Sommersonnenwende

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Sonnwendbüschel
Sonnwendfeuer am Gamsspitz
Sonnwendfeuer auf der Luserwand

Die Sommersonnenwende oder Sonnwende (aus dem Lateinischen „Solstitium“ = Stillstand der Sonne“) findet am 21. Juni statt.

Im Ennstal

Im Ennstal gibt es von Ort zu Ort Abweichungen und Besonderheiten, die nachstehend einzeln beschrieben werden.

Schladming

In Schladming werden die Sonnwendbüschel aus zehn verschiedenen Pflanzen bereits vor dem 21. Juni gebunden. Verwendet werden muss dabei das Wollkraut - im Sumpf, das Zitterkraut - am Weg, der Ehrenpreis - Blaues Blatt, eine Brennessel - 15 cm, der Ehrenpreis - grüne Blüte, Himmelsleiter - rosa Blüte - Kuckuckslichtnelke, Schafgarbe, Eichellaub, Himmelsschuh - gelb, Geißklee - Rotklee und Margerite. Jede Pflanze hat dabei eine eigene Bedeutung: Blau blühende Pflanzen wie der Ehrenpreis sind gegen Blitzgefahr und zum Schutz vor Gewitter, rot blühende wie die Alpenrosen gegen die Feuergefahr, das Johanniskraut soll eine Verbindung zum Christentum, zum hl. Johannes dem Täufer herstellen.

Diese Büschel werden an nahestehende Menschen verschenkt, die sie dann am Abend vor dem Johannistag auf die Tür hängen zum Schutz gegen Gefahren und zur Abwehr des Bösen. Die vorjährigen Büschel werden nicht weggeworfen, sondern man wirft sie ins Feuer (meist in das Sonnwendfeuer).

Am Samstag vor der Sonnenwende oder am darauffolgenden Samstag wird auf den umliegenden Berggipfeln oder auf vom Tal gut sichtbaren Plätzen Reisig und Holz auf große Häufen zusammengetragen, die nach Einbruch der Dunkelheit entzündet werden. Mit diesen Feuern, die es bereits in der vorchristlichen Zeit gab, wird Licht und Leben verbunden, wird Schutz erbeten und zugleich der Sommer begrüßt.

Gröbming

In Gröbming wird dieses Sonnwendfeuerheizen von jungen Burschen in Vereinen durchgeführt, die auf den Berggraten brennbares Material zusammenschlichten und am Abend zum 21. Juni abbrennen.

Kleinsölk

Die Sonnwendbüscherl in der Kleinsölk werden aus Hasellaub, Eichenlaub, Rollgras, Zittergras, Mantelkraut, Nebenaus, rotem und weißem Klee, Himmelmutterpatscherl, Johanniskraut und Birkenlaub sorgfältig gebunden. Am 23. Juni hängen die Hausfrauen dieses Büscherl auf jedes Gebäude des Hofes, damit sie vor Feuer, Unwetter und auch vor ungebetenen Gästen geschützt sind.

Bei der Familie Trinker vlg. Oagner am Gatschberg kommt in die Johannisbüschel Eichenlaub, Johanniskraut, Frauenmantel, Glockenblumen, Margeriten und was man um diese Jahreszeit noch findet. Sie werden an die Haustür, auf die Stalltür und auch auf die Tür der Almhütte gehängt und sollen alle Gebäude vor Blitzschlag und Unwetter beschützen.

Öblarn

In Öblarn erzählt man sich, dass diese Johannisbüscherl in dem Glauben aufgehängt werden, dass die Gottesmutter übers Land geht und dieses Haus und diesen Hof besonders segnet. Sie sind dadurch geschützt vor Unwetter und Krankheiten.

In wieder verstärktem Maß binden die Frauen selbst ihre Sonnwendbüscherl, die sie an die Haustüre und an die Stalltüre hängen. Ganz ungewissenhafte Hüterinnen dieses Brauches sammeln die Kräuter mitten in der Nacht im Schein der Taschenlampe, denn kein Sonnenstrahl darf die Kräuter treffen, ehe sie gebunden sind, dann entwickeln sie ihre besten Kräfte.

In das Sträußlein gehört als Hintergrund ein Eichenblatt, dazu nimmt man Johanniskraut, Zittergras, Schafgarbe, Margerite, Frauenschuh und roten Klee. Einige Frauen geben kleine Pfingstrosen, Frauenhaar, Muttergottestränen und Kornblumen dazu.

Die größte Wirkung wird dabei dem Johanniskraut zugesprochen. Man kann es auch mit Olivenöl zum bekannten und beliebten Johannisöl ansetzen, das bei Verbrennungen aufgetragen wird.

Auf den Graten und Höhen rund um Öblarn und Niederöblarn leuchten in der Nacht zum 21. Juni zahlreiche Sonnwendfeuer, die von der Landjugendgruppe und anderen Vereinen entzündet werden. Diese riesigen Feuer sollen Licht und Leben bedeuten, jetzt wo der Tag seinen Höhepunkt erreicht hat und wieder umkehrt.

Aigen im Ennstal

Aus Aigen im Ennstal stammt der Leitspruch, dass nicht vor "Sonnerwendn" gemäht werden darf. Der Altbauer Isidor Marold hat die Sonnwendfeuer in Aigen genau beschrieben: Möglichst viele Dorfbewohner versammeln sich vor Einbruch der Dunkelheit bei den verschiedenen Plätzen und auf leichter zugänglichen Bergen, die auch von älteren Dorfleuten erreichbar sind. Dort sind schon Tage zuvor große Reisighaufen zusammengetragen worden. Nach Sonnenuntergang werden nun diese entweder vom Bürgermeister oder dem Obmann des jeweiligen Vereins entzündet. Während des Abbrennens gibt es Musik und es wird auch getanzt und gefeiert. Über die heruntergebrannten Feuerstellen versucht sich die örtliche Jugend auch im Feuerspringen. Diese Sommersonnenwende ist in Aigen ein richtiges Fest für alle, bei dem der längste Tag und die kürzeste Nacht des Jahres gebührend gefeiert werden. Am 23. Juni werden von den Frauen des Hauses die Sonnwendbüschchen gemacht. Dazu verwenden sie das Laub der Zitterpappel, Frauenmantel, Kleckkraut, Margerite, Ehrenpreis, Rotklee, Wundklee, Hornklee, Zittergras und Pfingstrose. Genannt wurden außerdem auch noch Bordnelken, "Hosenknöpfe" und kleine Weidenröschen. Diese Büschchen werden am 24. Juni noch vor Sonnenaufgang an allen Türen und Toren des Hofes, aber auch an den Fenstern des Hauses angebracht. An die eigentliche Haustür kommt in einigen Familien ein Kränzchen.

Lassing

Auch in Lassing gibt es entweder einen Kranz oder ein Büscherl für die Stall- und Haustüren. Sie bestehen aus Blättern und Gräsern: Johanniskraut, Distel, Klee, Nebenaus, Mantelkraut, Herzerlkraut, Zitterlaub, Hufeisenklee und Hasel- oder Eichenlaub.

Das Sonnwendfeuerheizen findet meist bei den verschiedenen Gehöften statt, daneben auch auf einigen Berggipfeln.

Admont

In Admont tragen die Mitglieder verschiedener Vereine das Material auf den umliegenden Anhöhen oder Berggipfeln zusammen. Bei Einbruch der Dunkelheit werden am Abend des 21. Juni dieses Feuer entzündet, wobei auch oft eine Musik spielt und getanzt wird.

Bilder

  • Sommersonnenwende – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien bei Ennstalwiki

Quellen