Augustiner-Chorherrenstift Rottenmann

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Blick auf das Stadtzentrum von Rottenmann mit der katholischen Stadtpfarrkirche hl. Nikolaus und den Gebäuden des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstifts. Aufnahme zwischen 1928 und 1938.
Rottenmann, ehemaliges Augustinerchorherrenstift
Georg Matthäus Vischer: Topographia Ducatus Stiriae, Stift Rottenmann
Georg Matthäus Vischer: Topographia Ducatus Stiriae, Stift Rottenmann

Augustiner-Chorherrenstift Rottenmann bestand von 1455 bis 1885 in Rottenmann. Die Gebäude zählen heute zu den denkmalgeschützten Objekten in der Stadt.

Früherer Name

Kaiserlich-königliches Kollegiatstift regulierter Chorherren St. Augustins zu Rottenmann[1]

Geschichte

Der reiche Bürger und Amtmann des Kaisers, Wolfgang Dietz, ließ ab etwa 1446 bis 1451 das Bürgerspital und die Bürgerspitalskirche Maria am Rain errichten. Diese wurden anstelle zweier bestehenden kleineren Bauten aus 1341 erbaut. 1453 begann Dietz mit dem Bau eines Klosters. 1455 genehmigte Kaiser Friedrich III. das Kloster, der auch als Gründer des Stiftes gilt. Propst Nikolaus der Augustiner St. Dorothea in Wien wurde am 6. Mai 1455 von Papst Calixtus III. beauftragte die Dotation des Stiftes und die Situation der Pfarrkirche zu prüfen. Noch im selben Jahr, am 16. August, wurde Johann Jung von Dinkelsbühl, Dr. theol. der Wiener Universität, ehemaliger Dekan des Stiftes Vorau, zum ersten Propst von Rottenmann ernannt. Doch schon 1463 ernannte der Salzburger Fürsterzbischof swiki:Burkhard II. von Weißpriach[2] (bis 1786 gehörte das Gebiet um Rottenmann zum swiki:Erzbistum Salzburg) Jung zum Propst des swiki:Klosters Au am Inn in Bayern.

Am 17. August 1480 übersiedelten die Augustinermönche von dem vor den Toren der Stadt gelegenen Stift wegen der drohenden Türkengefahr in den bisherigen Pfarrhof. Zunächst diente die Bürgerspitalskirche (heute hl. Nikolaus) als Propsteikirche. Bereits wenige Tage später versuchten auch tatsächlich die Türken die Stadt zu stürmen, was ihnen aber nicht gelang. Doch die Bürgerspitalskirche wurde verwüstet und die Kirche St. Georg in Sankt Georgen teilweise zerstört. 1495 wurden die alten Klostergebäude abgetragen.

Bedeutende Pröpste

Es gab 18 Pröpste. In der schwieriger Aufbauzeit waren die beiden Pröpste Johann Kuglperger und Magnus Praitenpaumer, die 37 und 27 Jahre wirkten (1475–1512–1539) von großer Bedeutung für das Stift. 1494 wurde Propst Kuglperger Salzburger Fürsterzbischof zum Archidiakon im Ennstal berufen. Als „groß an Gestalt und Geist“ bezeichnet wurde Propst Praitenbaumer.

Auch Propst Andreas Pechinger (16231645) dürfte für das Stift wichtig gewesen sein. Über dem Portal des 1643/44 errichteten Zeughauses in der Grazer Herrengasse ist an erster Stelle sein persönliches Wappen mit der Inschrift „Andreas Probst zu Rottenmann“ zu sehen. Zu sehen in diesem Portal ist auch das Wappen der Propstei Rottenmann, das drei Nikolauskugeln und einen Geldbeutel mit Münzen darstellt.

Dem kaiserlichen und Bambergischen Rat Propst Georg Christoph Mourat (16721683) seine übergroße Prachtliebe und sein unsteter Sinn veranlassten allerdings das „gesambte Kapitl“ zu „Khlagen wider ihren genedigen Herrn Propsten“.

Propst Johann Albert Kendlmayr (1683–1702) war dann der letzte bedeutende Propst. Er schrieb 1687 in lateinischer Sprache das für Historiker wichtige „Chronicon Rotenmannense“.

