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Geschichte Rottenmanns

Rottenmann in einer historischen Aufnahme aus dem Jahr 1902.

Name

Rottenmann hatte ursprünglich vier Namen. An der Wand des Beratungssaales des Rathauses stehen vier Namen: Tartusana, Stiriate, Castra Montana und Cirminah.

Eine Erzählung besagt, dass es einen Drachentöter gab, der durch das Blut des Drachen „Roter Mann“ genannt wurde. Wahrscheinlicher ist aber die Möglichkeit, dass der Name „Rottenmann“ nicht auf diese Sage zurückzuführen ist, sondern die Sage auf dem Ortsnamen basiert. Viel glaubwürdiger klingt die Erklärung, dass „Rottenmann“ normalerweise „Rotenman“ heißen sollte. Die Doppelschreibweise ist auf verschiedene Autoren zurückzuführen, die die Namen einfach mit Doppelbuchstaben ergänzten. „Rotenman“ würde nämlich so viel wie „Die Grenze am Sumpf“ heißen. Rot bedeutete damals Sumpf, man die Grenze. Eine glaubwürdige Erklärung, wenn man bedenkt, dass das gesamte Paltental nach dem Abschmelzen des Ennstsgletschers ein reines Sumpfgebiet war.

Dem Namen „Rottenmann“ werden auf diese Weise mehrere Bedeutungen zugeschrieben. Einige sind auf mystische Überlegungen zurückzuführen, andere beruhen auf sprachlicher oder geschichtlicher Basis beziehungsweise alten Schreibweisen.

Für die These, dass es sich um die Farbe handelt, gibt es ein bekanntes Zitat von 1048: „prediolum Rotenmannun dictum ... sclavonice etiam Cirminah nominatum“ (übersetzt: das Landgut Rottenmann... auf slawisch auch Cirminah genannt). Dies zeigt zum einen, dass Slawen mit Bajuwaren über Jahrhunderte in der gesamten Steiermark zusammenlebten, zum anderen ist es ein Nachweis, dass Rottenmann eine Übersetzung des slawischen Cirminah (črmljen = bei den Roten) ist. Es kann demnach sein, dass Ursiedler tatsächlich rotes Haar trugen oder anderweitig mit der Farbe Rot in Verbindung standen.

Eine andere, einfache Erklärung wäre, den Namen auf eine Rodungstätigkeit, ein gerodetes Gebiet zurückzuführen.

Geschichte

10. bis 15. Jahrhundert

In einer Tauschurkunde vom 23. Mai 927 zwischen dem Salzburger Erzbischof swiki:Adalbert II.[1] und seinem Chorbischof Cotabert wurde Rottenmann erstmals erwähnt.

Das ursprüngliche Rottenmann befand sich rund einen Kilometer weiter östlich des heutigen Stadtzentrums im heutigen Ortsteil Sankt Georgen. Da dort auf Grund der geologischen Gegebenheiten (starke Versumpfung) eine weitere Ausdehnung der Siedlung nicht möglich war, wurde der heutige Ort von einem deutschen Städtebauer auf den Schuttabhängen des im Süden der Stadt gelegenen Hausberges „Stein am Mandl“ geplant.

Zum Schutze der Handelskaufleute, welche die stark frequentierte Salz- und Handelsstraße – eine frühere Römerstraße – befuhren, wurde spätestens zu Anfang des 12. Jahrhunderts die Burg Rottenmann erbaut und mit Mauern und Gräben umgeben. Daraus entwickelte sich über die Jahre das heutige Rottenmann mit einer breiten Marktstraße (Marktplatz), von der rechtwinkelig schmale Gassen abzweigen.

Um 1266 wird die Stadtpfarrkirche St. Nikolaus zum ersten Mal erwähnt. Bis dahin nur als Filialkirche von Lassing. Am 25. Oktober 1279 hielt sich König Rudolf von Habsburg zum ersten Mal in Rottenmann auf und dürfte bei seinem Besuch die Stadterhebung durchgeführt haben, da ja in den Folgejahren Rottenmann in verschiedenen Urkunden immer wieder als Stadt bezeichnet wurde. Damit ist Rottenmann eine der ältesten Städte Österreichs. 1296 ist die älteste Nennung eines Stadtrichters vermerkt.

Rund um Rottenmann werden die heutigen Ortsteile Singsdorf und Strechau um 1080, Büschendorf um 1135, Bärndorf um 1150, Grünbühel um 1190, Villmannsdorf im Jahre 1296 und Goldbühel im 15. Jahrhundert erstmals genannt.

Nachdem Rottenmann schon im Jahre 1251 von salzburgischen Truppen besetzt worden war, passierte dies nochmals 1292, als sich der steirische Adelsbund – mit dem swiki:Erzstift Salzburg und dem swiki:Herzogtum Bayern verbündet – gegen Herzog Albrecht I. empörte. Bald darauf (1320) wurde für die dem Landesfürsten bewiesene Treue das Stadtrecht bestätigt und gleichzeitig erhielt Rottenmann auch überaus wichtige und einträgliche Handels-, Markt- und Gerichtsfreiheiten; besonders das Recht der Eisen- und Salzniederlage und die hohen Einkünfte aus den nahen Silbergruben von Oppenberg und am Dietmannsberg machten die Rottenmanner Bürger rasch wohlhabend.

