Rudolf Flechner

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Rudolf Flechner, Berg- und Hüttendirektor 1837-1909
Die Grabstätte der Familie Flechner am Kommunalfriedhof in Schladming

Rudolf Flechner (* 12. April 1837 Schlögelmühl bei Gloggnitz; † 29. März 1909 in Wien), der Berg- und Hütteningenieur und Enkelsohn von Johann Rudolf Ritter von Gersdorff, war einer der letzten Eigentümer sowie der letzte Leiter der Nickelerzgruben im Rohrmooser Obertal (Zinkwand-Vötternspitze) und der Hüttenbetriebe in Hopfriesen und Mandling.

Leben

Kindheit und Jugendjahre 1837 - 1858

Rudolf Flechner wurde 1837 in Schlögelmühl bei Gloggnitz, Steiermark geboren, als Sohn von Emmerich Anton Flechner und Flora, einer Tochter des Rudolf von Gersdorff. Rudolf war das zweite Kind aus dieser Ehe; seine Schwester Pauline Flechner nahm später den Künst­lernamen „Halm“ an. 1838 zog die junge Familie nach Eisenerz und in Folge nach Wien, wo auch die Gersdorff’sche Familie wohnte. Die Sommermonate verbrachten alle gemeinsam in Thalhof bei Gloggnitz. So kam der junge Rudolf oft in das Haus seines Großvaters; er beschreibt ihn später in seiner tagebuchartig verfassten Familienchronik mit dem Titel „Ein bewegtes Alltagsleben“ ehrfürchtig als einen hervorragenden Berg- und Hüttenmann, tüchtigen Mineralogen und Metallurgen. Rudolf merkte darin an, dass ihn sein Großvater an­scheinend gut leiden mochte; er weckte sein Interesse für Naturwissenschaften und technische Fächer und ermunterte ihn da­zu, später selbst Berg- und Hüttenmann zu werden:

„An jenen Weihnachtsabenden sah er nicht so ernst und streng drein wie sonst, und mit uns Enkeln konnte er sogar recht freundlich und herzlich sein. Er nannte mich gewöhnlich Pasternatzki. Was er sich dabei dachte, weiss ich nicht. Oftmals sagte er zu mir: Pasternatzki du musst auch ein Bergmann werden. Er duldete mich auch ganz gern in seinem Zimmer, welches andere Glieder seiner Familie sehr selten betraten. Mit kindlicher Neugierde spähte ich da herum (…).“

Die baldige Trennung, jedoch ohne Scheidung der Eltern bedeutete für Rudolf und seine Schwester eine Zäsur. Pauline kam zur Mutter und Rudolf blieb bei seinem Vater. Ab 1845 erhielt Rudolf eine humanistische Erziehung in der Privat-Knabenerziehungsanstalt in Wien. Der junge Mann war musisch und künstlerisch sehr interessiert und auch begabt, wie sei­ne Handzeichnungen in der selbst verfassten „Chronik“ beweisen. 1854 verließ Rudolf die Erziehungsanstalt und wohnte bis zur Absolvierung des Polytechnikums 1858 bei seinem Vater in Wien. Während dieser Zeit kam Flechner öfter nach Schladming. Zusammen mit dem damaligen Bergverwalter Aigner, führte er in den Ferien 1857 die Vermessung des gesamten Grubenbesitzes im Obertal durch.

Montanistische Ausbildung in Leoben 1858 - 1860

„Während der letzten Jahrgänge des Gymnasiums hatte sich in mir der Entschluss mich dem Montan­fach zu widmen immer mehr befestigt; und mein Ferienaufentalt in Schladming, der Besuch der Nickelgruben, welche mitten in der grossartigsten Hochgebirgslandschaft liegen (…) und endlich die mir damals sehr rosig erscheinende Aussicht einstmals Mitbesitzer der Schladminger Werke zu werden, hatte jenen Entschluss zur unumstösslichen Sache gemacht.“ Nach Beendigung des Polytechnikums begann Flechner das zweijährige Studium an der Bergakademie Leoben. Im ersten Jahr studierte er Bergbaukunde, im zweiten Hüttenkunde. Während des Studiums nahm Rudolf an vielen Exkursionen zu Bergbauen und Hüt­ten im damaligen k.u.k. Reichsgebiet teil. 1859 wurde eine solche Ex­kursion unter der Führung der Professoren Miller und Richter auch nach Schladming mit Befahrung des Zink­wand-Vöttern-Reviers unternommen. Jahre später verfasste er eine Schilderung dieser Begehung und fügte ein langes Stimmungsgedicht bei. Das Verfassen von Gedichten war Rudolfs besondere Vorliebe.

