Steinerweg

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Der Steinerweg ist eine alpinistische Route im Dachsteinmassiv durch die Dachstein-Südwand.

Geschichte

Am 22. September 1909 eröffneten Franz und Irg Steiner den nach ihnen benannten Weg durch die fast 1 000 Meter hohe Südwand des Dachsteinmassivs.

Schon im Jahre 1910 eröffnete H. Huber bei der zweiten Begehung des Steinerweges, den er übrigens alleine bewältigte, das unterhalb des Steinerbandes parallel verlaufende und leichter begehbare Salzburgerband. Alle frühen Damenbegehungen folgten dieser Variante.

Damen-Begehungen

1913

  • Karolina Perhab im Oktober 1913. Die Simonbauerntochter aus der Ramsau und spätere Ederbäuerin dürfte mit Susanna Steiner eine der ersten Frauen gewesen sein, welche die Dachstein-Südwand durchkletterten. Karolina war damals gerade 21 Jahre alt, als zwei Seilschaften in die Südwand einstiegen. Angenommen wird, dass der Irg Steiner mit der Karolina am Seil ging.
  • Susanna Steiner war mit ihren 16 Jahren jedenfalls die Jüngste. Susi, die Schwester der Erstbegeher und spätere Austriahüttenwirtin, folgte dem Weg ihrer berühmten Brüdern in Begleitung von Bruder Irg oder Hans Mayerhofen, Auwirtsohn und Neffe Irgs. Diese Kletterfahrt damals machte aufgrund eines Wettersturzes auch ein Biwak erforderlich. Übrigens wurden über die Bergschuhe große gewalkte Socken gezogen, um vor allem sicher voranzukommen.
  • Hannerl Perhab, Pernertochter aus der Ramsau und spätere Simonbäurin stieg mit ihren Brüdern Heiner und Richard, der übrigens auch Bergführer war, über das Salzburgerband den Steinerweg auf den Dachstein. Mit Recht konnte Hannerl auf ihre Leistung stolz sein, als die Dreierseilschaft die Dachstein-Südwandhütte erreichte und dort auf Irg Steiner traf, Erstbegeher dieser "Himmelsleiter" durch die Dachstein-Südwand. Nach Hedwig Mayerhofer war es die zweite Damenbegehung des Steinerweges.

1929

  • Emille Baumgartner (Lebensdaten nicht bekannt) meisterte mit einem gewissen Heinz Menzinger, der aus Steyr gebürtig war und lange Zeit in Wien lebte, den Steinerweg.

1930

  • Maria Lackner, die spätere Bäuerin beim vlg. Oberhofer in Filzmoos versuchte es mit ihrem Bruder und Bergführer Sebastian, dem „Lackner Wastl" und Hofpürgl-Hüttenwirt. Sie mussten jedoch noch vor dem Salzburgerband aufgeben.

1931

  • Barbara Passrugger aus Filzmoos erkletterte am 31. August 1931 mit ihrem Bruder und Bergführer Franz Hofer, vlg. Rettenegg, über den Steinerweg Steiermarks höchsten Berg. Auch sie nahmen - wie alle frühen Damenbegehungen - das Salzburgerband. Aus Erzählungen von Barbara Passrugger ist bekannt:

Mit ihrem Bruder Franz kletterte sie schon auf die Bischofsmütze und durch die Südwand der Mitterspitze, ehe der Plan reifte, über den Steinerweg auf den Dachstein zu steigen. Zu Hause beim vlg. Bögrein durfte selbstverständlich niemand von derartigen Unternehmungen eines Mädchens wissen. Nur der Filzmooser Schmiedemeister, der übrigens Barbara einen Trainingsanzug für diese Bergfahrt kaufte, war darüber informiert. Auf der Neßlau-Alm traf sie auf Bruder Franz und gemeinsam traten sie den Weg zur Südwandhütte an, wo genächtigt wurde. In der Früh musste der Hüttenwirt noch lachen, als ihm zu verstehen gegeben worden war, dass man gemeinsam den Steinerweg machen wolle. Um 3/4 6 Uhr stiegen Franz und seine 21-jährige Schwester, ein wendiges, schlank und rankes Dirndl, in die Wand ein. Als Schuhwerk versahen "lockere Patschen" mit einer Hanfsohle ihren Dienst, die am Fels übrigens sehr gut hielten. Man kam gut voran, ließ sich auch durch das Salzburgerband nicht lange aufhalten - Barbara kroch direkt auf diesem vorwärts - und meisterte in der ausgezeichneten Zeit von nur 3 3/4 Stunden diesen klassischen Südwandanstieg. Zwei Touristen, die man überholt hatte, entdeckten beide noch am späten Nachmittag in der Wandmitte. Barbaras "heimliche" Kletterzeit fiel in die Zeit von 1929 bis 1936.