Von 1453 bis 1785 bestand in Rottenmann ein Augustiner-Chorherrenstift. Im Jahre 1453 stiftete der Rottenmanner Bürger Wolfgang Dietz Geld für die Errichtung eines Klosters, nach Genehmigung durch Papst Calixt III. wurden Augustiner-Chorherren aus Wien nach Rottenmann gerufen. Dem Stift war jedoch keine wirklich große Zukunft beschert, vor allem in der Reformationszeit hatte es schwer zu leiden. Kaiser Joseph II. hob das Stift schließlich 1785 auf. Die Stiftsherrschaft Rottenmann wurde später von den Eisengewerken Pesendorfer erworben, später durch Max Ritter von Gutmann, der sie im Zuge des Anschlusses Österreichs an das Deutsche Reich an den Industriellen Flick weiterveräußerte.

16. bis 19. Jahrhundert

Das 16. Jahrhundert war geprägt von der Ausbreitung des Luthertums und den daraus resultierenden Auseinandersetzungen und Unruhen. Die Freiherren Hofmann erwiesen sich als maßgebliche Förderer des neuen Glaubens und beherrschten bald das gesamte Paltental und Gebiete darüber hinaus. Im Zuge der nachfolgenden Gegenreformation wurde über Anweisung des Landesfürsten am 15. November 1599 eine Reformkommission nach Rottenmann entsandt – zwei Tage später war die erst 20 Jahre vorher erbaute evangelische Salvatorkirche in Schutt und Asche gelegt. Durch die Abwanderung lutherisch gesinnter zählte Rottenmann im Jahr 1612 nur mehr 116 Bürger, wobei man in dieser Zeit nur jene Bewohner als Bürger bezeichnete, die innerhalb der Stadtmauern einen Hausbesitz nachweisen konnten.

Nach der zweimaligen Besetzung der Stadt durch französische Truppen, die zu Hungersnöten und katastrophalen Zuständen führten, trat durch die Übernahme der Eisenverarbeitung durch Josef Pesendorfer im Jahre 1815 eine Besserung ein.

1892 übernahmen die Gebrüder Lapp die Eisenwerke in Rottenmann und modernisierten den Betrieb. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Werk als Paltenstahlwerk Rottenmann weitergeführt und schließlich vom deutschen Industriellen Bauknecht gekauft. Heute werden hier Kühlgeräte durch die AHT Cooling Systems gefertigt.

1850 erfolgte die Eingemeindung von Sankt Georgen, Strechau und Strechen.

Von 1849 bis 2002 gab es, nachdem Rottenmann durch Jahrhunderte eine eigene Gerichtsbarkeit hatte, das Bezirksgericht.

Eine Serie von Brandstiftungen 1881 zerstörte unter anderem Teile des Stadtzentrums.

20. Jahrhundert

1910 gab es in Rottenmann u. a. folgende Unternehmen: Hotel Tirolerhof (Besitzer war Franz Scheiterer) sowie die Kaufmänner Franz H. Grogger und Josef Kalteis. Die beiden Kaufleute verkauften Autosolin (Treibstoff) und Öle für Automobile. Die Gemeinde hatte 2 000 Einwohner.[2]

In den Jahren von 1912 bis 1914 wurde das Rathaus vom Architekten Josef Hofbauer erbaut.

1943 erfolgte die Eingemeindung der Ortsteile Villmannsdorf und Büschendorf. Am 1. Jänner 1974 wurde die Gemeinde Palten mit den Ortsteilen Bärndorf, Edlach und Singsdorf mit der Stadtgemeinde Rottenmann vereinigt.

21. Jahrhundert

Zwischen 2000 und 2017 befand sich hier mit dem Universitätszentrum Rottenmann eine Außenstelle der TU Graz und der Johannes-Kepler-Universität in Linz. 2017 wurde beschlossen, das UZR zu schließen. Die Räumlichkeiten wurden von der Caritas-Lehranstalt für Sozialberufe übernommen. Der derzeitige Standort der Caritasschule in der Altstadt wird jedoch weiterhin geführt.

Am 1. Juli 2002 wurde der Gerichtsbezirk Rottenmann, bestehend aus den Gemeinden Rottenmann, Lassing, Trieben, Oppenberg, Selzthal, Treglwang und Gaishorn am See, aufgelöst und dem Gerichtsbezirk Liezen eingeordnet.

Im Sommer 2013 wurde ein Haus in der Innenstadt abgerissen, woraufhin einige Tage darauf die anliegende Wand des direkt angebauten Nachbarhauses Lindmayr teils einbrach. Seitdem klafft mitten in der Innenstadt ein Loch neben dem Rathaus. Am 3. Juli 2017 wurde nach fast vier Jahren eine Entscheidung getroffen, wie man das „Loch“ wieder richten würde. 2018 wurde mit dem Wiederaufbau der beiden Häuser begonnen.

Das Wappen von Rottenmann.

Quellen

  1. Verlinkung(en) mit "swiki:" beginnend führen zu Artikeln im Salzburgwiki, dem Mutterwiki des EnnstalWiki
  2. Handbuch des Oesterreichischen Automobil-Clubs 1910, zusammengestellt von Friedrich Cubasch, k.u.k. Rittmeister d. R., herausgegeben von Ingenieur Konrad & Bleyer, technisch-literarisches Bureau