Theodor Karl Holl

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Dir. Theodor Karl Holl (* 20. Juli 1875 in Wien; † 1945 nach einem Fliegerangriff in Wien) ist Ehrenbürger der Stadt Schladming.

Einleitung

Wenige Jahre nach der Wiedererhebung zur Stadt im Jahre 1925, ehrte Schladming drei hoch verdiente Persönlichkeiten mit der Verleihung der Ehrenbürgerschaft. Der Grund dafür lag im gemeinsamen Interesse dieser gleichartig gesinnten Männer. Sie kamen aus dem Lager der Wiener Alpinisten und ihr Streben galt der Erschließung der Bergwelt rund um Schladming, verbunden mit dem damals ungemein schwierigen Hütten- und Alpinwegebau, der Förderung des zu jener Zeit noch sehr jungen und häufig bespöttelten Skilaufes, aber im besonderen Maße der Förderung einer wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung durch touristische Impulse für die eher ärmliche Landschaft des oberen Ennstales.

Es waren die drei Alpinpioniere Theodor Karl Holl, Ignaz Mattis und Hans Wödl, die im Jahre 1930 von der Stadt Schladming mit dieser Würde ausgezeichnet wurden. Ist der Name von Hans Wödl noch durch eine Hütte, dies einen Namen trägt und dem von ihm verfassten Führer durch die Schladminger Tauern geläufiger, Ignaz Mattis durch die nach ihm benannte Hütte an den Giglachseen noch gegenwärtiger, so besteht schon eher Gefahr, dass Theodor Karl Holl etwas in Vergessenheit gerät.

Leben

Wie er nach Schladming kam und welche Spuren er als Idealist und Förderer des Skisportes hinterließ, möge uns eine alpine Biografie verdeutlichen. Am 20. Juli 1875 in Wien geboren, kaufmännischer Angestellter und späterer Bankdirektor, übernahm Holl als Mitglied des Alpenvereins Austria im Jahre 1903 als 28jähriger die Stelle eines zweiten Schriftführers dieser großen Sektion und trat damit erstmals in das alpine Rampenlicht. Als Gründungsmitglied der 1906 gegründeten Skivereinigung der Sektion "Austria" übernahm er 1911 die Führung dieses Sektionszweiges und sorgte in den zwei nachfolgenden Jahrzehnten für eine fruchtbare Aufwärtsentwicklung des Skisportes, der 1890 in Mürzzuschlag aus der Taufe gehoben wurde. Durch seine zusätzliche Tätigkeit als Hüttenwirt bei sektionseigenen Hütten im Dachsteingebirge, führte auch sein Weg nach Schladming nicht vorbei. Obwohl viele Spuren in der Zwischenzeit vom Winde verweht wurden, bleibt der Name Holl mit der alpin- und skigeschichtlichen Entwicklung von Schadlming für immer verbunden.

Er hat sehr früh erkannt, dass sich die Ausläufer der Schladminger Tauern wie die Planai, Hochwurzen und Reiteralm als Skiberge besonderes eigenen für die Sektion „Austria“ und deren Skivereinigung als Arbeitsgebiet gewonnen. Bereits im Jahre 1912 finden wir im "Ennstaler" eine Notiz, in der berichtet wird, dass auf den Skibergen rund um Schladming die Wintermarkierungen fertiggestellt wurden. Und diese trugen schon die Handschrift von Holl, wie uns nostalgische Tafeln in der neuen Schladminger Hütte noch heute beweisen. Auch in den Wäldern unterhalb des "Schladminger Kaiblings" – wie der Planaigipfel früher bezeichnet wurde – kann der aufmerksame Beobachter noch solche verrostete Relikte antreffen und wird sich schwer erklären können, wie die Sektion „Austria“ jemals in dieses Gebiet kam.

Als die AV-Sektion Schladming 1920 eine kleine Selbstversorgerhütte für den allmählich aufkommenden Winterbetrieb auf der Hochwurzen errichtete, wurde bald der Wunsch laut, auch für der Planai eine Hütte zu bauen. Weil aber die AV-Sektion Schladming zu jener Zeit arm wie eine Kirchenmaus war, bedurfte es langer Verhandlungen, ehe die Finanzierung gesichert werde konnte und 1925 mit dem Bau begonnen wurde.

Wieder war es Theodor Karl Holl, der dabei helfend beistand. Mit der Zusage einer Beihilfe des AV-Hauptverbandes hatte die Sektion Schaldming die Hälfte der Baukosten zu bestreiten, die andere Hälfte wurde von Holl persönlich eingebracht und nicht wie fälschlich angenommen wurde, von der Skivereinigung der Sektion „Austria“. Dass sein Weg richtig war, bewies schon die Tatsache, dass bereits im Jahre 1932 der erste Zubau zur Schladming Hütte fällig wurde, weil sie einen enormen Zuspruch hatte. Es ging aber wieder um die Finanzierung, die zu einer fatalen Situation führte. Die Schulden der Baufirma häuften sich an und blieben offen. Der Hauptausschuss verweigerte seine Beihilfe, weil sich nun endgültig herausstellte, dass nicht die Sektion „Austria“ oder deren Skivereinigung am Erstbau beteiligt war, sondern Holl sein Privatvermögen einbrachte. Die Nichtduldung dieser unerwünschten Besitzverhältnisse durch den Hauptausschuss, verbunden mit Eintragungsschwierigkeiten beim Grundbuch führten nach langwierigen Verhandlungen 1934 zur Abfindung von Holl's Ansprüchen, die letztlich durch eine Finanzhilfe durch den Hauptausschuss die Sektion Schladming zum alleinigen Besitzer der Hütte machte. Ob die für unverzinslich erklärte Beteiligung für den ersten Hüttenbau an Theodor Karl Holl auch tatsächlich rückgezahlt wurde, kann heute wegen der fehlenden Unterlagen nicht mehr rückverfolgt werden.

