Kulturgeschichtliche Entwicklung von Hohenberg im Ennstal

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Dieser Artikel behandelt die kulturgeschichtliche Entwicklung von Hohenberg im Ennstal.

Allgemeines

Hohenberg ist ein Ortsteil der Ennstaler Gemeinde Aigen im Ennstal, war aber auch die geschichtliche Bezeichnung für den im Gemeindegebiet befindlichen kleinen Berg Kulm.

Ursprung in der Kelten-Zeit - daraus entstand Aigen ­

Südlich des Ennstales erhebt sich gegenüber der Gemeinde Stainach ein Höhenrücken, der mit dem Kulm (918 m ü. A., westlich des Gemeindezentrums Aigen im Ennstal gelegen) seine höchste Erhebung hat. Am Hochplateau des Kulms wurde eine Höhensiedlung einer stark keltisch geprägten Kultur nachgewiesen. Bei Ausgrabungen im Jahr 1894 und 1948 wurden bei dieser Wall-Befestigungsanlage, die der Hallstattperiode (800 - 450 v. Chr.) zugeordnet wird, bedeutende kulturhistorische Funde gemacht: Keramikgefäße, menschliche Knochen, Holzkohle sowie eine Feuerstätte, die als Herd eingestuft wurde.

Vom Kulm (aus dem Slawischen und bedeutet soviel wie Hügel oder Kogel), der damals noch wenig bewaldet war, hatte man eine hervorragende, uneingeschränkte Sicht ins Ennstal und konnte alle damals dort vorhandenen Verkehrswege gut beobachten und somit überwachen. Durch die umgebenden Sümpfe, Seen und Auen, hatte man auch einen guten natürlichen Schutzgürtel und konnte sich im Falle eines Angriffes rechtzeitig dagegen rüsten.

Es kam die Zeit, als lang nach Hallstatt auch im „Alten Aussee“ (Sandling) Salz abgebaut wurde und von dort führte dann ein Salzweg über Trautenfels, Irdning, Donnersbachwald, übers Glattjoch nach Oberwölz und weiter über Kärnten nach Italien. Ein Höhenweg führte von Hohentauern über Rottenmann, Lassing, Öblarn, Stein an der Enns, über den Sölkpass nach Süden über die Schladminger Tauern ins Murtal. Auch von Spital am Pyhrn in Oberösterreich führte ein Höhenweg über Liezen, Weißenbach bei Liezen und Stainach nach Pürgg.

Zu späterer Zeit hat dann die Besiedelung am östlichen langgestreckten Höhenrücken des Kulms eine Fortsetzung gefunden und es entstand die heutige Ortschaft Hohenberg mit der Johanneskirche. Im Jahr 1171 wird die Johanneskirche erstmals als Admonter Besitz erwähnt. Sicherlich war dies eine Stelle, wie an vielen anderen Orten auch, wo sich eine vorchristliche Kultstätte befunden hat, die sehr wahrscheinlich einem Sonnengott gewidmet war. In christlicher Zeit wurde dann die Kapelle den beiden Johannes (Johannes dem Täufer und Johannes dem Evangelisten) geweiht.

Hier befand sich auch die Burg der „Vollfreien“ von Haginberge. Sie waren weitgehend frei von Einflussnahmen Herrschender und verfügten sogar über eine eigene Gerichtsbarkeit.

Ein Gräberfeld aus dem 8./9. Jahrhundert wurde in Hohenberg im Jahre 1894 entdeckt. Man fand in der Nähe der Kirche in 45 Gräbern Skelette, teils auch Schwerter, Ringe und Beschläge. Besonders die gefundenen Sporen ließen eine Datierung auf die Zeit des 8. und 9. Jahrhunderts zu. Welchem Volke aber diese alte Siedlung wirklich zugeordnet werden kann, ist jedoch wegen der noch nicht weitergeführten Auswertungen der Funde nicht einwandfrei belegt. Besonders ein bedeutender Fund aus dem Jahr 2004 weist neuerlich darauf hin, wie alt die Gegend um den Kulm als Siedlungsgebiet tatsächlich ist. Othmar Danglmayr fand einen relativ gut erhaltenen Bronzekessel, um den sich in der Folge das Bundesdenkmalamt annahm. Es stellte sich heraus, wie Dr. Bernhard Hebert vom BDA beschreibt, dass er aus einer Höhensiedlung des 8. oder gar 7. Jahrhunderts vor Chr. (!), also aus der Hallstattzeit, stammt. Es handelt sich um ein prunkvolles, aus Bronzeblech getriebenes und mit Gravierungen verziertes sog. Attaschenbecken mit gegossenen Henkeln und kreuzförmigen Aufhängevorrichtungen. Es hat einen Durchmesser von knapp 30 cm und diente „fürstlichen Stammesführern“ als Zeremoniengefäss.

