Sachsen-Coburg und Gotha (Fürstenhaus)

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Das Sachsen-Coburg und Gotha (Fürstenhaus) und seine Beziehung zur Geschichte Schladmings nach einem Manuskript für den gleichnamigen Festvortrag, gehalten am 24. November 1984 im Stadtsaal Schladming.

Einleitung

Eine Ausgabe der Heimatkundlichen Blätter von Schladming war dem Jubiläum des hundertjährigen Bestandes des ehemaligen Jagdschlosses der Prinzen Coburg - dem heutigen Stadtgemeindeamt gewidmet. Es sollte in diesem Zusammenhang daran erinnert werden, dass die Familie Coburg nahezu 60 Jahre der neueren Geschichte Schladmings mitgeprägt und sich auf wirtschaftlichem, kulturellem und sozialem Gebiet bleibende Verdienste erworben hat.

Ehe auf das eigentliche Thema „Das Haus Coburg und seine Beziehungen zur Geschichte Schladmings" näher eingegangen wird, seien noch einige allgemeine Gedanken vorausgeschickt.

Spricht man von der Geschichte Schladmings, dann geht es meist um den Bergbau und um die beiden großen Ereignisse, den Bauernkrieg und die Reformation und ihre Auswirkungen. Man übersieht aber dabei fast immer einen sehr wesentlichen Abschnitt der Geschichte der Stadt - das 19. Jahrhundert.

Mag sein, dass man glaubt, in dieser Zeit habe sich - gemessen an den Großereignissen vergangener Jahrhunderte nichts Wesentliches zugetragen. Gerade seit der Mitte des 19. Jahrhunderts aber bahnten sich in Schladming in der Wirtschaft, Kultur und im gesellschaftlichen Leben Entwicklungen an, die zum Teil heute noch wirksam sind. Es seien hier beispielsweise nur einige Begebenheiten der damaligen Zeit erwähnt: Nach der neuen Gemeindeverfassung von 1849 trat ein Jahr später, also 1850, der Kaufmann Johann Angerer als erster Bürgermeister von Schladming sein Amt an.

1852 bis 1862 wurde die evangelische Kirche durch Karl Ganzenberg erbaut. Am 30. Juli 1875 fuhr der erste Dampfzug in Schladming ein. 1883 wurde zur Hebung der Leistungskraft der Schladminger Wirtschaft eine „Collektiv-Gewerbe-Genossenschaft" gegründet und zehn Jahre später diente eine allgemeine Regional-Ausstellung der Repräsentation der heimischen Wirtschaft. 1889 wurde die „Bürgerschaftssparkasse" - jetzt Sparkasse Schladming-Gröbming - und 1897 die Raiffeisenkasse Schladming gegründet.

Dazu wären aus dieser Zeit noch eine Reihe von Vereinsgründungen zu nennen, wobei jene des Verkehrsvereines Schladming im Jahre 1884 im Zusammenhang mit dem Leben und Wirken der Familie Coburg in Schladming besonders erwähnenswert ist.

In dieser Epoche des wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwungs tritt eine Persönlichkeit in Erscheinung, über deren Bedeutung für unsere Stadt man heute leider nur mehr wenig informiert ist. Es ist Gustave de Vernouillet, der einer höchst angesehenen und wohlhabenden Pariser Familie entstammte und auf einer seiner zahlreichen Auslandsreisen auch in die Familie des Hofrates Johann Rudolf Ritter von Gersdorff in Wien eingeführt wurde. Gersdorff besaß bekanntlich die Nickelgruben in der Zinkwand im Schladminger Obertal. Ihm gehörte das Haus des ehemaligen Marktrichters Reißinger - den Schladmingern besser unter dem Namen Villa Flechner oder „Vilia Deubier" bekannt -, das Gersdorff während seiner Schladminger Aufenthalte bewohnte.

Da Vernouillet ein passionierter Jäger war, machte ihm Gersdorff den Vorschlag, in seinem Haus in Schladming festen Wohnsitz zu nehmen und einige Jagdgebiete im oberen Ennstal zu pachten bzw. anzukaufen. Vernouillet folgte dieser Einladung und besaß schließlich um 1870 ca. 79.000 Joch Jagdreviere.

Ludwig August Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha

Hauptartikel: Ludwig August Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha

Zu den vielen Persönlichkeiten, zu denen Gustave de Vernouillet gesellschaftliche Kontakte pflegte, zählte auch Ludwig August von Sachsen-Coburg und Gotha, der auf Einladung Vernouillet öfter zur Jagd nach Schladming kam und bald Jagdrechte in den Sölktälern erwarb. Schon in den Jahren 1869 und 1873 erbaute der Prinz in der Groß- und Kleinsölk Jagdhäuser und 1880 eines im Schladminger Untertal.

