Zweites Obersteierisches Straßenwettfahren 1885

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Das zweite Obersteierische Straßenwettfahren 1885 fand in Liezen am 7. September interessanterweise an einem Montag statt.

Die Veranstaltung

Veranstalter war der Bicycle-Club Liezen. Nennungsschluss war der 2. September gewesen. Der Einsatz (Startgeld) betrug fünf Gulden.

Gefahren wurde folgende Klasse und Strecke:

  • Offen für Amateur-Bicyclisten, wie man damals Radfahrer nannte; Strecke Liezen - Bad Aussee und zurück, 84 Kilometer
Dem Ersten ein Ehrenpreis und eine goldene Medaille
Dem Zweiten ein Ehrenpreis und eine silberne Medaille
Dem Dritten ein Ehrenpreis und eine bronzene Medaille

Die Anmeldung unter Beischluss des Einsatzes war an den Leiter des Klubs, Heinrich Freiherr von Esebeck in Liezen zu schicken. Anschließend erhielt der Teilnehmer eine Planskizze der Rennstrecke. Die Regeln lauteten: Links Ausweichen und rechts Vorfahren galt bei Fuhrwerken und bei gegenseitigem Begegnen während des Rennens. Ein Protest war unmittelbar nach dem Rennen einzubringen. Entschieden darüber hatte ein Schiedsgericht. Rennfarbe, sowie Größe der Maschine (Zitat Quelle) waren bei Anmeldung anzugeben. Und weiter in der Quelle Jeder Concurrent hat sich mit vollständig intacter Maschine 20 Minuten vor dem Rennen auf dem Platze einzufinden. Die Art des Startes richtet sich nach der Anzahl der Concurrenten. Um die Reihenfolge wird gelost.

Grundlage des Rennens waren die Bestimmungen des Wiener Renn-Reglements.

Warum am Montag?

Ursprünglich war als Renntag - natürlich - der Sonntag, 6. September 1885, ausgeschrieben gewesen. Allerdings wurde die Straße für einen an diesem Sonntag stattfindenden Markt (irgendwo), der stark frequentiert war, gesperrt. So fanden am Sonntagabend ein Schul- und Kunstfahren in Liezen statt. Das Rennen wurde dann am Montag um 8 Uhr vor dem Gasthof zur Post gestartet.

Das Rennen

Angemeldet hatten sich sechs Teilnehmer: Friedrich Brauer und Alfred Gericke vom Wiener Touren-Bicycle-Club, Gerghel de Fogarassi vom Wiener Bicycle-Club, Jaroslav Kaš vom kl. Vel. "Praha" und vom Liezener Klub Baron Esebeck und Gustav Größwang junior. Wie die Quelle berichtet war eine scharfe Concurrenz zu erwarten!

Sonntag Früh glaubte man an das Ende einer langen Regenperiode bei heute Sonne und Wind. Die Straße begann aufzutrocknen. Doch in der Nacht von Sonntag auf den Renntag schüttete es wieder in Strömen. Unerwartet begann der Montag mit warmer Sonne. Aber die Straßenoberfläche war im Vergleich zur Veranstaltung 1884 nicht glatt und rennbahnmässig, sondern aufgeweicht, matschig und mühevoll zu befahren.

Trotzdem fuhr Kaš ein hervorragendes Rennen. Bis zum Wendepunkt in Bad Aussee, wohin er 1:53,00 Stunden benötigte, lag er stets in Führung. Die 16 Kilometer lange Steigung bis Rainisch legte er in brillantem Style zurück und passierte um 12:16 Uhr den Kilometer 84 (von denen an diesem Tag sechs zu gehen gewesen waren) in einer Zeit von 4:16,00 Stunden (1884: in 4:9,00 Stunden). Lange Zeit hielt Gericke noch mit, kam jedoch zu Sturz, blieb unverletzt und wurde von Brauer bei Kilometer 50 überholt. Brauer kam 15 Minuten nach Kaš ins Ziel, Gericke mit 4:41,00 Std. als Dritter. Größwang stürzte in der Rainisch, wobei er seine Maschine so beschädigte, dass er aufgeben musste. Baron Esebeck, der in Folge eines Leidens am Knie in sieben Wochen nur viermal die Maschine besteigen konnte, hatte von Anfang an keine Aussicht auf den Sieg. Er fuhr jedoch das Rennen zu Ende und gelangte als Vierter in rund fünf Stunden ins Ziel.

Keiner der Teilnehmer hatte eine Rast eingelegt. Sie wurden von Posten mit Erfrischungen an der Strecke versorgt.

Quellen