Städtepartnerschaftsjubiläum Schladming – Felletin

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Anlässlich des 40jähriges Städtepartnerschaftsjubiläums Schladming – Felletin am 6. Oktober 2000 kam es zur Verleihung der Ehrenplakette des Europarates, der folgende Reden gehalten wurden.

  • vom Bürgermeister Hermann Kröll
  • vom Bürgermeister aus Felletin, Michele Pinton
  • vom Abgeordneten des Deutschen Bundestages Benno Zierer, Mitglied des Europarates und der W.E.U.

Die Rede von Hermann Kröll

Hochverehrte Abgeordnete, Oberbürgermeister und Bürgermeister, sowie Stadt- und gemeinderäte, sehr verehrte Ehren- und Festgäste, geschätzte Gäste aus unserer Partnerstadt Felletin, liebe Schladmingerinnen und Schladminger, meine Damen und Herren, liebe europäische Freunde!

Der heutige Tag steht ganz im Zeichen des 40jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft zwischen der französichen Teppich-Weberstadt Felletin und der österreichischen Bergstadt Schladming im steirischen Ennstal.

Natürlich gab es 1960 wichtigere Ereignisse und Anlässe in Frankreich und Österreich, besonders aber in Europa, als die Gründung unserer Städtefreundschaft. Ich erinnere auszugsweise an:

Den Abbruch der UNO-.Gespräche nach einem U2-Zwischenfall, Chruschtschow verweigerte den westlichen Staatsmännern in Paris die geplante Gespräche
Die amerikanische Zeitung US-News und World Report berichtete, dass sowohl die USA, als auch die UdSSR an der Neutronenbombe arbeiten, welche alles Leben zerstören kann
In Kambodscha ernennt die Nationalversammlung Prinz Sihanouk zum Staatsoberhaupt
In Südkorea verabschiedet die Nationalversammlung eine Verfassungsänderung, wonach künftig die Regierung dem Parlamten verantwortlich ist
Die französische Kolonie Madagaskar wird unabhängig
Die Abrüstungskonferenz in Genf endet mit einem abrupten Rückzug der osteuropäischen Delegation UdSSR, CSSR, Polens, Rumäniens und Bulgariens
Der deutsche Armin Hary erzielt mit 10,0 sec, in Zürich einen neuen Weltrekord über 100 m
Den Giro d'ltalia gewinnt erstmals in seiner großartigen Laufbahn der französische Radrennfahrer Jacques Anquetil

Aber für die Europäische Entwicklung unserer beiden Kleinstädte aus dem geographischen Zentrum Frankreichs und Österreichs für Völkerverständigung, Frieden, Freiheit und Demokratie, hatte die Unterzeichnung der Freundschaftsurkunden von 20. Juni 1960 in Felletin und 16. Juni 1961 in Schladming durch die beiden damaligen Bürgermeister Jean Mazet und Harald Laurich eine wichtige und beispielgebende Bedeutung. Ich danke beiden Bürgermeistern und den Stadtverantwortlichen für ihre damalige Initiative sehr herzlich und bedaure es sehr, dass beide verdienstvollen Persönlichkeiten inzwischen leider verstorben sind. In den 40 Jahren der Städtefreundschaft Felletin – Schladming gab es eine große Zahl von Begegnungen und Initiativen in beiden Städten.

Besondere Schwerpunkte dieser rund 20 Veranstaltungen und Anlässe waren und sind:

Besuche in beiden Städten, Jugendaustausch, Vertiefung der Sprachenkenntnisse, Teilnahme an Folklorefesten und Jubiläumsfeiern, Ausstellungen von Künstlern, gemeinsamer Schulunterricht, in letzter Zeit Bemühungen um intensive Zusammenarbeit der Schulen, auch im Bereich des Internets, besonders wichtig waren natürlich die Schüler-, Jugend- und Schulkontakte, zur Vertiefung der Sprachenkenntnisse und des persönlich besseren Kennenlernens. Diesbezüglich haben sich Frau Melanie Keil, Roswitha Kienzl und Herr Heinrich Brunner für ihr großes Engagement und die gute Betreuung unserer Schüler und Jugendlichen besondere Verdienste erworben.

Immer wieder wurden wir in Felletin mit besonderer Herzlichkeit empfangen und aufgenommen, sodass sich die Freundschaften vertieften und der europäische Geist gut entwickeln konnte. Dafür bedanke ich mich bei Dir, lieber Herr Bürgermeister Michele Pinton, sowie bei Frau Renée Nicoux, im besonderen auch beim leider vor wenigen Tagen verstorbenen Altbürgermeister Jean Mazet, stellvertretend für die Bevölkerung von Felletin sehr herzlich.

