Salzgewinnung in Hall

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Salinenkarte von Hall (Gemeinde Admont).

Die heutige Ortschaft Hall am Fuße der Haller Mauern blickt auf eine historische Salzgewinnung zurück. Im Zeitraum von 931 bis 1542 wurden hier Salinen betrieben.

Geschichte

Am östlichen Leichenberg in Hall und im Großen Sulzgraben gab es früher Salzquellen, welche noch vor der Gründung des Benediktinerstifts Admont genutzt wurden. "In loco, ubi sal jugiter coquitur" (an dem Ort, wo ständig Salz gekocht wird) standen Sudpfannen, die von den Klöstern Admont, Bamberg, Freising (beide in Bayern) und anderen betrieben wurden. Dafür wurde sehr viel Feuerholz benötigt. Dies führte zu Holzmangel. So mussten die Salinenarbeiter des Klosters Bamberg sogar die Sole mit Saumrössern durch die Furt in der Enns bis zu den eigenen Wäldern am Röthelstein transportieren, um dort in den Sudpfannen Salz zu sieden.

Anfang der Neuzeit verloren die Haller Salinen gegenüber jenen im landesfürstlichen Salzkammergut an Bedeutung. Gemäß dem kaiserlichen Salzmonopol musste der Betrieb eingestellt werden, die Quellen wurden verschlagen.

Erzherzog Johann bemängelte 1810 in seinem Tagebuch, dass die kaiserlichen Beamten den Haller Bauern gar nichts von dem ehemaligen Salzreichtum gönnen wollten: "Die Bauern benützen die Quellen bei den hohen Salzpreise zum Kochen. Es wäre schade, den Bauern die Wohlthat zu rauben, da für sie die Salzpreise äußerst drückend sind."

Seit der Stilllegung der Salinen im Jahr 1542 vergingen inzwischen über 470 Jahre. Dennoch erinnern noch immer viele Orts-, Hof- und Flurnamen an diese bewegte Geschichte.

Auch im örtlichen Krampusspiel, dem Haller Salzteufellauf, das von der Mundart- und Heimatdichterin Martha Wölger verfasst wurde, lebt die jahrhundertelange Ära des Salzsiedens wieder auf.

Einen weiteren Einblick in die Geschichte der Salzgewinnnung gewährt der Haller Salzlehrpfad - ein Familienrundwanderweg mit zehn Schautafeln und einer Salzgradieranlage.

Der Haller Salzlehrpfad mit einer Gradier-Anlage gibt Einblick in die ehemalige Bedeutung der Haller Salzquellen.

Geologie

Die Salzvorkommen in Hall gehören - typisch den Evaporitlagerstätten der Ostalpen - dem Haselgebirge der Nördlichen Kalkalpen an. Das Haselgebirge hat nur eine geringe Festigkeit und lagert zwischen den Werfener Schichten im Liegenden und den mächtigen kalkalpinen Einheiten im Hangenden. Die Haller Salzvorkommen sind etwas älter als jene im Salzkammergut, basieren aber ebenfalls auf Steinsalz.

Gewinnung

Die Salzgewinnung basierte ausschließlich auf salzhaltigen Quellen - Solequellen. Es gibt wage Vermutungen, dass auf der Pitzalm in der Senke zwischen Dörfelstein und Lärcheck auch ein kleiner Bergbau war. Doch diese Vermutungen konnten bislang nicht belegt werden. Anstatt der Bergknappen gab es in Hall also vielmehr die Salzsieder, welche das Salz in den Salinen gesotten haben. Um aus niedrig angereicherter Sole eine höhere Gradierung zu erhalten, wurden heiße, feuerfeste Steine in die Sole gelegt. Erst danach kam die höhere Gradierung in scheibenförmigen Tongefäßen zum Verdampfen über das Feuer. Mit fortschreitender Industrialisierung bestanden die Pfannen aus zusammengefügten geschmiedeten Eisenblechen. In Hall erreichten diese einen maximalen Durchmesser von 6,5 m. Der Pfannenboden wurde mit Ton beschichtet, um das Eisen vor der direkten Flamme zu schützen und es haltbarer zu machen.

