Salzkammergut-Glöckler

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Die Salzkammergut-Glöckler sind eine der beiden Glöckler-Formen im Bezirk Liezen.

Allgemeines

Am Glöck(e)ltag, dem 5. Jänner, gibt es im Bezirk Liezen zwei unterschiedliche Bräuche:

Die Glöckler im Steirischen Salzkammergut

Im Salzkammergut beginnen die Kinder oft schon in der Früh oder am Vormittag mit dem anklopfen. Dieses Wort leitet sich aus dem mittelhochdeutschen klocken oder klöcken ab, mit einer Glocke läuten. Dieser Heischebrauch ist heute im Ausseerland und im Hinterbergertal ein Kinderbrauch.

Die Kinder, meist zwischen vier und zwölf Jahren alt, ziehen von Haus zu Haus, läuten kräftig mit einer Glocke und rufen dann laut:

"Bitt goar schön um an Glöcklkrapfen!
Loßts mi net länger no im Schnee umståpf'n!"

Dann bekommen sie von der Hausfrau die extra gebackenen Glöckler-Krapfen und die Kinder verabschieden sich mit einem lauten "Vergelt's Gott!". Um sich die Arbeit des Krapfenbackens zu ersparen, geben immer mehr auch Schokolade, Obst oder andere Süßigkeiten.

Die Glöckler bringen der Überlieferung nach Glück. Daher heißt es auch, je mehr Glöckler vor der Haustüre, desto mehr Glück im kommenden Jahr.

Die Zeit des Glöckelns endend mit dem Beginn der Dämmerung: der Tag gehört den Glöcklern, der Abend den Berigln (Ausseer Dialektausdruck für Perchten).

Die Glöcklkinder und die Berigln in Obertressen

Im Ortsteil Obertressen in der Stadt Bad Aussee kommt es zu einer Verbindung zwischen den Glöcklkindern und den Berigln. Ein solches Treffen wäre eigentlich aufgrund der Tag-(Abend)-Nachttrennung der beiden Bräuche gar nicht erlaubt. In Obertressen kam es, jedenfalls im Jahr 2003, gegen 13 Uhr im Gasthaus Stieger "Schnitzelwirt" zu einem Treffen der Berigln und der Glöcklkinder.

Es gab zunächst für alles etwas zu trinken, bevor sie gemeinsam zu den Häusern loszogen. Der Oberberigl belehrte die Glöcklkindert in einer kurzen Ansprache und übte mit ihnen nochmals den Spruch. Auch zeigte er ihnen, wie man effizient viel Lärm mit den Glocken machen kann. Beim Abmarsch verteilte die Wirtin noch Krapfen und Orangen. Dann ging es los.

Die Göcklkinder und die Altausseer „Pelz“-Berigln

Hauptartikel Berigln im Ausseerland

Die Glöcklkinder in Grundlsee - Untertressen

Sie treten wiederum nur alleine auf.

Die Glöcklkinder und die Berigln in Gössl

In Gößl, einer Ortschaft in der Gemeinde Grundlsee sind sie wieder beide gemeinsam unterwegs, die Berigln und die Glöcklkinder. Beginn dort ist bereits um 6 Uhr in der Früh!

Glöckler in Pichl-Kainisch

Hier wird vom Besuch von 20 bis 30 Glöcklkindern im Haus des Johann Zandl in Knoppen berichtet. Dort lautet der Spruch der Kinder:

"Holla, holla, Glöckltaler! Bitt' gar schön um an Glöcklkrapfen!"

Glöck(e)ln in Bad Mitterndorf

"[D]as Glöckeln am heil. 3 König Abend gibt in der Gegend Hinterberg den Aermern Gelegenheit, sich in den großen Bauernhöfen Geschenke u[nd] namentlich Krapfen zu holen,.." so beschreibt der Professor für Mathematik und Privatsekretär Erzherzog Johanns, Georg Göth im Jahr 1843 das Glöckln in Bad Mitterndorf bzw. im gesamten Hinterbergertal.

In Bad Mitterndorf konnte es auch vorkommen, dass die Kinder auf erwachsene Glöckler stießen, wie Jahrelang auf den Bad Mitterndorfer Organisten Josef Oberfrank. Er war gern gesehener Glöckler bei einigen, auserwählten Adressen. In jedem Haus wurde ihm Bier eingeschenkt und so war die Anzahl der Hausbesuche auch recht variabel. Meinte doch Oberfrank recht hintergründig "man soll allerdings den Bogen nicht überspannen". Auch Ida Strick erinnerte sich an einen Besuch zweier Mädchen, die bei ihr läuteten, ihren Spruch aufsagten - nur, sie hatten keine Glocken dabei!

Ida Strick bereite(te) auch eine Spezialiät an diesem Tag zu, die sie Freunden und auch einigen Gemeindemitarbeitern zu Mittag servierte: Braunnudeln aus "Erdäpfeltoag". Stück für Stück handgemacht und anschließend in Schweineschmalz herausgebacken. Am Glöcklertag gab es bei Familie Strick auch "Bohnlkraut", das ist Sauerkraut mit Bohnen.

Glöck(e)ln in „Grenzlage“: Tauplitz

Tauplitz bildet die nordöstlichen Grenze des Hinterbergertals zum Ennstal hinunter, wo in der angrenzenden, ehemaligen selbständigen Gemeinde Pürgg-Trautenfels der Brauch des Glöcklens nicht ortsüblich ist. Wohl aber noch oder schon in Tauplitz.

Quelle


Ein Beitrag im Rahmen des Leader-Projekts "Heimatkunde - heimatkundig"
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