Gerhardter (Schladming)

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Bei Familie Gerhardter aus Schladming handelt es sich um eine Schladminger Traditionsfamilie.

Die Familiengeschichte

Es gibt ein Verzeichnis der Holzungsrechte in den ehemaligen landesfürstlichen, derzeit hauptgewerkschaftlichen Waldungen im Ennstale ansprechenden Besitzer der Marktgemeinde Schladming aus dem Jahr 1871. Neben der Hausnummer 57 steht der Hausname „Grünstock“. Dabei wird in manchem Schladminger die Erinnerung an den „Grüns'tock Peter“ und dessen Familiennamen Gerhardter wach.

Mit der Familie eng verbunden waren zwei Dinge, die Liebe zu den Bergen und das Wissen umdie Verarbeitung heimischer Schafwolle zu veredeten Produkuten. Wenn man im Häuserbuch der Stadt Schladming nachliest, erfährt man, dass das „Fuchsenhäusl oder Grünstock“ ob der Mauer, also im südlichen Stadtgebiet von Schladming am Fuße des Fastenberges, ein Bergknappe am Beginn des 18. Jahrhunderts besaß. Bereits 1706 befand sich in diesem Haus eine Weberei, deren Besitzer Veith Weussen war. Erstmals findet man in der Reihe der Hausbesitzer des „Fuchsen- oder Grünstockhäusls" 1849 einen Namensträger Peter Gerhardter, der aber der Vater des legendären Bergführers und Schafwollwarenerzeugers war.

Erste Elektromotor in Schladming

Die Anfänge des Schafwollwarenbetriebes, den Vater Gerhardter 1845 gründete, war eine sogenannte „Katatsche“. Unter dem Kardieren („Kartatschn“), versteht man das Aufrauhen der Wolle, das ursprünglich mit der „Karde“, einer Distelart erfolgte und später durch entsprechende technische kammartige Geräte durchgeführt wurde. Die kardierte Schafwolle wurde nach der Bearbeitung von den Frauen am häuslichen Spinnrad zu Garnversponnen. Um die Wende zum 19. Jahrhundert wurde der Betrieb der Familie Gerhardter durch den Kauf einer Spinnereimaschine erweitert. Damit wurde der Grundstein für einen technisch leistungsfähigen Betrieb gelegt. In diesem Zusammenhang ist es auch erwähnenswert, dass man in diesem Betrieb den ersten Elektromotor in Schladming verwendete.

Im Jahre 1934 wurde die Schafwollspinnerei durch eine Strickerei erweitert, wodurch man auch die Erzeugung der „Schladminger Wollsocken und Wollfäustlinge“ in das Produktionsprogramm aufnahm.

Nach der Übernahme des Betriebes durch Peter Gerhardter jun. Im Jahre 1936 erfolgte laufend ein Ausbau des Betriebes und damit auch die Erweiterung der Produktionsmöglichkeiten. So konnte man schließlich ab 1952 das Hauptaugenmerk auf die Erzeugung der „Original Schladminger Wolljanker“ legen. Damit entwickelte sich auch ein Absatzgebiet für die Erzeugnisse im In- und Ausland.

Sieht man von den wirtschaftlichen Bemühungen der Familie Gerhardter um die positive Entwicklung des traditionsreichen Unternehmens ab, so darf man nicht vergessen, dass bei den männlichen Nachkommen der Familie die Liebe zu den Bergen eine große Rolle spielte.

