1322: Die erste urkundliche Nennung Schladmings als Stadt

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Die Siegel des Richters Vasolt (1322) und der Stadt Schladming.

Im Jahr 1322 erfolgte die erste urkundliche Nennung Schladmings als Stadt. Darüber berichteten ausführlich die Heimatkundliche Blätter von Schladming in der 83. Ausgabe Juli 2022. Ein Beitrag von Josef Hasitschka.

Einleitung

Etwa ab 1250 förderten die Landesherren die Erhebung von größeren Ansiedlungen zu Städten. Diese bildeten wegen ihrer Unabhängigkeit ein gewisses Gegengewicht zum Adel, waren dem Landesherrn gegenüber loyal und brachten ihm darüber hinaus Einkünfte. Echte Urkunden über Stadterhebungen waren allerdings sehr selten. Auch die hier behandelte Urkunde zeigt kein Stadterhebung an.

Schladming wurde um 1300 von den Habsburgern gefördert, ließ er sich doch im Streit mit dem swiki:Erzbistum Salzburg[1] als wehrfähiger Grenzort ausbauen. Königin Elisabeth erwarb diesen aufstrebenden Bergbauort und stattete ihn mit besonderen Privilegien aus. Die genaueren Gunstbeweise sind bei Günter Cerwinka im Kapitel „Schladming im Mittelalter“ in der Chronik von Schladming (1996) nachzuschlagen.

27. Juli 1322: Die erste urkundliche Nennung Schladmings als Stadt

Am 27. Juli 1322 bestätigten der „Richter“ und die „Genannten“ (= der Rat) und die „Gemeinde“ (= der äußere Rat) ein Rechtsgeschäft eines Schladminger Bürgers mit dem Abt von St. Peter in Salzburg. Für die Geschichte Schladmings bedeutend sind die Anfangszeilen der Urkunde, benennen sie doch den Ort erstmals als „Stat“.

Ich Vasolt Richter und di genanten und di gemain der stat ze Slafnig ...Tuen chund, allen den di disen p(r)if sechent oder horent lesen – daz Ulreich der..., 1322.

Beginnende Verwaltung der Stadt

Die mittelalterliche Stadt ist Zentralort, Wirtschaftszentrum und Burg, vor allem ist sie aber auch autonome Bürgergemeinde. Im Gegensatz zu bäuerlichen Siedlungen ... sind Städte und Märkte durch Selbstverwaltung und Gerichtshoheit ausgestattet (Cerwinka).

An der Spitze der Stadt- und Marktverwaltung stand der Richter, hier in Schladming meistens gleichzeitig der Bergrichter. Ihm zur Seite stand der Rat (auch Geschworene, Genannte). Diese „Ratsverwandten“ (meistens zwölf) bildeten die Stadtregierung. Dazu kam noch das Gremium des „Äußeren Rates“, welches die „Gemain“, das heißt die Stadtbevölkerung, zu vertreten hatte. Die gehobenere Schicht der innerhalb der Stadtmauern Wohnenden, bestehend aus Patriziern, hier in Schladming meistens aus Gewerken, durfte sich „Bürger“ nennen (nach Cerwinka).

Diese Begriffe aus einer Urkunde um 1448 zählen die „Oberschichte“ von Schladming auf, zu der wohl auch noch wohlhabende Händler, die Gewerken und Erzkäufer gehörten.

Die Stadt mit Mauer und Veste

Modell der mittelalterlichen Stadt Schladming.

Ein wesentliches Merkmal einer Stadt war das Recht, eine Stadtmauer zu bauen und gegebenenfalls eine Festung zu errichten. Schladming hatte bereits bald nach der ersten Erwähnung eine „veste“ vorweisen: Die später „Säusenstein“ genannte Festung bestand aus einem sieben mal sieben Meter großen einfachen Wehrturm. Im Modell der Stadt Schladming im Stadtmuseum steht sie im Bild rechts oben mit dem roten Dach. In einer Urkunde, einem Kaufvertrag von 1350, ist das Kaufobjekt Hopfriesen folgend verortet: Hopfrisen, gelegen hinder der Vest ze Slädmich. Also hinter dem Säusenstein den Talbach und dann das Obertal aufwärts. Bemerkenswert ist die Anlage der Stadt im sehr beengten Geviert, welches durch die Stadtmauer begrenzt wurde.

