Fremdenverkehr in Schladming

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Der Fremdenverkehr in Schladming ist der wichtigste Wirtschaftszweig der Stadt.

Geschichte

1865 „ratterte“ die Eisenbahn erstmals durch Schladming und dies war der Beginn des Fremdenverkehrs in Schladming mit der damaligen Sommerfrische. 1908 wurde mit der Gründung des Wintersportvereines auch der Winterfremdenverkehr interessant. 1953 wurde der erste Skilift in Betrieb genommen und 1973 fand das erste Weltcuprennen statt. Höhepunkt der Skisportveranstaltungen war die Alpine Skiweltmeisterschaft 1982.

Organisatorisch hatte alles im Jahr 1884 mit der Gründung des Verschönerungs-Comités begonnen. Aus diesem Comité (Französisch war im 19. Jahrhundert die Sprache des Tourismus, auf deutsch Fremdenverkehr) entstand einige Jahre später der Verein für Verschönerung und Fremdenverkehr in Schladming. Dem folgte in den 1920er Jahren der Fremdenverkehrsverein Schladming. Dieser wiederum änderte Ende des 20. Jahrhundert seine Namen zunächst in Tourismusverband Schladming und schließlich erfolgt der Zusammenschluss mit dem Tourismusverband Rohrmoos-Untertal zum Tourismusverband Schladming-Rohrmoos.

Splitter

Steirische Alpenpost, 1. Oktober 1894
Schladming, 1. Oktober 1894 (Saisonbericht)
Der diesjährige Fremdenzuzug erreichte eine Höhe, wie wohl noch selten, seit Schladming in die Reihen der Sommerkurorte getreten ist. Auch die Zeitdauer des Aufenthaltes erweiterte sich, indem die ersten Sommergäste ungleich früher, schon Mitte Mai, eintrafen und noch gegenwärtig mehrere anwesend sind. Der heutige Tag allerdings scheint den Aufenthalt beendigen zu wollen, denn der Schnee, der das ganze Tal schon in eine weiße Hülle kleidet, macht den Aufenthalt zu einer merklichen „Herbstfrische". Der größte Besuch fiel in die Zeit vom 15. Juli bis 15. August. Die Nachfrage nach Wohnung und Unterkunft war während dieser Zeit eine so lebhafte, dass selbst die bescheidensten Plätzchen besetzt waren, und noch immer nicht alle Ankommenden Unterkunft finden konnten, so dass viele wieder wegfahren mussten. Die Zahl der längeren oder kurzeren Aufenthalt genommen Personen beläuft sich über 1200. Zieht der landschaftliche Reiz einestheils viele Fremde an, so bringen auch die eines guten Rufes sich erfreuenden Gasthöfe, das vorzüglich angelegte Schwimmbad, die schattigen Promenadewege, die wöchentlich zweimalige Platzmusik u. a. viele Fremde in unsere Mauern. Hoffen wir, dass Schladming auch bezüglich der Wohnungen sich in dem Maße entwickelt, als der Fremdenzufluß sich alljährlich steiert, um allen Wünschen für die kommende Saison gerecht zu werden.


„Steirische Alpenpost", 1. Oktober 1895, Nr. 40, Seite 581
Schladming, 1. October (Saisonbericht)
Der diesjährige Fremdenzuzug erreichte eine Höhe, wie wohl noch selten, seit Schladming in die Reihen der Sommerkurorte getreten. Auch dieZeitdauer des Aufenthaltes erweiterte sich, indem die ersten Sommergäste ungleich früher, schon Mitte Mai, eintrafen und noch gegenwärtig mehrere anwesend sind. Der heutige Tag allerdings scheint den Aufenthalt beendigen zu wollen, denn der Schnee, der das ganze Tal schon in eine weiße Hülle kleidet, macht den Aufenthalt zu einer merklichen "Herbstfrische". Der größte Besuch fiel in die Zeit vom 15. Juli bis 15. August. Die Nachfrage nach Wohnung und Unterkunft war während dieser Zeit eine so lebhafte, dass selbst die bescheidensten Plätzchen besetzt waren, und noch immer nicht alle Ankommenden Unterkunft finden konnten, so dass viele wieder wegfahren mussten. Die Zahl der längeren oder kürzeren Aufenthalt genommenen Personen beläuft sich über 1200. Zieht der landschaftliche Reiz einestheils viele Fremde an, so bringen auch die eines guten Rufes sich erfreuenden Gasthöfe, das vorzüglich angelegte Schwimmbad, die schattigen Promenadenwege, die wöchentlich zweimalige Platzmusik u. a. viele Fremde in unsere Mauern. Hoffen wir, dass Schladming auch bezüglich der Wohnungen sich in dem Maße entwickelt, als der Fremdenzufluß sich ailjährlich steigert, um allen Wünschen für die kommende Saison gerecht werden zu können.[1]


