Josef Strasser

Kraxl-Oldtimer Sepp Strasser (90) am Dachstein

Josef (Sepp) Strasser (* 8. Oktober 1921 in Trieben) ist ein bekannter Ennstaler Alpinist.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Im Zweiten Weltkrieg war Strasser von 1941 bis zum Ende des Krieges beim Gebirgsjäger-Regiment 138 der 3. Gebirgsdivision im Einsatz gewesen und musste schreckliche Erlebnisse verarbeiten. An der Front wurde er drei Mal verwundet. Am 17. November 1951 hatte er seine Maria, die Wagner Mirzl, geheiratet, mit dem Hausbauen begonnen, eine Familie gegründet. Gemeinsam hatten sie die beiden Söhne Helmut und Gerhard.

Josef Strasser hatte alle Viertausender der Alpen bestiegen (insgesamt 56), ist seit 1946 Mitglied bei der Bergrettung Ortsstelle Ramsau am Dachstein und hatte neue Routen erklettert, unter anderem die Türlspitz-Südostkante, V+ -. Er rettete durch selbstlosen Einsatz zahlreichen Alpinisten ihr Leben und ist Träger der höchsten Auszeichnungen für Lebensrettung.

Im August 2011 bestieg der 90-Jährige mit seinem Sohn Helmut zunächst den Hohen Gjaidstein (2 786 m ü. A.) und nach einer Nächtigung in der Seethalerhütte den Hohen Dachstein (2 996 m ü. A.) Diesen Gipfel erklomm er aber nicht über die Normalroute, sondern über die schwierige Kletterroute der Schulter, weil, so Sepp .. do wern die Schuach nit so noss.

Aus dem Leben eines Bergsteigers

Ein Beitrat von Walter Bastl, Alpenverein Sektion Haus im Ennstal:

Der Sepp erblickte am 8. Oktober 1921 in Trieben das Licht der Welt und wuchs gemeinsam mit seiner Schwester in einfachen Verhältnissen auf. Sein Vater war Lagerhalter, die Mutter unterstützte ihn bei dieser Arbeit und führte den Haushalt. Ihre Musikalität - Vater Strasser spielte Gitarre - und Naturverbundenheit gaben sie ihren Kindern mit auf den Weg.

Nachdem die Familie 1926 nach Schladming übersiedelte kam der Sepp bereits als Zehnjähriger mit seinen Eltern auf den Dachstein [Anmerk: gemeint ist die Gemeinde Ramsau am Dachstein) (1. August 1932) und mit 14 Jahren auf die Bischofsmütze (29. Juli 1935). Einige Tage vorher, am 22. Juli 1935, stellte er erstmals seine Führerqualitäten unter Beweis. Mit seinem Schulkameraden, dem Agathon Hubner (er wanderte später nach Südafrika aus), sah man den jungen Sepp, der damals noch die Hauptschule in Schladming besuchte, über die Hunerscharte auf den Dachsteingipfel steigen.

Die Grazer Kletterzeit

Noch einmal sollte die Familie das Ennstal verlassen, um in einer schwierigen Zeit Arbeit zu finden. So ging es 1937 nach Mooskirchen bei Graz - die Stelle als Zahntechnikerlehrling hieß es aufzugeben - und dem Rat seines Onkels und Paten, ein Handwerk zu erlernen, wurde nachgekommen. „Dos Gscheiteste für den Buam war, er lernat Fleischhacker oder Bäcker, do hat er was zum Essen!" verlautete der „Göd" damals. Der Sepp wählte die Bäckerei und hatte Glück, zu dem ihm ein „Almfrieden-Gast" verhalf, welcher einen derartigen Betrieb in der Landeshauptstadt führte. „Den muaß i ma anschaun, denn die Buam vom Land san ma liaba!" In Graz kam Sepp zur Jungmannschaft der ÖAV S. Graz, die damals der Fredl Petritsch, ein ganz ausgezeichneter Kletterer, leitete. Mit dem Fahrrad ging es zum Hochschwab oder über den Präbichl ins Gesäuse zum Klettern. Mit dabei war damals der langjährige Leiter der HG Steiermark und Vorsitzende der ÖAV S. Knittelfeld, Kurt Hofer.

Ein Versprechen wurde eingelöst

Der Krieg unterbrach eine schöne, unbeschwerte Zeit. 19 Jahre alt war der Sepp - da hieß es in Admont einrücken, Norwegen, die Eismeerfront vor Murmansk, Leningrad, nach der dritten Verwundung wurde er noch in den Partisanenkrieg nach Jugoslawien geschickt. Unvergesslich für den damals jungen Soldaten eine Kletterfahrt mit seinem Kriegskameraden, dem Willi Salzmann (Willi Landl, später vlg. Mingl in der Ramsau), über den Pichlweg durch die Südwand des Dachsteins: „Wenn ma g'sund aus dem Kriag hamkem-man, gehn ma den Steinerweg!" 1946 konnte dieses Versprechen eingelöst werden. Gemeinsam sah man die Beiden auf dem Steinerweg zum Gipfel des Hohen Dachsteins klettern.