Ab 1736 gab es keine Pröpste mehr, sondern nur mit Vollmacht versehene k.k. Administratoren und perpetuirliche Dechante, deren der erste Joseph Albinus (de Apolstolis), der vierte und letzte dann Albin Patriutius Mayrhofer hieß.

Bautätigkeit

Ab 1480 setzte eine rege Bautätigkeit ein. Bei St. Nikolaus waren erst die Außenmauern des ersten Bauabschnittes der gotischen Kirche fertig, mit dem zweiten Bauabschnitt wurde sie dann zur großen Augustinerkirche. In der Barockzeit wurde St. Nikolaus dann weitgehend verändert. 1674 entstand die Orgelempore, die aber fünf Jahre später bereits wieder abgetragen und neu gebaut wurde. 1675 entstanden die Seitenkapellen.

In der Barockzeit wurde das Kloster bedeutend vergrößert. Die Baulücke zwischen Kloster und Kirche entlang der Burgtorgasse wurde durch einen neuen Trakt geschlossen, teilweise wurden Gebäude aufgestockt, zwei weitere Flügel, Schloss genannt, mit einer Torhalle gebaut, sowie das Renaissance-Tor errichtet.

Erste Schwierigkeiten

Wiederholt kämpfte das Stift mit Schwierigkeiten der unterschiedlichsten verschiedenster Art. Das Kloster war noch nicht fertig, begannen schon die Probleme. Die Chorherren waren zunächst im Bürgerspital untergebracht. Das aber stieß auf großen Unmut bei den Insassen. Als die Pfarrkirche St. Nikolaus von den Chorherren inkorporiert wurde, ließen sich die Weltpriester die Pfarre jedoch nicht verlassen. Es kam auch zu Protesten der Bürger und Bauern, die die Kirchenschlüssel gewaltsam in Besitz nahmen und die Chorherren aus Kirche und Sakristei jagten. Auch einige kirchliche Seiten waren mit der Inkorporation vorerst nicht einverstanden.

Wirtschaftliche Grundlage des Stifts

1463 hatte Kaiser Friedrich III. alle Schurfrechte der Gegend an das Stift Rottenmann erliehen. In Oppenberg wurden bis 1615 insbesondere Silber und Kupfer abgebaut.

Die Kosten für die Bauten bis 1513 und deren Ausstattung wurden durch den eingangs erwähnten Wolfgang Dietz finanziert. Dazu kamen die Erträge aus dem Bergbau, sowie Spenden, Vermächtnisse und der Verkauf von Grundstücken. 1514 wurde vom Stift Rottenmann die Pfarre Irdning inkorporiert, 1515 die Pfarre Lassing mit dem Vikariat Oppenberg und der Filialkirche Liezen.

Die Auswirkungen Martin Luthers nach Rottenmann

Nach dem Anschlag der 95 Thesen an der Schlosskirche in Wittenberg 1517 von Martin Luther verbreitete sich seine Lehre sich rasch. Bereits 1528 führten königliche Visitatoren im Benediktinerstift Admont darüber Klage. Hans Friedrich Hofmann d. Ä., Freiherr zu Grünbüchel und Strechau (* 1538/39; † 1590), war in Rottenmann berechtigt, die Mautgebühren und den Torpfennig einzuheben. Er wurde zum großen Protestantenführer. Dabei hatte die von Hoffmann 1579 „beim Talhof“ erbaute Kirche großen Zulauf. Evangelische Prediger machten Prozessionen und Wallfahrten in Rottenmann unmöglich, die Zahl der Chorherren nahm ständig ab. Zeitweise waren nur noch vier Priester im Stift.

Nach der Zerstörung der Kirche "beim Talhof" 1599 durch die Reformationskommission mussten Bürger, die lutherisch gesinnt blieben, 1602 auswandern.

Administratoren statt Pröpste

Aquilin Hirmer, Propst seit 1702, war ein guter Seelsorger, wirtschaftlich aber glücklos. 1711 dankte er ab und lebte bis zu seinem Tod 1738 in Lassing.

