Fremdenverkehr im Ennstal Gegenwart und Zukunft

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Dieser Artikel beleuchtet Aspekte des Fremdenverkehr im Ennstal der Gegenwart und der Zukunft.

Einleitung

Je nach Gemeinde im Bezirk Liezen hat der Fremdenverkehr eine unterschiedlich wichtige wirtschaftliche Bedeutung. Entsprechend dieser Bedeutung sind auch Entwicklungen im Bereich des Fremdenverkehrs sehr unterschiedlich. Pürgg-Trautenfels, beispielsweise, wird auf Kultur verstärkt setzen, hat es doch mit dem Schloss Trautenfels Universalmuseum Joanneum einen der Schätze des Ennstals ebenso wie das älteste bestehende Kloster in der Steiermark, das Benediktinerstift Admont. Anders gelagert sind die Bestrebungen im Ausseerland, das sowohl im Sommer (die Seen im Ausseerland) als auch im Winter (Skigebiete am Loser, auf der Tauplitzalm und der Kulm mit der größten Naturskiflugschanze der Welt) stark vom Fremdenverkehr abhängig ist. Ardning kann wohl auf Fremdenverkehr im Zusammenhang mit der Wallfahrtskirche Frauenberg verweisen.

Im Winterfremdenverkehr im Ennstal müssen Ramsau am Dachstein als Zentrum nordischer Disziplinen wie Skisprung und Skilanglauf ebenso wie Haus, das durch Damen-Skirennen weltweit bekannt wurde, erwähnt werden. Eine besondere Stellung im Fremdenverkehr nehmen aber zweifelsohne die Bergstadt Schladming sowie die Gemeinden Rohrmoos-Untertal und Pichl-Preunegg ein. Diese drei Gemeinden leben überwiegend vom Winterfremdenverkehr und sind somit vom Schnee lebenswichtig abhängig.

Schladming

Blick auf das Skygate im Stadtzentrum von Schladming, darüber die Pisten der Planai, Aufnahme November 2014
Blick auf die Hänge im Gipfelbereich des Hauser Kaiblings im November 2014
Schladming im Februar 2011 - Schnee nur mehr in oberen Lagen, unten Kunstschneebänder

Spätestens mit dem Erhalt des Zuschlags für die FIS Alpine Ski WM 2013 hatte sich Schladming ganz dem Winterfremdenverkehr zugewandt, um nicht zu sagen, geopfert. Geopfert, weil vor allem das äußerliche Bild dieser Stadt durch an allen Hängen sichtbaren Beschneiungsanlagen und Stützen für Aufstiegshilfen deutlich sichtbare Wunden zeigt. Besonders das Skygate, eine 35 Meter lange gebogene Stahlkonstruktion, die sich über dem Zielstadion Planai in Schladming erhebt, auch Präsidentenzipfel[1] genannt, löste heiße Diskussionen aus. Es sollte zum Wahrzeichen der FIS Alpine Ski WM 2013 Schladming werden. Heute, ein Jahr danach, sticht es zwischen einem riesigem Parkhaus aus Stahl und Beton, dem Hotel Planai und den Bauten am Zielhang der Planai-Abfahrt als Stahlkonstruktion vor dem Hintergrund der grünen Natur hervor. Nachts in grellen Neonfarben blinkend erhellt vermittelt es einen Hauch von Las Vegas mit seinen blinkenden Boulevards.

Zumindest der Blick aus einem der Zimmer des Sporthotels Tauernblick lässt Schneekanonen, Lanzenschneigeräte, Liftstützen und -seile deutlich erkennen. Ob angesichts von so viel Stahl, Seilen und Beton mitten in ansonsten grünen Hängen sommers echte Wanderfreude aufkommt, sei dahingestellt. Natürlich sind diese Merkmale nicht alleine auf Schladming begrenzt, sondern finden sich auch auf den Hängen im Gemeindegebiet von Rohrmoos-Untertal und Pichl-Preunegg mit der Hochwurzen und Reiteralm.

