Christian Aschauer

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Christian Aschauer (* 1860 in Goisern; † 12. September 1886 war ein Prinz Coburg’scher Jäger in der Kleinalm im Kleinsölker Untertal in der Gemeinde Sölk.

Leben

Er wurde durch den Wilderer Franz N. aus Krakaudorf auf dem Ohreneck im Kleinsölktal erschossen. Das Aschauer Kreuz erinnerte lange Zeit an diesen Vorfall.

Die Chronik der Pfarre Kleinsölk aus dem Jahr 1886 und 1887 gibt darüber genauen Aufschluss.

Chronik der Pfarre Kleinsölk aus dem Jahr 1886

Am 12. September (diesmal gerade Maria Namens=Sonntag und unser Erntefest!!), wahrscheinlich zwischen 2 bis 4 Uhr nachmittags ereignete sich abermals der traurige Fall der Ermordung eines Jägers durch Wildschützen, Christian Aschauer, - so hieß der Unglückliche, evangelisch, 26 Jahre alt, aus Goisern, Prinz Coburg’scher Jäger, hatte die Wilddiebe vermutlich, im sogenannten Ornigg, überrascht und wurde, wie es scheint, von ihnen ohne weiters niedergeschoßen, vielleicht sogar meuchlerisch, ohne daß er noch direkt mit ihnen zusammengestoßen war; er hatte 2 Schüße im Leib, im Kopfe und Schultergegend, 1 Kugel und 1 Schrotschuß, von denen jeder tödtlich war. Erst am 16. September darauf wurde sein Leichnam gefunden, daneben 2 Gemsen, welche die Wildschützen zurückgelaßen, um sich nicht zu verrathen, sowie ihr Schnapsfläschchen; hingegen fehlte der neue, schöne Hinterlader des Jägers! Sofort wurden die eingehendsten, gerichtlichen Untersuchungen hier und in der Umgebung (auch im obersten Murthale) in Bauernhäusern und Almhütten vorgenommen und eine Menge als Wilderer anrüchiger Bursche eingezogen, Gewehre konfiscirt etc, ohne aber ein sicheres Resultat oder ein Eingeständnis eines Verdächtigten zu erzielen. Nur 3 Burschen konnten sich von dem entsetzlichen Verdachte des Mordes bis zur Stunde, wo ich dies schreibe (4/5 1887) noch nicht reinigen, weil sie eingestandener Maßen am Tage des Verbrechens in der hiesigen Gegend gewildert hatten (wie sie sagen: am Gastinger=Berge) aber ihr Alibi nicht beweisen können, weshalb sie auch bis jetzt in der Untersuchungshaft eingekerkert sind; in Bälde dürfte ihr Schicksale von dem Schwurgerichte Leoben entschieden werden. Es sind dies folgende 3 hiesige Knechte: Johann Baltl, 26 Jahre alt, von St. Nicolai, beim Zörweg bedienstet, Marcus Stangl, von ungefähr gleichem Alter, hieher zuständig, beim Patz bedienstet, und Johann Ebenschweiger, circa 18 Jahre alt, der Halbbruder des Marcus und ebenfalls beim Patz bedienstet. Am meisten gravirend für sie ist die Entdeckung, welche man bei einer gerichtlichen Hausdurchsuchung im Klock-Lehen machte, wo die Geliebte des Marcus wohnt, dort fand man nämlich ein Sacktuch, dem ein Zipfel fehlte, und zu diesem Tuche paßt genau der Tuchzipfel, mit welchem das von den Wildschützen neben der Leiche des Jägers in der Eile zurückgelassene Schnapsfläschchen zugestopft war!

Sie wurden jedoch bei der Schwurgerichtsverhandlung am 12. Mai 1887 in Leoben von diesem Verbrechen freigesprochen und nur wegen Wilderei verurteilt. Der wirkliche Mörder wurde später entdeckt! Siehe gedruckte Beilage und weiter unten p. 139.

Chronik der Pfarre Kleinsölk aus dem Jahr 1887

Über die Täterentdeckung.

Noch habe ich zur i. J. 1886 erfolgten Erschießung des A. Coburg’schen Jägers (S. p. 136) nachzutragen, daß, fast gerade nach Jahresfrist, die Allmacht und Gerechtigkeit Gottes das Dunkel lichtete, welches über die ganze Affaire bisher gebreitet war. Es kam auf, daß die schauderhafte That durch einen Wildschützen von jenseits der Berge aus Krakaudorf verübt wurde und zwar offenbarte es sein Kamerad aus Krakauebene, der ihn bei der damaligen Wilderei auf das Ornigg (oder auch Ohrenegg und Narrenegg) begleitet und bisher aus Furcht geschwiegen hatte, aber nunmehr die Folter des Gewissens nicht länger mehr ertragen konnte und daher seinem Pfarrer aus eigenem Antriebe außer der Beichte Alles erzählte mit der Bitte, es beim Gerichte anzuzeigen. Der Pfarrer veröffentlichte dann diese Mittheilungen im „Grazer Volksblatt v. 20.9.1887, welchen höchst interessanten Bericht ich deshalb zu p. 137 beigeklebt habe.

