Katholische Pfarre Admont

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Die Pfarre zum hl. Blasius ist eine römisch-katholische Pfarre in der Marktgemeinde Admont in der Steiermark.
Sie ist dem Benediktinerstift Admont inkorporiert.

Geschichtlicher Überblick

Unter den 27 Seelsorgsstellen, die dem Benediktinerstift Admont anvertraut sind, nimmt die Pfarre Admont in zweifacher Hinsicht eine besondere Stelle ein: Mit ihrer nun schon über 900-jährigen Zugehörigkeit ist sie die am längsten mit dem Stift verbundene Seelsorgsstelle, und ein ganz spezielles Charateristikum besteht natürlich auch darin, dass die Stiftskirche zugleich als ihre Pfarrkirche dient.

Die Geschichte einer regulären Pfarrseelsorge reicht in Admont höchstwahrscheinlich bis ins frühe Mittelalter zurück. Weil die (auch heute noch so bezeichnete) „Alte Pfarrkirche“ dem heiligen Amandus geweiht war, der ansonsten in ganz Österreich nirgendwo als Schutzpatron eines Gotteshauses zu finden ist, lässt sich vermuten, dass vielleicht schon um das Jahr 800 eine Kirche in Admont bestand. Zu dieser Zeit gehörte ja die Region schon längst zur swiki:Erzdiözese Salzburg, und der damals regierende swiki:Erzbischof swiki:Arn dürfte die Verehrung des genannten Heiligen aus seiner belgischen Heimat in sein neues Wirkensgebiet mitgebracht haben. Aus urkundlicher Überlieferung wissen wir, dass die Gegend von Admont um die Mitte des 9. Jahrhunderts schon weitgehend besiedelt und landwirtschaftlich erschlossen war. Eine weitblickende kirchliche „Strukturplanung“ konnte es daher bereits in noch früherer Zeit als sinnvoll erscheinen lassen, in dieser Region auch ein seelsorgliches Zentrum einzurichten.

Wann immer auch die Pfarre Admont entstanden sein mag - sie war auf jeden Fall von Anfang an für einen viel größeren Sprengel als heutzutage zuständig, denn immerhin umfasste sie ursprünglich auch noch das Gebiet der Pfarren Ardning, Frauenberg, Hall, Weng und Johnsbach. In diesen fünf Gemeinden sind durchwegs erst in viel späterer Zeit selbständige Seelsorgsstellen errichtet geworden.

Die Verbindung der Pfarre Admont mit dem Benediktinerstift beginnt mit dem Jahre 1093, als Erzbischof swiki:Thiemo - der Nachfolger des Klostergründers swiki:Gebhard - den Mönchen die damals schon längst bestehende Pfarre mit der Amandus-Kirche übergab. Diese erstaunlich frühe Übertragung einer Pfarre an ein benediktinisches Ordenshaus ist auch deswegen bemerkenswert, weil der erwähnte Erzbischof selbst ein Ordensmann war und sich das Stift Admont gerade um diese Zeit unter dem Abt Giselbert einer strengeren klösterlichen Lebensform zugewandt hatte.

Ob allerdings auch damals schon Admonter Benediktiner hier als Pfarrer und Kapläne tätig waren, lässt sich nicht mehr in Erfahrung bringen. Der erste aus schriftlicher Überlieferung nachweisbare Ordensmann, der in Admont als Seelsorger gewirkt hat, war ein gewisser Salmann, der um die Mitte des 12. Jahrhunderts gelebt hat und von einem zeitgenössischen Geschichtsschreiber als eifriger „Leutpriester“ gerühmt wird.

Die enge personelle, räumliche und rechtliche Verbindung zwischen Stift und Pfarre und die Vertrauensstellung, deren sich die Äbte bei den Salzburger Kirchenfürsten erfreuten, brachte ab dem Jahre 1234 eine spezielle Regelung mit sich: Die Pfarre Admont wurde aus der Zuständigkeit des erzbischöflichen Archidiakons - der die unmittelbare Aufsicht über die Seelsorge in der Diözese ausübte - herausgenommen, und dessen Befugnisse wurden dem Abt zugesprochen, dem somit in gewisser Hinsicht nun die Aufgabe eines Dechanten zukam. Als solcher war er von da an für die Admonter Pfarrer und Kapläne nicht nur der klösterliche Obere, sondern zugleich die nächste kirchliche Instanz in seelsorglichen Belangen.