Ob sie von den Slawen stammen ist fraglich, gewiss haben sich Slowenen hier niedergelassen. Dies bezeugen manche Ortsnamen wie z. B. Lantschern (Loncar = Töpfer), Gatschen (Karnica = Wolfsmilch). Es waren nämlich die Karantaner (ein Begriff, der aus dem Keltischen stammt), die im beginnenden 7. Jahrhundert drauaufwärts nach Kärnten eingewanderten Slawen, deren Einflussgebiet bis ins heutige Nieder- und Oberösterreich sowie ins Ennstal reichte.

Die Mehrzahl der Ortsnamen ist jedoch „deutsch“. Bairische Bauern waren sicher schon im 8. und 9. Jahrhundert hier angesiedelt, tätig für die hiesigen Grundherren, denn dieses Gebiet gehörte zur sog. Karantanischen Mark (Herrschaftsgebiet der „Alpenslawen“). Diese war im 8. Jahrhundert dem „Herzogtum der Baiern“ unterstellt (zwischendurch auch unter karolingischen Oberhoheit) und wurde erst 976 von swiki:Bayern getrennt. Damit wurde Ottokar I., der bereits Graf von Steyr war, von 1056 bis zu seinem Tod 1064 auch Markgraf dieser Karantanischen Mark.

Doch wird auch ein Geschlecht - verwandt mit den Eppensteinern (Nähe Judenburg) - als mögliche Begründer der „Burg zu Hagenberg“ genannt. Dafür sprechen die königlichen Rechte, Besitztümer und der Geschlechtsname Rüdiger, der zur gleichen Zeit in beiden Familien vorkommt. Grund und Boden gehörten um das Jahr 1050 aber wohl dem erwähnten Markgraf Ottokar I., der mit Wilipirg von Eppenstein verheiratet war. Schon im Jahr 1094 werden dann unter den rittermäßigen Leuten die Herren von Hagenberg genannt. Die „Freien von Hagenberg“ waren durch Lehensgüter auch salzburgische Ministeriale und besaßen auch Salzpfannen.

In Hohenberg war der erste Sitz des Landgerichtes im Ennstal, der dann nach Irdning und später nach Wolkenstein (heute Gemeinde Wörschach) verlegt wurde. 1144, 1147 sowie 1160 wird der bereits erwähnte Ministeriale Herrand von Hagenberg nachweislich als Landrichter genannt.

In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts saßen noch zahlreiche Dienstmannen der Wildoner in der Umgebung von Hohenberg; so Konrad von Lantschern, Diepert von Dachenberg, Sibot von der Au, Wernhart von Weißenbach.

Chorherrenstift Garsten

Markgraf Ottokar I. gründete in Garsten ein Chorherrenstift, sein Sohn Ottokar II. verwandelte es 1111 in ein Benediktinerkloster. Zu dieser Zeit gehörte das Lehen seiner Dienstmannen Wolfhold zu Scalchinberg, (Sallaberg am Kulm) das Lehen Meginwards ebenfalls zu Scalchinberg und das Lehen Meginwards zu Slateheim. Das sind die ersten urkundlichen Erwähnungen von Schlattham und Sallaberg am Kulm. Scalchinberg hatte seinen Namen von „Schalk“, was damals Knecht bedeutete.

Das Stift Garsten bewahrte seinen Besitz bis zu seiner Aufhebung - 1785 kam es unter staatliche Herrschaft. In Aiglern, das sich damals Egilwarin nannte, war Sitz eines Garstener Hofamtes. Dieses Gut hatte der Priester Sitilieb, der Sohn des Edlen Markwart, dem Stift im Jahr [[1125] geschenkt. Der Hauptbesitz der Garstner lag in der Gemeinde Vorberg. Hier hatte Garsten im Jahr 1825 nicht weniger als 19 Bauerngüter inne. Doch besaß es noch viele andere Güter, in Erlberg das Ettler-Gut und - gemeinsam mit der Herrschaft Donnersbach - das Irler- und Hocheder-Gut, in Donnersbachau den „Leitner“. Im Jahre 1344 wird erstmals Aigen am Tanglsee (Putterersee) nachweislich genannt. Westlich vom Tanglsee unterstand dem Stift der vlg. Tischler in Sallaberg am Kulm der Großschwaiger, Engelberger und Ortner, in Schlattham der Greimbl, Lechner, Tunkler und Epp, sowie die Salomon-Keusche. Diese Güter werden 1527 als Besitz der Garstner genannt.