Da der Mörder zuerst Alles läugnete, mußte eine gerichtliche Kommission von Groebming am 20. Septbr d. J. sich wieder auf den Thatort, auf das Ornigg begeben und die Wildschützen mußten sich von Krakau her (natürlich unter Gensdarmerie-Assistenz) dort einfinden und ganz denselben Weg gehen, wie voriges Jahr an jenem 12. Septbr. Es wurde auch das Gewehr Aschauer’s gefunden, das Beweismaterial war erdrückend gegen den Mörder; aber erst beim Verhöre in der Schwaiger-Alpen-Hütte in der Tuchmaieralm gestand er selbst sein Verbrechen, wobei ihm zuerst einige Thränen über die Wangen rollten. Des andern Tages wurden beide Wildschützen hier von 6 Gensdarmen vorbei nach Groebming transportirt und dann sogleich nach Leoben abgeführt.

Wir Alle athmeten ob dieser Entdeckung des wirklichen Mörders erleichtert auf, da hiermit definitiv jeglicher Verdacht von den Pfarrmitgliedern abgewälzt wurde.

Zeitungsbericht im Grazer Volksblatt 20. Jahrgang Nr. 213, 20.09.1887

Aus der Steiermark und den Nachbarländern.

Vom Fuße des Preber. Graggauebene, 12. September. (O.-E.) Am Sonntage vor Mariä Geburt l. J. wurde ich in das Nachbarhaus gerufen, gieng sofort dahin, fand dort einen mir bisher als sehr brav bekannten jungen Burschen, der mich unter Thränen bat, ich möchte doch so gut sein, für ihn an das k. k. Bezirks-Gericht in Murau einige Zeilen zu schreiben, er sei nämlich unschuldig Zeuge eines vor fast Jahresfrist vollbrachten Mordes gewesen. Furcht und falsche Scham hätten ihn bisher zurückgehalten, die Pflicht der Nächstenliebe zu erfüllen, da viele unschuldig sich wegen Verheimlichung dieses Mordes in Haft befanden. Nennen wir den Ankläger Sepp und den Mörder Franz, beide Knechte aus Graggaudorf. Sepp erzählte Folgendes:

Am 9. September 1886 abends, also am Vorabende zum heil. Maria=Namensfeste, kam der Bruder meines Dienstherren, Franz, zu mir und redete mir zu, ich soll mit auf die Gamsjagd ins Ennsthal gehen. Obgleich im Besitze eines Gewehres, hatte ich keine Munition, Franz versicherte, er werde mir das Nöthige schon verschaffen, und so ließ ich mich denn verleiten mit Franz zu gehen. Vom Dunkel der Nacht gedeckt, wandelten wir in später Abendstunde dem Etrachgraben zu, übernachteten unweit des Etrach-Sees in einen Heuschuppen, stiegen noch vor dem Morgengrauen über die Grenze in das Prinz Coburg’sche Jagdrevier. Hatte mich am Abende zuvor schon eine gewisse Beklommenheit eingenommen, so steigerte sich dieselbe gegen den anbrechenden Morgen immer mehr, mein Inneres sagte mir, daß der heutige Tag vielleicht ein Unglückstag sein werde. Hinter meinem Kameraden still einherschreitend, meinte ich: „Franz, beten wir mitsammen das Morgengebet, es ist heute doch ein heiliger Tag,“ worauf Franz erwiderte, dazu sei jetzt keine Zeit. Nachmittag um zwei Uhr erlegte mein Begleiter eine Gemse am Narreneck, darauf lagerten ich und mein Kamerad in einem kleinen Graben, legten die Gewehre und die Gemse zur Seite, eine Jause aus Brot und Schnaps einnehmend.

