Georg Steiner (Alpinist)

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das Bild zeigt die Brüder Franz und Georg Irg Steiner in einer Fotomontage vor der Dachstein-Südwand, auf der der Steinerweg eingezeichnet ist - die Route, die die beiden 1909 als Erste durchstiegen hatten.
Georg Irg Steiner als Eisskulptur 2009

Georg Steiner (* 25. Februar 1888 in Ramsau-Rössing; † 20. Oktober 1972 in Gosau, Oö.), genannt Irg, war ein Ramsauer Alpinist.

Leben

Um den Steiner Irg, in seinem Taufschein steht Georg, ranken sich viele Anekdoten und Geschichten. Zahlreiche davon ließen das Klischee vom urigen Kraftlackl entstehen, der tagsüber die Berge und nächtens die Sennerinnen besteigt. Er war ein Freigeist, die Arbeit interessierte ihn weniger. Irg war Kletterer, Bergführer, Bergretter, Wilderer, Abenteurer, Erfinder und ein Naturbursch.

Der Bergsteiger Irg

Er war ein ausgezeichneter Kletterer und verfügte über einen ausgeprägten Sinn für Durchstiegsmöglichkeiten. Sein bergsteigerischer Ruhm gründet vor allem auf die Erstbegehung der Dachstein-Südwand. Er durchstieg die Dachstein-Südwand am 22. September 1909 erstmals mit seinem Bruder Franz auf der damals als Himmelsleiter der Steiner-Buam bezeichneten Route auf, die noch heute als Steinerweg eine beliebte Kletterroute ist.

Dies war aber bei weitem nicht die einzige und auch nicht die schwierigste. Die meisten Erstbegehungen glückten ihm mit dem Wiener Alfred Goedel. Noch mit 50 Jahren gelangen ihm aufsehenerregende neue Routen, z.B. der Südwandtrichter (V) der Großen Bischofsmütze; eine Route, die im Inneren des Berges durch Schlüfe, Kamine und Eisgrotten in die Höhe führt. Irg genoss aber auch einen hervorragenden Ruf als Bergführer. Er wurde nicht nur für Touren in seiner Heimat engagiert, mit den verschiedensten Gästen war er im gesamten Alpenraum unterwegs. Als Bergretter war er immer zur Stelle, wenn Menschen in Not gerieten, ohne darum viel Aufhebens zu machen. Für seine Einsätze in der Bergrettung erhielt er das Grüne Kreuz.

Am 9. September 1932 gelang ihm mit seinem Seilgefährten H. Appel die Erstbegehung des Freyaturms (1 991 m ü. a.) im Gosaukamm, eines Felszackens, der dem Großen Donnerkogel (2 054 m ü. a.) vorgelagert ist.

Ja net Griff tappn oder zu schnell kraxln, immer auf drei sichere Punkt bedacht sein!“, war der Rat des Dachstein-Südwand-Erstbegehers.

Erfinder und Tüftler

Sein Einfallsreichtum beschränkte sich keineswegs nur auf die Suche nach neuen Routen im Fels. Bis zu seinem Tod blieb Irg ein origineller Mensch mit vielen neuen Ideen. So erfand er eine eigene Abseilmethode. Als Skiläufer blieb er zwar der Einstocktechnik treu, dennoch experimentierte er daran herum. Als Aufstiegshilfe hatte er Vertiefungen in die Lauffläche gekerbt, die beim Ansteigen Halt gaben, in der Talfahrt aber nicht störten. Der Schuppenbelag von Langlaufskiern ist heute die moderne Version einer seiner Erfindungen, welche nie ein Patentamt beschäftigte. Er entwickelte später auch den Plan zu einer Hundert-Meter-Schanze auf der Zwieselalm, Jahre bevor Bubi Bradl als erster Skispringer diese Weite in Planica erreichte.

Umstrittener Freigeist

Trotz aller Leistungen war der Steiner Irg in seiner Heimat nicht unumstritten. Für die einen ist er der Inbegriff für Mut und Freigeist, für die andern ein „Tunichtgut“, der sein Leben der Eroberung des Nutzlosen widmete. Die Anekdoten, die vom Irg erzählt werden, sind fast so berühmt wie seine Touren. Auch jene, die ihn ungewollt als Pazifisten erscheinen lässt, als er im Ersten Weltkrieg nach wenigen Wochen desertierte und dies zu Hause mit der Bemerkung kommentiert: „Im Kriag, da schiassn’s ja auf’d Leit!“ Der Hintergrund der Fahnenflucht war die Tatsache, dass er nicht zur Bergführerkompanie an die Dolomitenfront, sondern in die serbische Ebene versetzt worden war, und das konnte sich ein Steiner Irg nicht gefallen lassen. Lange Jahre lebte er vogelfrei im Dachsteingebirge, entwischte seinen Häschern immer wieder um Nasenlänge und überlebte so den Krieg. Unweit des Gjaidsteinsattels, dort wo Schladminger und Hallstätter Gletscher aufeinanderstoßen, gab es eine Höhle, die dem Gesuchten Schutz bot.

