßl | 1990–2003 |
Aus der Gendarmerie-Chronik
Im Laufe der Jahrzehnte konnten die Beamten viele Verbrechen und Vergehen klären. So kam es im September 1988 zu einem Taxiraub: Ein damals 22‑jähriger arbeitsloser Mann ließ sich mit einem Taxi von Salzburg nach Radstadt chauffieren. Dort raubte er dem Taxilenker unter Vorhalt einer Pistole Geld und sperrte ihn in den Kofferraum des Taxis. Den Beamten der Gendarmerie Schladming gelang es, den Mann wenige Stunden nach der Tat auszuforschen und zu verhaften.[2]
Quellen und Einzelnachweise
- Heimatkundliche Blätter von Schladming, Nr. 17, September 1991, verfasst von Walter Stipperger
Einzelnachweise
- ↑ PI Schladming feierlich eröffnet
- ↑ Stadtnachrichten Schladming, Ausgabe Dezember 2014