Praktikant im k.u.k. Staatseisenwerk in Neuberg an der Mürz

1860 absolvierte Rudolf die Abschlussprüfung des montanistischen Studiums mit gutem Erfolg. Flechner trat in Folge als Praktikant im Staatseisenwerk in Neuberg an der Mürz eine Stelle an. Im Spätherbst 1861 nahm Rudolf einen sechsmonatigen Urlaub, um zu prüfen, wie sich die Lage in Schladming entwickelte. Als er dort sah, wie sehr sich diese verschlechtert hatte, suchte er um sei­ne Entlassung aus dem Staatsdienst an.

Entwicklung und Situation des Nickel -, Berg- und Hüttenwerkes Schladming 1862 - 1868

Flechner legte in seinem Tagebuch auch die bisherige Entwicklung und Verwaltungsstruktur des Betriebes dar und - wenngleich er die Qualitäten seines Großvaters herausarbeitete - sparte er nicht mit Kritik. Nach dem plötzlichen Tod Gersdorffs 1849 übertrugen die fünf Geschwister die Ober­leitung des Werkes ihrem Bruder Gustav von Gersdorff, der zwar eine montanistische Ausbildung genossen hatte, aber seiner Verpflichtung in keiner Weise nachkam. Im Jahre 1853 trat Gustav schließlich von dieser Verantwortung zurück. Carl Stegmaier, auch Montanakademiker, wurde die Leitung übertragen. Der 1854 neu eingestellte Bergverwalter Aigner hatte aber ebenso einen sehr schweren Stand und konnte sich gegenüber den Erben nicht durchsetzen, denen nach wie vor die Einsicht in die wirtschaftliche Situation der Pro­duktion fehlte. 1860 war es durch diese Misswirtschaft so­weit gekommen, dass der Betrieb nur eingeschränkt weiterlaufen konnte. Stegmaier wurde entlassen und Aigner kündigte. Als Flechner nun im Alter von 25 Jahren die Führung eines darniederliegenden Betriebes übernahm, stand er vor einem Trümmerhaufen und ihn plagten neben Geldproblemen nun auch personelle Schwierigkeiten. Der Nickelpreis war im Laufe der Jahre stetig ge­fallen. Flechner plante eine entsprechende Umstrukturierung des Betriebes, doch wieder scheiterte er an der Weigerung zweier Erben und Mitbesitzer. Schließlich musste er vorübergehend den Betrieb einstellen lassen. In dieser schwierigen und angespannten Zeit suchte er immer wieder Er­holung bei seiner Mutter und Schwester in Schladming. Speziell freute er sich über die Erfolge seiner Schwester Pauline, die bereits mit ihrer Blumenmalerei hervorgetreten war und zusehends künstlerisches Ansehen genoss sowie immer wieder Preise auf Ausstellungen errang.

Studienreisen in Europa und kurzzeitige Tätigkeiten 1868 - 1876

Studienreisen und Auslandsaufenthalte festigten Rudolfs umfangreiches Wissen und Können und machten ihn zu einem anerkannten Fachmann, wie zahlreiche Fachaufsätze und Vorträge bewiesen. Flechner unternahm Studienreisen nach Freiberg, Annaberg in Sachsen, St. Joachimstal (alle Deutschland), Gottesgab (heute Bozi Dar, Tschechien) - dort studierte er Uran- und Silbergewinnung - und Dobschau (heute Došina, Slowakei), um seine technischen Kenntnisse zu erweitern. Daraufhin nahm Flechner 1869 eine lukrative Stelle als technischer Leiter der Nickelfabrik in Naumburg am Bober (heute Nowogrod, Polen) an. Dort lernte er auch seine zukünftige Frau Maria-Helena kennen. Ab 1872 arbeitete er in Sagmyra (Schweden) als technischer Direktor der Nickelhütte an Verbesserungen von Ofensystemen. Dort wurde sein einziger Sohnes Richard geboren. Flechner bereiste von Sagmyra aus auch die Nickelhütte in Ringeriges, wo er auch später eine leitende Stelle bekommen hätte. Doch noch bevor sein Vertrag mit Sagmyra auslief, veranlasste ihn eine plötzlich aufgetretene Nickelpreiserhöhung zu einer Wiederaufnahme des Betriebes in Schladming. Flechner kündigte vorzeitig seine Stelle in Schweden, obwohl ihm dies große finanzielle Einbußen bescherte.

