Rathaus Schladming

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Rathaus Schladming
Historische Postkarte des Jagdschlosses mit Poststempel 29.4.1888.
Blick ins Stiegenhaus
Das Rathaus im späten Nachmittagslicht.

Das Rathaus Schladming ist im ehemaligen Jagdschloss des Prinzen August von Sachsen-Coburg und Gotha untergebracht. Es zählt zu den denkmalgeschützten Objekten in Schladming.

Geschichte

Prinz August fasste den Plan, in Schladming ein Jagdschloss zu erbauen, das ursprünglich auf einem Grundstück des Hofbauer-Anwesens am Rohrmoos errichtet werden sollte. Die Verkaufsverhandlungen um das Grundstück gediehen aber nicht wunschgemäß, so dass der Prinz beim vulgo Oanleitner im Bereich des östlichen Ausläufers der Ramsau ein passendes Areal erwerben wollte. Aber auch dies war nicht möglich, worauf er 1882 das Anwesen vulgo Kürschner im sogenannten „alten Markt" von Schladming zum Abbruch kaufte und 1884 das Jagdschloss erbauen ließ.

Natürlich waren die Schladminger sehr stolz auf ihren hohen Gast und freuten sich sehr, als sie von dem Bauvorhaben des Prinzen nähere Einzelheiten erfuhren. Man beeilte sich daher diese, für Schladming sehr bedeutsame Neuigkeit an die Presse weiterzugeben, worauf im „Grazer Volksblatt" vom 13. Juli 1882 folgendes zu lesen stand:

Ein neuer Schladminger Bürger. Seine Hoheit Prinz August, Herzog zu Sachsen-Coburg und Gotha (von der katholischen Linie dieses Fürstenhauses) hat in diesem Frühjahr das sogenannte Kürschner-Anwesen im Markte Schladming angekauft und beabsichtigt, darauf eine Villa für sich und eine Wohnung für sein Jagd- und Forstpersonale zu erbauen. Derselbe ist nämlich seit ein paar Jahren Besitzer von sehr ausgedehnten Waldungen bei Schladming und in den drei Sölken beiGröbming; diese Forste waren ehemals als Zubehörde des Montanwerkes Eisenerz Staatseigenthum gewesen, von da an die Innerberger Hauptgewerkschaft übergegangen und von dieser an ihren dermaligen erlauchten Besitzer verkauft worden.

Und als nach Fertigstellung des Schlosses im Jahre 1884 im darauffolgenden Frühjahr Ludwig August Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha mit seiner Familie das Haus bezog, gab es wiederum einen Zeitungsbericht - diesmal in der Ausseer Steirischen Alpenpost. Da hieß es am 21. April 1884:

Heute bezog Prinz August von Coburg-Gotha sein neu erbautes Jagdschloß und gab in dem reizenden Heim ein Diner, bei welchem die bewährte Schladminger Musikkapelle unter Leitung des Capellmeisters Herrn Franz Tuller die Tafelmusikbesorgte.

Um 6 Uhr Abends begab sich Seine königliche Hoheit, geleitet von Herrn von Vernouillet und dem hier zum Besuche weilenden General a. D. Herrn Baron Richter auf den Bahnhof, um dort seinen Bruder, den Prinzen Philipp von Coburg-Gotha, zu erwarten. In den letzten Tagen wurden mehrere Jagdausflüge unternommen und 6 schöne Exemplare von Auerhähnen erlegt.

Das hoflose dreigeschoßige Gebäude mit südlichem Turmvorbau, nördlichem Mittelrisalit und polygonalen Erkervorbauten spiegelte die zeitgenössischen Wünsche wider. Es war eine Villa mit jeglichem Komfort und dem repräsentativen Anspruch eines Schlosses.

Die teilweise ziegelsichtige Fassade mit vorgeblendeten Fenster- und Türgewänden, aufgeputzten Mauerzinnen und gleichfalls bezinnten Dachfenstern orientierte sich sehr frei und willkürlich an Formen des englischen Villen- und Schlossbaues vom 16. bis 17. Jahrhundert. Die Dächer wiederum standen mehr französischen Vorbildern nahe.

Die Stadtgemeinde Schladming kaufte das Jagdschloss 1940. Heute dient es als Rathaus und ist innen weitgehend modernisiert, während der Außenbau, nicht zuletzt wegen der Erhaltung des Parks, ein wenig von seiner Atmosphäre der Entstehungszeit bewahren konnte.

Bilder

Quelle