Der Städtepartnerschaft mit Felletin folgten weitere mit Wetzlar in Deutschland 1974 und Furano in Japan 1977.

Es ist für uns eine große Ehre, dass der heutigen Festveranstaltung auch Herr Oberbürgermeister Wolfram Dette mit Gattin aus unserer Partnerstadt Wetzlar und der langjährige Oberbürgermeister von Deggendorf, Dieter Görlitz mit Gattin persönlich beiwohnen. Beide sind als echte Freunde von Schladming zu bezeichnen.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe europäische Freunde!

Viele Städte und Gemeinden haben durch ihre internationalen Partnerschaften das Fundament für ein vereintes Europa in Frieden und Freiheit geschaffen. Viele europäische Gemeinden folgenden damaligen europäischen politischen Vorbildern und Persönlichkeiten, wie den Franzosen Robert Schumann, den Deutschen Konrad Adenauer und den Italiener de Gasperie. um diese drei hervorragenden Persönlichkeiten stellvertretend namentlich zu nennen. Ich erinnere daran, dass es Robert Schumann mit seiner großen Europaerklärung vom 9. Mai 1950 in Paria, also 10 Jahre vor Gründung unserer Städtepartnerschaft war, welcher eine europäische Flamme der Hoffnung entzündet hat, nach den schrecklichen Weltkriegen mit vielen Opfern auf allen Seiten, wurde eine neue Europagesinnung für Frieden, Freiheit und Demokratie ausgerufen, der sich immer mehr Länder anschlossen. Aber auch Österreich hat in all den Jahren viele positive Beiträge in der Politik, der Diplomatie, der Kunst und Wissenschaft und im besonderen auch im Bereich des Sportes für ein vereintes Europa geleistet. Nachdem zweiten Weltkrieg war Österreich stets ein neutraler Vermittler zwischen Ost und West, mit einer ganz klaren westlichen und demokratischen Gesinnung. Auch verweise ich auf die hohe Zustimmung mit Zweidrittelmehrheit für den Beitritt Österreichs zur Europäischen Union und erwähne die erfreuliche Tatsache, dass Österreich schon des öfteren mit großem Erfolg als Generalsekretäre des Europarates in Straßburg fungierten. Derzeit Walter Schwimmer, der sie alle herzlich grüßen lässt.

Umso unverständlicher waren daher für viele Österreicher die von 14 EU-Staaten getroffenen Sanktionen gegen unser Land und seine demokratisch gewählte Regierung. Man hat damit nicht nur Österreich, sondern in Wahrheit auch Europa geschadet. Es ist nur allzu gut, dass diese unverständlichen Maßnahmen inzwischen wieder aufgehoben wurden und es ist zu hoffen, dass sich die zwischenstaatlichen Beziehungen innerhalb der EU-Länder in Kürze wieder normalisieren.

Auch in dieser politisch angespannten Zeit erwiesen sich unsere Städtepartnerschaften als stabiler Faktor, sowohl in Felletin, als auch in Wetzlar, wofür ich sehr herzlich danke.

Ein starkes vereintes Europa braucht neben vieler Gemeinsamkeiten, Solidarität und Zusammenarbeit auch weiterhin souveräne demokratisch gewählte Kommunen, Länder und Mitgliedsstaaten.

Als vor 40 Jahren erstmals eine kleine Delegation aus Felletin über Empfehlung des Europarates nach Schladming kam, gehörte dieser Delegation auch der heutige Bgm. Michele Pinton an. Es war von unseren Bergen und unserer kleinen Stadt beeindruckt, im besonderen auch von der Kameradschaftspflege unserer ehemaligen Soldaten. In der Tat waren und sind die Mitglieder des Kameradschaftsbundes Schladming besonders wichtige Wegbegleiter der Städtepartnerschaften mit Felletin und Wetzlar, wichtige Garanten für ein Europa in Frieden und Freiheit.

Es ist für unser steirisches Bergstädtchen Schladming eine besondere Ehre und Auszeichnung, dass wir heute aus der Hand des angesehenen bayrischen Europa-Abgeordneten und Mitglied des Deutschen Bundestages, Herrn Benno Zierer, die Ehrenplakette des Europarates verliehen bekommen. Diese hohe Auszeichnung erhält Schladming in diesem. Jahr als einzige österreichische Stadt, gemeinsam mit neun weiteren Städten in Deutschland, Frankreich, England und Polen.