Aus dem Tourenbuch von Sepp

Die Zeit im Fels

Endgültig am Fuße des Dachsteins. Nach dem Krieg gelangte der Sepp auf Schleichwegen von Jugoslawien in die Ramsau. Seine erste Arbeit fand der Heimkehrer am Bauernhof des vlg. Perner, natürlich ausschließlich fürs Essen, denn Geld hatte damals keiner. Im Winter arbeitete er dann beim Ramsberger als Knecht. An diesem Anwesen - am Weg zur Austriahütte gelegen - kam der damalige Hüttenwirt Fritz Simonlehner , der „Stier Fritz", vorbei, der ihn dann als Träger und Hausburschen einstellte. Nach seiner Bergsteigerzeit mit den Eltern, der Grazer Zeit, war dies für den jungen Sepp der dritte Abschnitt seines Bergsteigerlebens, der ihn unter anderem mit Fritz Kasparek, Sepp Brunnhuber, Hubert Peterka, Ulfi Höfler oder Kurt Maix zusammenführte. Das war die Zeit extremer Kletterfahrten in den Südwänden des Dachsteinmassivs, von der Bischofsmütze, dem Torstein bis zum Koppenkarstein. „Den Peckl Luis von Trofaiach, ein ausgezeichneter Sportler, jedoch anfangs noch kein Kletterer, hab i mir zuwazügelt; wir warn a guate Seilschaft, so auch mit dem Obergrabner Siegfried (Siegfried Englacher, vlg. Obergrabner), Gsenger Anderl (Andreas Steiner, vlg. Gsenger) oder mit dem Zoas Jok (Jakob Walcher, vlg. Zeiser)". In diese Zeit fiel auch eine Erstbegehung") über die Südostverschneidung im 5. Schwierigkeitsgrad mit Roland Stern, Sohn des damaligen Landesleiters des steirischen Bergrettungsdienstes, auf den Niederen Türlspitz, (2 352 m ü. A., 24. August 1947), eine Felstour, welche auch heute noch gerne gemacht wird.

In der Dachsteinsüdwand

„Vier im Steinerweg", Diese Meldung erreichte die Männer des Bergrettungsdienstes Ramsau nach einem Wettersturz am 21. Juli 1947. Zehn Mann machten sich auf den Weg. Knöcheltiefen Schnee gab es schon beim Anstieg, der bis zum sogenannten „Dachl" bereits hüfttief wurde. Der Sepp wurde als Seilerster von Richard Perner gesichert. Vier weitere Seilschaften folgten ihnen. Am "Salzburger Band" entdeckten die beiden zwei der Vermissten, die Bischofshofener Gustav Stangl und Johann Lamer. Ihnen konnte leider nicht mehr geholfen werden und wegen des anhaltenden Schneesturms war an eine Bergung an diesem Tag nicht zu denken. Doch wer waren die beiden anderen Bergsteiger? Lautes Rufen - jedoch keine Antwort. Gegen sieben Uhr abends erreichten Sepp und Richard nach 13-stündiger härtester Kletterei im verschneiten und vereisten Fels das Schneefeld am Einstieg des Steinerweges. Nebel und Wolken verzogen sich für einen kurzen Augenblick. Da vernahmen sie plötzlich verzweifelte Hilferufe, die allerdings aus der Pichlroute kamen. Erschöpft und durchnässt erreichten die Männer die Südwandhütte. Nur kurze Rast war ihnen dort gegönnt. Es wurde wiederum eine Rettungsmannschaft zusammengestellt, die am darauf folgenden Tag, dem 22. Juli, in den Pichlweg einstieg. Da sich das Wetter etwas besserte, kamen die Retter rasch vorwärts. Hubert Vierthaler fand die Verunglückten, mit ihm als Seilgeführte der Zoas Jok (Jakob Walcher, vlg. Zeiser), doch leider gewann wiederum der Tod den Wettlauf mit der Zeit. Margarete Kain aus Wien hing tot im Seil, deren Bruder Herbert Mahr starb in den Armen der Retter, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben. Die Rekonstruktion des Unfallherganges ergab, dass der Bruder den Sturz seiner Schwester wohl halten konnte, die Verunglückte jedoch nicht mehr auf den Standplatz zurückbringen konnte. Übrigens kamen damals die Brüder Steiner, der Franz und der Irg, den Rettern von der Dachsteinschulter her entgegen, um Hilfe zu leisten. Doch alle Bemühungen waren vergeblich geblieben.

Tragisches Detail am Rande dieser Einsätze: Ing. Hermann Huber, Mitglied des Bergrettungsdienstes Bischofshofen, verunglückte am 24. Juli 1947 bei der Bergung der beiden Toten aus seinem Heimatort.