1932

  • Herta Sevenich (* 5. März 1911; † 21. Jänner 1996): Herta, eine Tochter des Schladminger Kaufmanns Gottlieb Reisenauer, stieg mit ihrem Cousin, dem Sepp Reisenauer, und Hannes Pall als Seilgefährten, im Sommer in die Pichlroute ein. Eigentlich stand damals eine Klettertour in der Dirndl-Südwand auf dem Programm und Herta glaubte auch anfangs in dieser zu klettern, doch bald lüftete der Sepp das Geheimnis. Übrigens stieg Herta Reisenauer damit als die erste Schladmingerin durch die Südwand des Dachsteins, wenngleich es auch nicht der Steinerweg war.

1943

Sie verstiegen sich allerdings und gelangten in die schwierigen "Münchner Kamine". Die Sportlehrerin, sowie der von der Heeresbergführerschule Fulpmes frei gekommene Stoll, meisterten auch diese Route. Doch sie waren nicht alleine und unbeobachtet in der Wand. Längst war der Hans Bachler, Träger der Dachstein-Südwandhütte und auch als „das Adlerauge vom Dachstein" bekannt, mit seinem Fernglas dabei. Als die beiden zur Dachstein-Südwandhütte kamen, gratulierte Hans der Martha mit den Worten: „Du bist das erste Dirndl, das durch die Münchner Kamine geklettert ist!" Auch Sophie Schrempf, welche in dieser schweren Zeit alleine die Hütte bewirtschaftete - Karl war eingerückt - erinnerte sich noch daran und die noch vorhandenen Eintragungen im Hüttenbuch erzählen davon. Heute lebt Martha Brandecker, verheiratete Siebke, in Bielefeld, Deutschland.

  • Kunigunde Prugger (* 15. November 1923: zwei Almsommer auf der Aualm als Sennin in den Jahren 1941 und 1942 ermöglichten der Kuni von zu Hause weg zu kommen und Hand an die Felsen der Bischofsmütze und des Dachsteins zu legen. Sieben Mal kraxelte sie im Sommer 1942 alleine auf die Große Bischofsmütze ... da wurde auch ein "gstandener" Bergführer, wie der Lackner Wastl 5), 1 Hüttenwirt auf der Hofpürglhütte, auf das 1 "geländegängige" Ramsauer Dirndl aufmerksam, machte mit ihr den Jahnweg und 1 sogar mit dem 3. Turm der Kl. Bischofsmütze eine Erstbegehung.

Dass die Kuni damit die Meisterprüfung für eine große Kletterfahrt in der Dachstein-Südwand ablegte, war wohl unbestritten. Im Herbst 1943 sah man gleich zwei Pehabdirndln auf dem Pichlweg unterwegs: Die Wetti (Barbara Pehab, verh. Pickl) mit dem Engelbert Walcher, vlg. Zeiser) und die Kuni mit einem gewissen Trinker aus Gröbming, Kriegskamerad von Engelbert. Und schon am nächsten Tag durchkletterte sie mit dem „Zoas Engelbert" die Südwand auf dem Steinerweg .

Anfang September 1943 - Die Töltldirndln in der Südwand
Schon ein Jahr zuvor bestanden die Traudl und die Ida die „Aufnahmsprüfung" für den Steinerweg: Sie kletterten 1942 den Pichlweg. Die Ida mit dem Heissn Karl, die Traudl mit dem Franzi Steiner, Lodenwalkersohn in Mandling und Sohn des Erstbegehers. Beide Ramsauer Dirndln sah man dann ein Jahr später im Steinerweg klettern, in Zweierseilschaften - so, wie ein Jahr zuvor.

Und da war a Stell, da habn ma durchkriachn miassn" erzählt die Traudl, „der Franzi voran. Von obm habn Kletterer Stoa loslassn und oana hat den Franzi am Kopf dawischt." Zum Glück kletterte an diesem Tag auch der Zoas Engelbert mit einem Bergkameraden aus Haus im Ennstal diesen Weg und verband die blutende Kopfwunde. Da der Franzi doch etwas benommen war und sich nicht mehr so sicher fühlte, wurde er vom Heissn Karl ans Seil genommen, die Ida wurde von dem Hauser Bergsteiger geführt und der Zoas Engelbert nahm die Traudl, eine Schulfreundin der Prugger Kuni ans Seil, welche im gleichen Jahr übrigens auch den Steinerweg meisterte. Die drei Seilschaften erreichten an jenem sonnigen Herbsttag dann ohne Probleme den Gipfel. Der Karl, der Franzi und der Engelbert verbrachten einen Fronturlaub in ihren geliebten Bergen, vom Krieg kamen sie nicht mehr zurück.