Diese Europa-Ehrenplakette wird für uns Verpflichtung sein, weiterhin für die Europäischen Werte einzutreten.

Liebe Europäische Freunde aus Frankreich und Deutschland, geschätzte Landsleute, ich danke Ihnen allen sehr herzlich für ihre heutige Teilnahme und ihre Unterstützung in all den Jahren.

Besonders danke ich der Stadt FeIletin und ihren Gemeindebürgern an der Spitze Herrn Bgm. Michele Pinton, und der Vorsitzenden des Partnerschaftskomitees, Frau Renee Nicoux für den Besuch, besonders aber für 40 Jahre partnerschaftliche Zusammenarbeit.

Ebenso danke ich dem Ausschuss für Umwelt, Raumordnung und Kommunalfragen des Europarates für die Verleihung der Ehrenplakette. Auch gilt mein besonderer Dank meinen Amtsvorgängern Harald Laurich, Hans Ainhirn und allen Stadt und Gemeinderäten mit Referentin Christa Horta-Curbello für die gute Zusammenarbeit und einstimmigen Beschlüsse.

Nicht minder danke ich allen Ehrengästen und Rednern, sowie Mitwirkenden am heutigen Festabend.

Es lebe Felletin,
es lebe Schladming,
es lebe unser gemeinsames Europa und
Glück auf!

Die Rede des Bürgermeisters Michele Pinton

Vor 40 Jahren kam eine kleine Gruppe von Einwohnern aus Felletin zum ersten Mal nach Schladming. Sie hatte den Auftrag bekommen, die Einwohner dieser kleinen Stadt im österreichischen Gebirge zu besuchen, mit dem Stadtrat Kontakt aufzunehmen und die Möglichkeit einer Partnerschaft' mit Felletin ins Auge zu fassen. Ich hatte die Ehre, Mitglied dieser Delegation zu sein. Ich erinnere noch an unsere Ankunft an einem strahlenden Morgen im Mai. Trommelwirbel, Trompetenklänge, ein großes Defilee; in Schladming gedachte man an diesem Tag der Kriegsopfer. Wir haben den Zug beobachtet und waren sehr bewegt bei dem Gedanken, dass zum selben Zeitpunkt eine andere Parade sich in die Richtung des Kriegerdenkmales in Felletin begab. Bei Ihnen wie bei uns war die Erinnerung an den Krieg noch sehr lebendig. Trotzdem haben wir uns dann entschlossen, gemeinsam den Weg des Friedens und der Freundschaft zu gehen. Dass diese Entscheidung an dem Tag getroffen wurde, an welchem die Gemeinden ihrer Kriegsopfer gedenken, ist ein schönes Zeichen. Der Gedanke im Hintergrund an diese Opfer ist in dieser Freundschaft sehr tief verankert.

Felletin war immer Zeuge, wie die Schwestergemeinde Schladming seit 40 Jahren zum Frieden und der Freundschaft der Völker beigetragen hat. Schladming verdient wahrhaftig die heute verliehene Auszeichnung und wir gratulieren von ganzem Herzen.

Liebe österreichische Freunde, die Vorsehung hat es gewollt, dass sich Ihr Land im Herzen Europas befindet. Auf unserem Kontinent ist Ihr Land unabdingbarer Partner zwischen Norden und Süden, zwischen Westen und Osten. Europa braucht ein Österreich, das zugleich souverän und anderen gegenüber offen ist. Unsere beiden Nationen haben in der langen Geschichte Höhen und Tiefen erlebt, sind Versuchungen erlegen, die sie voneinander entfernt haben, Glück und Unglück für unsere Länder und Europa brachten. Glücklicherweise ist aber Ihre Nation immer zu ihrer Aufgabe zurückgekommen, ein Botschafter des Friedens und der Brüderlichkeit für Europa zu sein.

Danken wir also der Stadt Schladming für ihre europäische und weltweite Offenheit. Sie verkörpert das Beste im österreichischen Geist und ist ein Muster für alle europäischen Gemeinden.

Es lebe Schladming!
Es lebe unser Europa des Friedens und der Freundschaft!

Die Rede des Abgeordneten des Deutschen Bundestages Benno Zierer, Mitglied des Europarates und der W.E.U.

Heute ist ein großer Tag für Schladming: In Anerkennung seiner Verdienste um die das Werk der europäischen Einheit hat der Europarat der Stadt die Ehrenplakette zuerkannt. Ich freue mich mit Ihnen über diese Auszeichnung und über die Ehre, die mir zufällt, diese Auszeichnung überreichen zu dürfen. Mit ihrer Begeisterung für die europäische Idee und dem Eifer, mit dem sie Kontakte und Begegnungen mit Partnerstädten in Europa pflegt, trägt Schladming wesentlich dazu bei, Europa im wahrsten Sinne des Wortes „populär“ zu machen.

