Reinhold Floigmayr

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Reinhold Floigmayr (* 21. Oktober 1882 in Admont; † 16. September 1947 in Kalwang) war Heimatforscher und Gründer des Heimatmuseums in Admont (Volkskundliche Sammlung Reinhold Floigmayr).

Leben

Er kam als der älteste Sohn eines ehrsamen und ärmlichen Schustermeisters zur Welt und erhielt gleich seinem Vater in der Taufe den Namen Reinhold. Er besuchte die damalige vierklassige Volksschule. Die Lehrer, die Floigmayr in einem späteren Schreiben "heute noch hoch schätze und verehre, hatte ein rechtes Kreuz mit mir". Denn nach einem Unfall litt er schwer an Gedächtnisschwäche. Am 16. Dezember 1890 kam er unter Pferde und erlitt durch einen gewaltigen Hufschlag eine Zertrümmerung der Schädeldecke. Die folgende Gehirnerschütterung löste die Gedächtnisschwäche aus und hinterließ auch eine Narbe an der Stirn.

Er wurde Kellnerlehrling in Trofaiach, wobei seine Arbeit mehr am Feld und im Stall als in seinem Lehrberuf war. Nach eineinhalb Jahren, in denen er nicht nur schlecht behandelt, sondern statt einer Entlohnung mit vielen Ohrfeigen bedacht, wurde, verließ er Trafaich. Die wenigen Kronen, die er sich mühselig aus Trinkgeldern zusammengespart hatte, bettelte ihm seine Lehrfrau ab. Sie war in Geldnöten und gab sie ihm nie mehr wieder. Jetzt nahm sich seiner ein Hotelier in der nahen Stadt Leoben angenommen und Floigmayr arbeitete in einem wirklichen Hotel. Durch die ungerechte Behandlung des ersten Lehrherrn war er ein etwas schüchterner Mensch geworden. Der neue Lehrherr hingegen bot Floigmayr Dinge, die er bisher in seinem Leben nicht gekannt hatte: Erstens ein gutes und reichliches Essen, und dann eine geordnete Lebensweise, an die er sich gewöhnen konnte. Als Schutzengel während seines vierjährigen Aufenthalts in Leben entpuppte sich "die Gnädige (Chefin)", dagegen war sein Chef stets unzufrieden mit ihm und schimpfte ihn häufig. Freundliche Worte seinen Angestellten gegenüber kannte er nicht. Merkwürdigerweise hatte er nicht einmal Freude daran, wenn die Buben - sie waren zu zweit - gelegentlich von einem Gast ihm gegenüber gelobt wurden.

Ende April 1901 ging Floigmayr in das "Palasthotel Lido" in Riva am Gardasee, Trentino (heute Italien, damals k.k. Monarchie), wo er zusammen mit dem zweiten jungen Mann aus dem Leobener Hotel als Saalkellner arbeitete. Das "Lido" war ein internationales Hotel, das erst vor kurzem eröffnet worden war. Es galt als eines der komfortabelsten Hotels am Gardasee und war Treffpunkt der Hocharistokratie, der Finanzwelt und Industrieellen. Die beiden Österreicher erlebten Persönlichkeiten Rang und Namen: Deutsche, Engländer, Franzosen, Russen, Italiener usw. Und sie fingen nochmals von vorne an zu lernen - es gab französische Küche, das Personal, vom Direktor bis zum Portier, war sprachkundig und so mancher beherrschte vier bis fünf Sprachen beherrschte. Von den älteren Angestellten waren welche, die mindestens deutsch und italienisch flüssig beherrschten. Ein volles Jahr lernten die beiden. Dann ging Floigmayr, mit kurzer Unterbrechung daheim in Admont, in Hotels in Italien, England (London), Istrien, Livorno und in der Schweiz arbeiten.

