An der Wiege des Landes Steiermark. Die Chronik Pürgg-Trautenfels.

An der Wiege des Landes Steiermark. Die Chronik Pürgg-Trautenfels.
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Buchdaten
Autoren: Gottfried Allmer, Walter Brunner, Wilhelm Deuer, Josef Hasitschka, Ingo Mirsch, Hannes P. Naschenweng, Armin und Wolfgang Suppan
Herausgeber: Wolfgang Suppan
Verlag: Weißhaupt Verlag
Erschienen: 2013
ISBN: ISBN 978-3-7059-0344-9
Seiten: 816

An der Wiege des Landes Steiermark. Die Chronik Pürgg-Trautenfels. ist Chronik der ehemaligen Gemeinde Pürgg-Trautenfels.

Inhalt

Zwar werden die Ortschaften Pürgg und Neuhaus, seit 1968 zur Gemeinde Pürgg-Trautenfels vereint, in der Geschichte der Steiermark seit dem hohen Mittelalter immer wieder genannt. Vor- und frühgeschichtliche, keltische und römische Funde bezeugen die ältere Besiedlung der Region. Seit der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts haben alpenslawische und bajuwarische Einwanderer Flurnamen hinterlassen.

Der um das Jahr 1000 in einer klimatisch bevorzugten Lage erbaute und nach allen Richtungen hin entweder durch die steilen Mauern des Burgstalls oder durch eine Folge von Wällen gesicherte markgräfliche Hof 
Gr(a)uscharn wurde nach 1192 zu einem Zentrum kirch­licher Macht umgestaltet, in dem Pfarrer im Range von Archidiakonen oder Erzpriestern residierten.

Neben dem markgräflichen Hof Gr(a)uscharn und mit diesem durch einen Gang verbunden, entstand die St. Georgskirche, angeblich am Alexiustag des Jahres 1130 geweiht, um 1300 im Stile der Gotik erweitert, im 18. Jahrhundert dann in ihrem Inneren barockisiert. Auf dem Kalvarienberg gegenüber der heutigen Pfarrkirche schaut die Johanneskapelle ins Tal, in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts mit Fresken versehen, die zu den berühmtesten romanischen Kunstwerken Mitteleuropas gezählt werden.

Im Tal entstand das "Neue Haus" (Schloss Neuhaus, später Trautenfels), aus militärisch-strategischen Gründen an der Kreuzung der Nord-Süd-Salzstraße, vom Salzkammergut über das Glattjoch nach Oberwölz und weiter nach Kärnten und Italien, und der durch die Enns aus­geprägte Ost-West-Furche quer durch die Alpen erbaut.

Seit dem Beginn des 14. Jahrhunderts treffen wir auf den Namen Burg > Bürg > Pürg > Pürgg, dessen Bewohner in den folgenden Jahrhunderten vor allem durch ihren Gewerbefleiß auffielen. Hier hatten u. a. die Bruderschaften der Schuster, Leinenweber, Schneider und Fleischer ihren Sitz. Die Eröffnung der Eisenbahn durch das Ennstal und des Anschlusses von Stainach in das Salzkammergut im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts verlagerte die Aktivitäten schließlich in das Tal, sodass der gewerblichen eine bäuerliche Struktur folgte. Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, mit der Entdeckung der Fresken in der Johanneskapelle, setzte der Tourismus ein. Der Bau des Alpenhotels Adam zog bis in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts bedeutende Adelige und Künstler in den Ort. "Pürgger Dichterwochen", 1953 bis 1955, schließlich der "Pürgger Advent", seit 2003, sind Höhepunkte der allerjüngsten Entwicklung. Ein zweites touristisch-kulturelles Zentrum stellte sich mit dem prächtig ausgestalteten Schloss Trautenfels ein, das heute ein beachtenswertes volkskundliches Museum beherbergt.

"Von Grauscharn nach Graz"

So betitelt Dr. Karl Spreitzhofer, Oberarchivrat am Steiermärkischen Landesarchiv in Graz und Mitglied der Historischen Landeskommission für Steiermark, einen Aufsatz, in dem er die "Wege zur steirischen Landeshauptstadt" ­beschreibt: War Grauscharn/Pürgg, "der wahrscheinlich älteste Eigenbesitz der Otakare außerhalb des Traun­gaues", demnach die erste Hauptstadt der Steiermark?

Doch so dürfte man Spreitzhofer nicht interpretieren. Die ersten Markgrafen des Landes kannten keine Hauptstadt, sondern sie richteten Pfalzen ein, von denen aus sie nach und nach regionale Besitzungen und Grafschaften zu einem Land vereinten.

Seit der Zeit der Eppensteiner Markgrafen, um die Jahrtausendwende, bildete die Burg zu Grauscharn/Pürgg den Mittelpunkt der Grafschaft im Ennstal. Die Traungauer Markgrafen, beginnend mit Otakar I., bauten ihre Macht von hier aus weiter aus. „Die Urkunden ab 1160 lassen jedenfalls eine markgräfliche, dann herzogliche Pfalz mit organisierter Hofhaltung erkennen" (Spreitzhofer). Markgraf Otakar II. (* 1082; † 1122) hat, vertrauen wir dem stei­rischen Reimchronisten, seinen Lebensabend auf der Pürgg verbracht.

Doch neben und nach Grauscharn/Pürgg entstanden ­weitere wichtige Orte. Otakar III. (* 1129; † 1164) vermochte der Landesherrschaft zum endgültigen Durchbruch zu verhelfen und damit das Land Steiermark zu schaffen. Er hat im Verlauf seiner Regentschaft Graz ausgebaut und schließlich als Landeshauptstadt gefestigt. Die ober­österreichische Stadt Steyr mit der Styraburg hat zwar dem Land den Namen gegeben, jedoch selbst nie eine zentrale Rolle in diesem Land gespielt.

Daraus ergibt sich die Berechtigung, dieser "Chronik Pürgg-Trautenfels" den Titel "An der Wiege des Landes Steiermark" zu verleihen.

Schon 1192 trat die Georgenberger Handfeste in Kraft, die Herzogtümer Österreich und Steiermark wurden vereint. Die neuen Herren, die in Wien residierenden Babenberger, hatten kein strategisches oder persönliches Interesse mehr an Grauscharn/Pürgg. So kam es zum Ausbau der Pürgg zu einem geistlichen Zentrum. Erst in allerneuester Zeit verlor sich auch diese Bedeutung, und die Pürgg (gemeindlich seit 1968 mit Neuhaus/Trautenfels vereint) gilt seither im politischen und wirtschaftlichen Geschehen des Landes Steiermark nur noch als Randerscheinung.

Bedeutende Vertreter einer steirisch-landeskundlichen Wissenschaft haben in diesem Buch das bisherige Wissen um die Pürgg zusammengefasst und zudem manche neuen Details erarbeitet.

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Quellen