Denn was nützt die beste Idee, wenn sie keine überzeugten Anhänger findet? Europa ist eine der größten Ideen der Weltgeschichte, aber noch findet sie nicht den Widerhall, der ihr gebührt. Denken wir nur an den Balkankrieg, der im vorigen Jahr tobte und wir sehen, welche existentielle Bedeutung einem geeinten Europa zukommt. Die Länder Europas haben zweitausend Jahrelang in ständigem Zerwürfnis gelegen, haben sich befehdet um Kronen und Reiche, Grenzen und Glauben. Die Geschichte unseres Kontinents ist mit blutigem Griffel gezeichnet. Zwei verheerende Weltkriege in diesem Jahrhundert waren die Höhe- und zugleich die Umkehrpunkt ein dieser Chronik des Schreckens.

In einer Situation, als Europa am Abgrund stand, besannen sich verantwortungsbewusste Staatsmänner auf die Lehren der Geschichte, legten den Grundstein für eine Aussöhnung unter ehemaligen Gegnern und schufen die Voraussetzungen für eine gemeinsame Zukunft. Der Europarat wurde gegründet der erste Zusammenschluss europäischer Staaten. Seine Ziele sind der Schutz und die Verbreitung von Freiheit, Demokratie und Menschenrechten. Ein „Leuchtturm der Freiheit“ sollte Europa werden Vorbild für die ganze Welt. Diesem hohen Anspruch fühlt sich der Europarat bis heute verpflichtet.

Denn Europa ist mehr als ein geografisches und politisches Gebilde, Es ist ein Kapitel Menschheitsgeschichte. Hier entstand die Hochkultur der Griechen und Römer, die den Kontinent nachhaltig geprägt hat, hier wurde die erste Demokratie geboren, die erst über zweitausend Jahre später ihren Siegeszug antrat. Philosophische und wissenschaftliche Ideen und Erkenntnisse gingen von hieraus um die ganze Welt. Das christlich-humanistische Welt- und Menschenbild, wie es sich in Europa entwickelte, wurde zur geistigen Grundlage der abendländischen Zivilisation und Kultur. Europa hat der Welt viel gegeben und kann ihr auch weiterhin viel gehen.

Wir Europäer haben daher keinen Grund, uns in der Welt zweitrangig zu fühlen. Mag sein, dass nicht jeder Trend und jede Mode in Europa gleich mit Jubel und Begeisterung aufgenommen werden. In dieser Hinsicht sind die Menschen der neuen Welt sicherlich „innovationsfreudiger“, denn nicht alles, was neu ist, ist auch gut, und nicht alles, was modern ist, ist besser als seine Vorläufer.

In der Regel sollte eine Festansprache wie diese aktuelle politische Anmerkungen enthalten. Gestatten Sie mir jedoch aus aktuellem Anlass eine Abweichung von dieser Regel. Gerade weil ich aus Bayern komme und zwischen Österreich und Bayern eine so lange und bewährte Freundschaft herrscht, möchte ich Ihnen sagen, dass ich mit den EU-Sanktionen, die gegen Ihr Land verhängt worden sind uneben erst aufgehoben wurden, zu keiner Zeit einverstanden war. Es. kann nicht angehen, dass Regierungen europäischer Staaten ohne Mandat und Legitimation sich in die inneren Belange eines Mitgliedslandes einmischen. Dies hat mit europäischer Einheit nichts, aber auch gar nichts zu tun.

Ich möchte alle Österreicherinnen und Österreicher bitten, ihren Unmut über diese verfehlte Sanktionspolitik nicht auf Europa und die europäische Idee im Ganzen abzuladen. Es wäre schade, wenn die anfängliche Europabegeisterung in Ihrem Lande einer grundsätzlichen Skepsis oder gar Ablehnung weichen würde. Und ich möchte Ihnen versichern, dass die übergroße Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland nicht die geringsten Zweifel an der Qualität der österreichischen Demokratie hegt.

Dieses Österreich, von dem es einmal hieß, es sei ein glückliches Österreich, weil es statt Kriege zu führen lieber heirate und sich so Territorien und Einfluss erwerbe, dieses Österreich hat im Verlaufe seiner wechselvollen Geschichte Höhen und Tiefen erlebt.

