Villa Kremenezky

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Villa Kremenezky
Péter Búsbach 1889, der Erbauer der Villa.
Villa Kremenezky

Die Villa Kremenezky ist eine Villa in Altaussee im Ausseerland.

Geschichte

Die Villa befindet sich am Nordende eines ausgedehnten Landschaftsparks von 13 000 Quadratmetern, der im Süden an die Fischerndorferstraße grenzt, der Hauptverkehrsachse der Ortschaft.

Péter Búsbach (* 1827; † 1905), ein ungarischer Rechtsanwalt und Schriftsteller, sowie Mitglied der ungarischen Nationalversammlung,[1] ließ 1884 die Villa in der Ortschaft Fischerndorf im Ausseer Landhausstil errichten. Er hatte das Grundstück Donisen-Ackerl am 29. August 1873 von den Eheleuten Johanna und Franz Wimmer erworben.[2] Busbachs Gattin Emma, geborene Martolosick wurde nach einem Ehevertrag, abgeschlossen am 29. September 1891, Hälfteigentümerin der Liegenschaft. Im Häuserverzeichnis des Gerichtsbezirkes Aussee von 1900 wird zur Adresse Fischerndorf Peter Busbach als Besitzer der Villa geführt.

Mit Kaufvertrag vom 25. Mai 1906 mit Mathilde und Eugen Zsigmondy blieb die Villa bis 1920 im Besitz der Familie. Die Villa wurde am 4. Oktober von der Psychologin Gabriele von Wartensleben gekauft. Sie übergab am 18. Dezember 1922 in den Besitz ihres Bruders, den Schriftsteller und Diplomaten Leopold Andrian über. Dieser verkaufte am 16. Juni 1920 sein bisheriges Anwesen in Fischerndorf 48 (Villa Wassermann) und erwarb stattdessen die Liegenschaft Fischerndorf 52. Von älteren Einheimischen wird die Villa Kremenzky noch heute als Andrian-Villa bezeichnet.

Am 21. Oktober 1931 erwarb Bernhard Panzer (* 1870; † 1934), Laryngologe in Wien,[3] die Liegenschaft gegen Leibrente von Leopold Andrian.[4] In seinem Testament sprach Panzer ein Betretungsverbot für seine geschiedene zweite Frau Isabella Tas in seinem Ferienhaus in Altaussee aus. Dadurch hätten jedoch seine zwei minderjährigen Kinder keinen Zutritt mehr zur Villa gehabt. Um dem Willen Panzers zu entsprechen und dennoch den Kindern samt deren Mutter die Nutzung des Ferienhauses zu ermöglichen, wurde die Villa in Altaussee 1936 mit Einwilligung des Abhandlungsgerichtes verkauft und dafür eine andere Villa bei Sankt Wolfgang erworben.[5]

Am 24. April 1936 kaufte der Wiener Industrielle Theodor Kremenezky die Liegenschaft Fischerndorf 5 aus der Verlassenschaft von Bernhard Panzer. Theodor Kremenezky (* 1901; † 1973) war der Sohn von Johann Kremenezky, der in Wien die elektrische Beleuchtung einführte und einer der engsten Mitarbeiter von Theodor Herzl war. Theodor Kremenezky beauftragte kurz nach dem Kauf den Wiener Architekten Otto Prutscher mit dem Umbau der Villa.

Am 1. Mai 1938 beschlagnahmte die NSDAP die Villa und wurde am 4. August 1938 arisiert. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde sie vom Gauleiter und SS-Obergruppenführer August Eigruber bewohnt. Eigruber wollte die im Ausseer Salzbergwerk von den Nationalsozialisten gestohlenen Kunstschätze in die Luft sprengen lassen, was aber verhindert werden konnte.

Im Gegensatz zu seiner Schwester Charlotte, die im Vernichtungslager Auschwitz ermordet wurde, überlebte Theodor Kremenezky den Holocaust. Er konnte 1938 über Italien nach Israel fliehen. Nach dem Krieg kehrte Kremenezky nach Österreich zurück und beantragte die Restitution seiner Villa. Am 9. Juli 1947 wurde ihm das von den Nazis geraubte Fischerndorfer Grundstück von der Republik Österreich zurückgegeben.

Die heute gebräuchliche Bezeichnung "Kremenezky-Villa" für das Anwesen Fischerndorf 52 entstammt wahrscheinlich der Zeit nach 1945, in der die Kremenezkys über zwei Jahrzehnte diese Villa bewohnten.

