Josef Reisenauer

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Josef Reisenauer war ein Alpinist aus Schladming.

Biografie

Schlüsselerlebnis Brandriedel

Schlüsselerlebnis für seine besondere Beziehung zum Dachsteingebirge und seinen Wänden war ein Ausflug mit seiner Mutter im Herbst des Jahres 1928 auf den Brandriedel unweit der Austriahütte. Da stand er nun den mächtigen Dachstein-Südwänden gegenüber und kam aus dem Staunen nicht heraus; und hier reifte auch erstmals der Gedanke, einmal auf einem dieser Dachsteingipfel zu stehen. Als dann noch zufällig zwei Linzer Bergsteiger des Weges kamen und dem Buben erzählten, dass sie da heute hinaufgeklettert wären, da war er sich dann schon ganz sicher: Wenn die beiden da hinauf gekommen sind, dann muss das mir wohl auch gelingen. Und so sah man den Sepp mit 16 Jahren mit dem Xandl, Alexander Stocker (* 14. August 1912; † ?) erstmals den Pichlweg durch die Südwand des Dachsteins klettern. In der Route wollte es der Zufall, dass man wiederum auf zwei Bergsteiger aus Linz traf. Und der Sepp erinnert sich: „Da hat oana gmoant, Bua du hast ja die Schultaschn vergessen! Na ja, groß war i ja wirklich net und gar so viel Gwicht hab i a net auf die Waag bracht!

Ein Bergseil für die Schaukel

Dann haben die Berge den Sepp nicht mehr losgelassen. Seine Mutter machte sich stets große Sorgen um ihn und so wickelte er seine wenigen Haken in ein Stofftuch, damit diese beim Weggehen nicht so schepperten. Mit Max Schwaiger, dem Schladminger Rauchfangkehrermeister, durchkletterte er einmal die Dachstein Südwand auf dem Steinerweg bis zum Pehabblock. Von dort wurde der direkte Ausstieg versucht. „Ulfi" Höfler hatte diese Route vom Gipfel her erkundet, seilte sich ab und schlug einen Haken. Wenn du diesen Haken erreichst, dann sind die großen Schwierigkeiten überwunden, erfuhr der Sepp von Höfler, sah ihn auch schon - stürzte jedoch 20 Meter ins Seil und brach sich etliche Rippen. Aufgeben - nein! Zum Pehabblock abseilen - und den Steinerweg zum Gipfel fortsetzen und hinunter in die Ramsau! Das alles mit dieser Verletzung. „Das Seil, in des i damals einigfalln bin, gibt's no, des hat heut mei Enkerl zu oaner Schaukel!"

Mit dem Irg Steiner, Kurt Maix und Heli Simonlehner

1932 meisterte der Sepp mit dem bekannten Bergsteiger und Autor des Buches „Im Banne der Dachstein-Südwand" Kurt Maix (* 1907; † 1968) die Durchquerung der Dachstein-Südwand vom Pichlweg bis zur Oberen Windlucke, 2 665 m ü. A.. Die beiden hätten den Windlegergrat wohl erreicht, jedoch wäre dann dort ein Biwak erforderlich gewesen. Da zogen sie eine Nächtigung auf der Adamekhütte vor.

Mit Seilgefährten in Schladming hatte der Sepp so seine liebe Not. „I war da ziemlich alloan, dem Max (Schwaiger) ließ dann der Beruf keine Zeit mehr, mein Cousin der Robert Reisenauer war eher ein Tourengeher, der Stocker Xandl hatte gesundheitliche Probleme“.

Da war aber doch noch der Wagnermeister Heli Hellmuth Simonlehner, übrigens ein Neffe vom Irg Steiner. Mit ihm meisterte der Sepp die zweite Begehung der Nordkamine am Freyaturm (1 991 m ü. a.) im Gosaukamm. Die Erstbegehung dieses Felszackens, der dem Großen Donnerkogel (2 054 m ü. a.) vorgelagert ist, gelang am 9. September 1932 Georg Steiner mit seinem Seilgefährten H. Appel. Der Irg, der dem Sepp ob der Schwierigkeit von einem weiteren Versuch dringend abriet, war gerade in Gosau einkaufen, als er erfuhr, das da „zwei" im Freyaturm drinnen wären. Er eilte daraufhin sofort auf die Zwieselalpe zurück, wo er mit seiner Gattin, der Liesl, eine Hütte bewirtschaftete, nahm das Fernglas und „ließ die beiden nicht mehr los", bis sie den Gipfel erreichten. Groß war natürlich die Freude, als Heli und Sepp bei der Zwieselalpe einlangten und es - obwohl es schon nach 22 Uhr war - zur Belohnung noch Schnitzel gab. Ein Jahr später erkletterten der Sepp, der Heli und der Irg gemeinsam nochmals den Freyaturm, diesmal am 6. September, 1933, in einer ersten Begehung durch die Nordwestwand.

Mit dem Irg war der Sepp öfters auf Klettertour und von ihm lernte er auch, wie man zu sichern und sauber zu klettern hätte. „Ja net Griff tappn oder zu schnell kraxln, immer auf drei sichere Punkt bedacht sein!“, war der Rat des Dachstein-Südwand-Erstbegehers. Übrigens erzählte der Irg auch seine Erlebnisse während des Ersten Weltkrieges, in welchem er sich auch auf der Flucht befand und sich im Dachsteingebirge aufhielt. Unweit des Gjaidsteinsattels, dort wo Schladminger und Hallstätter Gletscher aufeinanderstoßen, gab es eine Höhle, die dem Gesuchten Schutz bot.

Alleine durch die Hochgolling-Nordwand

In den Büchern des Bergrettungsdienstes Schladming ist unter anderem auch die geglückte Bergung von drei Bergsteigern festgehalten, an welcher der Sepp, als Ortsstellenleiter-Stellvertreter des Bergrettungsdienstes Schladming maßgeblich beteiligt war. Er kannte die Hochgolling-Nordwand sehr gut, hatte er sie doch bereits dreimal im Alleingang durchstiegen. “Damals, es war der 14. Juli 1952, hatte ich vom Grat her schon Rufkontakt zu den Verunglückten, doch riet mir Hubert Vierthaler, mein damaliger Vorgesetzter , von einem Aufseilen dringend ab.“ Am nächsten Tag setzten schwere Regenfälle im Gollingwinkel ein, welche den Eingeschlossenen bald zum Verhängnis geworden wären. So verzögerte sich die Bergung noch um zwei Tage. Mit vereinten Kräften, Peter Gerhardter, Hubert Vierthaler, Sepp Reisenauer, Richard Perner u.a. gelang dann doch noch eine glückliche Bergung.

Quellen