Das Rohrmooser Schlössl war immer schon ein gerne aufgesuchtes Gast- und Kaffeehaus. Eine Aufnahme von 1898 zeigt noch den hölzernen Aufbau eines Tanzsaales auf der alten Burgruine. [2]


Steirische Alpenpost, 1901:
Ehrung eines Entdeckers. Ich habe Schladming entdeckt, pflegt unser langjähriger Sommergast Herr Hofrath v. Gebell zu sagen, wenn er die Sommerfrischler die Naturreize von Schladming loben hört. Ja, als Sommerfrische hat der Herr Hofrath Schladming entdeckt, und wie lohnend die Entdeckung, beweist, dass seitdem jährlich viele hunderte von Sommergästen hieherkommen. Aber auch der ‚Entdecker' selbst ist Schladming treu geblieben und kommt schon 25 Jahre hieher zum Sommeraufenthalt. Also auch ein Jubiläum; daher hat ihn die Marktgemeinde zum Ehrenbürger ernannt, und aus diesem Anlasse gestern unsere Musikkapelle ihm ein Ständchen gebracht und der Herr Bürgermeister mit einer entsprechenden Anrede das Ehrendiplom überreicht.“[3]


Der Ennstaler 1907:
Ein Sommerfrischler-Jubilar gestorben. Am 21. Jänner wurde in Graz k. k. Hofrat Johann Viktor Gebell von Ennsburg zu Grabe getragen. Der Verstorbene war sozusagen der erste Schladminger Sommergast. Von seinem vieljährigen Freund und ehemaligen Pfarrer von Schladming, nunmehrigen Stadtpfarrpropst Josef Frühwirth auf die herrliche und gesunde Gegend und stärkende ozonreiche Luft Schladmings und seiner Umgebung aufmerksam gemacht, kam dorthin und gewann Land und Leute so lieb, dass er alljährlich seine Sommerfrische dort zubrachte. So lieb hatte der Hofrat die Gegend im Ennstale, dass er sich bei seiner Erhebung in den Adelsstand das Prädikat Ritter von Ennsburg beilegte.“[3]

Sensationelle Pläne zur Hebung des Fremdenverkehrs 1924

Quelle[4]
Einen nicht unbedeutenden Beitrag zur Hebung des Fremdenverkehrs in Schladming leistete auch der Verein Bürgerschaft Schladming in finanzieller und materieller Hinsicht. Bei der Sichtung des Archivs der „Bürgerschaft Schladming“ fand der Berichterstatter einen Schriftverkehr der an ein bahnbrechendes Projekt der 1920er-Jahre erinnert, das allerdings nicht realisiert wurde, aber dennoch wert ist, hier vorgestellt zu werden.

Am 20. Februar 1924 richtete die „AL-BAG“, Alpenländische Bau-Aktiengesellschaft, in Graz an die Bürgerschaft des Marktes Schladming ein Schreiben, das auszugsweise folgenden Inhalt hat:

Im Sinne der Bestrebungen, des Fremdenverkehrs haben wir uns an Spitze einer zu gründenden Gesellschaft gestellt und uns zur Aufgabe gemacht, zunächst den Markt Schladming mit seiner hervorragenden Umgebung aber das berühmte Plateau der Ramsau, mehr als bisher zu erschließen, zu welchem Zwecke wir dort ein größeres Hotel oder ein Erholungsheim zu errichten beabsichtigen. Als Aktionskomitee der ‚Schladminger Hotelbau-Aktiengesellschaft in Gründung’ wenden wir uns zunächst an die verehrliche Bürgerschaft Schladming, der wir die Idee unterbreiten und ihr vertraut machen, wohl in Ansehen dessen, dass eventuell im Vereine mit der Gemeinde Schladming in aller erster Linie berufen und auch prädestiniert erscheint, diese Idee falls sie Ihre Zustimmung findet, mit allen Mitteln zu fördern; kommen doch hauptsächlich der Bürgerschaft gehörige Grundstücke für die Ausführung des Projektes in Betracht. Zur Instruierung unseres Vorhabens haben wir unser Projekt generell in einer Katastralmappe zur Darstellung gebracht, aus der Sie zu entnehmen belieben, dass wir uns am Plateau der Ramsau die Errichtung eines Hotels vorstellen, welches mittels einer in der Nähe des Bahnhofes Schladming ausgehenden Bahn (Schwebe-, Zahnrad- oder Seilbahn) bequem erreicht werden kann.

