Sonnwendkranzerl

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Sonnwendbüscherl
die Blumen
die fertigen Büscherl
Sonnwendbüscherl02.jpg

Dieser Artikel berichtet über den Brauch des Sonnwendkranzerls zur Sommersonnenwende im Ennstal.

Allgemeines

Hübsche Trockenblumenkränze an Haus- und Wohnungstüren sind heute sowohl im ländlichen als auch im städtischen Bereich weit verbreitet.

Auch die Schladminger schmücken oft ihre Behausungen mit diesem meist käuflich erworbenen Zierat. Nicht alle aber verbinden damit einen im Ennstal und Ausseerland ehedem bekannten Abwehrzauber gegen Unwetter und Wassergefahr, nämlich das zur Sonnenwende aus sieben bis zwölf verschiedenen Blumen und Gräsern selbstgebundene „Sonnwendkranzerl“, oder das „Sonnwendbüscherl“.

Die Zahl der Kräuter variierte dabei in den einzelnen Orten und Tälern ebenso wie die Arten der Blumen und Gräser denen besondere Abwehrkräfte zugeschrieben wurden. Nicht nur an Bauernhöfen, sondern auch an Schladminger Bürgerhäusern konnte man Sonnwendkranzerln finden. Besonders erfreulich ist es festzustellen, dass das Wissen um die Zusammensetzung und Bedeutung dieser ursprünglichen Blumengewinde nicht nur in manchen Familien lebendig geblieben ist, sondern neuerdings sogar wieder in manchen Schulen weitergegeben wird.

Der Hauser Sonnwendbuschen

Ein alter Brauch heidnischen Ursprungs zur Sommersonnenwende, zur "Sunnawend" am 21. Juni und zu Johannis am 24. Juni bis heute nicht in Vergessenheit geraten:

die Sunnwendbusch'n oder Sunnwendkranz'ln

Am Tag vor Johannis gesammelt, werden ganz bestimmte Pflanzen zu Kranz'ln oder Busch'n gebunden, um dann an Türen oder Fenstern befestigt ein Jahr lang wiederum Mensch und Tier, Haus und Hof vor Unheil zu schützen. Im besonderen sollen Blitz und Feuer, Unwetter und Wasserflut abgewendet werden. Eine wesentliche Bedeutung kommt der Auswahl der Blumen und Gräser zu, da nach alter Überlieferung und Volksglauben nur gewissen Pflanzen Schutz- und Abwehrkräfte zugeschrieben werden. Diese Auswahl ist recht unterschiedlich, oft schon von Dorf zu Dorf, von Haus zu Haus. Dennoch gibt es für Haus im Ennstal und die umliegenden Ortschaften viele Gemeinsamkeiten.

Die Form der Gebinde (Busch 'n und/ oder Kranz'ln), die Anzahl der gesammelten Blumen- und Gräserarten, sieben oder neun, auf alle Fälle eine ungerade Zahl, und die Arten selbst. So finden sich in den Hauser Sunnwendbusch'n meist Eichenlaub als Grund, Margerite (Marienblume), das Zittergras (Frauen-, Marien -, Himmelmutter-, Sonnwend- oder Jungfrauenhaar), Roter oder Weißer Klee und der Ehrenpreis (das Wetterbleamerl, der Nebnaus).

Einige Beispiele und Anmerkungen zu Hauser Sunnwendbusch'n:
Katharina Guschelbauer, vlg. Zellerhaus,Haus i. E.
Eichenblätter
Frauenhaar (Zittergras)
Johanniskraut
Nebnaus
Kornblume
Kornrade
Rotklee
Hornklee
Frauenmantel

Das Oachellaub (Eichenlaub) bewahrt vor Blitz, das Sunnwendhaar (Frauenhaar) vor Hagel, das Johanniskraut vor Krankheit und der Nebnaus sorgt dafür, daß das Wetter nebenaus geht. Die Donschros'n (Feuerlilie), Bua de hält'ma ja net brock'n und einwassern derf'n - denn da schlagat der Blitz glei' ein, hat d'Muatta immer g'sagt, weil die zu Johannis a scho' blüaht hab'n.

Marianne Fuchs, Marianne Lettmaier, beide Weißenbach
Eichenlaub
Wollgras
Zittergras
Weißer Klee
Roter Klee
Margerite
Wiesenfuchsschwanz
Zwei Gräser sollen mindestens dabei sein.

Theresia Rainer, vlg. Grießer in Weißenbach, Gemeinde Haus im Ennstal
Eichenlaub
Roter Klee
Glockenblume
Margerite
Frauenhaar (Zittergras)
Knäuelgras
Glatthafer
Nebnaus
Heckenrose

Das Eichenlaub mag der Teufl nit zerreiß'n, drum is des a so zipfat. Der Nebnaus, das Wetterbleamerl muaß ins Kranz, damit der Blitz nebenaus fahrt.[1]

Adelheid Thöringer, vlg. Kornbarger auf dem Gumpenberg, Haus i. E.
Eichenlaub
Margerite
Johanniskraut
Glockenblume
Vergißmeinnicht
Jungfrauenhaar (Zittergras)
Wauderln (Wollgras)

Was vom Büscherlbind'n übrigblieb'n is hab 'n d' Schaf kriagt, damit sie g 'sund bleib 'n. Mei Muatta hat die alten Busch 'n aufgehoben bis wettert und dann eing'hoazt![1]

Quellen

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Übersetzungshilfe siehe Ennstaler Mundart