Die Stadt als Bergbauzentrum

Alfred Weiß hat in seinem Aufsatz „Gewerken und Knappen im Schladminger Bergrevier“ (2017) die soziale Zusammensetzung der mittelalterlichen Schladminger „Berggemeinde“ beschrieben:

An der Spitze des Bergrevieres und auch der Stadt stand der Bergrichter. Leonhard Egkelzain erließ im Jahre 1408 aufgrund eines Wahrspruches des Rates der Bürger und Knappen den Schladminger Bergbrief. Ein Jahrhundert später wurde dieses Rechtsweistum durch die Maximilianische Bergordnung abgelöst, diese wiederum durch die Bergordnung Kaiser Ferdinands im Jahre 1553. Das „Berggericht Schladming“ war neben dem Bergrichter mit einem Bergschreiber, einem Fröner, Geschworenen und einem Schinner besetzt. Diese regelten die Arbeiten der Probierer und der Erzkäufer, der Gewerken und vor allem der Knappen. Fachleute wie die Häuer (Herren-, Gedinge- und Lehenshäuer) hielten den Betrieb in den Gruben in den Gebirgen der Schladmingtäler aufrecht. Unter ihnen standen zahlreiche Hilfsarbeiter. Genaueres bei Weiß.

Die Stadtbevölkerung setzte sich also aus sehr verschiedenen sozialen Schichten zusammen, welche zum größten Teil in den Gruben arbeiteten, in der Nähe der Gruben das Erz aufbereiteten und es die Schladmingtäler heraus bis zu den Schmelzwerken vor der Stadt brachten. Für all die Arbeiter dürfte eine Unterkunft innerhalb der Stadt bald zu eng gewesen sein. Sie siedelten sich westlich außerhalb der Stadtmauern im Bereich der Schmelzhütten an oder hausten in Unter- künften in den Schladmingtälern.

Das erste Siegel der Stadt Schladming

An der Urkunde vom 27. Juli 1322 hängen die Siegel des Richters Vasold und der Stadt Schladming. Beide weisen im dreieckigen Wappenschild ein Bergeisen auf (Erklärung weiter unten). Das Bergeisen, gekreuzt mit dem Schlägel, wurde allmählich das übliche Bergbau. Das Bergeisen allein als Wappensymbol ist allerdings nahezu nie zu finden. Darin liegt die Besonderheit des mittelalterlichen Stadtwappens von Schladming.

Papiersiegel des Magistrates 1773.

Das Bergeisen in den Schladminger Wappen Über „Drei Schladminger Wappen“ hat Walter Stipperger in den Heimatkundlichen Blättern Nr. 9 (1987) ausführlich geschrieben. Hier sei auf ein sehr wichtiges Detail verwiesen, welches in allen Schladminger Wappen bis heute zu sehen ist, aber nur wenig Beachtung findet: Das Bergeisen. Im ersten Siegel der Stadt Schladming ist ein einfaches Bergeisen zu sehen. Das „Kleine Marktwappen“, sichtbar am Bürgerschafts-Burgfriedstein von 1588, ist das Bergeisen mit dem Bergschlägel gekreuzt (= das Gezähe) zu sehen. Im Schladminger Marktsiegel, hier auf einem Dokument aus dem Stiftsarchiv Admont um 1773, holt ein Knappe weit aus, um mit dem Schlägel auf das Bergeisen zu schlagen. Auf dem Keramik-Wappen an dem Rathaus von 1925 hält ein knieender Bergmann das Bergeisen mit beiden Händen, ohne dass ein Arbeitsgang erkenntlich ist.

Keramik-Wappen am Rathaus Schladming.

Im Stadtwappen schließlich kniet der Bergmann, setzt das Bergeisen mit der Linken am Gestein an und schlägt mit dem Schlägel darauf. Nur in letzterem Wappen ist die Handhabung des Bergeisens korrekt dargestellt.

