Elisabeth Baitz

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Der Artikel 1925 von Helene Klepetar über ihre Cousine Lilli Baitz.
Der Artikel 1925 von Helene Klepetar über ihre Cousine Lilli Baitz.

Elisabeth Lilli Baitz, geborenen Schreiber (* 1874 in Praunfalk in Aussee; † 14. August 1942 in Bad Aussee), war eine Auslagen-Designerin aus dem Ausseerland.

Leben

Lilli Schreiber war eine drei Töchter (die beiden anderen waren Ida und Adele) des Ausseer Kurarztes Dr. Josef Schreiber und seiner Frau Clara, geborene Hermann (* 1848; † 8. Februar 1905 in Obermais bei Meran in Südtirol[1]). Sie wuchs in der elterlichen Villa Schreiber in Aussee auf. Entgegen des damaligen Zeitgeistes wuchs Lilli sehr frei auf, ihre Mutter war eine Frauenrechtlerin, und entwickelte ihre eigenen Gedanken. So lernte sie zum Entsetzen der Verwandten das Radfahren. Nach der Kindheit verbrachte Lilli Schreiber einige Jahre in einem Pensionat im französischen Paris zur Ausbildung. Auch das entsprach ganz dem damaligen Zeitgeist. Anschließend besuchte sie eine Kunstschule in Florenz in der Toskana, später eine weitere in München im swiki:Königreich Bayern[2] und studiert schließlich an der Kunstgewerbeschule in Wien.

Am Heiligenabend verlobte sich Lilli Schreiber mit dem Kaufmann Roman Baitz in Wien, der 1907 Direktor der Cur- und Wasserheilanstalt Alpenheim von seinem Schwiegervater wird.[3] Am 7. Mai 1902 heirateten sie in Meran in Südtirol.[4] Zunächst lebten Lilli und Roman abwechselnd in Meran, wo Vater Schreiber ein zweites Sanatorium betrieb, und in Aussee. Nach dem Tod ihrer Mutter 1905 geraten die beiden elterlichen Sanatorium in wirtschaftliche Schwierigkeiten und mussten verkauft werden.

1909 übersiedelte das Ehepaar Baitz nach Berlin, wo auch ihre Schwester Adele lebte. Zusammen mit ihrer Schwester begann Lilli Schaufensterdekorationen für große Kaufhäuser zu entwerfen. Die Motive entnahm sie ihrer Kindheit im Ausseerland. So entstanden Trachten, Märchenszenen (z. B. aus dem "Gestiefelten Kater"), aus verschiedenen Jahreszeiten wie "Weihnachten in der Schihütte" und andere Motive. Sogar für ein amerikanisches Kaufhaus, das "Kaufhaus Kaufmann's" in Pittsburgh, entwarf Lilli Auslagendekorationen mit der Ankunft von Columbus, dessen Begegnung mit Indianern oder Szenen aus der "Boston Tea Party". Für ein Kreuzfahrtschiffe der deutschen Reederei Hapag-Lloyd baute sie eine Kulisse des "Weißen Rössls" aus St. Wolfgang am Wolfgangsee (1932), die im Speisesaal des Schiffes aufgebaut wurde.

Einer ihrer Reisen führte sie 1928 oder 1929 nach Jerusalem in Palästina.

Wahrscheinlich ab 1923[5] waren Lilli und Roman Baitz nach swiki:Parsch in der swiki:Stadt Salzburg übersiedelt. Die Werkstätte verblieb jedoch in Berlin, Lilli hatte sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und nur mehr beratend tätig. Es muss aber noch eine zweite Werkstätte dann in Parsch gegeben haben, wo sie 1925 ihre Cousine Helene Klepetar besuchte und einen Artikel in der "Österreichischen Illustrierten Zeitung" über "das Puppenhaus" veröffentlichte. Diese befand sich im Gebäude Gaisbergstraße 12.[6] Sie wurde im Handelsregister in Salzburg im September 1924 eingetragen (Firma Lilli-Werkstätten L. & R. Baitz).[7]

Am 20. August 1930 starb ihr Mann Roman in der Stadt Salzburg im 59. Lebensjahr[8], er wurde in Bad Aussee begraben.[9] Lilli war bereits 60 Jahre alt. Lilli kehrte zu ihren familiären Wurzeln nach Altaussee zurück, wo sie sich das sogenannte Sonnenhäusl erbauen lässt und zusammen mit ihrer Freundin Paula Schmiedl lebte. Ihre Schwester Adele, die 1933 Deutschland verlassen musste, lebte nun in der Schweiz und kam zu Besuch zu ihrer Schwester.

Obwohl sie als Witwe eines Nichtjuden nach der Machtübernahme 1938 durch die Nationalsozialisten zunächst einen gewissen Schutz hatte, geriet sie zunehmend in Gefahr. 1941 gestattete ihr die Vermögensverkehrsstelle noch den Verkauf ihres Sonnenhäusl an ihre Freundin Schmiedl. Eigentlich wollte sie ihr Haus für Heimatkunde der Gemeinde vererben, was aber unter den Nationalsozialisten chancenlos war. Doch dann erhielt Lilli am 9. Jänner 1942, dass "alle Juden, die auf Grund der Polizeiverordnung vom 1. September 1941 das Judenkennzeichen tragen müssen, ihren Wohnsitz von Oberdonau nach Wien zu verlegen haben. Als letzter Termin für diese angeordnete Übersiedlung wurde der 10. Februar 1942 angeordnet. [...]"[10]

Mit Hilfe des Bürgermeisters von Bad Aussee, Hans Wöll kann die Freundin Schmiedl die Abreise von Lilli bis 15. August verzögern.

Einen Tag vor dem genannten Termin nimmt sich mithilfe von Schlaftabletten des Bad Ausseer Arztes Dr. Alber Hofer Lilli Baitz das Leben.

Weblink

  • ANNO, Blatt der Hausfrau, 1910–1911, Bilder weiterer Figuren von Lilli Baitz

Quelle

Einzelnachweise

  1. ANNO, Pester Lloyd, Ausgabe vom 12. Februar 1905, Seite 7
  2. Verlinkung(en) mit "swiki:" beginnend führen zu Artikeln im Salzburgwiki, dem Mutterwiki des EnnstalWiki
  3. ANNO, Innsbrucker Nachrichten, 25. Dezember 1901, Seite 2
  4. ANNO, Neue Freie Presse, Ausgabe vom 1. Mai 1902, Seite 5
  5. ANNO, swiki:Salzburger Volksblatt, Ausgabe 29. September 1923, Seite 7
  6. ANNO, Salzburger Volksblatt, Ausgabe vom 29. September 1923, Seite 7
  7. ANNO, swiki:Salzburger Chronik, Ausgabe vom 28. Oktober 1924, Seite 7
  8. Marie-Theres Arnbom schreibt in ihrem Buch "44-jährig"
  9. ANNO, Salzburger Volksblatt, Ausgabe vom 22. August 1930, Seite 5 sowie ANNO, Salzburger Volksblatt, Ausgabe vom 22. August 1930, Seite 10, Parte
  10. Zitat Quelle