Zur Vereinfachung eines Ideen- und Gedankenaustausches in Schladming bzw. Ramsau unterhalten wir einen Vertrauensmann, den wir Ihnen heute offiziell in der Person des Herrn Emmerich Carnelli vorstellen."

Schon am 13. März fand eine außerordentliche Vollversammlung des Fremdenverkehrsvereines Schladming unter dem Vorsitz von Obmann Florian Loidl im Gasthaus Kögl-Angerer - heute Gasthof Mayer - statt, bei dem auch der oben erwähnte Herr Emmerich Carnelli, der ehemalige Inhaber der Pension Almfrieden auf der Ramsau anwesend war.

Das Sitzungsprotokoll wurde von Prinz Rainer von Sachsen-Coburg-Gotha verfasst und trägt folgende Unterschrift: Ferdinand Kofler, Peter Tscharre, Emmerich Carnelli, Franz Tutter (Bürgermeister), Matthias Gföller, Rudolf Groß (Pfarrer), Alfred Vasold, Rudolf Flechner, Franz Angerer, Fritz Miller, Karl Balzar, Franz Angerer, Josef Herbst, Johann Wieser und Josef Seebacher.

Als einziger Tagesordnungspunkt wurde das Schreiben der „ALBAG" behandelt und unter anderem beschlossen:

„1.) Den Grund am Plateau der Ramsau, Parzelle 634/1 K.G.. Ramsau-Leiten an die ‚Schladminger Erbag in Gründung' um den Pauschalbetrag von 100 Millionen österr. Kronen lastenfrei abzutreten. für diesen Betrag übernimmt die Bürgerschaft Schladming Aktien der zu.gründenden Gesellschaft.

2.) Zu bewilligen, dass die der Bürgerschaft Schladming gehörigen Grundstücke zur Führung der Schwebebahn kostenlos und spesenfrei benützt werden dürfen und verpflichtet sich die Bürgerschaft Schladming den unbedingt erforderlichen Lichtraum für die Bahnführung durch Waldschlägerungen im Zuge der Bahn vorzunehmen. Das gefällte Holz bleibt Eigentum der Bürgerschaft Schladming.

3.) Die Bürgerschaft Schladming glaubt durch diese Beschlüsse ihr Entgegenkommen der ‚Erbag in Gründung' gegenüber erwiesen zu haben, stellt fest, dass sie an dem Projekte bzw. an dessen Zustandekommen das größte Interesse hat, weshalb sie die Bedingungen stellt, im Rahmen der zu gründenden Aktiengesellschaft. ein Verwaltungsrat-Mandat zugewiesen zu erhalten. Diese Bedingung ist auch damit begründet, als die Schladminger Bürgerschaft es sich vornimmt, bei allen weiteren Arbeiten intensiv mitzuhelfen.

4.) Ferner wird festgelegt, dass es der Wunsch sowohl der Bürgerschaft Schladming wie auch der Einwohnerschaft von Ramsau ist, dass die gedachte. Bahnverbindung von Bahnhofe in Schladming bis zum Plateaurande so rasch wie möglich zur Durchführung gelangt.

5.) Die Bürgerschaft Schladming bedingt sich, dass die ,Schladminger Hotelbau A.G. in Gründung' bei Vergebung von Arbeiten und Lieferungen sowohl für Bahnbau, als auch den Bau des Erholungsheimes, sowie für spätere Lieferungen die ortsansäßigen Gewerbetreibenden in erster Linie berücksichtigt, soferne ihre jeweiligen Angebote den Konkurrenzangeboten vollkommen entsprechen.

6.) Im Anschlusse an die gedachte· Bahnlinie und zwar der Endstation am Plateaurande bis St. Rupert am Kulm soll eine Fuhrwerksverbindung (Pferdeomnibusse) geschaffen werden und mit·dem Betriebe dieses Unternehmens Herr Matthias Berger unter den Voraussetzungen des Punktes 5 (Offertmaßgabe) betraut werden.

