Notarzthubschrauber im Bezirk Liezen

Aus EnnstalWiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Der erste Notarzthubschrauber, der im Bezirk Liezen stationiert war, nahm am 13. September 1986 seinen Dienst auf. Damit begann die organisierte Luftrettung im steirischen Ennstal.

Geschichte

Die Einführung eines Notarzthubschraubers folgte den Grundsätzen der modernen Notfallmedizin: Nicht der Patient soll möglichst rasch ins Krankenhaus gebracht werden, sondern der Notarzt möglichst schnell zum Patienten. Dieser Paradigmenwechsel führte 1986 zur Stationierung eines luftgebundenen Notarztsystems im Ennstal.

Bundesheer (1986–2001)

Im September 1986 wurde in der am Hubschrauberstützpunkt im Fliegerhorst Aigen – in Assistenz zum Innenministerium – der Rettungshubschrauber "Christoph" des österreichischen Bundesheeres stationiert. Eingesetzt wurde eine Alouette III, die mit einem Notarzt besetzt war und damit als Notarzthubschrauber fungierte.

In 15 Einsatzjahren absolvierte "Christoph" insgesamt 7 370 Einsätze im steirischen Ennstal.

Eine Alouette III bei der Neualm.

ÖAMTC-Flugrettung (seit 2001)

Am 1. Juli 2001 übernahm die ÖAMTC-Flugrettung den Luftrettungsdienst im Ennstal mit dem ÖAMTC-Flugzentrum Mitte. Der neue Notarzthubschrauber "Christophorus 14" ersetzte den bisherigen Bundesheer-Hubschrauber.

Da der Standort Aigen aus rechtlichen und organisatorischen Gründen nicht weiter genutzt werden konnte, wurde ein neuer Stützpunkt gesucht. Mit Unterstützung der Gemeinde und des Flugplatzhalters entstand am Union-Sportflugplatz Niederöblarn ein geeigneter Standort. Während der Bauphase stellte die Sportunion Stellplatz und Büroräume zur Verfügung. Im Frühjahr 2002 wurde der neue Heliport bezogen.

Einsatzprofil

Christophorus 14 fliegt jährlich rund 1 000 Einsätze. Die Piloten stammen überwiegend aus dem Bundesheer, das Notärzteteam aus umliegenden Krankenhäusern und Arztpraxen. Unterstützt werden sie von Flugrettungssanitätern der Bergrettung Steiermark und Oberösterreich.

Der Hubschrauber ist täglich von 07:00 Uhr bis Einbruch der Dunkelheit' einsatzbereit und wird von der Leitstelle des Roten Kreuzes Liezen disponiert.

2023 flogen die beiden in Niederöblarn stationierten Notarzthubschrauber "Christophorus 14" und "Christophorus 99" 1 301 lebensrettenden Einsätzen. In der Steiermark gesamt flogen 2023 die vier Rettungshubschrauber 3 684 Einsätze. Das waren im Schnitt etwa zehn Alarmierungen pro Tag und damit ein Minus von 2,4 Prozent gegenüber dem bisher intensivsten Einsatzjahr 2022.[1]

Aktuelle Einsatzstatistik

Die folgenden Zahlen stammen aus der Einsatzbilanz der ÖAMTC-Flugrettung für das Jahr 2025:

  • Einsätze Christophorus 14 (2025): 1 029
  • Einsätze Christophorus 14 (2024): 1 059
  • Steiermark gesamt (C12, C14, C17, C99): 3 733 Einsätze (2025)

Einsatzarten 2025 (Steiermark, inkl. C14)

  • Internistische & neurologische Notfälle: 1 638
  • Unfälle im Arbeits-, Schul-, Freizeit- oder häuslichen Umfeld: 620
  • Verkehrsunfälle: 287
  • Sport- & Freizeitunfälle im alpinen Gelände: 588
  • Winden-/Taubergungen: 169

Zeitabläufe

  • Alarmierung bis Abflug: maximal 3 Minuten
  • Durchschnittliche Zeit bis zum Eintreffen am Notfallort: 13 Minuten

Die rasche notärztliche Versorgung und der schonende Transport ins geeignete Krankenhaus verbessern die Überlebenschancen und reduzieren das Risiko von Spätfolgen.

Historische Einsatzstatistik (2006)

Die folgenden Zahlen stammen aus der Pressemitteilung "20 Jahre Flugrettung im Ennstal" (2006) und dokumentieren die Entwicklung der Luftrettung:

  • Bis 2006 wurden im Ennstal fast 11 500 Einsätze geflogen.
  • Christoph (Bundesheer) absolvierte 7 370 Einsätze (1986–2001).
  • Christophorus 14 führte bis 2006 rund 4 000 Einsätze durch.
  • 40 % der Einsätze betrafen Sport- und Freizeitunfälle.
  • 19 % entfielen auf internistische Notfälle.
  • Rund ein Drittel der Patienten wurde nach Schladming geflogen, 18 % nach Rottenmann.

Quellen

  1. "Der Ennstaler", 4. Jänner 2024