Paul Adler

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Paul Adler (* 23. Jänner 1770 in Mühlreith; † 16. September 1843 ebenda) war Landwirt vulgo Christoph in Heimreith in der Pfarre Kumitz im Hinterbergertal. Er war Landwirtschaftspionier und Freund von Erzherzog Johann von Österreich.

Leben

Am 11. Jänner 1791 heiratete er Maria Zand. Das Paar hatte zehn Kinder. Er wohnte in Heimreith Haus Nr. 10. Er versuchte den Ertrag seines Hofe zu steigern, wobei er sich durch Bücher bildete. Als einer der Ersten im Bezirk Ennstal baute er Kartoffel im großen umfang an auch führte er Versuche über verschiedene Dünger durch. Seine Ergebnisse, wie Wetteraufzeichnungen, Wachstum, Bodenbeschaffungen veröffentlichte er in zahlreichen Landwirtschaftlichen Zeitschriften.

Einen guten Eindruck von seinen Bemühungen vermittelt der lange nach seinem Tod veröffentliche Brief in der Wiener Landwirtschaftlichen Zeitung am 25. Mai 1889

"An Vater Thaer
,den 20. Merz 1816
Gnädiger Herr,
schon mehrere Jahre ging ich mit den Dank gefüllten Herzen gegen sie beschwert, aber die Kriegsunruhen erlaubten mir es nicht mich dieser zu entledigen ,aber jetzt da die Waffen ruhen ,kann ich mich nicht mehr enthalten an sie zu schreiben, obwohl ich als ungelehrter Bauer weder recht noch schön schreiben kann oder verstehe ,so bitte ich , mir dieses nicht zu verdenken, und sie werden mich doch verstehen ,und mehr verlange ich nicht ;wie aber mich ganz auszudrücken was ich im Sinn hatte, alle Fragen welche ich auf sie hatte und meine Geschichte wie es mir mit meinen Landwirtschaftlichen Versuchen gegangen ,von unseren ungetreuen Klima ,so würden 40 Bogen erfordert ,aber, nur kurz muss ich melden ,das in unseren steirischen Gebirgslande niemand von Landwirtschaftsbücher weiß, Ja die Bauern in unserer Gegend wissen nicht das solche Bücher sind ,und wenn ich zu ihnen sage, leset Landwirtschaftsbücher ,da lernt wie die Wiese ,das Vieh ,der Acker, der Dung, zu behandeln, wie die Fruchtfolge eizuführen ist , so geben sie mir zur Andwort, was weiß der Buchbinder wie ich pflügen muss. aus diesen können Sie schließen das in unseren Gebirgslande noch finstre Nacht ist. Aber dem ohnegeachtet, drangen ihre Bücher (welche fur gutte und schlechte Länder so viel gutes verbreiten) doch auch in unser Gebirg vor . Etwas von meiner Geschichte . Im Jahre 1792 übernahm ich mein kleines Gut ,aber voll Schulden, 5 Jahr nach dem alten Schlendrian fortgewirdschaft, und 300 fl. neue Schulden gemacht . Jetzt wollte ich nach Büchern wirthschaften und ließ mir von Grätz bücher kommen, als Mehers praktisches Lehrbuch der gesammten Landwirtschaft . Ewald Hand und Hausbuch ,H,G.Hoff das Buch für Oekonommen 2 Theile . Not und Hilfsbüchlein für Bauerslaute 6 th, und richtete mich ohne Ausnahme nach diesen , fand auch manch Gutte, aber meist nichts rechtes, und in 4 Jahre 400 fl. neue Schulden und es kam so weit das mein Weib Vater das Gütl mit weib und Kindern zu sich nahm, aber ich der alles durch Bücher verwirtschaftet hatte, soll fort in die weite Weldt, entweder Knecht werden, oder Soldadt. Jetzt kam der entscheidende Zeitbunkt, ich soll noch ein Jahr frist haben, aber alle Bücher verbrennen, aber ich kaufte mir neue, und zum Glück fielen mir ihre Einleitungen der Englischen Landwirtschaft 6 Theile in die Hände (vieleicht nur Nachdruck von Grätz) und sie Gott sei Dank öffneten mir die Augen , wie schon die ihrigen ,kurz es ging gleich besser , ich verwandte kein Geld mehr auf neue Versuche nach meinen vorigen Bücher kaufte mir auch keines mehr aber mehr von Ihren .......
Ich wurde durch sie recht glücklich und durch mein fortkommen änderte sich die Meinung meiner Nachbarn ...
....Denn ich bin durch sie so glücklich das ich nicht allein meine Schulden bezahlte, meinen 22 jährigen Sohn zu einem 3 mal großen Gudt als das meinige Verholfen, und ich kann noch sehr nothdürftige Arme was vorstrecken und ich und die meinigen leben auch noch ziemlich gut und dies alles nach Ihren Büchern, meistens durch Erdapfel und Klee und Sommerwicken bau.....
Vor ihren Bild schreib ich diesen Brief ,Gattin mit 9 Kinder das älterste 24 und das jüngste 2 Jahre alt , alle gesund, diese stehen um mich als ich dieses schreibe, alle falten die Hände . die großen sagen und die Kleinen lalen , mit gegen Himmel gerichteten Augen, Got eviger erlöser wir bitten dich gieb unseren besten Brotvater welcher unseren Vater geleitet und aus Schand und Armuth geholfen den großen Thaer langes gesundes Leben und nach diesen Leben jenseits des Grabes eine erwünschte fröhliche Ewigkeit , und ich mit einer Thräne im Auge Amen
mit ausgezeichnetster Hochachtung zu verharren Euer
Hochedelgebohren ergebenst und bereitwilligster
Paul Adler

