Ennstal-Störung

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Die Ennstal-Störung ist eine sinistrale[1] Seitenverschiebung und Teil des Salzach-Ennstal-Mariazell-Puchberg Störungssystems (Kurzwort: SEMP-Störungssystem). Dieses Störungssystem erstreckt sich über eine Länge von ca. 400 km von Innsbruck bis ins Wiener Becken. Die einzelnen Störungslinien sind in Nordost/Südwest- bis Ost/West-Richtung orientiert.

Eine grafische Darstellung zur Tektonik zwischen Schladming und Liezen ist dem Artikel "Geologischer Überblick über das Ennstal" zu entnehmen.

Entstehung

Durch die Kollision der Apulischen Platte mit der Eurasischen Platte und der damit einhergehenden alpidischen Orogenese kam es zur Überschiebung der Nördlichen Kalkalpen auf das europäische Festland. Mit anhaltendem Druck durch die Apulische Platte wurde das Gebiet der Alpen zunehmend eingeengt, bis die Gesteinsmassen vor ca. 25 Mio. Jahren diesem nicht mehr Stand hielten und zwei große Seitenverschiebungen entstanden. Jene im Norden ist die sinistrale Salzach-Ennstal-Mariazell-Puchberg Störung und jene im Süden die dextrale[2] Periadriatische Linie. Erstere trennt die Kalkalpen von den Zentralalpen und letztere die Zentralalpen von den Südalpen an der der Grenze zwischen Kärnten und Slowenien/Italien. Die dazwischen liegenden Zentralalpen bilden einen Extrusionskeil und weichen nach Osten, in Richtung Pannonisches Becken, aus. Laut GPS-Messungen beträgt diese Bewegung im Durchschnitt 1,6 mm pro Jahr.

Beide Störungen sind anhaltend aktiv. Die Platten und Gesteinsmassen stehen nicht still. Bislang beträgt der Versatz der SEMP-Störung, je nach geografischer Lage, 60-100 km. Im Bereich von Hieflau sind es z. B. ca. 60 km. Die Aktivität macht sich durch Erdbeben bemerkbar. Mehrmals im Jahr treten Beben im Bezirk Liezen auf. Meist sind sie jedoch nur von leichter Stärke.

Tertiärbecken im Bezirk Liezen

Bedingt durch die Seitenverschiebungsbewegung entlang der Salzach-Ennstal-Mariazell-Puchberg Störung kam es zur Zerrung an der Oberfläche. Diese Extension führte mancherorts so weit, dass die Oberfläche absackte und sich ein rhombisches Becken ("Pull-Apart Becken") bildete. Durch den anschließenden Eintrag von Sedimenten, wurden die Becken im Miozän[3] wieder verfüllt und heute als geologische Einheit "Tertiär des Ennstals" zusammen gefasst.

Quellen

Einzelnachweise

  1. bedeutet linksseitig
  2. bedeutet rechtsseitig
  3. ist in der Erdgeschichte Teil des Neogens, früher des Tertiärs und war vor ca. 23 Mio. Jahren bis ca. 5 Mio. Jahren