Es blieb aber nicht allein beim Bau dieser Jagdhäuser, sondern Prinz August fasste den Plan, in Schladming ein Jagdschloss zu erbauen, das ursprünglich auf einem Grundstück des Hofbauer-Anwesens am Rohrmoos errichtet werden sollte. Die Verkaufsverhandlungen um das Grundstück gediehen aber nicht wunschgemäß, so dass der Prinz beim vulgo Oanleitner im Bereich des östlichen Ausläufers der Ramsau ein passendes Areal erwerben wollte. Aber auch dies war nicht möglich, worauf er 1882 das Anwesen vulgo Kürschner im sogenannten „alten Markt" von Schladming zum Abbruch kaufte und 1884 das Jagdschloss erbauen ließ.

Natürlich waren die Schladminger sehr stolz auf ihren hohen Gast und freuten sich sehr, als sie von dem Bauvorhaben des Prinzen nähere Einzelheiten erfuhren. Man beeilte sich daher diese, für Schladming sehr bedeutsame Neuigkeit an die Presse weiterzugeben, worauf im „Grazer Volksblatt" vom 13. Juli 1882 folgendes zu lesen stand:

Ein neuer Schladminger Bürger. Seine Hoheit Prinz August, Herzog zu Sachsen-Coburg und Gotha (von der katholischen Linie dieses Fürstenhauses) hat in diesem Frühjahr das sogenannte Kürschner-Anwesen im Markte Schladming angekauft und beabsichtiget, darauf eine Villa für sich und eine Wohnung für sein Jagd- und Forstpersonale zu erbauen. Derselbe ist nämlich seit ein paar Jahren Besitzer von sehr ausgedehnten Waldungen bei Schladming und in den drei Sölken beiGröbming; diese Forste waren ehemals als Zubehörde des Montanwerkes Eisenerz Staatseigenthum gewesen, von da an die Innerberger Hauptgewerkschaft übergegangen und von dieser an ihren dermaligen erlauchten Besitzer verkauft worden.

Und als nach Fertigstellung des Schlosses im Jahre 1884 im darauffolgenden Frühjahr Ludwig August Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha mit seiner Familie das Haus bezog, gab es wiederum einen Zeitungsbericht - diesmal in der Ausseer Steirischen Alpenpost. Da hieß es am 21. April 1884:

Heute bezog Prinz August von Coburg-Gotha sein neu erbautes Jagdschloß und gab in dem reizenden Heim ein Diner, bei welchem die bewährte Schladminger Musikkapelle unter Leitung des Capellmeisters Herrn Franz Tuller die Tafelmusikbesorgte.

Um 6 Uhr Abends begab sich Seine königliche Hoheit, geleitet von Herrn von Vernouillet und dem hier zum Besuche weilenden General a. D. Herrn Baron Richter auf den Bahnhof, um dort seinen Bruder, den Prinzen Philipp von Coburg-Gotha, zu erwarten. In den letzten Tagen wurden mehrere Jagdausflüge unternommen und 6 schöne Exemplare von Auerhähnen erlegt.

Die Familie des Prinzen

Es mag nun wohl von Interesse sein, einiges über die Familie des Prinzen Ludwig August von Sachsen-Coburg und Gotha und ihre Heimat zu erfahren. Wie schon der Name sagt, stammt die Familie aus dem im Bereich des Thüringer Waldes gelegenen ehemaligen Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha, das nach verschiedenen Erbteilungen und Abtretungen im Laufe der Zeit aus den einzelnen Herzogtümern zu jener Einheit zusammengeschlossen wurde, die man wie schon erwähnt, Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha bezeichnete, dessen Landesfarben - man könnte es als einen Zufall bezeichnen, gleich den steirischen grün-weiß sind.

Die weitverzweigte Familiengeschichte geht vom Hause Sachsen aus, führt über die ernestinische Linie zum Stammvater des Hauses Sachsen-Coburg-Gotha, Johann Ernst, Herzog von Sachsen-Saalfeld, der 1658 geboren wurde.

Der Prinz und der Schladminger Fremdenverkehr

Mit Prinz Ludwig August kamen sehr oft auch seine Söhne, die Prinzen August Leopold, Peter August und Ludwig nach Schladming. Meist kamen sie aber nicht alleine, sondern in Begleitung Verwandter oder Freunde, sodass während der Sommermonate Schladming nicht selten der Treffpunkt des Hochadels war, was sich natürlich äußerst vorteilhaft auf den Fremdenverkehr auswirkte. Prinz Ludwig August unterstützte aber auch mit guten Ratschlägen das Schladminger „Verschönerungs-Comité'" und ließ ihm manch größere Geldspende zur Realisierung verschiedener Vorhaben zufließen. In dankbarer Anerkennung dieser Mithilfe ernannte man Ludwig August Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha zum Protektor und später zum Ehrenmitglied des „Verschönerungs-Comités".

