Wirtschaftliche Folgen der Zerstörung Schladmings 1525

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Dieser Artikel behandelt die wirtschaftliche Folgen der Zerstörung Schladmings 1525 nach dem Schladminger Bauern- und Knappenaufstand 1525.

Einleitung

Wenn man sich heute bei einem Gang durch Schladming nach Gewerkenhäusern die einer traditionsreichen Bergstadt entsprechen umsieht, wird man überrascht sein, dass bis auf die Deubler-Villa (ehemals Flechner-Gersdorff) keine weiteren derartigen Gebäude mehr bestehen. Wenn man den Ursachen dieser städtebaulichen Entwicklung nachgeht, muss man sich die Zeitumstände unmitlelbar vor und nach der Zerstörung Schladmings im Jahre 1525 vergegenwärtigen.

Schon seit dem Beginn des 14. Jahrhunderts entwickelte sich Schladming durch den Kupfer- und Edelmetallbergbau in den Tauerntälern zu einer blühenden Bergstadt, deren Name auch durch den berühmten Bergbrief (Bergerichtsordnung) des Bergrichters Leonhard der Ecklzain vom Jahre 1408 im innerösterreichischen Bergbauwesen zu beachtlichem Ansehen gelangte. Aus dieser Zeit sind uns auch Namen von Gewerken bekannt, die aus einheimischen Geschlechtern stammten und auch wirtschaftliche Beziehungen zum Salzbergbau in Aussee und zum Bleibergbau in Leogang unterhielten.

Gegen Ende des 15. und zum Anfang des 16. Jahrhunderts beteiligten sich ebenfalls ennstaler Adelsgeschlechter mit Erfolg an den Bergbauen in den Schladminger Tauern. Diese wirtschaftliche Blüte fand aber mit dem Strafgericht des Niklas Graf Salm im Zusammenhang mit dem Bauern- und Knappenaufstand im Jahre 1525 ein jähes Ende. Schladming wurde zerstört und die Bergbaue standen still bis die Regierung die schädlichen Folgen dieses Strafaktes einsah und den Wiederaufbau von Markt und Bergwerk ermöglichte.

Nach 1525

Der Wohlstand Schladmings und seiner Bergwerke war aber zu Ende. Es fehlte am nötigen Kapital das zur Erneuerung der technischen Anlagen im Bergbaugebiet erforderlich gewesen wäre. Dabei muss man auch bedenken, dass der Wiederaufbau der zum Markt degradierten Stadt Schladming große Geldmittel erforderte, die nicht in ausreichendem Maße vorhanden waren.

Weder die heimische Bürgerschaft noch das Benediktinerstift Admont, die Herren von Strechau oder die Familie Moosheim die am Schladminger Bergbau beteiligt waren verfügten über die nötigen Geldmittel, die erforderlich gewesen wären, um den Bergbau in großem Stil und somit auch ertragreich betreiben zu können.

Auch im weiteren Bereich der Steiermark waren durch die allgemein herrschende Wirtschaftskrise, die vor allem durch die hohen Lasten im Zusammenhang mit der Türkensteuer entstanden war, keine Geldgeber zufinden, die den Schladminger Bergbau mit Erfolg betreiben hätten können. So war man gezwungen, unter landfremden Handelsherren Geldgeber zu suchen, die man zunächst unter Kaufleuten aus Eßlingen und Reutlingen fand. Damit war auch der Weg von oberdeutschen Investoren nach Schladming offen. Es folgten die Sitzinger aus Nürnberg und Prandtmayr aus Augsburg, die aber nicht als Einzelunternehmer auftraten, sondern Teilhaber an Bergbaugesellschaften waren und so die Verarbeitung der gewonnenen Erze auf einer breiteren wirtschaftlichen und montantechnischen Basis betreiben konnten.

Die Sitzinger waren z. B. Teilhaber am "Kössenthaler Schmelzwerkshandel", der bei Kitzbühel Silber- und Kupfererze abbaute. Dieses Rohmaterial wurde dann gemeinsam mit den im Obertal gewonnenen Erzen in Kilzbühel geschmolzen. Durch die Verehelichung einer Tochter Lukas Sitzingers mit Paul Behaim, dem Sohn einer angesehenen Nürnberger Patrizierfamilie wurde dieser auch Teilhaber am Schladminger Bergbau.

Eine weitere Verflechtung zwischen süddeuttschen Kapitalisten und Schladming während des 16. Jahrhunderts ergab sich durch den Einstieg der „Pernsteiner'schen Gewerkschaft" in den Bergbaubetrieb im Obertal. Dadurch kam auch der Geschäftspartner dieser Gewerkschaft, der Tiroler Gewerke und Teilhaber am Jenbacher Berg- und Schmelzwerk Abraham Katzpeck von Katzenstein als Bergherr nach Schladming. Man kann jedoch daraus nicht den Schluss einer persönlichen Anwesenheit Katzpecks in Schladming ziehen, denn nach archivalischen Hinweisen lebte Abraham Katzpeck - in den Ritterstand erhoben - in Augsburg.