Der Wilderer

Auf seinen Wilderer-Streifzügen durchkämmte er die Berge und Wälder bis in die kaiserlichen Jagdreviere Oberösterreichs und Salzburgs. Wenn die Jäger oder Bauern, auf deren Gründen er sich die Gämsen schoss, wieder einmal hinter ihm her waren, hieß es für den Irg untertauchen, wenn's auch oft nur die nächste Bettdecke war (was die reiche Kinderschar erklärt). Einmal haben sie ihn doch erwischt und er landete im Gefängnis, bei Wasser und Brot. Als diese eintönige Ernährung dem Irg nicht mehr behagte, verbog er kurzerhand mit seinen Bärenkräften die Gitterstäbe seines Gefängnisses derart, dass er hindurch schlüpfen konnte. Nachdem er sich nächtens bei einer ihm wohlgesonnenen Bäuerin mit Speck und Krapfen versorgt hatte, legte er sich wieder in seine Zelle und bog die Gitterstäbe gerade.

Irg und seine Skier

Er heiratete zwar nach Gosau, sesshaft wurde der Irg aber nie. Immer wieder zog es ihn zurück in die Ramsau, wo er auch begraben liegt. Dem Bergsteigen, aber auch dem Skifahren, blieb er bis ins hohe Alter treu. Seine Ski waren dabei Unikate: Aus Holz geschnitzt, mit Längsschlitzen, in die er seinen Stecken zum Bremsen hineinsteckte. Seine letzten Winter verbrachte der Irg am Kulmlift in der Vorderen Ramsau. Zu seinem 80. Geburtstag wünschte er sich von seinen Kindern moderne Rennskier. Am nächsten Tag gab er sie jedoch wieder wutentbrannt zurück, weil es ihm nicht gelungen war, seine Schlitze in die Metallski zu sägen. Auch hatte er nie verstanden, warum sich Leute mit ihren Skiern abschleppten. Er praktizierte eine vornehmere Technik: In die Skispitzen hatte er zwei Löcher gebohrt und wenn es nicht gerade bergab ging, zog er seine Ski an einem Seil hinter sich her. Dies ging so lange gut, bis eines Tages beim Überqueren der Straße, seine „heiligen Latten“ unter die Räder kamen…

Gschichtln vom Irg

Einmal engagierte ihn ein wohlhabender Kaufmann für einige Touren im Mont-Blanc-Gebiet in Frankreich. In den Felsen und auf den Gletschern kam er dort glänzend zurecht. Aber als die Heimreise begann, sollte Irg allein von Chamonix in die Ramsau fahren. Diese komplizierte Reise hätte er wohl nicht bewältigt ohne den glorreichen Einfall seines Klienten: Der nämlich hängte ihm eine Tafel um den Hals, auf der in drei Sprachen die Umsteigebahnhöfe und Zugzeiten geschrieben waren, ebenso war darauf die Bitte an die Mitreisenden zu lesen, ihm behilflich zu sein. Wohlbehalten erreichte Irg wieder die heimatlichen Gefilde und Jahre danach konnte er noch von der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft fremder Menschen schwärmen.

An eine Brustschlinge hatte er eine mehrfach gekrümmte Wurzel gebunden, durch deren Bögen und Gabeln er das Seil laufen ließ. Hielt er das Seil fest, hielt ihn die Reibung an der Wand. Ließ er etwas locker, glitt er mühelos und bequem am Fels hinunter. Jahrzehnte nach Irgs Heiterkeitserfolg, den er damals bei seinen Bergführerkollegen erntete, wurde sein Prinzip im Abseilachter wiedererfunden.

Der Irg ist seinem Ruf sein Leben lang treu geblieben: Als 80-Jähriger erkrankte er an einer leichten Erkältung. In der Meinung, dass es mit ihm zu Ende gehe, steigt er auf die „Aussicht“, seinen „Lieblingsberg“, schaufelt ein Grab und legt sich hinein. Unglücklicherweise beginnt es zu regnen. Nach zwei Tagen wird es ihm zu ungemütlich, er steht auf, schüttelt den Schmutz aus den Kleidern und geht heim.

Quellen