Im Ersten Weltkrieg rückte er 1915 als Landsturmmann zum k. u. k. Infanterie Regiment Nr. 27 (Belgier) nach Graz ein, wo er dem 3. Kaiserjägerregiment zugeteilt wurde und an der (Süd)Tiroler Front kam. Später kam seine Einheit nach Selo (im früheren Jugoslawien). An Cholera erkrankt, diese kaum überstanden, erkrankte er neuerlich, diesmal an schwerer Typhus und war wurde von den Ärzten aufgegeben. Doch Floigmayr erholte sich wieder, wenngleich er ein Gerippe von Haut und Knochen war. Herzkrämpfe brachten ihn neuerlich an den Rand des Grabes. Nach einem Jahr Spitalsbehandlung wurde er als Kriegsinvalide "superarbitriert" und nach völliger Erholung in seine Heimat Admont entlassen.

Für seinen erlernter Beruf nicht mehr tauglich, nahm er eine Portierstelle in Graz an, bei der er sieben Jahre blieb. Dann erkrankte seine Mutter schwer und Floigmayr kehrte nach Hause zurück. Nach dem Tod seiner Mutter († 19. April 1924) trat Reinhold Floigmayr als ihr Nachfolger die Stelle als Leiter des Stiftswaschhauses im Benediktinerstift Admont an. Noch im selben Jahr heiratete er. Zusammen mit der Hilfe seiner Frau führte er bis zu seiner Pensionierung die Arbeit im Waschhaus aus.

Seine gesamte Freizeit jedoch gehörte der Sammlung, Sichtung, Inventarisierung und Reinigung von Exponaten für ein Heimatmuseum, das er in Admont gründen wollte. Später vermachte er dieses Heimatmuseum testamentarisch der Gemeinde Admont.

Schon während den sieben Jahren in Graz (1917 bis 1924) hatte er Kontakt zu Volkskundlern wie Pater Romuald vom Stift St. Lambrecht, Karl Reiterer und Dr. Viktor Geramb. Er begeisterte sich für alle Werte der Volkskunde und Volkskultur. Sein Lieblingsschriftsteller war Peter Rosegger, von dem er das erste größere Buch in die Hand bekam, "Die Schriften des Waldschulmeisters". Mit Pater Romuald war er befreundet. Ihm gab er das Versprechen, ein Heimatmuseum in Admont zu gründen. Romuald, der Floigmayr dabei tatkräftig unterstützte, war also der eigentliche Initiator des Heimatmuseums. Eine außerordentlich reichhaltige Sammlung alter, wertvoller Bauernmöbel hatte Floigmayr im stiftischen Kastengebäude deponiert. Doch leider fielen die unersetzbaren Schätze dem Großbrand am 1. Dezember 1938 in diesem Gebäude zum Opfer. Ein Auszug aus Floigmayrs Bericht über dieses Ereignis:

"Blutenden Herzens mußte ich wahrnehmen, daß auch die der Rupertikapelle zugelegenen Fenster schon in Flammen stehen. Dort war der Aufbewahrungsraum für die Gegenstände des Admonter Heimatmuseums. Dort fand das Feuer besonders reiche Nahrung, da nicht allein Mobiliar darin stand, sondern obendrauf noch ca. 50 leere, größere und kleinere Kisten mit Holzwolle und Papierzeug - Herr Kaufmann Hermann Schwab hat mir seinerzeit dieselben frei zur Verfügung gestellt, damit ich im Bedarfsfalle einer Siedlung auch die Möglichkeit habe, museale Gegenstände zu verpacken. Ich sage es offen - Tränen standen mir in den Augen, da ich so mitansehen mußte, daß nun alles rettungslos verloren war. Wie viele Wege habe ich wohl gemacht und wieviel Sorgfalt verwendete ich darum diese mir so wertvollen Heimatschätze zu bergen, um sie für spätere Zeit den Nachfahren zu retten. Alles hin! Alles verloren, und kein einziger unter all den Menschen hatte für mich Worte des Trostes gefunden. Überhaupt wäre es niemandem eingefallen zu sagen: ""So sind also auch Sie mit Ihren Heimatschätzen in arge Mitleidenschaft gezogen worden"", oder so ähnlich".

Am 16. September 1947 verstarb Reinhold Floigmayr nach einem Unfall im Krankenhaus Kalwang.

Quelle