Fronleichnam

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Fronleichnam (aus dem Mittelhochdeutsch "vronlicham" = Leib des Herrn) ist das katholisches Fest der Eucharistie, das seit 1264 am zweiten Donnerstag nach Pfingsten gefeiert wird.

Entstehung

Altar mit Blutstropfen in Bolsena

Im Jahre 1263 war ein böhmischer Priester namens Peter auf der Durchreise nach Rom im kleinen Ort Bolsena am gleichnamigen See (Region Latium). Während einer Messfeier in der Kirche der Hl. Christina kamen ihm Zweifel an der Gegenwart Christi in der Hostie. In diesem Moment begann die Hostie, die er in der Hand hielt, Blutstropfen zu verlieren. Diese Tropfen befleckten das Gewand des Priesters und den Altartisch. Papst Urban IV, gerade wieder mal auf „Besuch“ im nur wenige Kilometer entfernten Orvieto, erfuhr von diesem Wunder. Er ließ darauf hin das Messgewand des Priesters und die Hostie nach Orvieto bringen. Nur den Altartisch ließ man in Bolsena. Und am 11. August des darauf folgenden Jahres – 1264 – verkündete Papst Urban IV. das Fronleichnamsfest in Orvieto.

Allgemeines

Nachweisbar ist dieses Fest schon seit vor 1285 in Tirol und der Steiermark, in Salzburg 1352 und in Wien 1334. Die prunkvolle Ausgestaltung der Fronleichnamsumzüge geht auf die Zeit der Gegenreformation zurück.

Am Festtag wird das Allerheiligste in der Monstranz unter einem "Himmel" (einem Baldachin, der auf vier Stangen getragen wird) entlang eines geschmückten Prozessionswegs zu vier im Freien aufgestellten Altären getragen. Dabei gibt es regionale Unterschiede, wie zum Beispiel Blumenteppiche in der Weststeiermark (Beispiel Deutschlandsberg) oder Seeprozessionen auf dem Traunsee und dem Hallstätter See in Oberösterreich.

Im Salzburger Lungau in den Gemeinden Zederhaus und Muhr) sowie in den Pongauer Gemeinden Bischofshofen, Hüttau, Pfarrwerfen und Werfenweng) werden die sogenannten Prangstangen getragen. Das sind kunstvoll mit Blumengirlanden geschmückte, rund fünf Meter hohe und bis zu 30 kg schwere Stangen. Diesen Fronleichnam-Brauch gibt es auch in Rohr im Gebirge (.). Auf der Salzach bei Oberndorf bei Salzburg wird das "Himmelbrotschutzen" veranstaltet. Dabei werden vier gesegnete,, jedoch nicht geweihte, Hostien ins Wasser geworfen werden.

Weiters finden "Antlassritte" statt. "Antlass" bedeutet Entlassung und war ursprünglich auf den kirchlichen Ablass am Gründonnerstag bezogen. Später wurden sie auf das stets auf einen Donnerstag fallende Fronleichnamsfest übertragen. Diese "Antlaßritte" finden im Tiroler Brixental (Brixen im Thale, Kirchberg, Westendorf) statt.

Im Mittelalter wurden am Fronleichnamstag auch geistliche dramatische Spiele, sogenannte "Fronleichnamsspiele" aufgeführt. Dabei übernahmen Einzelgruppen zu Wagen und zu Fuß die Vorführung verschiedener biblischer Szenen. Der Stoff der Fronleichnamsspiele umfasste einen größeren Zeitraum als der der österlichen Passionsspiele. Ihre größte theatralische Entfaltung fanden sie im Barock. Fronleichnamsspiele konnte man bis um die Mitte des 18. Jahrhunderts beobachten.

Im Ennstal

Einzig und allein in Schladming gibt es in den Morgenstunden des Fronleichnamstages den Brauch des Jungfrauenaufweckens. Drei Musikanten, die früher auch unverheiratet sein mussten, ziehen mit einer Trommel und zwei Klarinetten (als Nachfolger der vormals verwendeten Schwegelpfeifen) durch die Straßen und spielen vor Häusern von unverheirateten Mädchen ihre besondere Melodie. Dieser Brauch entstand, als vor langer Zeit ein Schladminger Stadtschreiber sein Mädchen am Fronleichnamsmorgen sehr zeitlich mit seiner Schwegelpfeife aufweckte, damit sie ja genügend Zeit habe, sich zum Fest gebührend herzurichten. Dabei entdeckte er einen ausbrechenden Brand, den um diese Tageszeit sonst kaum jemand rechtzeitig bemerkt hätte. So konnte eine Ausbreitung der Flammen verhindert werden. In Erinnerung und als Dank für diese Geschehen werden die Schladminger Mädchen einmal im Jahr am Fronleichnamstag persönlich durch diese Musik geweckt.

In Gröbming führte die Prozession mit dem Allerheiligsten bis in die 1960er entlang der Winkler Straße bis zur Habacher Schmiede, weiter zur Schörkmoarkapelle, über die Wiesen zur Hofmanningkapelle, dann weiter markteinwärts zur Prennerkapelle beim Rüsthaus und endlich zum Gasthaus zur Post errichteten Altar, wo nach den drei Kapellen das vierte Evangelium gelesen wurde. Neben der Blasmusik, dem Kirchenchor, der Bürgschaft mit Fahne, der Beamtenschaft, den Schülern der Volks- und Klosterschule, dem Jungfrauenverein und dem katholischen Burschenverein beteiligten sich unzählige Pfarrangehörige an diesem prächtigen Umgang.

Die vier Altäre waren reichlich mit Blumen, Kerzen und Bildern geschmückt, die weiß gekleideten Mädchen streuten Blumen. Entlang des Fronleichnamweges stellte man Lichter, Blumen und Heiligenbilder in die Fenster, an den Häusern wie auch an den Altären waren Birkenbäumchen aufgestellt.

Abschließend wurde in der Kirche das Te Deum gesungen. Von diesem Festtag an, bis zum Erntedankfest, erteilte der Pfarrherr nach dem Gottesdienst den Wettersegen.

In Öblarn werden in der Gegenwart drei Altäre im Freien aufgebaut und mit Blumen und Birkenbäumen geschmückt. Davon nimmt jeder nach der Segnung bei der Prozession einige Zweige mit nach Hause. Einige davon legt man den kleinen Kindern unter die Matratze, damit sie gesund bleiben. Mehrere Fenster entlang der Prozessionsstrecke sind noch schön geschmückt. Die Schulkinder streuen Blütenblätter bei den Altären, bevor die Prozession weiterzieht. Die Musikkapelle marschiert voran, Laternen- und Himmelträger begleiten den Priester mit der Hl. Monstranz. Es folgt ein langer Zug mit dem Kirchenchor, den Kindern, Trachten- und anderen Vereinen und Männern und Frauen. Weiße Mädchen gibt es dabei keine mehr.

Quellen

  • Eintrag zu Fronleichnam in: Austria-Forum, dem österreichischen Wissensnetz – online  (im ABC zur Volkskunde Österreichs)


Ein Beitrag im Rahmen des Leader-Projekts "Heimatkunde - heimatkundig"
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