Im späteren Verlauf des Mittelalter dürfte es für die Pfarrbevölkerung immer mehr üblich geworden sein, an den hohen Festtagen den Gottesdienst in der Stiftskirche mitzufeiern: Der Bau des langgestreckten Presbyteriums hatte hier die Möglichkeit geschaffen, das Chorgestühl für das gemeinschaftliche Gebet der Mönche dorthin zu verlegen, sodaß das weite Kirchenschiff nun für die Teilnahme des Volkes an den feierlichen Pontifikalmessen zur Verfügung stand. Das pfarrliche Geschehen - die Gottesdienste an den Sonn- und Wochentagen, die Taufen, Trauungen und Begräbnisse - fand aber in der Amandus-Kirche statt, um die herum ja auch der alte Friedhof angelegt war. Die Seelsorger wohnten damals nicht im Stiftsgebäude, sondern in einem eigenen Pfarrhof bei der Pfarrkirche, in deren Nähe auch die Behausung für den vielbeschäftigten Mesner stand.

War die Pfarre Admont bis ins späte 14. Jahrhundert von einer vorwiegend bäuerlichen Bevölkerung geprägt, so ergab sich mit der Entstehung der neuen Marktsiedlung zwischen Stift und Ennsbrücke eine beträchtliche Veränderung: Nun war hier ein Pfarrort im eigentlichen Sinn entstanden, den es in früherer Zeit gar nicht gegeben hatte, und nunmehr war das wirtschaftliche und soziale Gefüge in der Pfarre in zunehmendem Maße auch von einer größeren Anzahl von Handwerkern und Gewerbetreibenden gekennzeichnet.

Während dieses allmähliche Heranwachsen der Marktsiedlung eine Vergrößerung der zur Pfarre gehörigen Personenzahl zur Folge hatte, erfolgte um die Mitte des 16. Jahrhunderts eine Verkleinerung des Pfarrgebietes, weil der schon längst bestehenden Wallfahrtskirche Frauenberg nunmehr ein eigener Pfarrsprengel zugeteilt wurde. In Admont selbst hatte um diese Zeit die „Neue Lehre“ sowohl im Konvent wie auch in der Pfarrbevölkerung Fuß gefasst; man machte hier aus seiner evangelischen Gesinnung kein Hehl, und erst um 1600, als das Stift unter der Leitung von tatkräftigen „gegenreformatorisch“ eingestellten Äbten stand, konnte auch wieder von einer katholischen Pfarre die Rede sein.

Als um 1630 der groß angelegte frühbarocke Neubau des Stiftes fertiggestellt wurde, übersiedelten die Seelsorger aus dem Pfarrhof in den klösterlichen Bereich. Ab 1632 wurden in der Pfarrkanzlei die von der kirchlichen Obrigkeit schon längst vorgeschriebenen Tauf-, Trauungs- und Sterbe-Matriken geführt worden, und ab 1646 waren die Äbte nach der neuen Verwaltungsgliederung der Erzdiözese mit den Aufgaben eines Archidiakons für das Enns- und Paltental betraut. Als solche hatten sie die Amtseinführung eines neuen Pfarrers und die regelmäßigen Visitationen vorzunehmen und stellten somit wiederum - wie schon ihre Amtsvorgänger im Mittelalter - für die Admonter Seelsorger wie auch für die Pfarrbevölkerung die nächsthöhere kirchliche Instanz dar.

Das 17. und 18. Jahrhundert war auch in der Pfarre Admont eine Blütezeit des religiösen Lebens. Mehrere Bruderschaften, deren Mitglieder sich zu regelmäßigen Gottesdiensten und Andachten trafen, aber auch karitative Aufgaben wahrnahmen, waren für diese Epoche eben-so kennzeichnend wie gemeinschaftliche Wallfahrten und eine innige Verehrung der zentralen Glaubensgeheimnisse und der volkstümlichen Heiligen. In der Stiftskirche war bei der schon erwähnten frühbarocken Umgestaltung das neue Chorgestühl auf die Empore verlegt wurden, sodass der Kirchenraum mit dem Presbyterium nun zur Gänze für die prächtige Entfaltung der festlichen Liturgie zur Verfügung stand. An manchen Feiertagen - etwa am Blasiusfest - soll das Gedränge der in der Kirche zusammenströmenden Menschenmenge so groß gewesen sein, dass sogar die Abschlussgitter der Seitenaltäre in Brüche gehen konnten.

Weil das Stift Admont damals mit einer überaus großen Zahl von Ordensleuten (zeitweilig waren es fast 100) versehen war, gab es hier natürlich auch an Seelsorgern keinen Mangel. Neben dem Pfarrer (seine offizielle Bezeichnung lautete bis in jüngste Zeit „Pfarrvikar“) taten zwei bis drei Kapläne ihren Dienst, und die „Sonntags-“ und „Festtags-Prediger“ wussten ihre Zuhörer mit wortreichen Kanzelreden im Glauben zu stärken, aber auch zu belehren und zu unterhalten; für viele Menschen in der Pfarre war ja die Predigt das einzige ihnen zugängliche „Massenmedium“, dem neben der Erbauung auch eine wichtige Bildungsfunktion zukam. Der Tätigkeitsbereich der Admonter Pfarrgeistlichkeit war 1673 nochmals verkleinert worden, weil in diesem Jahr für Johnsbach ein eigener Seelsorger bestellt wurde.