Blick in die Zukunft

Der Klimawandel und seine Auswirkungen auf das Ennstal wird möglicherweise von Ennstaler Fremdenverkehrsverantwortlichen noch nicht so ernst genommen, wie Experten raten. Die winterliche Schneegrenze zieht sich in immer höher Lagen zurück und die natürliche Beschneiung beginnt Jahr für Jahr später. 2013 retteten einige sehr kalte Tage und Nächte Anfang Dezember die künstliche Beschneiung im Gebiet von Schladming. Erst der Jänner brachte den notwendigen Naturschnee. Prognosen im Spätherbst 2014 sagen abermals späten Schneefall und milde Temperaturen voraus. Für künstliche Schneeerzeugnis braucht man aber (noch) auch tiefere Temperaturen. Abgesehen von dem enormen Energieaufwand an Strom und Wasser - immer mehr Speicherteiche entstehen in Almlandschaften, um im Winter genügend Kunstschnee erzeugen zu können. Damit aber wird das natürlich Gut "Natur" weiter belastet, da Almböden Plastikplanen für Speicherteiche weichen müssen. Beispielsweise musste im Sommer 2011 durch die Erschließung für den Winterfremdenverkehr das Naturjuwel Kaiblingalm empfindliche Eingriffe hinnehmen.

Wer in den letzten Jahren im März Schladming besucht hatte, erinnert sich an schmale weiße Bänder aus Kunstschnee. Links und rechts dieser Pisten braun-graue Landschaft. Mögen in oberen Lagen durchaus noch weiße Hänge und weitläufigere Pisten vorhanden sein, aber im Tal erlebt der Urlauber jedenfalls keine Winterlandschaft mehr.

Menschen, die auf die kommende Entwicklung aufmerksam machen

Ernst Trummer

Dass es auf Dauer nicht mehr ausreichen wird, ausschließlich auf Winterfremdenverkehr und oder Skigroßereignisse zu setzen, erkannte wohl auch Mag. Ernst Trummer, der im Sommer 2012, kurz vor der Ski-WM 2013 in Schladming, überraschend als Geschäftsführer der Planai-Hochwurzen-Bahnen GmbH und als deren Vertreter in der Schladming 2030 GmbH abberufen wurde. Spekulationen über die Hintergründe dieser Absetzung drehten sich auch um die kritischen Äußerungen Trummers über die Entwicklung und Ausrichtung der Planai- und Hochwurzen-Bahnen und damit auch über die WM-Stadt Schladming. Hinter vorgehaltener Hand ist auch vielfach davon die Rede, dass Trummer gewissen Entscheidungsträgern im Land einfach zu mächtig wurde. Für Gerüchte, dass Peter Schröcksnadel, Präsident des Österreichischen Skiverbands, damit mitgeredet haben sollte, fanden sich bislang keine Beweise.

Tobias Moretti

Der Tiroler Schauspieler und Präsident des internationalen Sportrodelverbands hielt Ende Oktober 2014 anlässlich des 125-Jahr-Jubiläums der Tourismuswerbung in Tirol bei der Feier in Erl eine viel beachtete Rede über Tirol und den Fremdenverkehr.

Zwar zeigte er sich beeindruckt von der, wie er sie nennt Touristologie, also von den unzähligen Analysen, die Wünsche, Verhalten usw. möglicher und tatsächlicher Urlauber erfassen, von all den digitalen und technischen Mitteln, die heute im Fremdenverkehr eingesetzt werden. Aber er merkt kritisch an, dass es sein könnte, dass sich der Touristiker damit grade selber abschafft, weil er dann gar nicht mehr aufgrund von so viel Technik und Analysen gebraucht wird.

Er sei zwar er kein Touristiker, findet aber doch alle diese Strategien, Wortungetüme wie Markenidentität als überzogen. Mit dem Beispiel, er "sehe nur, dass die Panorama-Paläste auf den Gipfeln, in denen sich die Touristiker, die Gemeinderäte, die Bürgermeister und Architekten verewigen, leer sind und man in den kleineren gemütlichen Hütten nie einen Platz kriegt, weil alle hinwollen", meinte er wohl, dass die Menschen ganz andere Bedürfnisse haben.