Schon der im Jahre 1860 geborene Peter Gerhardter wandte sich in besonderer Weise dem Alpinismus zu, denn nach Ablegung der Bergführerprüfung erwarb er am 4. September 1893 die Autorisierung als Bergführer. Man könnte über den „Greanstock Peter“ als Bergführer eine eigene Geschichte schreiben, wollte man all die Erlebnisse und Ereignisse um den zu seiner Zeit ältesten Bergführer Österreichs schreiben. 232 mal war er am Dachstein und kannte nicht nur alle Aufstiegsrouten zum Gipfel, sondern erkundete auch gemeinsam mit den Gebrüdern Irg und Franz Steiner die Höhlen im Bereiche der Dachstein-Südwand. Der letzten Eintragung im Führerbuch Gerhardters zufolge war er noch im Alter von 72 Jahren am Hohen Dachstein. Aber nicht nur im Dachsteingebiet war Peter Gerhardter „zuhause“, auch in den Schladminger Tauern führte er so manchen Gast auf den Hochgolling oder auf eine andere Tour, auf der man sich der sicheren Führung Gerhardters anvertraute. Nicht nur Vater Gerhardter war Bergführer- auch der gleichnamige Sohn, 1901 geboren und späterer Betriebsinhaber der Schafwollspinnerei begeisterte sich schon in früher Jugend für die Berge seiner Heimat. Auch er wurde - gleich wie sein Vater Bergführer und war auch aktives Mitglied des Österreichischen Bergrettungsdienstes (Ortsstelle Schladming).

In dieser Funktion gelang ihm mit anderen Kameraden manche waghalsige Bergung von in Bergnot geratenen Alpinisten. So war es zum Beispiel in den Julitagen des Jahres 1952 als es galt nach vierstündiger Kletter- und Seilarbeit zwei Grazer mit ihrem Begleiter aus England aus Bergnot in der Golling Nordwand zu retten.

Peter Gerhardters Berufsleben als Inhaber der Schafwollspinnerei und Wollwarenerzeugung fand aber nicht nur in seinem zweiten Beruf als Bergführer eine oftmalige Abwechslung, auch als begeisterter Musiker in der Stadtkapelle Schladming und als Mitglied des Heimatvereins d‘ Dochstoana fand Gerhardter willkommene Mußestunden. Als Musiker war er jahrelang eifriger Klarinettist beim Jungfrauenaufwecken, einem alten Schladminger Brauch.

Die Liebe zu den Bergen, die sich durch die Generationen in der Familie Gehardter fortsetzte, erfuhr im Jahre 1979 durch ein tragisches Ereignis einen Opferhöhepunkt und damit ein trauriges Ende. Auf einer Andenexpedition gemeinsam mit dem bekannten Alpinisten Leo Schlömmer verunglückte Peter Gerhardter III. im Schneesturm auf dem südamerikanischen Aconcagua (6 962 m ü. A. tödlich.

Das traditionsreiche Weber- und Wollwarenhaus wurde an das Evangelische Diakoniewerk Gallneukirchen verkauft und dann zog neues Leben in die Traditionswerkstätte ein. Wenn auch nicht mehr Walkjanker, Socken und Fäustlinge gefertigt werden, wird nun behinderten Menschen die Möglichkeit geboten, im Bereiche ihrer Fähigkeiten Positives zu leisten. Ziel der Werkstätte ist es, die Eingliederung der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit Behinderung in das gesellschaftliche Umfeld durch die richtige Mischung von Kreativität und Produktivität zu fördern. Die Palette der im Hause Gerhardter nun erzeugten Gegenstände reicht von geflochtenen Körben, unterschiedlichen Gegenständen aus Holz bis zu kleinen Möbeln. Dabei ist es wichtig, dass behinderte Menschen auch den Umgang mit Maschinen wie Kreissäge, Dekupiersäge, Bandsäge, Schwingschleifer usw. kennenlernen. So ist nach vielen Jahrzehnten in das Haus mit Familientradition wieder neues Leben eingekehrt, das sicher im sozialen Sinn der alten Familie Gerhardter ist.

Die Familie

  • Peter Gerhardter (* 19. August 1860, † 5. April 1955), der erste österreichische Bergführer
  • Peter Gerhardter II. (* 22. April 1901) († 1. Jänner 1989), folgte seinem Vater als Bergführer und übernahm seine Loden-Firma
  • Gerhardter III. (* 1943; † 9. Februar 1979)

Quelle