Die kirchlichen Reformen unter Kaiser Josef II. waren auch in der Pfarre Admont in mehrfacher Hinsicht zu spüren. Die Neuordnung der Diözesen brachte es mit sich, dass die ganze Obersteiermark in kirchlichen Belangen nicht mehr zu Salzburg, sondern ab 1785 zum kurzlebigen Bistum Leoben gehörte - erst 1859 kam sie zu Graz-Seckau. Die alte Gliederung in Archidiakonate wurde zur gleichen Zeit durch die Errichtung von Dekanaten ersetzt, von denen eines auch seinen Sitz in Admont hatte. Der jeweilige Pfarrvikar hatte nun zugleich das Amt des Dechants inne - eine Kombination, die dann in der Folge noch bis 1980 bestand. Nach der Errichtung der neuen Diözese war auch das Pfarrnetz neu organisiert worden; für Admont hatte das zur Folge, dass die ehemaligen Filialen Ardning, Hall und Weng im Gesäuse nun ebenfalls in den Rang eigenständiger Seelsorgsstellen erhoben wurden, womit das Territorium der Pfarre Admont im wesentlichen seinen gegenwärtigen Umfang erhielt.

Eine weitere in dieser Zeit entstandene und bis heute gültig gebliebene wichtige Neuerung ergab sich schließlich dadurch, dass die Stiftskirche 1789 zugleich zur Pfarrkirche bestimmt wurde; ihr Schutzpatron, der frühchristliche Bischof und Märtyrer Blasius, ist damit auch zum Patron der Pfarre Admont geworden. Die altehrwürdige Amandus-Kirche entging damals nur knapp dem bereits dekretierten Abbruch. Sie war dann noch bis 1876, als der neue Friedhof angelegt wurde, als Begräbniskirche in Verwendung und ist erst in jüngster Zeit - nach einer umfassenden Renovierung im Jahre 1988 - wieder einer ständigen pfarrlichen Benützung zugeführt worden.

Der große Brand von 1865, der mehr als 20 Häuser im Markt und fast das gesamte Stiftsgebäude in Mitleidenschaft gezogen hatte, war auch für das pfarrliche Leben nicht folgenlos geblieben. Weil beide Gotteshäuser ein Raub der Flammen geworden waren, mussten die Gottesdienste für eine Zeitlang in der Rupertus-Kapelle im Kastengebäude gefeiert werden, bis zunächst die alte Pfarrkirche notdürftig instandgesetzt und ab 1868 wieder die neuerbaute Stiftskirche als seelsorgliches Zentrum zur Verfügung stand.

Im 20. Jahrhundert brachte dann vor allem die Enteignung des Stiftes durch die nationalsozialistischen Machthaber für das pfarrliche Leben empfindliche Einschränkungen mit sich. Als die Patres Ende 1939 aus ihrem Ordenshaus vertrieben wurden, lag die gesamte Seelsorge in den Händen eines einziges Geistlichen, des damals freilich noch jugendlichen P. Tassilo Riegler. Dieser musste sich neben der Sakristei einquartieren, obwohl von den politischen Behörden die Zusage vorlag, ein Haus im Ort als Pfarrhof zu adaptieren. Ebenso wie schon im Ersten Weltkrieg mussten auch diesmal wiederum die Glocken der Stifts- und Pfarrkirche abgeliefert werden, und erst fünf Jahre nach der im Oktober 1945 erfolgten Rückkehr der Benediktiner in ihr Ordenshaus konnte ein neues Geläute angeschafft werden.

Die jüngste Geschichte der Pfarre Admont ist von den Entwicklungen in Kirche und Gesellschaft nicht unberührt geblieben. War bis 1981 immer noch zumindest ein Kaplan hier tätig, so wurde dieser Posten seither nur zweimal besetzt, durch P. Winfried Schwab O.S.B. und P. Maximilian Schiefermüller O.S.B.. Der Mangel an hauptamtlichen Seelsorgern wird allerdings dadurch ausgeglichen, dass die Klosterangehörigen zur Aushilfe stets bereit sind und dass die Gottesdienste an den hohen Feiertagen jeweils vom Herrn Abt zelebriert werden. Das engagierte Wirken einer Pastoralassistentin und einer Pfarrsekretärin macht es darüber hinaus sogar möglich, dass der gegenwärtige Pfarrer P. Gerhard Hafner, der 102. in der langen Reihe dieser geistlichen Amtsträger, zusätzlich noch das Amt des Dechants von Admont und des Priors des Stiftes Admont ausüben kann.

Quelle