Die wirtschaftlichen Interessen der Familie nahm in Schladming der Bruder Michael und vor allem der katzpecksche Bergverwalter Hans Steinberger wahr. In diesem Zusammenhang darf man aber auch religionsgeschichtliche Entwicklung der damaligen Zeit nicht außer Acht lassen. Die ursprünglich katholische Familie Katzpeck hatte in Michael Katzpeck einen begeisterten Anhänger des Protestantismus, der sich in der Achatiuskirche in Schladming bestatten ließ, die im 16. Jahrhundert bekanntlich dem evangelischen Volk offenstand. Das schöne Marmorgrabmal an der rechten Seite des Altarraumes erinnert uns noch an Michael Katzpeck von Katzenstein, der 1588 verstarb und dessen Gattin Maria, geb. Strasser, die zwei Jahre vor ihm ebenfalls rechts vom Hochaltar der Kirche bestattet wurde.

Obwohl es keine sicheren Hinweise gibt ist anzunehmen, dass das große Votivbild über der Sakristeitüre in der katholischen Stadtpfarrkirche Schladming dem Neffen Mathias († 4. März 1589) des vorhin genannten Ehepaares gewidmet war.

Die Erinnerung an das Geschlecht der Katzpeck ist - wenn auch meist falsch interpretiert - in einem anderen Bereich heute noch in Schladming lebendig. Die „Katzenburg" am Abhang der Ramsauer Leiten, heute nur mehr in spärlichen Mauerresten erhalten, wird vielfach als einstiger Wohnsitz der Katzpeck aufgefasst. Tatsache ist jedoch, dass die Burg Statteneck - so wie sie früher hieß - bereits im 13. Jahrhundert zerstört worden war und die Familie Katzpeck im 16. Jahrhundert lediglich das Burglehen, also das Areal um die Ruine besaß, weshalb die Bezeichnung „Katzenstein" bzw. „Katzenburg" entstand.

Überblickt man die wirtschaftliche Lage in den Bergbauen der Schladminger Tauern des 16. Jahrhunderts, dann muss man feststellen, dass zum Großteil auswärtige Montangesellschaften in den Gruben schürften und dabei aber die Gunst der Zeit ausnützten in der die einheimischen Betriebskapitalien knapp oder gar nicht vorhanden waren. Die intensive Bergbautätigkeit dieser Unternehmer grenzte fast schon an Ausbeutung der Stollen und fand jeweils ihr Ende, wenn man sich keinen namhaften Gewinn mehr errechnen konnte.

Lediglich das Haus Fugger engagierte sich in der ersten Hälfte des 17.Jahrhunderts noch am Schladminger Bergbau, in einer Zeit, als die Schuldenlast schon erdrückend war. Scheinbar riskierte man doch noch einen Weiterbetrieb in der Hoffnung auf den Aufschluß neuer Erzadern. 1658 war es aber so weit, dass der hochverschuldete Bergbau an den Salzburger Handelsherrn Johann von Feuersenger verkauft werden musste und die Grafen Nikolaus und Albrecht Fugger mit ihren Knappen aus Schladming abzogen. Betrachtet man also das Stadtbild von Schladming und stellt dabei das Fehlen von Patrizierhäusern fest, so wie sie in anderen Bergstädten wie etwa in Schwaz in Tirol noch heute zu sehen sind, dann findet man die Erklärung vor allem auch darin, dass zwar wohl nach der Zerstörung Schladmings am Wiederbeginn der Bergbautätigkeit im 16.Jahrhundert namhafte Patrizier als Geldgeber standen, die sich aber - bis auf einige Mitglieder der Familie Katzpeck - nicht in Schladming sesshaft machten, sondern die Bergbaue durch ihre Verweser verwalten ließen.

Wenn von den wirtschaftlichen Folgen der Zerstörung Schladmings die Rede ist, dann darf man aber auch nicht vergessen, dass nach 1525 auch der steirische Eisenhandel vorübergehend einen schweren Schlag erlitten hatte.

Von Leoben, dem Hauptstapelplatz des Vordernberger Eisens, führte ein Weg zum Stapelplatz Rottenmann und weiter nach Öblarn und Schladming wo die Bergbaubetriebe zu den Hauptabnehmern der Eisenwaren zählten. Die vorerst schwierige Wiederaufnahme der Bergbautätigkeit nach der Zerstörung Schladmings hatte auch den Absatz der Eisenwaren empfindlich beeinträchtigt. So war es für die Eisenfuhrleute, die über Schladming hinaus bis nach Salzburg ihre Waren verkauften notwendig geworden, von Rottenmann aus über die Pötschenhöhe und Ischl nach Salzburg zufahren, wo ein Hauptmarkt für das Leobener bzw. Vordernberger Eisen war. In Schladming ruhte eine Zeit lang der Verkauf der Vordernberger Eisenwaren.

So bewirkten die lokalen Schwierigkeiten, mit denen die Schladminger nach der Zerstörung ihrer Stadt zu kämpfen hatten auch im weiteren Umfeld wirtschaftliche Probleme.

Quelle