Das Problem der Integration verschiedenster Völkerschaften unter einem politischen Dach wurde zu seiner Schicksalsfrage. Den einen war die Doppelmonarchie ein „Völkerkerker“, den anderen ein beinahe kosmopolitisches Modell der Koexistenz und des Ausgleichs zwischen Völkern verschiedenster Art.

Der nicht immer rationale Traum von der Eigenständigkeit und Unabhängigkeit der Ethnien hat das Reich letzten Endes zum Einsturz gebracht. Heute müssen wir leider erleben, wie auf dem Balkan, mitten in Europa, ähnliche Konflikte wieder ausbrechen und mit Gewalt ausgetragen werden, ohne politische Vernunft und ohne Einsicht in die Faktizität der Geschichte, die nicht auf Separation und Kleinstaaterei, sondern auf Zusammenarbeit und Zusammenschluss ausgerichtet ist.

Nur ein geeintes Europa kann für die Stabilisierung und nachhaltige ökonomische und demokratische Entwicklung von Krisenregionen den geeigneten Rahmen bilden. Darum ist die Einheit Europas keine abseitige Utopie oder der naive Entwurf politischer Schwarmgeister, sondern eine objektive Notwendigkeit und der sicherste Weg in die konfliktfreie Zukunft.

Dabei wollen wir keinen wie auch immer gearteten europäischen Zentralismus, keine graugesichtige anonyme Bürokratie und keinen neuen Leviathan, der seine Bürgeralle gleich, und zwar gleichschlecht, behandelt. Wir wollen ein buntes, pluralistisches, Vielfältiges Europa, ein Europa, das durch seinen kulturellen Reichtum mit keinem anderen Kontinent auf der Erde vergleichbar ist.

Dieser Reichtum muss erhalten und gefördert und darf nicht um einer synthetischen Einheitskultur willen eingeschränkt oder gar ausgetrocknet werden. Ich glaube, dass dies mittlerweile auch von allen führenden Politikern verstanden worden ist. War es bis vor kurzem noch vor allem CSU, die auf dem Subsidiaritätsprinzip als wesentlichem Strukturelement für ein vereintes Europa bestanden hat, so hat sich dieser Begriff inzwischen bis in die meisten nationalen Regierungen durchgesprochen.

Allein am überreichen Fundus österreichischer Kultur und Lebensart mag man ersehen, welchen großen Wert an sich die europäische Kulturvielfalt darstellt. Ich genieße den Aufenthalt in Österreich immer wieder aufs neue- und stets fälIt mir der berühmte Spruch ein, wenn es Österreich nicht gäbe, man es erfinden müsste. Ich freue mich, wieder einmal bei Ihnen zu sein!

Bei allen Bemühungen, den Europagedanken populär zu machen, kommt den Städten und Gemeinden eine tragende Rolle zu. Denn dort bietet sich das Forum für Begegnungen über die Grenzen hinweg, dort ist der Raum für das persönliche Kennenlernen jenseits allerhohen Politik und feierlicher Staatsakte. Das Volk, die Bevölkerung muss zueinanderfinden, wenn Europa Gestalt annehmen soll. Solange Europa nicht in den Herzen und Hirnen der Menschen verankert ist, muss die europäische Integration zwangsläufig Stückwerk bleiben.

der Europarat hat deshalb in abgestufter Form einen Preis gestiftet, mit dem das Engagement der Kommunen auf diesem Gebiet honoriert werden soll. Ich bin stolz darauf, der Stadt Schladming heute die zweithöchste Stufe dieses Preises überreichen zu dürfen und gebe der Hoffnung Ausdruck, dass dies ein Anreiz sein möge, auch die höchste Stufe zu erringen, den Pokal „Prix de l'Europe“, der nur einmal im Jahr vergeben wird.

Schladming hat sich durch eine breite Palette von Kontakten und Begegnung für diesen Preis qualifiziert. Mit Städtepartnerschaften und der Knüpfung kultureller, wissenschaftlicher und vor allem sportlicher Bande hat Ihre Stadt einen ansehnlichen Beitrag für unser gemeinsames Anliegen geleistet, Europa lebendig zu machen. Ich danke Ihnen allen dafür, insbesondere natürlich Herrn Bürgermeister Hermann Kröll und den Damen und Herren des Stadtrates.

Möge die Begeisterung für den Austausch über nationale Grenzen hinweg anhalten und zunehmen, auf dass wir und vor allem unsere Kinder und Kindeskinder einmal in einem Europa leben können, das seine Ideen und Kräfte friedlich und zum Nutzen aller bündelt und in dem es sich gut und sicher leben lässt.

Quelle