7.) Schließlich wird die selbstverständliche Erwartung ausgesprochen, dass das zu erbauende Erholungsheim in seiner Ausgestaltung sich der Umgebung und der ländlichen Eigenart anpasst.

So weit die verheissungsvollen schriftlichen Aufzeichnung über das für die damalige Zeit zweifellos bahnbrechende Projekt, über das sich aberschließlich der Mantel des Schweigens gehüllt hat, weshalb wir heute auch nicht wissen, wieso das Vorhaben nicht realisiert werden konnte. Es ist aber nicht uninteressant, sich in diesem Zusammenhang daran zu erinnern, dass bald nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges der Schladminger Baumeister Architekt Max Pekoll einen ähnlichen Plan propagierte und bereits die Trasse für eine geplante Seilbahn vom Bahnhof Schladming auf das Plateau am Torf vermessen und ausgeschlägert wurde. All diese viel versprechenden Pläne blieben aber unausgeführt – vielleicht war die Zeit dafür doch noch nicht gekommen.

Daten und Zahlen

Wie die Tabelle zeigt, liegt das Verhältnis Winterfremdenverkehr zu Sommerfremdenverkehr etwa im Verhältnis 70 : 30.

Monat 2004 Personen 2004 Nächtigungen 2009 Personen 2009 Nächtigungen 2014 Personen 2014 Nächtigungen
Winterhalbjahr 55 300 271 076 75 737 317 120 87 332 387 849
Sommerhalbjahr 27 445 123 621 41 395 156 889 68 533 253 448
Gesamt 82 745 394 697 117 132 4748 0093 165 865 641 297

Hier einige Details:

  • Im Fremdenverkehrsjahr 2009 gab es gegenüber 2004
eine Steigerung von 41,56 % bei den Gästeankünften und
eine Steigerung von 20,09 % bei den Nächtigungen.
  • Im Fremdenverkehrsjahr 2014 gab es gegenüber 2009
eine Steigerung von 41,61 % bei den Gästeankünften und
eine Steigerung von 35,29 % bei den Nächtigungen.
  • Über den gesamten Zeitraum, von 2004 bis 2014 gab
es eine Steigerung von 100,45 % bei den Gästeankünften
und eine Steigerung von 62,48 % bei den Nächtigungen[5]
Monat 2006 Personen 2006 Nächtigungen 2007 Personen 2007 Nächtigungen Veränderung Personen in Prozent Veränderung Nächtigung in Prozent Überschrift
Winterhalbjahr 59 859 287 630 56 780 276 539 - 5,14 - 3,86
Sommerhalbjahr 27 080 116 153 31 211 131 754 15,25 13,43
Gesamt 86 939 403 783 87 991 408 293 1,21 1,12
Monat 2011 Personen 2011 Nächtigungen 2012 Personen 2012 Nächtigungen Veränderung Personen in Prozent Veränderung Nächtigung in Prozent Überschrift
Winterhalbjahr 78 847 309 618 80 884 323 307 2,6 4,4
Sommerhalbjahr 39 934 155 762 43 004 160 403 7,7 3,0
Gesamt 118 781 465 380 123 888 483 710 4,3 4,9

Winterhalbjahr: November - April, Sommerhalbjahr: Mai - Oktober (Quelle Stadtnachrichten Schladming, Ausgabe Dezember 2012)

Siehe auch

Quellen und Einzelnachweise

  1. Quelle Heimatkundliche Blätter von Schladming, Nr. 26, Dezember 1994, Beitrag von Walter Stipperger
  2. Quelle Heimatkundliche Blätter von Schladming, Nr. 24, April 1994, Beitrag von Walter Stipperger
  3. 3,0 3,1 Quelle Heimatkundliche Blätter von Schladming, Nr. 2, November 1983, Beitrag von Walter Stipperger Referenzfehler: Ungültiges <ref>-Tag. Der Name „Nr2“ wurde mehrere Male mit einem unterschiedlichen Inhalt definiert.
  4. Quelle Heimatkundliche Blätter von Schladming, Nr. 12, März 1989, Beitrag von Walter Stipperger
  5. Quelle Stadtnachrichten Schladming, Ausgabe Dezember 2014