Schladming, die Bauernkriege im Ennstal und die Zerstörung Schladmings

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Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Bauernaufstände im Ennstal.

Einführung

Die Veränderungen der sozialen, rechtlichen und wirtschaftlichen Stellung der Bauern am Ende des Mittelalters durch gesteigerte Abgaben an die Grundherren und die Stände (Rüststeuern für die Türkenabwehr bei ungenügendem Schutz) und durch die Rezeption des römischen Rechts, die zur Beschneidung der Gemeinrechte führte, lösten ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in mehreren österreichischen Ländern Aufstände der bäuerlichen Untertanen aus. Diese wurden meist durch lokale Beschwerden veranlasst und richteten sich gegen den Grundherrn, niemals gegen Kaiser und Reich.

Größeren Umfang erhielt die Bewegung durch die religiösen Lehren Luthers und anderer Reformatoren, vor allem im Anschluss an den großen deutschen Bauernkrieg von 1525. Sie erfasste Tirol und Salzburg sowie Teile der Steiermark, von Niederösterreich, Oberösterreich und Kärnten. Höhepunkte waren die Aktionen Michael Gaismairs in Tirol, die Belagerung des Erzbischofs Matthäus Lang von Wellenburg auf der Festung Hohensalzburg in Salzburg und die Kämpfe um Schladming.

Diese Aufstände wurden 1526 durch das Eingreifen des Schwäbischen Bundes und österreichischer Truppen unter Niklas Graf Salm beendet. In den folgenden Jahren kam es besonders in der Steiermark und in Salzburg zu einer Anzahl von Krawallen. Ein größerer Aufstand ging 1594/95 von Oberösterreich aus und dehnte sich 1596 wegen der Belastungen durch einen Türkenkrieg und Maßnahmen der Gegenreformation auch auf Teile des westlichen Niederösterreichs aus.

Die Anfänge im Ennstal

1478, als sich in Kärnten Bauernunruhen ausbreiteten, gelang es den Ennstaler Bauern, sich zu einem Bauernbund zusammenzuschließen. Dieser hatte sogar schon eigene Statuten. In Folge kam es zu einem ersten Bauernaufstand im Ennstal, der sich gegen die Herrschaft des Benediktinerstifts Admont, der Salzburger Domherren und des Erzstifts St. Peter richtete. Anfang des 16. Jahrhunderts wurde die Lehre Martin Luthers durch umherziehende Prediger verbreitet. Die Bauern sahen in der von Luther verbreiteten Meinung, „alle Menschen seien frei“, die Botschaft, sich von Leibeigenschaft und Knechtschaft befreien zu dürfen. In ganz Mitteleuropa brachen Bauernaufstände aus.

Schladminger Bauern- und Knappenaufstand 1525

Hauptartikel: Schladminger Bauern- und Knappenaufstand 1525

Im Herbst des Jahres 1524 kam ein Prediger, der „Herr Franz" genannt wurde, zu den Schladminger Bergknappen. In seinen Predigten prangerte er, wie zeitüblich, die Missstände in der Kirche an, wetterte gegen die reichen Pfaffen und Prälaten, die dem christlichen Volk keine gute Lehre noch Exempel vortragen und trat gegen die „opfer begenkhnuss und ander gellt chätzungen" auf.

Er fand großen Anklang beim Bergvolk. Das Besondere an seinem Auftreten war, dass er nicht im Stil der spätmittelalterlichen Metaphorik „fablwerch von meysen und hasen" vorbrachte, sondern das „clar evangelium" verkündete.

Er steht damit in der Reihe anderer früher Prädikanten, welche zum Beispiel in den benachbarten Salzburger Bergbaugebieten nachweisbar sind. Der Salzburger Erzbischof Matthäus Lang versuchte die Ausbreitung reformatorischer Gedanken durch Synoden, Visitationen und die Verhaftung der Prädikanten einzudämmen.

Insgesamt muss eine unerhörte Aufbruchstimmung das Land erfasst haben, vielleicht losgetreten von außen her, aber mündend in einen großen religiös bestimmten Zusammenklang. Die Quellen verschweigen uns, wann genau der Aufstand in Schladming losbrach.

Man kann die Vorgänge in Schladming nicht isoliert sehen. In allen steirischen Bergbaugebieten, gleich ob auf Salz, Eisen oder Edelmetallen, kam es zu Aufständen oder Unruhen und es gab eine Solidarisierung zwischen Knappen und Bauern. Ohne Bergwesen keinen Aufstand!

Man sagt oft, die Ennstaler sind anders. Vielleicht liegt in diesen Ereignissen die Wurzel zu einem größeren Abstand zur Obrigkeit, zum trotzigen Beharren im evangelischen Glauben durch alle Fährnisse der Gegenrefomation hindurch, aber auch eine größere innere Selbständigkeit.

Die geschichtliche Entwicklung ging weiter. Es gelang Ferdinand nicht, Salzburg in seine Machtsphäre einzubeziehen. Schladming blieb Grenz-·und Handelsort.

Quellen