Beginn der Hohenberger Herrschaft

1220 saß der Landesfürstliche Ministeriale Pabo von Hohenberg auf dem Wehrbau. Dann verschwindet auch das landesfürstliche Dienstmannengeschlecht der Hohenberger aus den Urkunden. Im Jahr 1267 bestätigte König Otakar II von Böhmen dem Stift Admont den Besitz von Gütern am Hagenberg und einer Hube zu Seven (Putterersee). Damals dürfte die Burg schon verlassen, der Sitz des Landgerichtes nach Irdning verlegt worden sein. Es könnte aber sein, dass in Hohenberg im Haus Luidolt (vlg. Prem) eine Landpflegerstelle weiterhin vorhanden war, da aufgrund von alten Gewährsleuten dies immer weitergegeben worden war. Darin soll sich sogar ein goldener Richterstuhl befunden haben, nach dem man Grabungen gemacht hat, um ihn womöglich zu finden.

Im Jahre 1185 wird ein Hof „zu Hohenberg“ im Besitz des Stiftes Admont genannt, vielleicht war es der Wehrbau, auf dem nun noch ein viertel Jahrhundert Dienstmannen des Landesfürsten saßen. Die Kirche zu Hohenberg entstand wahrscheinlich aus der alten Burgkapelle. In Admonter Urkunden werden 1434 die Güter Nicla Veßner, Wolfgang Chulmer, Maerchel am Hagenberg, Wolfel Außenmayr, Hans Steinbichler, Gangl in der Grueb und das Raffelgut als sein Besitz genannt. 1591 besitzt Thomann Föhsner das Gut, genannt der Mitterhof, in Hohenberg.

Im 15. Jahrhundert wurde die Johanneskirche erweitert. Zu dieser Zeit wurden das Langhaus, die Sakristei und wahrscheinlich auch der Turm errichtet. Die Kirche kann drei Baustile, Gotik, Romanik und Barock, vereinbaren. Der gotische Flügelaltar stammt aus der Hallstätter Schule von Linhart Astl, ein Schnitzwerk der Meisterklasse um ca. 1520. Der Altar zeigt Maria mit dem Jesuskind, rechts davon der hl. Johannes der Täufer und links Johannes der Evangelist, die beiden Kirchenpatrone. Die Malereien könnten von Lukas Cranach stammen. Glocken gab es bereits 1785.

Im Jahr 1825 werden Kulmayr, Prem zu Hohenberg, Fößner, Grueber und Grueblechner, sowie teilweise das Lenzen- und Steinbichler-Gut als Güter genannt. Beim ehemaligen Landwirt Luidolt (vlg. Prem), wurden im 19. Jahrhundert Rennpferde gezüchtet. Die Wiese zwischen Prieler (vlg. Gruber) und dem Hohenberger Weg hinab zum Militärflughafen wurde der „Pferdehimmel“ genannt. 1878 besteht Hohenberg aus neun Häusern, „78 Seelen“, davon 39 Frauen und 39 Männer. Sieben Häuser stehen beisammen. In Hohenberger Urkunden wird der Name „Hagenberger“ noch bis ins 19. Jahrhundert angeführt.

Im Jahr 1886 erlebt die betagte Gutsbesitzerin Elisabeth Schlaipfner (vlg. Scheippl) in der Kirche eine Spontanheilung von ihrem schweren Hüftleiden. Die gläubige Frau ließ als Zeichen ihrer Heilung die Kirche renovieren und hing ihren Krückstock auf die Rückwand des Altares, wo er bis 1959 verblieb. Von dieser Renovierung gibt es im Butzenglas eines gotischen Fenster hinter dem Altar eine Eingravierung vom damaligen Malermeister Heinrich Rogler, Liezen. Die Heilung von Frau Schlaipfner wurde von alten Gewährsleuten wie Max Greimel (früher Trafikant in Aigen; †), Alois Luidolt (vlg. Prem in Hohenberg; †) bestätigt.

Quellen

  • Ein Beitrag von Leopold Praschl, der dem EnnstalWiki per E-Mail zur Veröffentlichung geschickt wurde sowie darin angeführte Quellen:
  • Baravalle, Robert: Burgen und Schlösser
  • Genealogien: Pirchegger, Hans; Posch, Fritz: Schild von Steier Walter Modrijan
  • Urkunden: Landesarchiv Graz, Stiftsbibliothek Admont, Danglmayr, Othmar (Hohenberg, Aigen im Ennstal)