Schladminger Bauern- und Knappenaufstand 1525

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Im Schladminger Bauern- und Knappenaufstand 1525 ging es am 3. Juli 1525 um Schladming.

Allgemeines

Die Aufstandsführer in der Obersteiermark, wie auch in Tirol und Salzburg, rekrutierten sich aus der bürgerlichen Schicht: bürgerliche Gewerken, Hammerherren, Hutleute, höhere landesfürstliche Beamte bürgerlichen Standes oder schlicht wohlhabende Bürger. So wurde kurz vor dem 30. Juni 1525 der Brixentaler Bergwerksverweser Michael Gruber zum Feldhauptmann an der Mandling gewählt. Der Sieg von Schladming, der Überfall auf das Lager des steirischen Landeshauptmannes Siegmund von Dietrichstein, der gekommen war, um die Aufständischen in Schladming niederzuringen, machte Gruber berühmt; ebenso seine in der Folge maßvolle Haltung gegenüber den adeligen Gefangenen.

Einleitung

Als 1522 auf hauptsächliches Betreiben des Schladminger Bergwerks der Neubau der romanischen Achazi-Kirche in Angriff genommen wurde, sahen viele darin den ersten öffentlichen Protest gegen die völlige Abhängigkeit der Pfarre Haus im Ennstal sowie eine Demonstration für die „neukatholische Lehre“ des Wittelsbacher Mönchs, für den Protestantismus. Am 25. Mai 1525 kam es im Salzburger swiki:Gasteinertal zu einem Aufstand der Knappen gegen ihren Landesherrn, den Fürsterzbischof swiki:Matthäus Lang von Wellenburg. Auch dort fand die Luthersche Lehre rasch Verbreitung. Die Knappen zogen nach Salzburg, wo sie die swiki:Festung Hohensalzburg belagerten.

Die Ereignisse 1525

Im März desselben Jahres sorgte ein „neugläubischer“ Pfarrer „Franz“ in Schladming für Unruhe. Nach dem Aufstand im Gasteinertal hatte die Botschaft der aufständischen Salzburger Knappen ihre Wirkung bei den Schladmingern nicht verfehlt. Zu den Pfingstfeiertagen, am 4. und 5. Juni, wurde der „Angriff“ beschlossen.

Anfang Juli 1525 sammelten sich im Feldlager an der Mandling 1 200 Knechte vom Salzburger Belagerungsheer, 1 000 aus dem Pinzgau, 900 aus dem Pongau und 250 aus Rauris (Pinzgau) sowie hunderte Schladminger Knappen, jedoch keine Reiter und Geschütze. So stand man den etwa 3 000 bis 4 000 Mann des Siegmund von Dietrichstein gegenüber. Der Aufständische Michael Gruber, den man aus Tirol geholt hatte, sollte sich eigentlich auf die Grenzverteidigung beschränken.

Der „fürstlich Durchlaucht geschworne“ Schladminger Bergrichter Konrad Ränstl lehnte sich gegen den Landeshauptmann Siegmund von Dietrichstein auf und plünderte als Rebellenhauptmann mit 1 200 Mann das Ennstal. Am 3. Juli 1525 kam es dann zum Überfall auf Schladming, bei dem der Aufständische Michael Gruber eine wichtige Rolle spielte. Der Überlieferung nach gab es unmittelbar vor dem Aufstand rund 1 500 Knappen[1].

Landeshauptmann Dietrichstein wartete inzwischen auf den Anmarsch des Niklas Grafen Salm und dessen Unterstützung und versuchte durch Abschluss eines Waffenstillstandes Zeit zu gewinnen. Gruber kam dem Gegner jedoch mit einem Überraschungsschlag zuvor. Das ständische Heer unter Dietrichstein wiegte sich eher in Sicherheit und fürchtete von den flankierenden Berghängen keine Gefahr. Sie waren der irrigen Annahme, Enns und Talbach wären zu reißend, und sie hielten einen Zugang über Preunegg, Rohrmoos und Fastenberg durch das unwegsame Gebirge für ausgeschlossen.

Sonntagnacht (2. Juli) brach Gruber mit etwa 3 500 Mann von Mandling nach Schladming auf und marschierte fast die ganze Nacht durch. In Pichl teilte er seine Männer: Ein Trupp stieg in nordöstlicher Richtung den Steilhang empor in die Ramsauer Leiten, der er, an den Gehöften vorbei, nach Osten folgte, bis er sich nördlich oberhalb von Schladming befand. Nun mussten sie nur noch ins Tal absteigen. Der größere Anteil der Angreifenden, auch von ortskundigen Knappen geführt, hatte den schwierigeren Weg. Sie stiegen von Preunegg in südöstlicher Richtung auf den Rohrmooser Hang, querten ihn nach Osten, stiegen ins Untertal ab, überschritten vermutlich beim ehemaligen Wirtshaus Pruggerer den Talbach und erklommen den Fastenberg. Auch die Hauptmacht brauchte jetzt nur noch gerade abwärts zu stoßen.

Die Koordinierung des getrennten Nachtmarsches auf schlechten Wegen, über Steilhänge, durch Wälder und Bachgräben war eine Meisterleistung. In Ermangelung von Uhren, Karten oder Kompaß waren genaue Ortskenntnis, sicheres Zeitgefühl und exakte Absprachen der Abteilungsführer notwendig. Laternen oder Fackeln als Wegbeleuchtung oder Signalmittel durften, falls überhaupt, nur verwendet werden, wenn sie vom Tal aus nicht sichtbar waren. Ein unvorhersehbares Ereignis, wie schlechtes Wetter, hätten zum Scheitern Grubers führen können.

