Alpidische Orogenese

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Paläogeographie in der früheren Kreide (vor ca. 120 Millionen Jahren) - ohne Erläuterung des angegebenen Profils.
Paläogeographie in der späten Kreide (vor ca. 90 Millionen Jahren) - ohne Erläuterung des angegebenen Profils.
Paläogeographie im späten Paläogen (vor ca. 30 Millionen Jahren) - ohne Erläuterung des angegebenen Profils.
3D-Blockmodell der Alpen (Legende siehe Bild).

Die alpidische Orogenese (alpidische Gebirgsbildung) ist jene Ära, in der die Alpen und somit auch die Berge im Bezirk Liezen aufgefaltet wurden.

Vor ca. 135 Millionen Jahren begann die alpidische Gebirgsbildung. Es entwickelte sich eine Plattengrenze entlang einer Störungszone, die den Penninischen Ozean mit dem Tethys-Ozean verband. Ab diesem Zeitpunkt rückte die Adriatische Platte (Teil der Apulischen Platte) in Richtung Nordwesten vor und überschob einen Lithosphärenteil, der anschließend sukzessive abtauchte. Zuerst kam es zur Subduktion des Adriatischen Sporns, dann der ozeanischen Kruste des Penninischen Ozeans und im Anschluss der kontinentalen Kruste vom Alten Europa (Europäische Platte).

Detailbeschreibung

Durch die Subduktion der Lithosphärenteile wurden Gesteine abgehobelt und es entstand zu Beginn ein Orogenkeil, der vor ca. 85 Millionen Jahren als Uralpen aus dem Ozeanwasser ragte. Die schwere ozeanische Kruste des Penninischen Ozeans tauchte fortlaufend unter dem Orogenkeil ab. Dabei wurden Sedimente des Ozeanbodens abgehobelt und zum Teil auch unter das Orogen geschoben. An der Oberfläche entstand eine Tiefseerinne in der sich die Flyschgesteine ablagerten. Der Penninische Ozean wurde somit kontinuierlich verschmälert und vor ca. 50 Millionen Jahren komplett geschlossen. Folgedessen traf die Adriatische Platte dann auf die dicke kontinentale Lithosphäre des Alten Europas. Vor ca. 40 bis 30 Millionen Jahren riss ein großer Teil der subduzierten Lithosphäre ab und es kam dadurch zu einer isostatischen Ausgleichsbewegung im Orogen, die sich durch eine Hebung der Westalpen und dem westlichen Teil der Ostalpen äußerte.
Ab ca. 23 Millionen Jahren vor heute (Neogen) änderte sich die Einspannung der Alpen. Die Annäherung zwischen der Adriatischen und der Europäischen Platte hielt zwar weiter an (Nord-Süd Einengung), aber das Orogen konnte nun nach Osten hin ausweichen. Grund dafür war der hier länger offen gebliebene Penninische Ozean und die Subduktion seiner Reste in Richtung Osten. Dadurch konnte sich die kontinentale Kruste in diese Richtung ausbreiten.
Das "Grundgerüst" der Alpen war hiermit abgeschlossen. In der jüngeren Erdgeschichte kam es dann noch zur "Ausformung" der Alpen, zum Beispiel durch die Anlage von Tälern entlang von Störungen oder durch die Bildung inneralpiner Becken. Den jüngsten Schliff erhielt die Landschaft in der Eiszeit. Die Modellierung der Landschaft wird nie abgeschlossen sein und ist somit auch gegenwärtig aktiv.

Bedeutung im Bezirk Liezen

Der Bezirk Liezen ist Teil der höheren Decken der Ostalpen. Die Gebirge wurden im Zuge der alpidischen Orogenese aufgefaltet und bestehen vorwiegend aus Einheiten der Oberostalpinen Decke. Nur lokal gibt es Lithologien des Unterostalpins. Generell haben die Decken hier ein Ost-West Streichen und die Abfolge der geologischen Einheiten zeigt tektonisch höhere Elemente im Norden und tiefere Elemente im Süden. Diese Einheiten sind von jünger angelegten Störungen durchzogen und wurden im Zuge der Eiszeit morphologisch überprägt.

Quellen

  • Murawski, Hans; Meyer, Wilhelm: Geologisches Wörterbuch. München, 2004, Spektrum Akademischer Verlag, ISBN 3-8274-1445-8
  • Preßlinger, H. & Köstler, H. J. (Hrsg.) (1993): Bergbau und Hüttenwesen im Bezirk Liezen. Trautenfels: Verein Schloss Trautenfels
  • Schuster, R., Daurer, A., Krenmayr, H.G., Linner, M., Mandl, G.W., Pestal, G. & Reitner, J.M. (2013). Rocky Austria. Geologie von Österreich - kurz und bunt. Wien: Geologische Bundesanstalt
  • Stüwe, K. & Homberger, R. (2015). Die Geologie der Alpen aus der Luft. Gnas: Weishaupt Verlag