Conrad Fankhauser

Conrad Fankhauser. Feldpostkarte 1917.

Conrad Fankhauser (* 19. November 1887; † 25. November 1976) aus der Familie Fankhauser war Fotograf und betrieb das Fotohaus Fankhauser in Admont.

Leben

Familie

Seine Eltern waren die Admonterin Elisabeth Echer und der Fotograf Franz Fankhauser. Nach dem frühzeitigen Tod seines Bruders Engelberts (er erlag im 41. Lebensjahr einer Lungentuberkulose) übernahm Mutter Elisabeth Fankhauser kurzfristig die Leitung des Ateliers, ehe ab Dezember 1918 Conrad Fankhauser das Familiengeschäft weiterführte. Drei Jahre nach der Übernahme des Familienbetriebes heiratete Conrad am 12. Oktober 1921 die aus Kirchheim bei Ried im Innkreis (Oberösterreich) stammende Fotografin Anna Jechtl, die vor der Hochzeit ein Kinofotografentheater in Braunau am Inn (OÖ.) betrieb. Am 19. April 1923 erblickte Sohn Konrad August das Licht der Welt, zwei Jahre danach folgte ein weiterer Sohn, der jedoch bei der Geburt verstarb. Conrad, dem ein besonders ruhiger und stets zuvorkommender Charakter bescheinigt wird, war Mitglied in der Landesgenossenschaft der Photographen, in der Alpenvereinsektion Admont-Ennsthal, im Wintersportverein sowie im Fremdenverkehrs- und Verschönerungsverein Admont und Umgebung.

Gemäß seiner im Österreichischen Staatsarchiv befindlichen Wehrstammkarte wurde Conrad im Mai 1938 in die NSDAP aufgenommen; Zeitzeugen bezweifeln jedoch, dass dieser Schritt aus Überzeugung erfolgte, er sei diesbezüglich stets unauffällig gewesen und bekleidete zeitlebens auch keine politischen Funktionen. Zum Familienleben im Haus an der Bahnhofstraße ist überliefert, dass Anna Fankhauser eine sehr resolut auftretende Frau war. Sowohl im gutbürgerlichen Haushalt als auch im Betrieb führte sie ein strenges Regiment und pflegte jeden Freitagnachmittag mit Freundinnen ein Fläschchen Wein im ehrwürdigen Stiftskeller zu genießen. Neben Conrad und Anna lebten Mutter Elisabeth, Schwester Leopoldine und Konrad junior sowie verschiedene Lehrmädchen und Haushaltsgehilfinnen viele Jahre lang unter dem Dach des repräsentativen, im alpenländischen Jugendstil errichteten Hauses.

Ausbildung

Conrad Fankhauser hatte wohl viel vom Talent seines Vaters geerbt, seine individuelle Handschrift prägte jedoch die gediegene Ausbildung sowie die mehrjährige Praxis außerhalb des Familienbetriebes. Sein beruflicher Werdegang begann nach dem Besuch des Gymnasiums mit einer vierjährigen Praxis im elterlichen Betrieb. 1905 studierte er als außerordentlicher Schüler beim Physiker Karl Maria von Eder an der grafischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien die Fächer Chemie, Physik und Allgemeine Studien. Anschließend perfektionierte er unter harten Bedingungen fünf Jahre lang sein Können bei einem k.&k. Hoffotografen in Wien. 1911 nach Admont zurückgekehrt, widmete sich Conrad vor allem der Landschaftsfotografie, ehe er ab 1913 in Wiener Neustadt als Fotograf der "Luftfahrtruppe Fliegerkompanie VIII" tätig war und im Ersten Weltkrieg an verschiedenen Fronten eingesetzt wurde.

"Conrad-Fankhauser-Bildsprache"

Nach der Übernahme des Betriebes konnte Conrad zwar noch von den "Goldenen 1920er-Jahren" profitieren, doch erschwerten die späteren politischen Ereignisse die wirtschaftliche Weiterentwicklung. Ungeachtet dessen fiel in die Zwischenkriegszeit wohl seine kreativste Schaffensphase, in welcher vor allem seine unverwechselbaren Landschaftsaufnahmen entstanden. Trotz widriger Umstände gelang es ihm auch nach 1945, wieder an die Erfolge der vergangenen Jahrzehnte anzuschließen. Die positive Entwicklung des Fremdenverkehrs in den Nachkriegsjahren füllte die Auftragsbücher mit Arbeiten für die Gastronomie, zudem kamen zahlreiche Porträtfotos und auch der Kioskladen vor der Stiftskirche erwies sich lange Jahre als besonders lukrativer Geschäftszweig.