1945

  • Susanne Knaus (* 4. März 1927): Die Mautner Sonei, Mühlebnerin in Ramsau, durchstieg in zweieinhalb Stunden mit dem bekannten Bergsteiger und Autor von Bergbüchern Kurt Maix (Im Banne der Dachstein-Südwand) die Dachstein-Südwand auf dem Steinerweg. Sie folgte damit den Spuren ihrer Tante Susanna, welche als Schwester - der legendären „Steinerbuam" - als eine der ersten Damen die Wand auf diesem Weg durchstieg. An jene Bergfahrt erinnert sich heute noch der Sepp Strasser, einer der erfahrensten Bergrettungsdienstmänner und ausgezeichnetsten Bergsteiger der Ramsau, ganz genau. Er „hängte" sich nämlich damals dem Kurt Maix und der Sonei mit einem Trofaiacher Kriegskameraden an, war es doch seine erste Kletterfahrt auf diesem Weg. „Wann's nachkommts, könnt's gern mitkemman" meinte Kurt Maix und nicht anders sollte es auch kommen. Sie hatten „alle Hände voll zu tun", um dem Tempo zu folgen. "Und der stets entschwindende Hinterteil der Sonei war wertvolle Orientierunghilfe (!). Ihn durfte ich nicht verlieren" schrieb der Sepp später in sein Tourenbuch. Er kletterte seither über 30 Mal den Steinerweg, doch diese erste Tour, welche zugleich seine „schnellste" war, vergisst er nicht. „Ich bewundere heute noch die Leistung von der Sonei! Aber auch die meines Bergkameraden Louis Peckel, dem es nicht an Kondition, jedoch an alpiner Erfahrung mangelte.

Vroni Pichler, spätere Gsengerin, nahm der Sonei, welche mit Filzpatschen kletterte, die Bergschuhe mit, welche noch für den Gletscher und den weiteren Abstieg gebraucht wurden. Für diesen Dienst nahm sie allerdings die Pfannl-Maischberger-Route durch die Dirndl-Südwand mit dem erst 15jährigen Hansi Stocker, Leitenmüller, mit. Beim Abstieg über den Dirndl-Westgrat rief die Sonei schon nach ihrem Schuhwerk. Als sie sich dann bald darauf trafen, meinte die Sonei: „Bua, mit'n Maix geh i neama, noch jeder Seilläng hat er a Bussl wolln..." Ein zweites Mal ist die Sonei mit dem Karl Schrempf, Mitbesitzer und langjähriger Hürtenwirt der Südwandhütte, im Sommer 1946 den Steinerweg geklettert.

  • Theresia Tritscher (* 25. Juli 1926): Die Matschner Thresl, später Gattin von Zimmermeister Fritz Tritscher aus Schladming, stieg mit dem Feisterer (Simonlehner) Hansl im September 1945 durch die Dachstein-Südwand. Mit Begeisterung berichtet sie von ihren Bergfahrten und erinnert sich gerne an ihre Kletterfahrten zurück. „Samstag, Sonntag hat's nix anders gebn als aufi auf d'Hüttn [Anm: Südwand- oder Austriahütte] und da hat ma g'schaut, das ma oan dawischt, der an mitnimmt!" Die Lodenhosen wurde selbst genäht, die Kletterschuhe (die sich sehr bald auflösten) am Schwarzmarkt erstanden. Mit einfachster Ausrüstung wurden der Jahnweg auf der Bischofsmütze, die Südwand der Mitterspitze (mit dem Sepp Strasser, dem Obergrabner - Englacher - Siegfried, dem Gsenger - Steiner Anderl, der Perhab - Prugger - Kuni), der Pichlweg durch die Dachstein-Südwand.
  • Vroni Steiner (* 10. Jänner 1925): Die Gsenger Vroni lässt alles stehen und liegen, als ich ihr schmuckes Haus Waidmannsheil in Ramsau betrete, und das Bergsteigen - wie's früher einmal war - zum Thema wird. Zwei Mal ist sie den Steinerweg geklettert, im August 1945 mit dem Richard Perner, ein Jahr danach im September 1946 mit ihrem späteren Mann, dem Gsenger Anderl (Steiner) in nur dreieinhalb Stunden.

