August Böhm

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Univ.-Prof. Dr. August Böhm von Böhmersheim (* 27. April 1858 in Wien; † 19. Oktober 1930 in Graz) war Geograf und Alpinist.

Leben

Jugend und Ausbildung

Dr. Böhm hat die alpine Forschung und der Alpinismus viel zu verdanken. Böhm wurde als Sohn eines Arztes geboren und zeigte Früh Interesse für Naturwissenschaften. Er beschäftigte sich mit Petrografie und kam dann zur Geografie und Gletscherkunde. Wie der Ennsgletscher längs der Felsen des Grimmingstocks in das hochgelegene Mitterndorfer Becken um das heutige Bad Mitterndorf gelangen konnte, untersuchte Dr. Böhm.

Sein Lehrer war der Dachstein-Erforscher Univ.-Prof. Dr. Friedrich Simony, zu dessen bevorzugten Schülern Böhm zählte. Dies lässt sich auch daraus schließen, dass Böhm der Verwalter des gesamten wissenschaftlichen Nachlasses Simonys war und auf Grund einer letztwilligen Verfügung des Erforschers des Dachsteingebirges dessen Gletscherbeobachtungen fortsetzte.

Zuerst war Böhm Volontär an der Geologischen Reichsanstalt in Wien. 1887 wurde er Privatdozent der Geografie an der Technischen Hochschule in Wien. In diesem Jahr erschien auch sein 200 Seiten umfassendes Werk „Die Einteilung der Ostalpen“.

Ein bedeutendes Preisausschreiben

Dieses Jahr wurde für Böhm auch deshalb für seine wissenschaftliche Arbeit von Bedeutung, weil die Sektion Breslau des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins ein Preisausschreibung für die beste Arbeit zum Thema „Die Vergletscherung der österreichischen Alpenländer“ ausschrieb. Böhm tat sich mit dem deutschen Gletscherforscher Albrecht Penck zusammen, der damals Professor der Geografie an der Wiener Universität war und mit Eduard Brückner, ebenfalls ein deutscher Geograf und Klimatologe, damals Professor in Bern in der Schweiz. Sie reichten unter dem Kennwort „Die Tatsachen reden“ einen gemeinsamen Beitrag ein und erhielten den Preis von 3.000 Mark zuerkannt. Später kam Böhm mit Plenck wegen dessen Biografie über Simony in Konflikt, die zahlreiche Irrtümer enthielt.

Von 1898 bis 1907 redigierte Böhm die „Mitteilungen der Geographischen Gesellschaft“. 1908 wurde er an die Czernowitzer Universität berufen, deren Professorenkollegium er bis 1920 angehörte. Da war er noch zwei Jahre als Honorardozent an der Universität Graz tätig, bevor er in Pension ging.

Er starb an den Folgen einer Lungenentzündung.

Der Alpinist Böhm

Schon als Neunjährige war Böhm in den Alpen mit „einem ungewöhnlich langen Bergstock“ unterwegs, was er auch noch später als gereifter Alpinist zu tun pflegte. Er war auch ein außergewöhnlich guter Kletterer. Zusammen mit den Brüdern Otto und Emil Zsigmondy bestieg er ab 1878 eine Reihe von österreichischen Gipfeln. 1881 stieß noch der österreichische Bergsteiger Ludwig Purtscheller zu diesem Trio. Ziele waren damals vorwiegend Berge der Zillertaler Alpen und die Südtiroler Dolomiten. Im September 1881 glückte ihm dann die zweite Besteigung des „Turms“ in der Hochschwabgruppe. Bereits im Juni 1881 hatte er mit Karl Diener und Hermann Eißler einen Versuch unternommen, der allerdings wegen Neuschnee abgebrochen werden musste. Acht Tage später gelang die Erstbesteigung dann swiki:Markgraf Alfred Pallavicini mit dem Dachsteinführer Auhäusler (Johann Schrempf vulgo Auhäusler) aus der Ramsau.

Eine gefährliche Situation

Böhm, der sich mit der Zweitbesteigung begnügen musste, kam beim Abstieg in eine gefährliche Situation. An einer Stelle schien ihm eine freie Abkletterung nicht möglich und er beschloss sich abzuseilen. Er ließ zunächst seinen Rucksack und Eispickel hinunter. Er wollte sich eben bücken, um das Seil um einen etwas unterhalb von ihm befindlichen Felsblock zu binden, als plötzlich der Felsblock ausriss und hinabstürzte. Mit ihm verschwand auch die Möglichkeit des Abseilens. Nun wurde der Zug des am Seil gehaltenen Gepäcks immer stärker. Dann spießte sich noch zu allem Unglück der Eispickel, die Schlinge glitt an seinem Stiel hinunter und der Pickel flog den Fels talwärts. Nun begann Böhm, das Seil zwischen den Zähnen haltend, den zunächst für unmöglichen Abstieg ohne Seil. Schließlich gelang ihm aber dann ein Abstieg auf sicheres Terrain.

