Treglwanger Almabtrieb

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Dieser Artikel berichtet von einem historischen Treglwanger Almabtrieb in den 1920er-Jahren.

Einleitung

Das Grazer Tagblatt berichtet in seiner Ausgabe vom 13. Oktober 1926 von einem Almabtrieb in Treglwang mit folgender Einleitung:

Zu den sinnigsten Volksfesten zählt das jähr­liche Fest des Almabtriebes in Treglwang. Über den letzten Almabtrieb am Sonntag, dem 2500 Zuschauer beiwohnten, stellt uns Herr Oberlehrer W. Wolf nachstehende Schilderung zur Verfügung.

Nun folgt die Schilderung des Almabtriebs:

Um 4 Uhr begann die Heimfahrt. Bürgermeister Franz Jetz eröffnet« als strammer Vorreiter dm Zug. Ihm folgten fast sämtliche Ziegen des Dorfes — im Volksmunde kurz als das „Graffl" bezeichnet —, geleitet und heimgetrieben vom Goatzbauern Raimund Gotschacher und seiner Bäurin Anna Wohlmuther, welche auf der „Goaßbauern Schwoag" (Födlfuhre), die von vier mächtigen Goaßböcken gezogen, ein recht liebliches Bild boten. Als zweite Gruppe kam das mit Trauerschmuck versehene Vieh des Besitzers Franz Geyer. Ihm schloß sich das prächtig geschmückte Vieh des Besitzers Ernst Krenn an. Ein Prachtstück bot die Gruppe des Peter Gotschacher mit seinem herrlich aufgeputzten Stier, der mit einem langen Stierbart (aus Bartflechten) geziert und einen recht gelungenen Stiergrössing[1] trug, der mit fast 900 Mascherln geschmückt war.

Glaubte man schon, daß diese Gruppe das Schönste bot, so wurde sie wieder durch die Viehgruppe des Bürger­meisters Jetz überboten, wobei ebenfalls wieder der prachtvolle Genossenschaftsstier, welcher durch Jetz d. J. geritten und geführt wurde, einen Beifallssturm auslöste. Sehr gelungen war die Kleinbauerngruppe der Herren Hofmeier und Steiner, insbesondere waren es hier die Födelfuhren, welche Aufmerksamkeit und Be­wunderung erregten. Darauf folgten die Festwagen, eröffnet durch die Riesenalmhütte des Bürgermeisters, anschließend ein Wildschützenwagen. Die Födelfuhren der Herren Schau­pensteiner, Spöckl (Gaishorn) und Straubinger erregten allseits Bewunderung und Anerkennung.

Es folgte der Wagen der Holzknechte, Leiter Holzmeister Franz Sieberer, darstellend eine Holzknechtducke, in welcher feiste Holzknechtenocken aufgekocht wurden und frohes Jodeln und Jauchzen erschallte. Aus der aus Rinden erbauten Grünkarhütte des Ernst Krenn erklangen lustige Almsieder. Geführt von dm Musikkapellen Gais­horn und Trieben folgten die Gebirgstrachtenrrhaltungsvereine „D' Liesingtaler“ (Kallwang), „D' Scheiblingstoaner“ (Selztal), „D' Obersteirer“ (Rottenmann) und „D' Oachberger“ (Aich im Ennstal) mit ihren Fahnen und Kirtabuschen. Der schon im Vorfahre mit dem ersten Preis ausgezeichnete Köhlerwagen des Schmiedmeisters Scheibenreif erwarb sich auch heuer ob seiner Eigenart — er stellte einen brennenden Kohlenmeiler dar — das Lob der Zuseher. Ein Wagen lustiger Bauern folgte. Den Abschluß des Zuges bildete der Festwagen der Treglwanger Schule unter dem Leitworte „Der Traum des Hirten". Em mächtiges Gebirge, umrahmt von Latschen und Fichtengrün, bildete den Untergrund: auf hohem Felsen saß die Idealgestalt „Edelweiß“ (Juli Döllerer), im Vordergründe lag schlafend zwischen den beiden verkörperten Alpenblumen „Enzian“ (Romana Lanzmeier) und „Almrausch“ (Paulina Stock), ein Halterbub (Paarfuß) im verschossenen Gewande, wie er halt in ganz Obersteier zu finden ist.