Der plötzliche Angriff von Süden und Norden machte den Mangel an Reitern und Geschütz wett. Gruber könnte man demnach als sehr geschickten Improvisator sowie risikofreudigen Planer und Organisator bezeichnen.

Die Bewachung der Tore und Mauern war schlecht. Ein Trupp von 130 Salzburgern besetzte das offene Stadttor, und Grubers Männer konnten in die Stadt eindringen. Damit war Schladming praktisch gefallen; der Kampf im Inneren nicht mehr heftig. Als Dietrichstein die Lage erkannte, hatte er nicht einmal mehr Gelegenheit zur Flucht.

September 1525

Graf Salm wurde von der Niederlage Dietrichsteins in Rottenmann informier. Die ihm zur Verfügung stehenden geringen Truppenmacht war zu schwach für einen Entsatz Schladmings. Salm schlug zur Sicherung des Innerberger Gebietes bei Leoben sein Lager auf. Erzherzog Ferdinand von Österreich erließ am 10. Juli ein strenges Mandat, in welchem er vor jedweder Verbindung mit den aus Salzburg eingefallenen Rebellen warnt. Wer den Befehlen Salms nicht Folge leiste, solle „gebrandschatz werden an leib, hab und gut".

Mittlerweile fürchte die Bürgerschaft Schladmings und die „Gemeinde" des Ennstales eine Strafe des Landesfürsten. Daher sandten sie an Erzherzog Ferdinand ein Entschuldigungsschreiben. In diesem erklärten sie, sie hätten sich nur zur Wehr des Landes versammelt, als Dietrichstein mit seinen böhmischen und ungarischen Knechten hereingebrochen sei und ihnen vielen Schaden verursacht habe. Nach dem Befehl des Erzherzogs seien sie schnell abgezogen und bäten nun um Schonung.

Noch aber waren im oberen Ennstal um Radstadt waren 2 000 aufständische Knechte versammelt. Die Bauern errichteten weiterhin neue Klausen. Am 5. August gab der Vizestatthalter und der Hofrat die Weisung an Graf Niklas Salm, den „aufrührerischen Flecken Schladming an der Enns" zu zerstören. Aber Salm war infolge Mangels an Streitkräften immer noch untätig in Leoben. Erst am 30. August erging ein landschaftliches Aufgebotspatent für ganz Steiermark zur Sammlung der Streitkräfte in Leoben. Nachdem in den den ersten Septembertagen sich genügend Soldaten gemeldet hatten, folgte Salm seinem Befehl, das (Salzburger) Erzstift nicht anzugreifen, sondern nur Schladming einzunehmen deren Einwohner zu bestrafen. Ein neuerlicher Befehl am 14. September unterstrich seine Pflicht, die Schladminger mit Truppenmacht anzugreifen und zu züchtigen. Aber erst am 20. September erhielt schließlich Salm den endgültigen Befehl, Schladming niederzubrennen. Am 28. September wurde die Konfiskation aller Berg- und Hüttwerke, die die Bürger und Inwohner von Schladming besaßen, samt allen Vorräten, nichts ausgenommen, angeordnet. Während Salm in den letzten Septembertagen gegen Schladming vorrückte, wurde ihm berichtet, dass die Aufrührer bei Schladming ein Bollwerk errichtet hätten und dass dort an die 4 000 Mann versammelt seien. Sein anrückender Vortrab fand 300 Knappen vor der Stadt versammelt, die angesichts des Gegners in die Stadt zurückwichen. Sie wurden aber verfolgt, an die 50 erstochen. Vor der nachrückenden Heeresmacht Salms flohen die Knappen in die Häuser oder beim oberen Stadttor ins Gebirge. Da also ein Überfall seitens der Knappen nicht zu befürchten war, verbot Salm jede Plünderung und lieh den Wechsler, den Fröner und den Fronschmelzer auf deren Begehren unter sicherem Geleite ins Lager führen. Diese meldeten ihm, dass der gesamte Besitz aus der Stadt gebracht worden wäre und kein Bürger mehr in der Stadt weile. Die meisten Bürger waren in die Klause an der Mandling auf salzburgischen Boden geflohen, den Salm befehlsgemäß nicht angreifen durfte. Dann gab Salm den Befehlt, Schladming anzünden und bis auf den Grund niederbrennen. Allen Vorrat an Schmelzwerk hatte er vorher vergraben lassen. Die Anweisungen wurden in den ersten Oktobertagen ausgeführt, da Salm bereits am 6. Oktober von Gröbming aus an den niederösterreichischen Hofrat vom Vollzug dieser Anweisungen berichtete[2].

Siehe auch

Quellen

  • Schäffer, Roland: Der obersteirische Bauern- und Knappenaufstand und der Überfall auf Schladming 1525, Militärhistorische Schriftenreihe, Heft 62, Bundesverlag, Wien 1989, S.70f., S.14f., S.22ff.
  • Rohrmoos-Untertal. Natur – Kultur – Menschen. Ortschronik, Rohrmoos-Untertal 2009, S. 245f.
  • Schladming. Geschichte und Gegenwart. Ortschronik, Schladming 1994, S.33ff.
  • Hutter, Franz: Geschichte Schladmings und des steirisch-salzburgischen Ennstales. Graz 1906, S. 145-165.
  • Archiv Nickelmuseum Hopfriesen, Rohrmoos-Untertal.
  • Vgl.Salzburgwiki Michael Gruber
  1. Quelle Heimatkundliche Blätter von Schladming Nr. 46, März 2002, verfasst von Walter Stipperger
  2. Kapitel September 1525 - Quelle www.sagen.at