Das Bergeisen diente in der Grube als Keil bzw. als Meißel. Es wurde an das zu spaltende Gestein angesetzt, der Griff hielt das Eisen lediglich in richtiger Position. Mit dem Schlägel wurde auf die „Bahn“ (= den Schlagflächenbereich) geschlagen. Die Schläge erfolgten nicht zu wuchtig, wichtiger war es, die Spitze des Eisens durch kleine Änderung des Winkels möglichst effektvoll anzusetzen. Manchmal wird das Bergeisen als „Spitzhammer“ bezeichnet, was der Handhabung des Werkzeuges nicht entspricht: Denn damit wurde nicht geschlagen oder gehämmert. Dies war gar nicht möglich, da der der Holzgriff nur lose in der Öse steckte. Denn während der Schicht wurde das Eisen mehrmals ausgewechselt, wenn die geschmiedete Spitze stumpf wurde. Deshalb trug der Häuer täglich einen Satz von mindestens sechs Eisen, aufgefädelt an einem Draht oder einer Lederschnur, mit sich.

Nach der Schicht trug der Häuer die abgestumpften Eisen hinaus zur Bergschmiede in der Nähe des Gruben-Mundlochs. In der Zinkwand befand sich die Bergschmiede mit einem großen Blasbalg im höhlenartigen Eingangsbereich mitten in der steilen Felswand. Ein Bergeisen war Gebrauchsware. Dem Zeugschmied oblag es, das abgenutzte Eisen möglichst schnell wieder zu spitzen.

Die Urkunde vor 700 Jahren nennt Schladming erstmals als Stadt – dies ist ein denkwürdiges Jubiläum. Die Bergeisen in den Siegeln an der Urkunde sind meiner Meinung nach ebenso beachtenswert, symbolisieren sie doch als einfaches, aber wichtiges Werkzeug der Häuer den Wohlstand für die Bergstadt Schladming im Mittelalter.

1459: Selbstbewusste Schladminger Bürger

Die Stadt Schladming hatte das Privileg eines Stapelrechtes oder Niederlagsrechtes. Durchziehende Kaufleute mussten ihre Ware eine Zeit lang in der Stadt lagern und feilbieten. Dies nutzten die Schladminger Bürger aus, indem sie jeden freien Einkauf von Lebensmitteln in der gesamten Hofmark unterbanden und nur innerhalb der Stadtmauern gestatteten. Salzburger Bürger und „Leute von swiki:Radstatt“ sowie von Haus und Gröbming erhoben beim Kaiser Beschwerde, dass ihnen der Einkauf von „irer narung als käs, smalcz, und ander ir notturft (= zum Leben benötigte Waren)“ im Umland von Schladming verwehrt werde.

Urkunde von 1459: Kaiser Friedrich befiehlt den Schladmingern, den umliegenden Orten den freien Einkauf von Lebensmitteln nicht zu behindern.

Kaiser Friedrich befahl dem swiki:Pfleger zu Wolkenstein und den Schladminger Bürgern, diese „Irrung“ abzustellen. Man kann daraus interpretieren, dass Lebensmittel wie Käse und „Schmalz“ (= Butterschmalz) nicht unter das Stapelrecht fallen durften. Weiters geht daraus hervor, dass die Schladminger Bürger gegenüber dem Umland und Nachbarorten allzu selbstbewusst auf ihr Stadtrecht pochen wollten.

Vielleicht barg dieses übertriebene Selbstbewusstsein der Schladminger bereits den Keim der Aufsässigkeit, deretwegen die Bergstadt 85 Jahre später im Bauernkrieg ihr Stadtrecht verlor. Zeitgenossen urteilten über die Katastrophe von 1525: „seditiosa erat“ – Die Stadt war aufsässig.

Verwendete Literatur

  • Cerwinka, Günter: Schladming im Mittelalter. In: Schladming – Geschichte und Gegenwart (1996).
  • Stipperger, Walter: Drei Schladminger Wappen. In: Heimatkundliche Blätter von Schladming Nr. 9 (1987).
  • Weiß, Alfred: Gewerken und Knappen im Schladminger Bergrevier. In: Da schau her 2017 Ausgabe 1.
  • Holdermann, Claus-Stephan; Trommer, Frank: Zum Fertigungsprozess von „Bergeisen“ im spätmittelalterlichen/frühneuzeitlichen Bergbaubetrieb am Schneeberg, Moos in Passeier/Südtirol

Quelle

Fußnote

  1. Verlinkung(en) mit "swiki:" beginnend führen zu Artikeln im Salzburgwiki, dem Mutterwiki des EnnstalWiki