Der Abtrieb wickelte sich sehr geordnet ab. An der Kohlbacher Wiese fuhren sämtliche Festwagen auf, das Vieh wurde in die heimatlichen Ställe eingetrieben. Die Scheiblingstoana ließen ihre langen Peitschen knallen, die Holeknechte verließen ihre Hütte und machten sich über einen Fichtenbaum her. Flott klangen die Axthiebe der stämmigen und sehnigen Burschen und im Nu war der Stamm entästet, entrindet und zerschnitten und für die Talfahrt hergerichtet. Frohen Mutes rückten sie wieder in ihre Ducke ein.

Das Preisgericht, bestehend aus den Herren Jaklitsch (Trieben), Haberl (Schwarzenbach), Stein­huber (Gaishorn), Hutter (Kallwang), Grössing (Kallwang) und Forstner (Furth) hatte schwere Arbeit. Bei den Viehgruppen erhielt Bürgermeister Jetz den Preis der Landwirtschaftlichen Genossenschaften (Moosegge) mit dem Rang 1. Den 2. Rang (Preis der Welser pharm, chem. Werke) Goaßbauern-Schwoag Rai­mund Gotschacher; den 3. Rang (Preis der Land­wirtestelle Wien) erzielte Peter Gotschacher, 4. Rang (Preis der Kalkwerke Grimming und Alfa Separator) Georg Hofmeier, 5. Rang (Preis der Baumschule Westland, Deutschlandsberg) Ernst Krenn, 6. Rang (Preis der Fleischhauerei Hanf in Kallwang) Vinzenz Steiner, 7. Rang (Preis der Welser pharm, chem. Werke) Franz Geyer. Bei den Festzugswagen errang den 1. Preis der Wagen der Schule Treglwang (Preis der Welser pharm, chem. Werke), 2. Rang (Preis der Brüder Lapp, Rottenmann) Gottfried Straubinger Födelfuhre; 3. Rang (Preis der Wagnerei Preitler in Trieben) Köhlerfuhrwerk, Scheibenreif; 4. Rang (Preis des Besitzers Geyer), Holzknechtwagen, Franz Sieberer: 6. Rang (Preis der Firma Vogel u. Noot, Wartberg), Grünkarhütte, Ernst Krenn; 6. Rang (Preis Wagner Brunntaler und Scheibenreif), Schlapflebenhütte, Franz Jetz; 7. Rang (Preis der Austria-Werke, Knittelfeld), Födelfuhre, Franz Schaupen­steiner; 8. Rang (Preis der Firma Buchdrucker, Linz), Födelfuhre, K. Schrempf, Gaishorn: 9. Rang (Preis der Reformdüngergesellschaft, Wien), Wildschützenwagen, Franz Jetz; 10. Rang (Preis der Baumschule Klenert, Graz), Bauernwagen, Jakob Saiger; 11. Rang (Preis der Landes-Obstbaumschule Bruck), Wagen der Feuer­wehr, Sieber-Schindelbacher.— Sämtliche Schwoagarinnen der Viehgruppen wurden mit Ehren­gaben, bestehend aus 1½ bis 2 Meter Samt (Spenden der Kaufleute Steinhuber. Weitgasser, Pfeilstöcker, Jaklitsch, Herwertner, Kalteis, Hornbogner) und den von der Druckerei Leykam gespendeten Büchern im Werte von etwa 40 S beteilt. Die von der Firma Kohlbeck in Bruck gespendeten Weideglocken erhielten als Beipreise die mit dem 1. Rang Ausgezeichneten.

Die Trachtengruppen ernteten für ihre Altsteirertänze reichen Beifall, besonders die Bandltänze fanden allge­meine Zustimmung. Als Erster im Wettbewerb ging der Trachtenverein „D'Oachberger“ hervor (Preis der Firma Haberl, Gaishorn); 2. Rang (Preis der Mosterei Leoben) „D' Liesingtaler“ in Kallwang; 3. Rang (Preis der Fleischhauerei Obermeier, Gaishorn) „D'Scheiblingstoana“, Selztal; 4. Rang (Preis der Baumschule Klenert) „D'Obersteirer“, Rottenmann.

Sämtliche Preise hatten einen Gesamtwert von über 1000 S. Der Schwoagarinnentanz hielt die Leute in fröh­licher Stimmung bis in die Morgenstunden zusammen. Die ausgegebenen Erinnerungszeichen (kleine Melkschafferl) fanden vielseitige Abnahme. Alle die vielen Zuschauer schieden befriedigt, und die meisten mit dem Vorsatze, beim nächstjährigen Alm­abtrieb wieder dabei zu sein.

Quelle

  • ANNO, Grazer Tagblatt, Ausgabe vom 13. Oktober 1926, Seite 5

Einzelnachweis

  1. Stierboschn, siehe