Die Vroni, beim vlg. Perner, der alten Ramsauer Bergführerdynastie mit Heiner, Richard und Bernhard, aufgewachsen, erinnert sich noch gut an jene erste Begehung. Die Quelle in der Wand konnte sie an diesem schwülen Sommertag vor Durst kaum erwarten und zu guter letzt gab es noch einen plötzlichen Wetterumschwung auf dem Gipfel mit Sturm und Schnee.

Schon im Alter von zehn Jahren stand die Vroni auf Steiermarks höchstem Berg - das war im Sommer 1935 mit dem Perner Heiner. Zahlreiche Kletterfahrten von der Bischofsmütze (Jahnweg im August 1946 in der Seilschaft mit Sepp Strasser) bis zur Türlwand fielen in die Zeit vor ihrer Hochzeit mit dem Anderl im Dezember 1946.

1947

  • Sophie Schrempf (* 21. März 1918): Die Hüttenwirtsleute Sophie und Karl Schrempf stiegen gerne im Herbst - wenn der ärgste Wirbel auf der Dachstein-Südwandhütte vorüber war über die Hunerscharte auf den Dachsteingipfel. Am 5. Oktober 1947 schlugen der Karl, die Sophie und der Hermann Franzel den Weg zum Einstieg des Steinerweges ein. Nachdem die Sophie ein Jahr zuvor den Pichlweg und die Pfannl-Maischbergerroute in der Dirndl-Südwand meisterte, stand nun einer Begehung des Steinerweges wohl nichts mehr im Wege. Die Genagelten - übrigens vergessene Bergschuhe eines Touristen - ließ sie beim Einstieg zurück, um mit den Hanfpatschen weiter zu steigen. In viereinhalb Stunden Kletterzeit wurde der Gipfel erreicht.

Originalkommentar:
"Die Patschen sind aufm Rückweg noß und woach wordn, aber des vergißt ma gern und die Gnageltn hab i halt in die Tour investiert!"

Unglücke am Steinerweg

„Vier im Steinerweg"

Diese Meldung erreichte die Männer des Bergrettungsdienstes Ramsau nach einem Wettersturz am 21. Juli 1947. Zehn Mann machten sich auf den Weg. Knöcheltiefen Schnee gab es schon beim Anstieg, der bis zum sogenannten „Dachl" bereits hüfttief wurde. Der Sepp Strasser wurde als Seilerster von Richard Perner gesichert. Vier weitere Seilschaften folgten ihnen. Am "Salzburger Band" entdeckten die beiden zwei der Vermissten, die Bischofshofener Gustav Stangl und Johann Lamer. Ihnen konnte leider nicht mehr geholfen werden und wegen des anhaltenden Schneesturms war an eine Bergung an diesem Tag nicht zu denken. Doch wer waren die beiden anderen Bergsteiger? Lautes Rufen - jedoch keine Antwort. Gegen sieben Uhr abends erreichten Sepp und Richard nach 13-stündiger härtester Kletterei im verschneiten und vereisten Fels das Schneefeld am Einstieg des Steinerweges. Nebel und Wolken verzogen sich für einen kurzen Augenblick. Da vernahmen sie plötzlich verzweifelte Hilferufe, die allerdings aus der Pichlroute kamen. Erschöpft und durchnässt erreichten die Männer die Südwandhütte. Nur kurze Rast war ihnen dort gegönnt. Es wurde wiederum eine Rettungsmannschaft zusammengestellt, die am darauf folgenden Tag, dem 22. Juli, in den Pichlweg einstieg. Da sich das Wetter etwas besserte, kamen die Retter rasch vorwärts. Hubert Vierthaler fand die Verunglückten, mit ihm als Seilgeführte der Zoas Jok (Jakob Walcher, vlg. Zeiser), doch leider gewann wiederum der Tod den Wettlauf mit der Zeit. Margarete Kain aus Wien hing tot im Seil, deren Bruder Herbert Mahr starb in den Armen der Retter, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben. Die Rekonstruktion des Unfallherganges ergab, dass der Bruder den Sturz seiner Schwester wohl halten konnte, die Verunglückte jedoch nicht mehr auf den Standplatz zurückbringen konnte. Übrigens kamen damals die Brüder Steiner, der Franz und der Irg, den Rettern von der Dachsteinschulter her entgegen, um Hilfe zu leisten. Doch alle Bemühungen waren vergeblich geblieben.

Tragisches Detail am Rande dieser Einsätze: Ing. Hermann Huber, Mitglied des Bergrettungsdienstes Bischofshofen, verunglückte am 24. Juli 1947 bei der Bergung der beiden Toten aus seinem Heimatort.

Video

* Video: Emmanuel Cherlias

Quellen