Im Jahre 1810 trafen Paul Adler und ErzherzogJohann von Österreich aufeinander und waren ein Leben lang befreundet. Sein Sohn hütete noch im hohen Alter ein Päckchen Briefe seines Vaters als theuren Schatz: Briefe von Erzherzog Johann von Österreich an Paul Adler.

Paul Adler hatte ausdrücklich die Genehmigung vom Erzherzog erhalten, die Briefe aufheben zu dürfen(!).

Die Briefe sind datiert vom Brandhof, Vordernberg, Wien und von einem Weinberg bei Marburg. Der älteste stammt aus Vordernberg und wurde am 11. Oktober 1824 vom Erzherzog geschrieben. Die Schreibweise ist ungemein treuherzig und gemüthlich (Zitat Quelle). Jeder Brief beginnt mit den schlichten Worten "Mein Lieber Paul!" und endet ebenso einfach mit den Worten "Dein aufrichtiger und gewogener Johann."

Einmal sprach der kaiserliche Prinz seinem bäuerlichen Freund Mut in einem Brief zu: "Wenn der Paul mir schreibet, so geschehe es ganz gerade, wozu es anderen zeigen - wir werden uns schon gut verstehen." In den meisten Briefen handelte es von der Landwirtschaft: von Zuchtstieren, Kälbern und Kühen, von Getreide und besonders von den Erdäpfeln.

Niemals unterlässt er, über's Wetter zu berichten und zwar meistens in klagendem Ton - er klagt über Kälte, Regen, Schnee und Dürre. Einmal, 1824, bedankte er sich für gesendete Alpenlieder und bestellte sich aus Hinterberg (so heißt die Gegend zwischen dem Ausseerland und dem Grimmingstock) eine Kuhmagd, über welche er bemerkt: "Sie muß verläßlich, rücksichtlich der Treue, Ordnung und Reinlichkeit sein - am allerwenigsten könnte ich eine in meinem Hause dulden, welche das Herumlaufen und das Nachgehen eitlen Unterhaltungen gewohnt wäre, du weißt es ohnedieß Paul, daß es bei mir einfach und altväterlich zugeht." So schrieb Johann aus Vodernberg in der Blütezeit der steirischen Hammerherren.

In einem Brief aus Wien vom 19. Jänner 1826 erklärte er sich als Landsmann des guten Hinterberger Bauers, dem er anmerkte: "Ich bin jetzt in Wien, wo man ganz anders lebt, als wie bei uns, wenigstens gewiß nicht so einfach und ruhig."

Aber nicht nur Briefe schrieb der Erzherzog

Der Erzherzog beehrte seinen Freund aber nicht nur mit Briefen sondern, so oft er nach Aussee kam, besuchte er ihn auch in seinem, damals noch hölzernen, sehr baufälligen Haus in Heimreith. Durch ihn ließ er die Zuchtstiere und Kälber sowie Samenerdäpfel unter die Leute in Hinterberg und am Grundlsee verteilen. Auch Bücher ließ er verteilte. Das mag ein Grund dafür sein, das sich große Leselust in diesem Gebiet ausbreitete und die Schulen verhältnismäßig gut besucht wurden.

Aber nicht nur in der Landwirtschaft kannte sich Paul Adler gut aus. Er konnte auch Orgel spielen und war lange Zeit mangels eines musikkundigen Schullehrers in seiner Pfarrkirche Organist. Bemerkenswertes Interesse zeigte Adler in sammeln von Alpenliedern, Sagen und Erzählungen aus dem Ausseer Land .

Paul Adler wurde von dem damals berühmten Ökonomen Constantin Keller, der Pfarrer in Gröbming war, begraben. Das Portrait von Adler hängt im Universalmuseum Joanneum in Graz.

Litaratur

  • Hermann Baltl: Paul Adler, ein Leben für den bäuerlichen Fortschritt, Graz 1984 Leykam

Quellen

  • ANNO, Grazer Volksblatt, Ausgabe vom 15. Februar 1872, Seite 7
  • ANNO, Wiener Landwirtschaftliche Zeitung, Ausgabe von 25 Mai 1889, Seite 1
  • Pfarrmatriken der Pfarre Kumnitz
  • books.google.at Verhandlungen und Aufsätze der K u K landwirtschaftlichen Gesellschaft 1823
  • books.google.at Österreichische Zeitschrift für Volkskunde, Band 38; Band 87
  • Renate Basch-Ritter: Anna Plochl: die Frau an der Seite Erzherzog Johanns; 2005, Seite 29