Die Kasmandln

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Die Kasmandln heißt eine Sage aus dem Ennstal.

Die Sage

Immer wieder berichten Sagen von kleinen Männchen auf der Alm, die Sennerinnen bestrafen, wenn sie schlampig arbeiten und Milch verschütteten. Auch achteten die kleinen Geister darauf, dass die Sennerin beim Almabtrieb alles in der Hütte sauber gemacht hatte und die Hütte in Ordnung verließ. Aus der verschütteten Milch machten die Kasmandln Käse für ihren eigenen Wintervorrat und der unordentlichen Sennerin kamen sie sogar auf den heimatlichen Hof nach, in ihrer „Kasmandlnacht", der Nacht vor dem Martinitag und verhexten dort das Vieh. So berichtet eine Sage von einer schlampigen Sennerin auf einer Untertaler Alm. Von der vielen verschütteten Milch hatten sich die Kasmandln einen reichen Wintervorrat schaffen können und als die Sennerin mit dem Vieh heimfuhr, sprangen die kleinen Kobolde übermütig in der Almhütte umher und läuteten so laut mit ihren Kasmandlglocken, dass man es bis nahe an den Ausgang des Untertales hören konnte. Die Sennerin, die den Klang ebenso hörte wie die anderen Leute, schämte sich sehr und nahm sich vor, im nächsten Jahr keine Milch zu verschütten und sauberer zu arbeiten.

Die „Kasmandln" zeigen uns, wie auf einem relativ kleinen Raum Brauchtumsgestalten unter verschiedenen Namen bekannt sein können. Gehen am Abend vor dem Martinstag, dem 11. November im Gebiet von Gleiming und Pichl noch vermummte Kinder als Kasmandln von Hof zu Hof, ihre Sprüche aufsagend und gabenheischend, so kennen nur wenige Schladminger diesen Brauch, obwohl auch hier die Sagen von den Kasmandln früher verbreitet waren. Auch weiter östlich in Haus, Gröbming oder Pruggern weiß man nichts davon. Erklärt man jedoch die Funktion dieser geheimnisvollen Geister, erhält man, zur Antwort „das ist der Alp oder Alperer". Aus der Gegend um Altirdning ist bekannt, dass der „Alperer" in der Gestalt eines alten Mannes, durch Moos und Reisig unkenntlich gemacht, noch vor gar nicht langer Zeit am Vorabend zu Martini von Hof zu Hof zog und kleine Gaben bekam. Im Bereich von Irdning nennt man diese geisterhafte Erscheinung aber „Almranzl". Besonders gefährlich war es, sich am Tag vor Martini in einer Almhütte aufzuhalten. Oft waren es Jäger, die auf der Pirsch Unterschlupf in den schon längst verlassenen Almhütten suchten und dort, wenn sie sich Fleischspeisen über dem Feuer zubereiten wollten, von einem Kasmandl gebetenwurden, auch einen Topf mit Fleisch auf das Feuer stellen zu dürfen. DasFleisch war jedoch stets eine Schlange, die dem anderen gründlich den Appetit auf seine Fleischmahlzeit vertrieb, zumal das Männlein darauf beharrte, das gute Fleisch zu essen und das Schlangengericht dem Jäger gab.

Ähnlich erging es auch einem Knecht, der am Kasmandltag auf die Alm fuhr, um aus der Hütte noch einige Dinge zuholen. Erst ließ er dem Männchen bereitwillig auch Fleisch in seine Pfanne legen. Als er aber dann sah, dass es eine Schlange war, verjagte er das Kasmandl. Bald wurde es auf dem Dachboden lebendig und eine große Zahl kleiner Männchen kam die steile Stiege heruntergetrippelt. Da floh der Knecht entsetzt zu seinem Pferd in den Stall und verharrte dort stehend die ganze Nacht. Erleichtert fuhr er im Morgengrauen so schnell es ging wieder ins Tal. Als er von seinem nächtlichen Erlebnis erzählte, erinnerten ihn die Hausleute, dass er ja am Kasmandltag auf die Alm gefahren war.

Quelle