„Diese Ungewissheit der Gestaltung meiner Existenz, die Möglichkeit ja sogar Wahrscheinlichkeit, dass ich durch die Eigentümlichkeit der Verhältnisse in jeder Bewegung gehemmt dem Schladminger Werke nicht empor helfen werde können, dabei der Gedanke, dass ich die­ser Unsicherheit gutes Einkommen und geachtete Stel­lung geopfert, und nur der Aufzehrung meiner kleinen Ersparnisse entgegen gehe, vermehrten in uns allen im hohen Grade den verstimmenden Druck.“ Trotz dieser Bedenken, brachte er erneut dieses persönliche Opfer für das Schladminger Werk.

Der Niedergang der Schladminger Nickelerzeugung 1876 - 1878

1876, nach seiner Rückkehr nach Schladming, bezog Flechner mit Frau und Kind eine bescheidene Wohnung in Mandling. Der Nickelpreis war gut und daher versuchte Flechner nun mit großen Anstrengungen Käufer für das Nickelwerk zu finden. Doch nach französischen zogen sich auch deutsche Interessenten wieder zurück, da ein krasser Nickelpreisverfall einsetzte. Durch das Hereindrängen neukaledonischer und kanadischer Erze kamen nach und nach die Nickelerzbergbaue in ganz Europa zum Erliegen. Der französische Adelige Gustave de Vernouillet, ein enger und langjähriger Freund, half der jungen Familie aus. Der Gruben- und Hüttenbetrieb konnte mit seiner finanziellen Unterstützung und den „schwedischen Ersparnissen“ Flechners in bescheidenem Maß, mit ungeschultem Personal in Mandling und acht bis elf Mann in der Grube wieder aufgenommen werden. Der niedrige Nickelpreis und erneut aufflammende Streitigkeiten mit den Erben verhinderten jedoch eine Erholung: der Betrieb musste schließlich endgültig stillgelegt werden. Die Schließung der Nickelfabrik bedeutete für viele Familien den Verlust ihrer Existenzgrundlage. Um dem entgegenzuwirken, wurde im Gebäude der ehemaligen Schmelzwerksgebäude von Rudolfs Schwester Pauline Flechner-Halm eine Kunstblumenfabrik eingerichtet. Vor allem Frauen und Töchter von arbeitslosen Bergarbeitern wurden eingestellt.

Umzug nach Salzburg 1878 und Wien – Neue Wirkungskreise

Die Familie Flechner übersiedelte im Herbst 1878 in eine kleine Wohnung nach Salzburg. Man führte ein ruhiges, bescheidenes Leben. Flechner hielt Vorträge, schrieb Artikel in Fachzeitschriften und arbeitete in Folge als beratender Montanist für verschiedene Firmen. 1880 übernahm Rudolf Flechner die Leitung der Kupferwerke in Balán in Siebenbürgen. 1882 übersiedelte die Familie Flechner wieder nach Wien. Rudolf hielt dort Vorträge und verfasste wissenschaftliche Abhandlungen, unter anderen über Bergbau und Verhüttung in Schladming und Mandling. Der Ruf seiner umfassenden Kenntnisse und praktischen Erfahrung eilte ihm voraus, so wurde ihm 1887 von der bosnisch-herzegowinischen Montanverwaltung die Instandsetzung und Inbetriebsetzung der Kupferhütte Sinijako in Bosnien übertragen, die er dort unter vielen Schwierigkeiten durchführte. Dort blieb Flechner jedoch nur fünf Monate, da man ihm die weitere Leitung der Hütte nicht anvertraute. Diese erneut unerfreuliche Episode seines Lebens bildete den Abschluss seiner montanistischen Laufbahn. 1880 trat er ins Gewerbeinspektorat ein, zuerst als Assistent, dann als Inspektor in Innsbruck und Linz. 1902 erfolgte sein Eintritt in den Ruhestand. Am 29. März 1909 starb Rudolf Flechner mit 72 Jahren. Sein Sohn Richard schlug die militärische Laufbahn ein und brachte es bis zum Oberst.

Quellen