 
"Admont mit dem Buchstein", rechts oben eine Fotografie von Conrad Fankhauser.

Conrads fotografisches Werk besticht durch technische Perfektion, dem gekonnten Einsatz von Licht und Schatten und einer ästhetisch gestalteten Bildkomposition – all dies, in schlichtem Schwarz-Weiß gehalten, formte die typische "Conrad-Fankhauser-Bildsprache".

Darüber hinaus zeigt sich eine akribische Vorbereitung seiner charakteristischen Lichtbilder. Beispielsweise wurde der Standort einer Landschaftsszene zu verschiedenen Tageszeiten aufgesucht, um erst bei den als ideal konstatierten Lichtverhältnissen die Aufnahme zu vollenden. Perfekte Regie zeigt sich desgleichen in der Fachdisziplin der Einzel- und Gruppenporträts, wobei hier mitunter auch Anna Fankhausers Mitwirkung in Form adäquat in Szene gesetzter Arrangements sichtbar wird. Gleich dem Lebenswerk seiner Vorgänger, gelten auch Conrad Fankhausers Lichtbilder, die einen Zeitraum von rund sechs Jahrzehnten dokumentieren, unter Historikern als geschichtlich exklusives Bildarchiv der Gesäuseregion. Zwar bildete die Porträtfotografie noch bis in die 1960er-Jahre die kommerzielle Grundlage des Familienbetriebes, dennoch widmete sich Conrad zeitlebens mit besonderer Hingabe der Architektur- und Landschaftsfotografie, wobei er in dieser Sparte auch zahlreiche Auszeichnungen erhielt. Seine Fotos beeinflussten die damalige Fremdenverkehrsreklame, die ihre Wirkung in Form von Prospekten und Ansichtskarten nicht verfehlten. So fanden seine Motive unter anderem in der "Steirischen Alpenpost" Anerkennung: "In neuerer Zeit hat der bekannte Landschaftsphotograph Fankhauser jun. in Admont eine Serie von 300 verschiedenen Bildern ausgearbeitet, um damit Touristen und Freunden der steirischen Alpenwelt etwas Hübsches zu bieten und den Fremdenverkehr in der Obersteiermark zu heben. Die Bilder sind in der Tat sehr gelungen und zeugen von künstlerischem Geschmacke."

Sein fachliches Können wurde folgerichtig mehrfach mit Preisen bei diversen Fotobewerben ausgezeichnet. So befand man anno 1932 in der "Allgemeinen Photographischen Zeitung" über eine Lichtbildausstellung in Graz: "Conrad Fankhauser bringt drei große Winterlandschaften, die in ihrer Vollendung wohl nicht mehr zu übertreffen sind!" Und weiter in der Ausgabe von 1933: "Zu den besten Stücken der Ausstellung zählen zweifellos Conrad Fankhausers Innenaufnahmen des Admonter Stiftes und seine Bilder aus dem Gesäuse. Hier ist die hohe Schule des Fachphotographen zu bewundern, der bis in die zartesten Einzelheiten des Bildvorwurfs eindringt und sie mit der Kamera zu meistern versteht." Auch einen 1930 von der "Illustrierten Woche" ausgelobten Wettbewerb gewann Conrad mit dem Motiv "Der Dorfbrunnen von Weng". Überregionale Bekanntheit erreichte er nicht nur im Rahmen zahlreicher Ausstellungen, sondern vor allem mit jenen Fotografien, die in diversen Büchern sowie in auflagenstarken Zeitschriften und Illustrierten publiziert wurden.

 
Fotografien von Conrad Fankhauser aus Admont und dem Gesäuse im Jahr 1928.

Ende eines Traditionsbetriebes

Conrad Fankhauser starb am 25. November 1976 im 89. Lebensjahr und wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung am Friedhof von Admont beigesetzt. Erst zwei Jahre zuvor, nach dem Tod seiner Gattin Anna, übergab er den Betrieb seinem Sohn Konrad August. Der damals bereits 51-Jährige war zunächst im elterlichen Betrieb als fotografischer Gehilfe tätig, ehe er im Dezember 1948 aus jugoslawischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrte. Über seine Jahre nach dem Krieg ist wenig bekannt, erst 1955 absolvierte er die Meisterklasse für Photographie an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien. Auch Konrad junior verfügte über fachliches Talent, doch gelang es ihm nicht, aus dem Schatten seines dominanten Vaters zu treten.

Literatur

Quellen