Identität wäre sehr wichtig im Zusammenhang mit Fremdenverkehr. Marketing-Strategen berufen sich bei der Vermarktung oft auf das bäuerliche Umfeld und die bäuerliche Prägung Österreichs. Sie werben mit Bildern von starken, kantigen Menschen mit Eigenheiten. Aber gleichzeitig setzen sie auf austauschbare Leistungen, wie es sie im gesamten Alpenraum gibt. Aber sie bezeichnen dies als Markenidentität. Ein Widerspruch in sich, wie Moretti in seiner Rede meint.

Neben dem traditionellen Gast, der Ruhe und Erholung sucht, kommen immer neue Gästeschichten, führt Moretti weiter aus. Junge Altersgruppen, die "auch im alpinen Bereich Anspruch ihre Gaudi haben wollen, alle Ressourcen gnadenlos ausnutzen, ohne Rücksicht auf Verluste und das gleich posten". Und sind die Selfies mal gemacht, ziehen sie ebenso schnell weiter wie sie gekommen waren. Die Fremdenverkehrsverantwortlichen stürzen sich auf jeden neuen Trend, wollen mit bäuerlichen Faktoren heimelig-traditionell erscheinen, andererseits mit jedem noch so eigenartigen Trend mitschwimmen und auch noch österreichische Gastfreundschaft zeigen. Langfristige Konzepte aber, die die Identität glaubhaft vermitteln, fehlen immer häufiger.

Natürlich ist auch Moretti klar, dass sich der moderne Fremdenverkehr nicht Entwicklungen verschließen darf. Aber, und so hinterfragt Moretti die Sache, wenn man die Kurzlebigkeit und die Geschwindigkeit der heutigen Gesellschaft unreflektiert und widerspruchslos mitmacht, wird die Identität, also das, was in Österreich gewachsen ist und bedeutsame für die Entscheidung eines Urlaubers für Österreich ist, verloren gehen. "Und dann wird’s schwierig, den Friedhof zu vermarkten" sagte Moretti zu dieser bedenklichen Entwicklung.

Ideen für die Zukunft

Will das Ennstal auch in Zukunft Fremdenverkehr haben - und es wird diesen aus heutiger Sicht benötigen, um die Wirtschaftsstrukturen und den Wohlstand ihrer Bürger auch weiterhin halten zu können - werden die Verantwortlichen umdenken lernen müssen.

Der Sommerfremdenverkehr, der bereits in den letzten Jahren stärker wurde, wird von einer sauberen und schönen Bergwelt profitieren. Das steht aber im Moment noch im Widerspruch mit dem Aufrüsten an Speicherteichen und Beschneiungsanlagen. Gelingt ein Stopp der Verbauung der Ennstaler Bergwelt und ein Rückbau der Natur zu ihrer Ursprünglichkeit, werden auch in Zukunft Menschen sich für einen Urlaub im Ennstal entscheiden.

Angedacht könnten Projekte von Bergbahnen im Bereich von Freizeiteinrichtungen in Tallagen wie Erlebnisbäder oder Freizeithallen mit verschiedenen Einrichtungen werden. Urlaubsdörfer in regionstypischem Baustil mit organisierten Freizeitangebot (Sport, Wanderungen, Erlebniskochen, ein Tag am Bauernhof u.a.) liegen bereits jetzt schon in manchen europäischen Urlaubsländern in der Gunst der Gäste. Natürlich wird man nicht alle Gästeschichten ansprechen können, aber gerade diese Unterscheidung(en) werden das "Produkt Fremdenverkehr im Ennstal" deutlich von anderen Angeboten abgrenzen und so möglicherweise auch zu einer entscheidenden Alleinstellung im Marketing bringen können.

Das sich Verschließen der Zeichen der Natur, dem Rückgang des Schnees, und dem starren Verharren auf weitere Investitionen ausschließlich in Winterurlaub könnte möglicherweise fatale Folgen für das gesamte Ennstal bringen[2].

Quellen und Einzelnachweise

  • EnnstalWiki-Artikel
  1. Zitat nach "Der Standard": Schladmings südteuerer "Präsidentenzipfel", derstandard.at 25. Jänner 2013
  2. Quelle Absatz "Ideen für die Zukunft: Peter Krackowizer (www.reisemosaik.at)