Durch die Verdampfung kristallisierte an den Pfannenrändern das Salz aus und es wurde mit "Pehrstangen" (hölzerne Stöcke) herausgeschlagen. Dieser Vorgang wird "pehren des Salzes" genannt. Das gewonnene Salz musste anschließend einer Trocknung unterzogen werden. In Hall scheinen solche Trockenhäuser jedoch in keinen Aufzeichnungen auf. Nach der Trocknung konnte es in Säcke gefüllt und transportiert werden. Zu Beginn verlief der Handelsweg mittels "Säumung", also gesäumten Pferden. Dies wurde später von Karren und Wägen abgelöst.

Die erste urkundliche Erwähnung einer Saline war im Jahr 931. Damals bekam Alberich, der Gaugraf für das Ennstal, am 27. Juni vom Erzbistum Salzburg eine "Salzpfannstätte bei Admunton zu Lehen", also eine Saline in Hall. In den folgenden Jahrzehnten erhielt Hall, meist durch Schenkungen, weitere Salinen hinzu und so waren es im Jahr 1106 schon vier Salzpfannen. Im ersten Stiftsurbar von 1270 scheinen bereits die Liegenschaften "Oberpfanner (Patellarius in Halle superior Phanner)" und "Unterpfanner (Patellarii in Halle inferior Phanner)" auf. Beide sind noch heute die Vulgonamen von zwei Gehöften.

Die Sole wurde in Hall an fünf bis sechs Quellen gefasst, wie zum Beispiel im Großen Sulzgraben. Die Ergiebigkeit der Solequellen war zeitlichen Schwankungen unterworfen. Es wird im Durchschnitt eine Gradierung von 16 Prozent angenommen. Am Quellort erfolgte zunächst eine Sammlung in hölzernen Brunnstuben und im Anschluss erfolgte die Weiterleitung bis zu den Pfannen mittels zugedeckten, vor Niederschlag geschützten Holzrinnen. Dies meisten Pfannen lagen nahe des Eßlingbaches, aber auch am Hallbach und an der Enns.

Für die Befeuerung der Pfannen war dementsprechend viel Holz nötig. Deshalb inkludierten die Schenkungen der Salzpfannen auch immer Waldgrundstücke. Der jährliche Bedarf an Holz lag für alle Pfannen zusammen bei etwa 5 000 bis 8 000 Festmetern.

Nach einem regen wirtschaftlichen Auf und Ab wurden die Salzquellen im Jahr 1542 verdeckt und verschlagen. Nachfolgend kam es immer wieder zu Austritten, die besonders im Jahr 1644 stark waren. 1752 musste schließlich ein neuer Quellverbau errichtet werden.

1874 wurde die Quellsole chemisch analysiert. Die nur geringe Schüttung wies sehr geringen Salzgehalt auf. Dennoch war 1878 geplant hier ein Solebad zu errichten. Das Projekt wurde sogar zur Bewilligung eingereicht, doch es kam zu keiner Umsetzung.

Im Jahr 1989 hatte Univ. Prof. Dr. Johannes Raber aus Graz die Solequalität beurteilt. Das Resultat war, dass es sich um eine Natriumchloridsole handelt, die nach dem Steiermärkischen Heilvorkommen und Kurortegesetz einem Heilvorkommen entspricht.

Immer wieder kam es auch im vorigen Jahrhundert noch zu Fundstücken aus der Zeit der Salzgewinnung. Gefäßscherben, Herdstöcke, verkohltes Holz und verkohlte Späne gaben Indizien dafür. Sie führten gemeinsam mit den archivierten Dokumenten des Stiftes Admont zu ungefähren Abschätzungen der historischen Solequellen, Pfannen und der damit verbundenen Infrastruktur.

Quellen

  • Benediktinerstift Admont: Sonderdruck aus dem Berg- und Hüttenmänn. Jb., Band 39, Heft 1
  • Martinez, A. & Rumpel, F. E.: Die Haller Mauern, Topografisch-touristische Studie mit naturhistorischen Beiträgen von Pater Gabriel Strobl, 1878
  • Stadler, F.: Salzerzeugung, Salinenstandorte und Salztransport, Bad Aussee, 1988
  • Walter, H.: Hall bei Admont - Steiermark. Ein Dorf erzählt seine Geschichte, Gemeinde Hall/Admont, 1991
  • Hasitschka, Josef: Das Gesäuse als Beilage zur digitalen Wanderkarte, 2012, 1. Auflage (Original: Hasitschka,_Wegpunkte_Gesäuse_red.pdf‎)
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