Ein weiteres Werk Holl's war die Schaffung einer Jugendherberge in der Unteren Klaus bei Schladming im Jahre 1927. Sie entstand mit finanzieller Unterstützung des Hauptausschusses und war durch viele Jahre zu einem wichtigen Stützpunkt für die Jugend geworden. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dieses Haus 1953 verkauft und einer privaten Verwendung zugeführt.

Als hingebungsvoller Verfechter des Skisportes aller Formen trat Holl auch für den Ausbau von Sportstätten ein. Weil gerade in der Zwischenkriegszeit Skiwettkämpfe häufig Alpin und Nordisch ausgetragen wurden, in Schladming aber eine Sprungschanze für Großbewerbe fehlte, ging er daran, anstelle der kleinen Schanzen in der Maistatt eine größere Schanzenanlage im Bereich der Wirtsleiten zu bauen. Sie entstand im Jahre 1930 und Holl brachte es sogar fertig, das damalige Bundesheer zu einem Arbeitseinsatz zu gewinnen. Als Dank für die Bemühungen Holl's um das Zustandekommen dieser Anlage wurde die Sprungschanze „Theodor Karl Holl Schanze“ benannt und wurde im Rahmen einer Skigroßveranstaltung 1930 geweiht. Schladming erlangte durch diese Schanze im Rahmen des nordischen Skisportes eine große Bedeutung. Viele Wettkämpfe, wie Kombinationsveranstaltungen und Spezialspringen, besonders aber die traditionellen „Stefani- und Dachsteinpokal-Springen“ wurden bis in die 1960er Jahre ausgetragen. Die Schanze musste schließlich einem Schlepplift weichen und heute führt die Planai-Seilbahn über dieses einstige Schanzengelände.

Neben all den Pionierleistungen für Schladming wirkte der unermüdliche Verfechter des Skilaufes noch auf der Tauplitzalm. Mit dem Bau einer Schutzhütte, dem Hollhaus, die seinen Namen trägt, hat sich Holl auch hier ein bleibendes Denkmal gesetzt und wurde auch in Bad Mitterndorf in Würdigung seiner besonderen Verdienste mit der Ehrenbürgerschaft bedacht.

Am Ende des Jahres 1932 legte Holl – vielleicht etwas enttäuscht – alle seine Ämter und übernommenen Aufgaben zurück. Welchen alpinistischen Funktionärsmarathon dieser Idealist in seiner 30-jährigen Tätigkeit für den Alpinsport und Skisport, verbunden mit den wirtschaftlichen Impulsen, tatsächlich zurückgelegt hat, wird in einem seitenlangen Bericht in den „Austria Nachrichten“, Folge 3, aus dem Jahre 1931 dargestellt und soll hier nicht nachvollzogen werden, weil viele sektionsinterne Tätigkeiten enthalten sind. Sie reichen vom Hüttenwart auf vielen Hütten der Sektion „Austria“, 20-jähriger Obmannschaft der Skivereinigung; Mitglied des Vorstandes „Österreichischer Skiverband“ viele Jahre Obmann der Bergführerschaft und des Alpinen Rettungsausschusses.

Holl führte auch Weihnachtsbescherungen für bedürftige Kinder der Landbevölkerung durch. In seiner Sektion erfüllte er viele Funktionen, wie ersten Schriftführer und erster Vorstand-Stellvertreter, sowie Referent für das Vortragswesen und für die Presse.

Durch das Übermaß seines Arbeits- und Gründungseifers - nicht nur bei der Sektion „Austria“, sondern auch im Deutschen und Österreichischen Alpenverein, sowie beim österreichischen Skiverband, geriet Holl leider in mehrfache Bedrängnis bezüglich der Erfüllung privater und persönlich übernommener Verpflichtungen und entschloss sich daher um seine oft etwas verwickelten Angelegenheiten ordnen zu können, seine Stelle im Ausschuss der Sektion „Austria“ sowie in der Skivereinigung niederzulegen, was im Ausschuss der Sektion sehr bedauernd zur Kenntnis genommen wurde.

Ein Zitat von Theodor Karl Holl aus dem Jahre 1912 soll uns ein Vermächtnis sein:
Ein Wunsch aber, der in uns allen liegt, möge zur Wahrheit werden: möge der Skilauf der Sport vieler, ja aller werden, möge er jene Stelle im Sport erreichen, die er seiner selbst willen verdient.

Theodor Karl Holl starb im 70. Lebensjahr 1945 nach einem Fliegerangriff in Wien einen einsamen Tod.

Quelle