Während des Jausens erhob ich mich, um zu trinken, auf vier Schritte Entfernung. Während dem schrie der dortige Revierjäger, welcher uns schon seit ein Uhr Nachmittag beobachtete, wie er selbst sagte, und zu Franz gewendet: „Das Gams hast du geschossen!“ Franz sagte zum Jäger: „Thu Du uns nichts, wir thun Dir auch nichts,“ doch sogleich schlug der Jäger mit seinem Bergstocke auf den Kopf des Franz, letzterer fiel zu Boden, der Jäger stürzte sich auf Franz, ich meinerseits wollte den Jäger von meinem Kameraden entfernen, machte von meinem Stocke Gebrauch, worauf der Jäger die Flucht ergriff. Leider aber verfolgte Franz den fliehenden Jäger auf eine kleine Anhöhe, wo Franz und der Jäger wieder handgemein wurden und beiderseits von ihren Stöcken Gebrauch machten. Franz rief um Hilfe, ich eilte hinauf, suchte die Raufenden auseinander zu bringen, was mir auch gelang. Während des Raufens schlug Franz dem Jäger das Gewehr von der Schulter, ich hob das Gewehr vom Boden auf und wollte es dem Jäger zurückgeben, Franz verhinderte es, damit, wie er sagte, der Jäger nicht etwa auf uns schieße. Ich trug das Gewehr auf Geheiß des Franz etwas weiter auf die Anhöhe, circa hundert Schritte. Während ich das Gewehr hinauftrug, gab der Jäger unter mir einen lauten Schrei von sich, ich schaute zurück, sah wie der Jäger seine Brust entblöste, einige mir unverständliche Worte sprechend, mein Kamerad aber legte in diesem Augenblicke mit dem Gewehre an; ich eilte hinab, schrie ihm zu: „Um Gotteswillen schieß‘ nicht, Franz!“ Doch vergebens, ehe ich hindernd hinabeilen konnte, war die todbringende Kugel dem Feuerrohre entschwunden, der Jäger fiel in die Knie mit den Worten: „Aus ist’s, aus ist’s!“, ein Blutstrom quoll aus der Brustgegend und schon blitzte wieder ein zweiter Schuß. Alles dieses war das Werk einiger Secunden. Voll des Entsetzens eilte ich auf die Anhöhe zurück, warf dort das Gewehr des Jägers in das Gebüsch, wo es noch liegen wird. Franz kam mir nach, wollte sich selbst entleiben, ich hinderte ihn daran, worauf mich Franz mehrmals ersuchte, ich möchte ihn erschießen. Dieses Hin- und Herreden dauerte einige Minuten, Franz kehrte zum erschossenen Jäger zurück, nahm von der dort unweit liegenden Gemse die Tragbänder weg, ließ Jäger und Wild liegen, kehrte zu mir auf die Anhöhe zurück. Während ich des Jägers Gewehr auf die Anhöhe trug, entstand nochmals Streit wegen der erlegten Gemse, der Jäger wollte selbe mit sich nehmen, Franz ebenfalls: das die Ursache des Streites, welche mit dem Todtschießen des Jägers endete, welches ich beim besten Willen nicht hindern konnte. Eine Schnapsflasche blieb neben der Gemse liegen.

Stillschweigend, ein jeder mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt, verließen wir den Ort der Schauderthat. Unterwegs sagte Franz: „Sagen wir niemandem von dem was geschehen, beweisen kann uns niemand die That, weil es niemand gesehen“. Ich habe in meiner Thorheit bisher geschwiegen, wo ich hätte reden sollen, hatte aber seit dieser Stunde keinen ruhigen Augenblick, das Gewissen machte mir bei Tag und Nacht Vorwürfe, im Traume sah ich den von der Kugel meines Kameraden tödlich getroffenen Jäger niedersinken und das Blut aus dessen Brust hervorrieseln. Gott ist mein Zeuge, daß ich am Morde unschuldig, die Strafe, die ich aber für mein Vergehen verdiene, will ich gerne leiden, damit wieder der Friede in mein Herz komme; verflucht sei aber die Stunde, wo ich mich zum erstenmale zum Wildern verleiten ließ.“

Das ist die Mittheilung des Sepp, welche sogleich an das zuständige Bezirks-Gericht befördert wurde, die dann die sofortige Verhaftung des Hauptwilderers und Mörders Franz N. zur Folge hatte. M.G.

Kleinsölk, 18. September. (Ein Mörder entdeckt.) Seit einigen Tagen tauchte hier mit großer Bestimmtheit das begründete Gerücht auf, es sei der Mörder des im vorigen Jahre hier im Unterthale (im Ornigg-Gebirge) erschossenen Prinz Coburg’schen Jägers entdeckt worden in der Person eines Wildschützen im obersten Murthale und zwar durch seinen eigenen Complicen, der ihn aus Rache bei Gericht angezeigt habe. Falls dieses Gerücht, wie kaum zu zweifeln, auf Wahrheit beruht, wäre eine eigenthümliche Nemesis auch in dem Umstande zu finden, daß die Anzeige gerade am Jahrestage jener Unthat (12. September) erstattet worden sei. Die drei hiesigen, des Mordes verdächtigten Burschen, die bei der Schwurgerichts-Verhandlung in Leoben am 12. Mai d. J. davon freigesprochen und nur wegen versuchter Wilderei zu einiger Strafe verurtheilt worden waren, hätten somit nahezu dreiviertel Jahre unschuldig in der Untersuchungshaft geschmachtet. (Siehe Correspondenz aus Graggau. Die Red.)

Quellen

  • Manfred Brandner
  • Chronik der Pfarre Kleinsölk
  • ANNO, Grazer Volksblatt 20. Jahrgang Nr. 213, 20.09.1887