Das Rottenmanner Stift wurde nun dem Augustiner Chorherrenstift Vorau unterstellt. Vorau bestellte nur mehr Administratoren für das Stift in Rottenmann. 1736 wurde Rottenmann wieder direkt dem Salzburger Fürsterzbischof unterstellt, der ebenfalls nur mehr Administratoren ernannte.

Die Aufhebung des Stiftes Rottenmann

Am 15. Juli 1785 erschien der Kreishauptmann von Judenburg Paul Purgstaller im Stift und kündigte dem Administrator Dechant Franz Ortner und seinen sechs Mitbrüdern die Aufhebung an. Sie durften noch fünf Monate verbleiben, Ortner blieb dann noch bis 1790 der Pfarrer.

Mit dieser Aufhebung hatte Kaiser Joseph II. von den fünf Augustinerstiften in der Steiermark vier aufgehoben (Rottenmann, Pöllau, Stainz und Seckau). Nur Vorau durfte bleiben.

Pfarrschule

Königin Maria Theresia (* 1717; † 1780) hatte 1774 das Schulwesen gesetzlich geregelt. Auch die klösterlichen Pfarrschulen mussten sich diesem System anpassen. Ihr Sohn und Nachfolger Kaiser Joseph II. (1471–1790) legte auf die Umsetzung seiner Maßnahmen großen Wert. Diesbezüglich gab es ab 1781 zwischen dem Kreisamt Judenburg und dem Rottenmanner Administrator Dechant Ortner einen umfangreichen Schriftverkehr.

So verlangte das Kreisamt am 29. Jänner 1785 vom Stift, „es solle bei Abgang eines Schulhauses einstweilen im Stiftshause ein angemessenes Zimmer als Schulklasse hergeben und einrichten“. Ortner wehrte sich, denn dem Stift fehlten die nötigen finanziellen Mittel. Am 30. März 1785 hatte das Kreisamt dem Stift die Herstellung und die Einrichtung des Schulzimmers bis Mai aufgetragen.

Am 11. Juli 1785 berichtete Ortner, dass das „Normalschullzimmer im hiesigen Stift nunmehr bereits hergestellt seye“, im vom Stift inkorporierten Liezen sei es aber immer noch nicht möglich.

Kunstwerke

Drei spätgotische Schnitzwerke haben bis heute überlebt: der Betstuhl (1514) in St. Nikolaus, der Hochaltar (um 1520) in St. Georgen und der Oppenberger Krippenschrein (1485–1490). Letztere dürfte wohl in Rottenmann gestanden haben. Nicht mehr gibt es die 1513 in St. Nikolaus geweihten fünf spätgotischen Altäre. Sie dürften zur Barockzeit zusammen mit den von der romanischen Kirche noch vorhanden gewesenen Altären dem Zeitgeist zum Opfer gefallen sein.

Überlebte Kunstwerke in Stein von der gotischen Kirchen: die Kanzel (1513), das Taufbecken und ein Weihwasserbecken (Torso), alle aus Salzburger Rotmarmor.

Werke aus der Barockzeit: in St. Nikolaus der mächtige Hochaltar und die Seitenaltäre mit den jeweiligen Altarblättern, in St. Georgen die Seitenaltäre, in der Bürgerspitalskirche der Hochaltar und die Seitenaltäre, Gemälde, Statuen und Orgeln in allen drei Kirchen, weiters Kruzifixe vor der den Kirchen St. Nikolaus und St. Georgen.

Quellen

  • Ernst Hausner: "Geschichte der Pfarre Rottenmann" (PDF)
  • Austria Sacra, oesterreichische Hierarchie und Monasteriologie - Geschichte der ganzen österreichischen, weltlichen und klösterlichen Klerisey beyderlich Geschlechtes von Marian, Priester des reformierten Ordens der Augustiner Barfüßer, 3. Teil, 6. Band, Schluss des Innerösterreichs oder das Herzogthum Steyermark, Wien, 1784, Seite 78 (im Internet in googlebooks, abgefragt am 3. Jänner 2018)

Einzelnachweis

  1. Quelle Austria Sacra
  2. Verlinkung(en) mit "swiki:" beginnend führen zu Artikeln im Salzburgwiki, dem Mutterwiki des EnnstalWiki