Wettersturz am Dachstein

„Erst sieben Jahre später!"

Helmut Zeitlinger und Heinz Diemel aus Gmunden verstiegen sich auf dem Steinerweg durch die Dachstein-Südwand. Der Sepp sah die beiden von der Südwandhütte im schwierigen Gelände klettern, ehe sie von dunklen Wolken verschluckt worden waren, die einen Wettersturz einleiteten. Er sollte die beiden als Letzter noch lebend gesehen haben. Helmut Zeitlinger wurde vierzehn Tage später am Fuße der Wand und zwar am 29. Juni [[1947] von Sepp und Richard Perner geborgen. Doch wo war sein Seilgefährte Heinz Diemel?

Schon am darauf folgenden Morgen weckte der Richard den Sepp, der auf der Vorderen Schlitzenalm nächtigte. Der Sepp war erstens noch todmüde von der Rettungsaktion am Vortag und zweitens war es ihm noch hundsübel, nachdem er Rührmilch von der Walcher Elli mit einem Honigschnapserl kombinierte, welches ihm die Gsenger Vroni auf die Alm gebracht hatte. Doch der Richard meinte barsch: „Bist du nun bei der Bergrettung oder bist du es nicht!?!" So stiegen die beiden am 30. Juni in den Steinerweg ein, um nach dem in der Wand Verbliebenen zu suchen und kletterten dann den direkten Ausstieg (Kutroff-Häntschel, Schwierigkeitsgrad V+), wo sie den Verunglückten vermuteten. Der Sepp konnte als Seilerster das „rettende Band" gerade nicht erreichen, musste mangels einer Seilschlinge einen Haken auslassen und stürzte 20 Meter ins Seil! Richard hielt, der Sepp blieb „ganz" und versuchte es, obwohl er alle Knochen spürte, nochmals und gelangte auf das Band. Ein frisch geschlagener Haken bewies, dass die Gmundener Bergsteiger dieses Band noch betreten hatten. Er suchte nach beiden Seiten, vermutete rechts vor ihm den Verunglückten - jedoch reichte das Seil nicht. Da sich aber nichts regte und bewegte, wurde es dringend notwendig den Rückzug anzutreten. Man hätte ja nur noch einen Toten zu bergen gehabt.

... und es war jenes Band, das sieben Jahre später, am 14. Juli 1954, Bernhard Stücklschweiger, Bergführer und Bergrettungsdienstmann aus der Ramsau, mit Bergführer Sepp Moosbrugger auf dieser selten begangenen Route erreichten. Durch einen Zufall entdeckten sie den vermissten Bergsteiger in einer Nische hockend, nach welchem übrigens auch der Steiner Irg, der die Wand wie kein anderer kannte, jahrelang suchte und Ausschau hielt.

Die Zeit im Eis

Im Reich der Viertausender

Nicht nur im Fels, sondern auch im Eis war der Sepp zuhause. So begann mit der Ersteigung des 4 477 m ü. A. hohen Matterhorns (Schweiz) am 21. Juli 1959 mit dem Eisl Luis (Alois Eisl, Gendarmerie-Bergführer) und Simonlehner Gundi (Günther Simonlehner) der vierte Abschnitt seines Bergsteigerlebens. Was er damals natürlich noch nicht ahnen konnte, war die Tatsache, dass es fast alle Viertausender der Alpen werden sollten, die der Sepp betrat. Drei Viertausender in den französischen Alpen „fehlen" heute dem Sepp, die Droites (4 000 m ü. A.), die Aiguille Blanche de Peuterey (4 112 m ü. A.) und die Aguille de Jardin (4 035 m ü. A.) in der Mont-Blanc-Gruppe - in der Schweiz sind es alle gewesen! Sein letzter Viertausender war das Lauteraarhorn, 4 042 m ü. A., im Berner Oberland, welchen er mit 68 Jahren bestieg. Unvergesslich ist für ihn diese Bergfahrt mit seinen Ramsauer Bergkameraden, dem Hans Nebel als Seilgefährten, weiters mit Albert Prugger, Eduard Perhab, Norbert Schrempf und Hans Galler. Es war eine schöne Zeit, über die er in einem sehenswerten Album Buch geführt hat.

Eine lustige Geschichte darin erzählt von zwei Schwaben, die mit dem Sepp auf dem Aletschgletscher unterwegs waren. „Noi, do spring ma net rüber!" Aber der Sepp wusste genau, was er zu tun hatte, um die beiden über die Gletscherspalte zu locken. Nachdem längeres Zureden und Vorführen, wie man da „drüberzuhupfen" hätte nichts fruchteten, bat der Sepp vorerst einmal um die Rucksäcke der beiden. Diese rutschten auf dem Seil zum Sepp hinüber - und damit war die „ganze Jausn" auf seiner Seite. Spätestens dann mobilisierten die Nürnberger Bergkameraden alle ihre Kräfte und schafften den Sprung über den eisigen Abgrund.

Quellen