Nach dem Tod des Prinzen

Mit dem Tod Prinz Ludwig Augusts, des Erbauers des Jagdschlosses in Schladming, am 14. September 1907 tritt die Familie des Prinzen August Leopolds durch die Erbschaft des Schlosses mehr in Erscheinung. Es wurden Protektorate über Vereine und Institutionen übernommen, wie z. B. über den Kinderschutzverein, das Rote Kreuz, den Schützenverein, oder über das vom Ortsausschuss Schladming eingerichtete Verwundetenspital im Ersten Weltkrieg. Es sei hier auch daran erinnert, dass Karoline Prinzessin von Sachsen-Coburg und Gotha das Protektorat über das denkwürdige Trachtenfest 1910 übernommen hatte.

Nicht nur ideale Hilfen gewährte das Haus Coburg, sondern es wurden oft auch namhafte Geldbeträge für gemeinnützige Zwecke zur Verfügung gestellt, wie etwa anlässlich der Neuanschaffung von Glocken für die Katholische Kirche nach dem Ersten Weltkrieg. Der im Stiegenaufgang des ersten Stockes im Rathaus befindliche Wehrschild soll auch eine dauernde Erinnerung an das Haus Coburg sein. Im August 1915 fand im Rahmen des Kaisergeburtstages die festliche Eröffnung der Wehrschild-Nagelung statt. Der Wehrschild war als Zeichen patriotischer Opferwilligkeit der Bewohner Schladmings und der Umgebung gedacht. Jede Nagelung war mit einer Geldspende verbunden, die man für Kriegsfürsorgezwecke zur Verfügung stellte. Schon am Vorabend dieses vaterländischen Ereignisses fand ein musikalischer Zapfenstreich und ein Fackelzug mit Beteiligung aller in Schladming anwesender Familienmitglieder des Hauses Coburg, zahlreicher Sommergäste und der Bevölkerung statt. Bürgermeister Franz Tutter wies in seiner Festansprache auf den Sinn und Zweck der Wehrschild-Nagelung hin.

Am Hauptplatz war ein Festzelt errichtet worden, in dem am darauf folgenden Vormittag nach vorangegangenem Gottesdienst die Eröffnung der Nagelung in Anwesenheit der Bürgermusik und des Veteranenvereines vorgenommen wurde. Den ersten Nagel schlug Prinzessin Karoline in den Schild, dann folgte Prinz August Leopold und Prinzessin Klementine, worauf in weiterer Folge Sommergäste und Einheimische aus Schladming Nägel einschlugen.

Der in der Art eines Ritterschildes entworfene Wehrschild ist eine Arbeit des Grazer Kunstgewerbevereines und trägt in den oberen linken und rechten Ecken die Wappen der Steiermark und der Stadt Schladming.

Neben all diesen repräsentativen und caritativen Handlungen, die das Haus Coburg setzte, ist nicht zu vergessen, dass durch die weltläufigen Besitzungen im oberen Ennstal diese Familie auch das Wirtschaftsleben nicht unerheblich beeinflusste. Das Jagd- und Forstpersonal hatte in Prinz August von Sachsen-Coburg-Gotha und dessen Vater einen fürsorglichen Arbeitgeber, der stets um das Wohl seiner Mitarbeiter besorgt war.

Eine besondere Auszeichnung für einige Schladminger Gewerbebetriebe war die Verleihung des Titels „Kammer-Lieferant", wie z. B. für die Erste Alpenländische Volksbrauerei Schladming, die Südfrüchtehandlung Zuljan oder den Schuhmachermeister Haslauer. Zum "Kammer-Friseur" wurde der Friseurmeister Karl Balzar ernannt.

Am 11. Oktober 1922 starb August Leopold von Sachsen-Coburg und Gotha in Schladming und wurde provisorisch in der Annakapelle beigesetzt. Dr. Oskar Kotschy balsamierte den Leichnam ein, für den nach ursprünglichem Plan am katholischen Friedhof in Schladming ein Mausoleum errichtet werden sollte. Man entschied sich aber schließlich doch für eine Überführung des Prinzen nach Coburg, wo er seit 1933 seine endgültige letzte Ruhestätte hat. Die provisorische Beisetzung in Schladming war nicht nur ein Beweis größter Wertschätzung des Verstorbenen, die durch die zahlreiche Teilnahme aus allen Kreisen der Bevölkerung zum Ausdruck kam, sondern war auch von echt ökumenischem Geist getragen: der katholischen Kirche fehlten durch die Ablieferung im Ersten Weltkrieg noch Glocken und so fand durch eine spontane Geste die Beisetzung unter dem Geläute der Glocken der evangelischen Kirche statt.

Weitere Vertreter des Fürstenhauses mit Ennstal-Bezügen

Weblinks

Quelle