Die Hochschwabgruppe wurde Böhms bevorzugtes Klettergebirge. Er brachte darüber einen Führer im Verlag der Sektion Austria heraus. Die Österreichische Alpenzeitung lobte das Buch von Böhm, das eine anerkennenswerte Vollständigkeit besaß. 1896 erschien die zweite Auflage. Böhm war bereits 1876, noch als Student, der Sektion Austria beigetreten.

Ein besonders erfolgreiches Jahr

1883 waren Böhm besondere Erfolge beschieden. Die Klettersaison eröffnete er im Mai mit einer größeren Gesellschaft, der auch Purtscheller angehörte. Er stieg eine neue Route auf den Scheffauer Kaiser. Im Juni überschritt er alleine den Grat des Großen Pyhrgas zum Scheiblingstein und stieg an der Ostseite des nordwärts verlaufenden Kamms in die Schlucht zwischen Großen und Kleinen Scheiblingstein ab. Dabei gelangte er zu einem drei Meter hohen Wandstück, das er mittels Sprung überwand.

Die Dachstein-Südwand ist unbezwingbar

Im Sommer war er in der Berninagruppe in der Schweiz zusammen mit Purtscheller, Georg Geyer, Karl Diener, Louis Friedmann, Hugo Diener und Eduard Suchanek. Dann ging es im kleineren Kreis wieder in die Zillertaler Alpen. Schließlich kamen Böhm und Diener am 31. August 1883 in die Ramsau, um die Durchstiegsmöglichkeit der Dachstein-Südwand zu prüfen. Dazu meinten sie „‘‘Unserer Ansicht nach wird das Problem einer Ersteigung der Südwände der Dachsteinspitzen ungelöst bleiben, ehe dieselben nicht bis zu ihrer Basis herab verwittert sind.‘‘“ In Kenntnis der damaligen Klettertechnik war dieses Urteil für 1883 wohl unanfechtbar.

Im Sommer 1884 glückte Böhm und Karl Diener die zweite Begehung des Roßkuppengrats (Nordostgrat des Hochtors wenigen Stunden nach der Erstbegehung von Heinrich Heß und Genossen.

Bergsteigerische Literatur

Böhm schrieb Beiträge für die Mitteilungen des Alpenvereins. In der „Zeitschrift“ ist er nur mit einem Beitrag vertreten und in der Österreichischen Alpenzeitung merkwürdigerweise mit überhaupt keinem Beitrag, obwohl er jahrelang dem Österreichischen Alpenklub angehörte. Aber in der Freytags-Zeitung „Der Tourist“ hatte Böhm einige interessante Artikel veröffentlicht. Diese Zeitschrift zählte in den 1880er-Jahren die meisten alpinen Koryphäen zu ihren Mitarbeitern.

Böhm regte die Herausgabe des wichtigsten und unentbehrlichsten Quellenwerks für die Geschichte des Bergsteigens in den Ostalpen an. Im Herbst 1884 unterbreitete er der Sektion Austria den Vorschlag, für die Ostalpen ein ähnliches Werk zu schaffen, wie es die Schweiz in Studers[1] „Über Eis und Schnee“ besitzt. 1894 erschienen dann die drei Bände Die Erschließung der Ostalpen.

Bergheil

Von Böhm stammte auch die Anregung, sich im Gebirge mit „Bergheil“ zu begrüßen. Er gehörte dem Zentralausschuss des Alpenvereins drei Jahre lang als Schriftführer an im Ausschuss der Sektion Austria war er 22 Jahre tätig.

Böhm zählte wohl zu den hervorragendsten Vertretern der österreichischen Alpinistik. In seiner bergsteigerischen Praxis handelte er meist im Sinne rein sportlicher Prinzipien, worauf viele von ihm allein unternommene Bergfahrten hinweisen. Er verteidigte immer wieder die Berechtigung zur Ausführung schwieriger Touren. Aber er auch ein unerbittlicher Gegner derjenigen, die des Stolzes und der Eitelkeit willen schwierige Bergfahrten durchführten.

Böhm als Sänger

1889 trat er dem Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien bei, wo er als Tenor sang. Dort erkannte man auch seine organisatorischen Fähigkeiten und berief in den Vorstand, dessen Präsident er dann wurde. Schließlich wurde er Mitglied des Direktoriums der Gesellschaft der Musikfreunde, später sogar Vizepräsident. Aus Anlass des 50jährigen Bestehens des Vereins schrieb er eine 270 seitige Festschrift, die er mit größter Gründlichkeit verfasste.

Quelle

  • ANNO, Nachrichten der Sektion "Donauland" des Dt. u. Österr. Alpenvereins, 1931, Seite 115ff

Fußnote

  1. Bernhard Rudolf Studer (* 21. August 1794 in Büren an der Aare; † 2. Mai 1887 in Bern) war ein Schweizer Geologe, Mineraloge und Alpinist.