Streuobstwiesen im Bezirk Liezen
Die Streuobstwiese – auch Obstwiese oder Obstgarten – ist eine traditionelle Form des Obstbaus und ein wichtiger Bestandteil der Kulturlandschaft Mitteleuropas. Sie verbindet landwirtschaftliche Nutzung mit hoher ökologischer Vielfalt und prägt vielerorts das Landschaftsbild.
Allgemeines
Auf Streuobstwiesen stehen in weiten Abständen überwiegend Äpfel-, Birnen- und Zwetschkenbäume, meist hochstämmige Obstbäume unterschiedlichen Alters und Größe. Streuobstwiesen bieten Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und gelten als besonders wertvolle Biotope.
Ökologische Bedeutung
Streuobstwiesen zählen zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Sie bieten:
- Lebensraum für über 5 000 Tier- und Pflanzenarten
- Brutplätze für Höhlenbrüter wie Steinkauz, Wendehals oder Gartenrotschwanz
- Nahrung für Insekten, insbesondere Wildbienen und Schmetterlinge
- Strukturvielfalt durch Totholz, Altbäume und extensiv gepflegte Wiesen
Durch die Kombination aus alten Bäumen, extensiver Bewirtschaftung und blütenreichen Wiesen entstehen Hotspots der Biodiversität.
Landwirtschaftliche Nutzung
Streuobstwiesen wurden traditionell genutzt für:
- Obsterzeugung (Tafelobst, Most, Schnaps)
- Grünlandnutzung (Heu, Weide)
- Selbstversorgung der bäuerlichen Bevölkerung
Heute gewinnen sie wieder an Bedeutung durch:
- Direktvermarktung
- Regionale Spezialitäten (z. B. Most, Edelbrände, Dörrobst)
- Landschaftspflegeprogramme
- Ökologischen Landbau
Geschichte
Die Streuobstwiesen entstanden im Mittelalter und prägten bis ins 20. Jahrhundert die Kulturlandschaft. Sie waren typisch für:
- bäuerliche Mischwirtschaft
- Hofnähe
- Hanglagen, die für Ackerbau ungeeignet waren
Ab den 1960er‑Jahren wurden viele Streuobstwiesen gerodet, weil:
- Niederstammplantagen wirtschaftlicher waren
- Mechanisierung schwieriger war
- Pflegeaufwand hoch war
Heute gelten sie als schutzwürdige Kulturlandschaft.
Gefährdung und Schutz
Streuobstwiesen sind vielerorts gefährdet durch:
- Rodungen
- Nutzungsaufgabe
- Überalterung der Bäume
- Bebauung und Zersiedelung
Schutzmaßnahmen umfassen:
- Förderprogramme für Neupflanzungen
- Pflege alter Bäume
- Erhalt alter Obstsorten
- Extensive Bewirtschaftung
Viele Regionen haben Streuobstwiesen als Naturdenkmal oder geschützten Landschaftsbestandteil ausgewiesen.
Streuobstwiesen im Bezirk Liezen
Im Bezirk Liezen haben Streuobstwiesen eine lange Tradition und prägen vielerorts das Landschaftsbild. Durch die Mischung aus bäuerlicher Nutzung, kleinteiligen Strukturen und klimatischen Besonderheiten entstanden im Ennstal, im Ausseerland und in der Region Pyhrn‑Eisenwurzen zahlreiche charakteristische Obstwiesen.
Ennstal
Das Ennstal war über Jahrhunderte ein Gebiet mit hausnahen Obstgärten und kleinen Streuobstbeständen. Typisch waren:
- Apfel- und Birnbäume entlang von Hofzufahrten
- Obstgärten bei Einzelhöfen und Paarhöfen
- Zwetschkenbäume an sonnigen Hanglagen
- Nutzung für Most, Dörrobst und Schnaps
Besonders im mittleren Ennstal (Haus, Aich, Öblarn, Irdning) finden sich bis heute zahlreiche alte Hochstammbäume, oft in Kombination mit traditioneller Grünlandwirtschaft.
Viele Höfe pflegen ihre Obstbestände weiterhin extensiv, wodurch wertvolle Lebensräume für Insekten und Vögel erhalten bleiben.
Ausseerland
Im Ausseerland haben Streuobstwiesen eine etwas andere Ausprägung:
- kleinere, verstreute Obstgärten
- häufig in Verbindung mit alten Hausgärten
- robuste, kälteresistente Sorten (z. B. Kriecherl, alte Apfelsorten)
- Nutzung für Marmeladen, Edelbrände und regionale Spezialitäten
Durch das kühlere Klima sind die Bäume oft später blühend, was sie weniger frostgefährdet macht. Die Kombination aus Obstbäumen, Blumenwiesen und traditioneller Bauweise prägt das typische Ausseer Kulturlandschaftsbild.
Natur- und Geopark Steirische Eisenwurzen
Im Gebiet des Natur- und Geopark Steirische Eisenwurzen (Sankt Gallen, Landl, Altenmarkt bei Sankt Gallen) waren Streuobstwiesen historisch besonders verbreitet. Gründe:
- milde Tallagen
- traditionelle Selbstversorgung
- regionale Obstsorten und Mostkultur
- kleinteilige bäuerliche Strukturen
Heute finden sich hier einige der artenreichsten Streuobstwiesen des Bezirks, oft in steilen Hanglagen oder rund um alte Höfe und Streusiedlungen.
Regionale Sortenvielfalt
Im Bezirk Liezen sind zahlreiche alte Obstsorten erhalten geblieben, darunter:
- Ilzer Rosenapfel
- Maschanzker
- Schafnase
- Lavanttaler Bananenapfel
- Hauszwetschke
- Kriecherl (gelb und blau)
Viele dieser Sorten sind robust, langlebig und ideal für die Höhenlagen des Bezirks.
Bilder
- Streuobstwiesen im Bezirk Liezen – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien bei Ennstalwiki
Quellen
- Wikipedia
- Leader Region Ennstal-Ausseerland: Projekte zu Kulturlandschaft, Obstsorten und Biodiversität
- LEADER‑Region Ausseerland‑Salzkammergut: Initiativen zu alten Obstsorten und Kulturlandschaftspflege
- BML – Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft: Informationen zu Biodiversität, Kulturlandschaft und Streuobst
- Nationalpark Gesäuse: Dokumentationen zu Streuobstwiesen als artenreiche Lebensräume im Bezirk Liezen
- Natur- und Geopark Steirische Eisenwurzen: Projekte zur Erhaltung traditioneller Obstsorten und Kulturlandschaften
- Landwirtschaftskammer Steiermark – Bezirksstelle Liezen: Informationen zu Obstbau, Hochstammförderungen und regionalen Sorten
- Arche Noah – Verein zur Erhaltung alter Kulturpflanzen: Sortenlisten und Dokumentation alter Obstsorten in der Steiermark
- Gemeinden im Bezirk Liezen: Obstbaumaktionen, Pflegeinitiativen und regionale Sortenprojekte (z. B. Aich, Haus, Öblarn, Irdning, Bad Aussee)
- Benediktinerstift Admont: Historische Wirtschaftsaufzeichnungen zur landwirtschaftlichen Nutzung und zum Obstbau im Gesäuse