Nach dem Tod von Theodor Kremenezky erbte Erika Varay, geborene Kremenezky (* 1921; † 2001), die Villa von ihrem Onkel. Das Eigentumsrecht für sie wurde am 25. Juli 1976 ins Grundbuch eingetragen. Erika war die Tochter von Alexander Kremenezky, dem um elf Jahre älteren Bruder von Theodor. Alexander war bereits 1971 in Paris verstorben. Die bei der einheimischen Bevölkerung als "Grande Dame" bekannte Erika verbrachte ausschließlich die Sommer in Altaussee. Während dieser Aufenthalte waren viele internationale Persönlichkeiten zu Gast in ihrer Villa, wie z. B. den damaligen Bürgermeister von Paris und späteren französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac.

Am 26. April 1985 verkaufte Erika Varay die Villa Kremenezky an Margarete und Friedrich Kowall in Mödling. Als Haupteigentümer des "swiki:Diabaswerkes Saalfelden" sowie des "Baukontors Gaaden" in Mödling betrieb Friedrich Kowall zwei große Steinbrüche. Kurz nach dem Erwerb der Kremenezky Villa ließen die Eheleute Kowall das Haus renovieren um eine ganzjährige Nutzung zu ermöglichen. Friedrich Kowall (* 8. Juni 1922; † 12. Juli 2017) verstarb kurz nach seinem 95. Geburtstag. Die Villa in Altaussee wurde an die Kinder der Familie weitergegeben.

Mit Kaufvertrag vom 2. Juli 2019 wurde die Liegenschaft von der Vivamayr Sport GmbH erworben.[6] Deren Eigentümer sind der Industrielle Hannes Androsch und dessen Tochter Natascha Sommerer,[7]die in Altaussee bereits das am Altausseer See gelegene Hotel Vivamayr betreiben.

Gegen Ende 2022 wurden Pläne bekannt, dass auf dem Gelände ein Hotelkomplex mit 114 Betten errichtet werden sollte, der auf die Betreuung von Spitzensportler ausgerichtet werden soll. Das rief eine Bürgerinitiative auf den Plan. Unter den Unterschriften, die gegen die Errichtung eines Hotels sind, war auch der Schauspieler Klaus Maria Brandauer. Auch eine Architekturhistorikerin aus Linz hatte gefordert, dass die Kremenezky Villa erhalten bleiben muss.

Mitte Jänner 2023 äußerte sich der 84-jährige Industrielle gegenüber der Kleine Zeitung, dass es kein konkretes Hotelprojekt gäbe. Er sagte aber auch, dass es viele Käuferanfragen für die Liegenschaft gäbe, auf der 30 Appartements errichtet werden könnten. Zitat Androsch: "Aber das ist sicher nicht das, was Altaussee braucht." Seine Tochter machte klar, dass sie selbst in Altaussee wohne und wolle sich das "nicht verschandeln". Sie stellte aber klar, dass sie bei diesem Grundstück die Linie vorgibt und nicht ihr Vater.

Bürgermeister Gerald Loitzl (ÖVP), der sich klar für eine touristische Nutzung der Liegenschaft ausgesprochen hatte, zeigte sich enttäuscht. Er fände es schade, wenn das Grundstück "nicht g'scheit genutzt wird" und er halte das für "eine vertane Chance für Altaussee". Loitzl hofft auf Gespräche mit der Eigentümerin. Die Gemeinde muss im Zuge der Überarbeitung des Flächenwidmungsplans für einen Teil des Grundstücks die Flächenwidmung neu festlegen. Diese ist auch maßgeblich für die zulässige Bebauungsdichte.

Weblink

Quellen

Einzelnachweise

  1. wikipedia Ungarn
  2. Grundbuchauszug EZ 14 der KG 67001 Altaussee vom 7. Oktober 2022.
  3. Alois Mayrhuber: "Künstler im Ausseerland". Verlag Styria 1985.
  4. Dialog Lebenswertes Altaussee: Zur Geschichte der Kremenzky-Gründe in fünf Teilen;
  5. www.bmkoes.gv.at, Dossier zu Gustav Klimt "Am Attersee" (1900). Leopold Museum Privatstiftung LM Inv. Nr. 4148, PDF, 55 Seiten
  6. Grundbuchauszug EZ 14 der KG 67001 Altaussee vom 7. Oktober 2022
  7. www.wirtschaft.at
  8. Verlinkung(en) mit "swiki:" beginnend führen zu Artikeln im Salzburgwiki, dem Mutterwiki des EnnstalWikis